Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
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30 Übung der Gesetze gedrungen: auch diese werden häufig allegorisch genommen, sie haben nur ihren Werth nach dem in ihnen verborgenen Sinn *), rücken also aus dem Gehiete des Handelns in das des Denkens (vgl. weiter). Aber wenn Erkennen und Beschauen das Ziel, so müssen die Mittel, die auch äusserlich den Weg zu ihm bahnen, aufgesucht werden: sie liegen in der Ascese, dem sich Losbinden vom Irdischen. Die Ascese ist zwar nicht Selbstzweck: die Alexandriner waren noch nicht zu der finsteren Ansicht gelangt, dass Selbstkasteiung und Abtödtung an sich verdienstlich seien/es wird gegen Jene, die in der Enthaltung als solcher Verdienstliches erblicken, geeifert2). Aber die Ascese hat Werth als Beförderungsmittel des ßeschauens, wir sollen versuchen, den Sinnen abzusagen, aus dem Körper herauszugehen und ganz Geist zu werden3). Das höchste Ziel und der edelste Lohn des Strebens nach Erkenntniss des Göttlichen ist endlich die unmittelbare Anschauung Gottes. Ist die Gottheit zu gross, als dass sie in irgend welche Berührung mit dem Endlichen trete (vgl. weiter), so tritt der Mensch durch die Beschauung und Uebung (Ascese) aus dem Endlichen heraus, sind Sinnlichkeit und Affecte abgethan und ist nur vovs, nur reiner unsterblicher Theil: die körperlichen Kräfte fügen sich den Seelenfähigkeiten an und lösen sich gleichsam in Ein Bild, die Seele, auf4). Es ist daher auch dieses ein aus einem zu engen Standpunkte hervorgegangener Fehlgriff für diese Erscheinung ein äusseres Moment aufzusuchen, als: eine von den alexandrinischen Juden angestrebte Rechtfertigung, wie Gott, der in keiner Berührung mit irgend einem menschlichen Verhältnisse tritt, sich Moses offenbaren konnte 5). Diese Erscheinung ist psychologisch begründet. Liegt der Geist mit der ganzen Intensität des Denkens der Beschauung ob, so fühlt er sich, jemehr er sich von der Wirklichkeit entfernt, in ein mysteriöses Dunkel gehüllt, welches ihm um so mehr als Transcendenz, unmittelbare Anschauung der Gottheit gilt, als er in sich durch strenge Ascese das Irdische abzutödten und den ganzen Menschen, nach dem Ausdrucke Philo's, in einen Zustand der Körperlosigkeit zu versetzen versucht. Mit diesem höchsten Grade ekstatischer Anschauung verbindet sich (was vorzüglich für unsere Forschung wichtig) noch eine andere dem Wesen nach mit jener zusaminenfliessende Ekstase : der Geist Gottes ergiesst sich über die Seele (nach alexandrinischer Auffassung: der Geist erhebt sich zu Gott), dass sie den Sinn mancher Schriftslücke erkenne. Also Schrifterklärung durch Inspiration 6). Wir sind nun bei dem Standpunkte angelangt, von welchem die alexandrinische Schriftforschung ausging; doch darf, ehe wir zu weiteren Nachweisen aus Schriftstellen übergehen ein in die Philonische Anschauungsweise und in dessen Schriflerklärung tief eingreifender Punkt nicht unerwähnt bleiben. Bei Philo tritt eine scharf markirte Erscheinung hervor: der Logos, ein Verhältniss zwischen Gott J) Migrat Abrah. p. 402: %qij rttdiu fiiv (die Gesetze nach ihrem wörtlichen Sinne) ouijuuri loixivcu vofxifyiv tpvx^i i£s Ixtlvu (den unter ihnen verborgenen Sinn). Merkwürdigerweise kelirt diese Redensart auch im Sohar häufig wieder. 2) Quod deterius p. 1*58. 3) VergL über das Herausgehen aus dem Körper Allegor. 3 p. 68. 74. Migrat. Abrah. p. 388 seqq. Mutat. nomiii. p. .1049. vergL auch de Somniis p. 571: xivtitat yaq qfi<5v q tyv/q noXXdxig fieu l>f' tavTtjs, oXov rou awftanxof oyxovIxdvaa, xal j^y TtSv mc&qattoi/ oyXav unnffjuatc. — Wie die Ascese die Beschauung befördern, wurde an Moses nachgewiesen, der vierzig Tage ohne Speise auf dem Berge war. De Somniis p. 570. 4) Mutat. nomin. p. 1040: raig rpv^ixalg dvväfitct,, xid tovs ßaofianxovs tovovs 7iQocx€xX*]QU)x6iis xai ti <f« rdk^O-ig sIntZv tlg tv tldog to Ttjg yv/qg avaXv&ivTtg xal äoüi/icaoi duwoitc (nach M. diavoiai) ytyovoTtg. *) Dähne a. a. O. 1. Th. S. 42. 6) Cherub, p. 112 bringt Philo eine ihni durch Inspiration eingegebene Erklärung bei. Yergl. auch Migrat. Abraham, p. 393.