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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 29

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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IRI
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29 philosophischen Systeme und Ansichten zu lesen? Auch hierfür bietet diese Selbsttäuschung Aufschluss: es wurde mit von vorgefassten Meinungen getrübtem Blicke an die Schrift gegangen und so las man in ihr mit dem verworrenen Alphabet des unklaren Blickes. „Die Schrift spricht bildlich, ja verbirgt hinter ihrer wörtlichen, dem ungeübten Auge einfachen, Redeweise einen tieferen geheimen Sinn, der sich dem in den Gebieten des Denkens geübten Geiste aufthut" war die feste, durch die mit ihrem Innern zusammengewachsenen Fremdelemente geweckte Ueberzeugung dieser Alexandriner. Und so entwickelte sich die alcxandrinische Schriftforschung, deren Ausdruck die Allegorie, eine geheime, dem einfachen Schriftsinn zu Grunde liegende Deutung. Die Geistesströmung treibt nun auf das Auffinden des innern Sinnes der Allegorieen hin, ihnen auf den entlegensten Wegen nachspüren, sie gerade da aufsuchen, wo sie am wenigsten geahnt, der Zusammenhang auf sie am wenigsten leitete, war ein Triumph, eine höhere Beseeligung, die den dem Worte des geheiligten Moses (so wird die Schrift oft genannt) Anhängenden und in die Mysterien dieses Freundes Gottes Eingeweiheten zu Theil wird1). Dieser Deutungsweise lag also nicht, wie seihst noch in neuerer Zeit behauptet wird, stolzer Dünkel, Alles was griechische Specutation je an den Tag gefördert sei schon lange in der Schrift niedergelegt und wurde aus ihr abgeleitet, zu Grunde: ihren Grund bildete im Gegentheil eine sclavische Abhängigkeit von griechischen Speculationen, so dass man, sich selbst unbewusst, der Schrift nur Berechtigung eingestand, weil sie, wie man vermeinte, diese Speculationen enthielte, die aber, da die Schrift das Werk Gottes, hier natürlich eher niedergelegt waren* als sie die griechischen Philosophen ausgesprochen. Jemehr man nun in dieser Deutungsweise die grosse Ehrfurcht vor der Schrift an den Tag zu legen wähnte, destomehr wurde auch darauf gedrungen, dass in der Schrift kein Wort zu viel sei 2), und sie wurde so hoch gehalten, dass man es als eine gerechte Strafe ansah, als an Jemandem, der über die Hinzufügung eines Buchstaben in der Umwandlung von Abram in Abraham, als eines sonderbaren göttlichen Geschenkes gespottet hatte, ein hartes Urtheil vollzogen wurde 3). Aber durch diese hochachtungsvolle Deutungsweise wurde die Schrift ihrem eigentlichen Wesen entfremdet und nach Studium und Ausführung in eine ihr ganz entgegengesetzte Bahn geworfen. Die Unterlage für die Allegorie bildeten von anderen mitgebrachte aus verschiedenen Systemen zusammengeflossene Anschauungen; sie machten den eigentlichen Inhalt der Schrift. Die Propädeutik für sie ist daher auch die Vorbereitung für die Schrift, darum die Empfehlung der encyklischen Wissenschaften; diese waren gleichsam die erste Leetüre der Schrift. Und das höchste Ziel ist die Weisheit der Tugend: der alexandrinischen Schule sind Tugend und Weisheit synonym, denn ihr ist nicht Tugend, die auf das Practische, sondern die auf das höhere Erkennen und Beschauen, auf die Bewegung zu Gott gerichteter vollendeter Seelenthätigkeit: ihr Gegensatz ist nicht Unrecht, sondern die zum Sinnlichen herabziehende Wollust (jtoyq), die die Herrschaft der Vernunft (des vodg) aufhebt und sie zur Sclavin der Leidenschaft (nädog) macht4). — Daher wird auch nirgends bei Philo den Alexandrinern aufAus- *) Vergl. Cherub. 116 und sonst. — Die allegorische Deutungsweise machte die vorzüglichste Beschäftigung der Therapeuten aus; vergl. Vita contemplat. p. 893. 901. 2) Profug. p. 458. 3) Nomin. Mutat. p. 1053. 4) Opificio mund. p. 36 und bildet dieses den eigentlichen Inhalt der 3 Bücher der Allegorien.

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