Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2720904-2720905--0030-2721267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zersetzt worden, und die neuere Schule hatte sie nicht ersetzt. Was konnte also vielen an der Tagesbildung uud den philosophischen Bestrebungen der Zeit lebhaften Antheil nehmenden alexaudrinischen Juden willkommener sein als der Inhalt, den sie in der Schrift fanden? Zwar war hier, wie schon der Begriff Glaube ausdrückt ein Gegebenes', und daher ein Widerspruch mit der Speculation in ihrer Objektivität; allein sowohl ihre in dieser Zeit unerquicklichen Ergebnisse, als auch die diese Resultate unterminirende Skepsis hatte den Geist mit Zweifeln über seine Zulänglichkeit zur Erlangung eines über die höchsten Probleme Aufschluss gebenden Resultats erfüllt, ihn gleichsam zu einer stillen Resignation getrieben. Die väterliche Lehre bot überdiess in ihrem Höhepunkte nichts der philosophischen Speculation Entgegengesetztes; diese gewann vielmehr die Aussicht auf eine Palingenesie, durfte hoffen sich durch jene wieder zu verjüngen und dem Ziele in neubelebtem Schwünge zuzueilen. Daher von der einen Seite scharfes Hervortreten der Skepsis, von der andern eine durch die religiöse Färbung allenthalben durchschlagende Speculation. Die alexandr. Forschung stellt unaufhörlich alles menschliche Wissen und Erkennen an sich in Abrede. „Es ist ein unvollständiger Unsinn, sagt Philo, den Geist an sich für fähig zu halten sich über das Nützliche einen Rath geben, oder des Urtheiles über die Erscheinungen, als gewisses, sich rühmen zu können; denn die menschliche Natur ist an sich durchaus nicht befähigt weder das Eigentliche genau aufzufinden, noch Wahres und Nützliches zu wählen oder Falsches und Nachtheiliges zu fliehen" *). Und es wird hierauf durch viele Erfahrungssätze nachgewiesen, dass der Mensch nichts mit Bestimmtheit aussagen, ja sogar nicht mit Gewissheit Behaupten kann: Dieses oder Jenes sei gerecht, anständig, nützlich2). — Sich Etwas zuschreiben, oder Resultate seines Denkens und Erkennens als von sich ausgehend zu betrachten, ist der Paukt, gegen den unaufhörlich gekämpft und als dessen Vertreter die verwerflichen biblischen Personen, Kain, Laban, Esau u. A. betrachtet werden3). Die Speculation war aber auch noch nicht so tief herabgedrückt, dass sie sich unbedingt unterwarf und auf jedes Forschen verzichtete: sie wähnte vielmehr es an der Hand des Glaubens, durch den die Skepsis eine Niederlage erleiden sollte, zu haben. Und nun trat eine aus der Vorliebe für philosophische Anschauungen und Betrachtungen leicht zu erklärende optische Täuschung ein; man ging nicht mit dem Lichte der Schrift an die Spekulation, sondern mit den Sätzen der Speculation an die Schrift, man suchte die Ergebnisse jener allenthalben in der Schrift auf, fand sich überrascht und glaubte von der Schrift auf diese Ergebnisse geleitet worden zu sein. „Dieses ist nicht meine Meinung sondern die Meinung Mosis, die der heiligen Sprüche" 4) ist ein gewöhnlicher Ausruf Philo's bei (vermeintlich) in der Schrift wiedergefundeneu philosophischen Ansichten; ein Verdacht der Absichtlichkeit wäre eine tiefe Versündigung an seinem, in seinen Schriften sich ausprägenden, wahrhaft religiösen und edlen Charakter. Aber wie iwurde gefunden? wie waren in den Worten der Schrift die liebgewordenen *) De Ebnet 265; uvaio&tjoia nc'VTtltjs (s. bei Mangey p. 383) Xxuvbv doxtiv ßovUvicüu, töv vovv vt/' Juvtov r« av/ut/sqovtu, ij Toig oTitaGQvv tfaviiaw, tag to ciltj&ig necyiov Iv lavröig t/ovat, cvvawtaai' rijs dvS-qanivrjg tjvotios fit]Jtetu^ Umöafitos Ixarijg ovartq, jj ix -nt^taxiifttag to catfiv tvQtiv, ij u>g dkrjihj xal GVfXffiqovxa l\ka§m, }) cJff iptvdij xal ßkcißtjg ahia anoGTQtttftjvta. 2) Ibid p. 265—269. 3) Vergl. Cherub, p. 119: de Sacrif Cain. p. 130; Posterit. Cain. (M.) p. 233 und sonst an vielen Stellen. 4) Muioitas tan rodt Juy/ua tovto, ovx ifjiov. — Ovrog t$i ovx ifjog fiv&og, dX).a /otcju<Sy riay It^ornrov ianv: so an vielen Stellen.