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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 27

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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Bekanntschaft mit der Lehre und ihrem Gesetze als des früheren Jugendunterrichts auch nicht mit einem Worte gedacht! Mag bei der Betrachtung des philosophischen Standpunktes Philo's, welche Stellung er im Neuplatonismus einnimmt, und wie durch ihn der Uebergang von der alten pythagoreischen und platonischen Schule zu Plotin und dessen Schule ermittelt wurde, diese Frage von untergeordnetem Interesse sein, so tritt sie bei der Untersuchung über das Verhältniss der alexandrinischen Schriftforschuug in die vorderste Reihe, und es muss ihr die Berechtigung um so mehr zugestanden werden, als von hier aus erst die eigentliche Basis für den religions-philosophischen — und man darf sagen — auch den philosophischen Standpunkt Philo's ermittelt werden kann. Es drängt daher Alles darauf hin die Ansichten und Absichten kennen zu lernen, mit welchen die in Philo repräsentirte alexandrinische Schule an die Schrift ging, und sich über deren Studiengang zu orientiren. Die früher geltend geraachte Meinung, die weiter näher zu bezeichnende alexandr. Aulfassung der Schrift habe eine Vertheidigung der Schrift heidnischen Gegnern gegenüber zum Ziele gehabt, und sie sei aus dem Bedürfnisse der Abwehr gegen auswärtigen Spott hervorgegangenl), zeigt von einer Oberflächlichkeit und einer Unkenntniss der Schriften dieser Schule, die jede Widerlegung überflüssig macht. Ein nur irgendwie aufmerksamer Einblick in die Werke Philo's belegt znr Genüge, dass sie ihr Entstehen einem Innern Drange, einem tiefgefühlten religiösen Bedürfnisse und nicht äussern Rücksichten schulde. Aussöhnung des Glaubens und der Spekulation war das leitende und treibende, alle Fasern des Denkens durchdringende und spannende Bedürfhiss, das aber nicht Befriedigung finden konnte, da Glaube und Wissenschaft als ebenbürtige Potenzen nebeneinander gestellt wurden, die Speculation in ihrer Autonomie und der Glaube durch eine unnatürliche Verbindung zusammengekettet werden sollten. Der blinde, die Fackel vor diesem unter finstern Auspicien gefeierten Hymen tragende Eros war der herabgedrückte philosophische Zustand der Zeit. Die alten griechischen Schulen durch keinen hervorragenden Geist mehr getragen und durch keine lebensfrische Schöpfung ein kräftiges wissenschaftliches Leben bekundend, waren zu einer Ermattung und Kraftlosigkeit herabgesunken, die die charakteristischen specifischen Eigentümlichkeiten der einzelnen Schulen verwischten und den Versuch, sie in eine Schule zu verschmelzen, begünstigten. Dieses ist der Ursprung des in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten an die Stelle der früheren Systeme tretende Eclecticismus, dessen Benennung schon darauf hindeutet, dass er auf Selbständigkeit verzichtete und nur das Bessere zu einem Ganzen vereinigen wollte. Aber Bausteine verschiedener Schulen lassen sich nicht ohne bemerkliche Lücken und Risse zusammenfügen, wie überhaupt Zusammenfügen Zeichen der Abwesenheit des höheren selbstsländigen Genius ist. Zudem hatte der aus der die früheren Systeme untergrabenden Skepsis hervorgegangene Electicismus 2) den an seinem Eingeweide nagenden Geier — und nur dieses halte er mit dem Prometheus gemein, — mit herübergenommen, und die spätere Skepsis hatte in ihren Vertretern Anesidemus, Sextus Empirius u. A. einen um so leichteren Kampf, als der Electicismus eigentlich nur ein Hinnnd Herschwanken war und keine feste einheitliche Basis finden konnte. So bot sich denn dem forschenden Geiste allenthalben nur innere Leere und Unbefriedigtsein dar. Die älteren Systeme waren immer mehr und mehr ') Vergl. Eichhorn Allgem. Bibliothek der bibl. Literatur 5. Band, 2. Stück Briefe, die bibl. Exegese betreffend. 2) Vergl. Zeller a. a. O. S. 318 ff.

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