Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
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„Wenn Du, o König! ein grosses Heer aussendestr so sagt man, der König hat eine grosse Hand u. s. w." Das Herabsteigen Gottes auf den Berg (Exod. 19, 20) bezieht er auf das Feuer und die Flamme (das. 19, 18, 20, 15), welche brannten und doch keinen Gegenstand verbrannten u. s. w. In „der Schöpfung in sechs Tagen" soll angedeutet sein, das Alles Zeit und Ordnung habe und Eins auf das Andere folge. „Gott ruhete am siebenten Tage" will sagen, dass Gott die Ordnung aller Dinge vollendet hatte und sie nun überwacht und erhält u. dgl. m. Was nun also aus Dialogen Aristobuls als Schrifterklärung vorliegt, gebet nicht weit über den Kreis der einfachen Exegese hinaus und bietet kein hervorragendes Moment für die Schriflforschung 1). Erst in Philo begegnen wir der eigentlichen Schriflforschung, seine Werke enthalten wesentliche Merkmale, wie die Schrift zu Alexandrien erklärt und aufgefasst und welche Interpretationsregeln hiebei in Anwendung gebracht werden. Suchen wir vorerst einen Einblick in den Standpunkt Philo's und das eigentliche Verhältniss seiner Forschung zu thun. Hier ist von ungemeiner Wichtigkeit, den geistigen Mitteln nachzugehen, mit welchen man, nach Philo zu schliessen, in Alexandrien an das Schriftstudium schritt. In Palästina besass man die Schrift in der Ursprache und das Studium richtete sich auf jeden Ausdruck, jede Wiederholung u. s. w. In Alexandrien wurde, wie weiter dargethan werden, wird, mit nicht geringerer Pietät jedem Wort, jedem Ausdruck eine besondere Bedeutung zugeschrieben, aber die Forschung hielt sich an und erstreckte sich ausschliesslich auf die Septuaginta. Diese Uebersetzung hielt man für ein Produkt göttlicher Inspiration 2) und Philo erzählt, dass, „wenn die Ghaldäer (bei Philo Ghaldäer, chaldäisch — besonders letzteres — oft für Hebräer, hebräisch), die griechisch, und Griechen, die chaldäisch verstehen, die beiden Schriften, die chaldäische und griechische, gegeneinanderhalten, so erblicken und verehren sie in ihnen Schwestern, ja sogar eine und dieselbe den Gegenständen und Benennungen nach, so dass man Jene (die Vertenten) nicht für Ueberseizer, sondern für Priester und Propheten hält." Aber wie kam es, dass man bei der ungemeinen Verehrung für die Schrift in dem auf ihre Forschung gerichteten grossen Eifer sich nicht auch zum Original wendete, sich nicht auch an dem in Eden entspringenden Strom labte, von dem doch erst jener Fluss, wie heilig er auch sein mochte, sich trennte? Und es weist nicht nur keine Spur darauf hin, dass man dem Studium des Originals obgelegen, sondern es liegen allenthalben die schlagendsten Beweise vor, dass man das Original nicht gekanut und nicht benutzt habe und auch die Fähigkeit, es zu benutzen, nicht besass. Dieses wird man fast an jeder Stelle gewahr, wo entweder die Septuaginta vom hebräischen Texte abweicht, oder wo über den Sinn des griechischen Textes bei den Alexaudrineru gezweifelt wird und das hebräische Original den Aufschluss gegeben hätte. So hat der griechische Text Genesis 4, 18 für Sswino Mt^ovctdi olfenbar nach 5, 21 nScino maovmdi verschrieben. Und dieser Abschreiberverstoss, über den der mindeste Einblick iu den hebräischen Text belehrt hätte, wird nicht erkannt, an der Richtigkeit der Leseart nicht gezweifelt; es Werden vielmehr nach alexandrinischer Ansicht tiefe Bemerkungen hieran geknüpft. — Levit. 27, 6 hat der griechische Text 06x «aa«!«? xcAoV noy^tp. Dieses tzov^qou sagt Philo ist nicht in dem Sinne „Schlechtes" ') Die nach den Forschungen Neuerer dem Aristobul angehörenden pseudoorphischen Verse liegen ausser dem Kreise dieser Abhandlung. 2) dv&ovcTiavTts InQorfqTtvot/ wird de vita Mosis p. 659 von diesen Uebersetzern gesagt.