Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2720905--0026-2721263- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 Uebersetzung dem Gebiete der Hermeneutik an; hier möge nur erwähnt werden, dass sie mitunter durch Einstreuung halachischer und hagadischer Momente als Exegese erscheint *). Regeln, die diese Exegese normirten, sind, da der Ausdruck auch an diesen halachischen und hagadischen Stellen sehr concis ist und sich enge an das Original anschliesst, nicht zu ermitteln; wahrscheinlich haben die in Palästina, dem eigentlichen Sitze des Gesetzstudiums gewonnenen und von da aus verbreiteten Resultate, Einfluss geübt2). — Nicht unerwähnt mag ein anderes hermeneutisch-exegetisches Moment der Septuaginta hleiben: sie sucht durch schickliche Umschreibung die in der Schrift vorkommenden Anthropomorphismen zu entfernen und auch hierauf scheint Palästina nicht ohne Einfluss gewesen zu sein3). — Merklicher treten die Spuren der Schrifterklärung in Aristobul hervor, der einen Commentar zum Pentateuch verfasst und ihn dem König Ptolemäus Philometor gewidmet haben soll4). Wird nun zwar auch von einer anderen Seite von einem jüdischen Aristobul als Erzieher des Philometor erzählt, so ist dennoch sehr zu bezweifeln, ob die bei Eusebius und Clemens erhaltenen Fragmente diesem alten Aristobul angehören5); doch reichen sie nach der in ihnen herrschenden ziemlich nüchternen Exegese in die vorphilonische Zeit hinauf. Das Streben ist hier auf eine richtige Auffassung der Anthropomorphieen gerichtet: also nur eine erweiterte Fortsetzung dessen, was die alten Vertenten der Septuaginta begonnen. Diese Vertenteu unterliessen nur bei allgemeinen, als Metapher bekannten Ausdrücken die Umschreibungen der Anthropomorphismen. Aristobul will erklären, wie auch diese Metapher zu verstehen sei. So antwortet er auf die Frage des Königs, „wie denn die Schrift Hand, Arm, Gesicht u. s. w. der Gottheit beilege": Diese Ausdrücke seien bildlich zu nehmen und er wolle versuchen, diese Beziehungen einzeln durchzugehen. *) Vergl. Vorstadien S. 189 ff. üeber den Einfluss der paläst. Exegese 84—100, 33—160 und sonst. 2) Die Uebersetzung des Pentateuchs fällt nicht lange nach dem Abschlüsse der Soferischen Periode. Vergl. Ueber den Einfluss S. 230. a) Vergl. Vorstudien S. 175 ff. — Spuren s. g. alexandrinischer Religions-Philosophie die man in dieser Uebersetzung zu finden glaubte (Dähne, Geschichtliche Darstellung der jüd. alex. Religions-Philosophie 2. Theil) verschwinden bei dem näheren Eingehen auf den Text der Septuaginta und deren Uebersetzungsweise; vergl. Zeller, Die Philosophie der Griechen, 3. Th. S. 571, 572. Ueber den Einfluss §. 9. Mitunter beruhet sogar dieses Auffinden auf einem kaum zu entschuldigenden Missverständnisse; vergl. Vorst. S. 179 Anmerk. m. n. Ueber den Einfluss S. 1, 32 Anmerk. e. — Doch dürfte, wenn Zeller mit Recht den Voi'wurf der Befangenheit in philosophischen Anschauungen der Septuaginta gegen Dähne erhebt, gegen ihn das Gegentheil geltend gemacht werden: es m't der Septuaginta zu leicht genommen und deren Uebersetzungsweise nicht genügend gewürdigt zu haben. So ist ihm das trt Genes. 2, 19, dem nichts im hebräischen Texte entspricht „hannlos"; aber LXX setzen derartige hannlose "Wörter — und dieses tu kommt noch überdies auch v. 19 das. vor — nicht zu. Vergl. Ueber den Einfluss S. 38, 39. — Ebensowenig ist mit Zeller anzunehmen, dass das uoqcctos xcel äxaTcccxevccGTOS für inn Genes. 1, 2 ohne alle Nebenabsicht gewählt sei; es ist hier, vergleicht man die sonstige Uebersetzungsweise der LXX, eine Absichtlichkeit nicht zu verkennen. Ich habe a. a. O. 37 manchen Aufschluss hierüber versucht; nach wiederholtem genauen Forschen glaube ich jedoch, dass die Echtheit dieses dogans sehr zu bezweifeln sei. Philo führt diese Worte weder in seiner Cosmogonie noch in den Büchern der Allegorie an: und ein solches Schweigen ist beweisend, da Philo in der Cosmogonie, wo er aus v. 1—5 den xöotiog voijToa, die Idee des Himmels, der Erde u. s. w. ableitet und auf das Einzelne des Textes sich einlässt (vergl. vorzüglich de Mund. opif. p. 6. 7), dieses äoQctTos, in dem seine y!j uöqcctos (das.) klar ausgesprochen ist und hierdurch auch der xöcfxos votjrog, nicht hätte übergehen können. Diese Worte scheinen erst später und zwar nach der philonischen Auffassung in die Septuaginta eingeschoben worden zu sein. Bei Philo selbst werden sie nie erklärt und ausser de Incorruptibilitate Mundi p. 941 nicht angeführt. Da auch letztere Stelle keine Erklärung hinzufügt, so beweiset sie schon an sich nichts; Stellen wurden, wie bekannt, auch sonst nicht selten von Abschreibern hinzugefügt. Wir werden aber überdies weiter die Unechtheit der Schrift de Incorr. darthun. 4) Eusebius Praep. ebangel. 8, 10. 9, 6. 13, 12. 5) Vergl. Vorstudien S. 18 Anmerk. q. 6) Vergl. das. S. 176. 178.