Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
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21 Auseinandersetzung von 1, 27. — „Ein Grosses, dem Menschen Unerfassliches wird durch ein Kleines dargestellt, um es verständlich zu machen (nyew-kvw yno p\xn yac-nS iapa-nSrow hra -c-o). So Arnos. 3, 8: Brüllt ein Löwe, wer fürchtet nicht, der Ewige spricht u. s. w. Wie kann der Löwe zu Gott verglichen werden? Aber nur um eine dem Menschen fassliche Darstellung zu geben." Manches, was schon im Ganzen begriffen ist, wird besonders hervorgehoben, um hierauf Gewicht zu legen. (sx> vsw hv ishh SSsn p ssn SSaa rww -qtc.) So Josua 2, 1: „Besehet das Land und Jericho." Jericho ist schon unter „das Land" begriffen; allein er will sagen: besonders „Jericho." Manches folgt später und gehört früher hinauf j»:y3 iniso xvw anpuso. So gehört Ps. 34 der V. 18 hinauf zum V. 16 *). Aber die Erklärung der nicht Gesetze enthaltenden Schriftstellen fällt häufig in das Bereich der Hagada, für welche Regeln nicht anzugeben sind. Halacha eigentlich „der Gang" ist das Fixirte, Bleibende, die Norm für die Lebensthätigkeit nach dem Gesetz; Hagada der Etymologie nach „Sage" (nicht in dem Sinne von Erzählung, sondern eine der tieferen Motivirung oder Tradition nicht bedürfende Mittheilung) ist der Ausdruck eines in Religion und Sittlichkeit gegründeten Gedankens, der an eine Schriftstelle sich anlehnt, ohne darauf Anspruch zu machen, dass seine Erklärung eine bindende und bleibende sei. Die Hagada leitet aus der Schrift Belehrung, Erhebung, Trost, Anspielung auf die jedesmalige Leidenslage und die untrügliche Hoffnung einer besseren Zukunft an. Ihren Mittelpunkt bildet die unvergängliche, nie versiegende Liebe Gottes zu seinem Volke, das in ihm zu jeder Zeit einen Vater erhlickt, der den Sohn züchtigt, um ihn zu bessern, und dessen schützende Hand unablässig über ihn ausgestreckt ist. Dieses ist die durch die Hagada sich ziehende elegische Saite: eine tiefe Sehnsucht, ein wehmüthiges Schmachten nach Gott und der Ausdruck der hingehendsten kindlichen Anhänglichkeit. Fs bedarf keines Beweises, dass Gott mit väterlicher Liebe über seinem Volke walte und können nicht Gegenbeweise diesen Glauben erschüttern: der Gedanke an einen gütigen, liebenden, wachenden Gott, an „einen Hüter Israels, der nicht schlummert und nicht schläft," ist mit dem ganzen Sein und Bestehen Israels so tief verwachsen, dass es ohne ihn an Gott nicht denken kann. Die Erhebung zu diesem Gott durch religiöses und sittliches Denken und Thun bildet den, den genannten Mittelpunkt umgebenden Kreis der Hagada; Gottes Grösse und Allmacht, seine Wunder, die er vollführte und noch vollführt, werden hervorgehoben und es wird gelehrt, welcher Pfad zu Gott leite und in welcher Gesinnung und Ausführung er betreten werden müsse. — Systeme oder Interpretationsregeln sind für die Hagada, knüpft sie auch an die Schrift an, nicht aufzufinden, Die Hagada ist frei, ist grade durch ihre Systemlosigkeit lebendig, erfasst einen Ausdruck und knüpft an ihn an, entlockt ihm einen Lichtfunken, den sie zur erwärmenden weitleuchtenden Flamme anfacht und sich an ihm zu den Regionen des höchsten Lichts aufschwingt. Die Hagada ist Ausfluss des tiefen Denkens und eines noch tieferen namenlosen Empfindens: sie hüllt sich in das Gewand der Poesie und ringt nach Bild und Gleichniss, das die in den inneren Gängen wallenden Gefühle und Gedanken ahnen lasse; denn welche Worte vermögen sie wiederzugeben! Der heimathliche Boden dieser Pflanze ist die über die kalte prosaische Wirklichkeit und Alltäglichkeit sich erhebende und höheren Regionen zueilende poetische Anschauungs- und Ausdrucksweise. Für die ») Auch die Halacha wendet oft die Regel: nflrc nnwei a-»pic ps an, und sehr bemerkenswert!! ist Baba Kama 106: 2~*v;U2 5-.12 nvans.