Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
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- 20 - auf, die aber ebenfalls nur zur Erklärung der Meinung der Tanaim dienen. So: Ein Wort wird hinauf und hinunter gelesen (v-insSi vja^? m s-.p.) l). Man nimmt von diesem Worte einen Buchstaben weg und setzt ihn zu einem anderen zu (permi pa»D»i pjnu Baba Batra 111). Dieses gilt auch hinsichtlich der früher gedachten zweiten Hillel'schen Interpretationsregel (£"»). Die talmudischen Autoren stellen nirgends zur Motivirung ihrer Meinung eine c'M-anf, sondern sie wollen durch sie die Motivirung der Meinung eines tanaj'tischen Autors finden; es wird vermuthet, dass hierin der Grund für den Lehrsatz des Tanai liege: und darum wird sie auch häufig als blosse Wortanalogie (nicht als begriffliche) aufgestellt2). Die Talm. Forschung hat noch mehrere der dreizehn Interpretationsregeln des R. Ismael weiter verarbeitei und zum Theil erklärt3). In der bisher betrachteten Weise der Schriftforschung bildet der gesetzliche Theil der Schrift das Object. Die Forschung setzt sich die Erklärung und Erkenntniss des Gesetzes zum Ziele: ihre Resultate gehören der Halacha — Regel, Richtschnur für die Ausübung — an. Werfen wir nun einen Blick auf das Verhältniss der Forschung zu dem nichtgesetzlichen Theile der Schrift, den Erzählungen, Segnungen u. s. w. des Pentateuchs, so wie zu den prophetischen und anderen Büchern. R. Eleasar, Sohn des R. Jose aus Galiläa stellte 32 Regeln auf (vgl. oben S. 5), die zumeist diesem Theile angehören und die nach mancher Seite von gesunder einfacher Exegese zeugen 4). „Die Schrift spricht zuweilen kurz und es ist ein Wort hinzuzufügen." (Diese Regel wird mxp "|"pö genannt), als 2. Samuel 13, 39 -niSam zu verstehen: in e-aa Sam also «?B3 zu suppliren. 1. Chron. 17, 5 \xisa\ ^mx ha Snwo n*nt« zu verstehen: peob pcoot Snw ^mso -pnnoTvnio. — Es gehet ein Allgemeines voraus und folgt dann eine Erzählung, die aber nur eine Specialisirung des Allgemeinen ist. (mns» V?:o iovraxhs umnuy^) So Genes. 1, 27: Die Schöpfung des Menschen allgemein und „er schuf sie männlich und weiblich;" 2, 7 wird berichtet, dass der Mensch von Erde und 2, 21 wie die Frau erschaffen wurde. Dieses ist aaer nicht eine andere Erzählung (Widerspruch), sondern die nähere Par. 8, 9 (und Sifri Ree v. iun?); vergl. Tosafot Rosch Haschana 12a. Bechorot 54 (Maimonides ist jedoch bekanntlich anderer Meinung). — Schemini Par. 91; vergl. Tosafot Baba Batra 66, wo hinzugefügt wird 2"rc vm n«2 n«2 nvi k.-oocki. — Ebenso erblickt Ramban (Exod. 12, 17.) in Mechilta Bv. Cap. 9 (und Mischpatim Cap. 20.) nur eine Anlehnung; (und diesem gemäss auch Sifra AchTa Par. 7, 9, wo ebenfalls nir» als biblisch angenommen wird). Es wurde schon oben auf die doppelte Weise der Forschung aufmerksam gemacht, deren eine von Vordersätzen ausgehend, zu einem neuen Schluss gelangt und ihn in der Schrift wiederfinden will. Dieses nun ist die Veranlassung der snzc=N in Sifra 17. Doch unterscheiden sich diese nircsex die sich zum Inhalt des Verses beziehen, von denen der talmud. Deutung, die oft nur sehr entlegen begründet sind, und dieses Zeichen deutlich an sich tragen. Maimonides nennt alle Gesetze, die nicht ausdrücklich in der Schrift stehen o^sio -"ir» (vergl. nroen 'o Regel :2), und stehet in seiner Einleitung zu Seder Taharot sogar an, uns spr rhz: rttßrj für biblisch zu betrachten; vergl. das. 3, ] Anf. 'zri rsn\ Ramban hat bekanntlich viele Einwendungen gegen diese Ansicht erhoben. *) Sebachim 246 und sonst. Die frühere Forschungsweise kennt diese Interpretationsregel noch nicht und sagt, dass bei fünf Versen unentschieden sei, wohin das Wort zu lesen; vergl. S. 18, Anmerk. 2. (Doch finden sich schon früher manche Anklänge; vergl. Sota 7, 4. r»22 msst n^jyi «>ew mim'•)). Die talmud. Schriftforschung nimmt zur Erklärung früherer Meinungen als Regel an, dass die Schrift hinauf und hinunter 'ff. Hierdurch dürften die von Tosafot Pesachim 21 Anf. ziryh aufgeworfenen Fragen Erledigung linden. a) Darum wird auch mitunter die Frage aufgeworfen 121 nöV-t '121 ar wmn«n «ns; vergl. Ketubot 38 a: Ein Umstand, der den früheren Autoren (vergl. Sefer Keritot, Middot Aaron) grosses Bedenken erregte. a) Vergl. Erubin 28, Nasir 35, Sebachin 50. An letzterer Stelle ist auch über *pv» (vergl. oben 1.) Ausführliches. 4) Diese sind zuerst in Sefer Keritot vollständig angegeben und nach ihm im Halichot Olam; doch haben sich durch Abschreiben manche sinnentstellende Fehler eingeschlichen, von R. E. Wüna emendirt und in dieser neuen Form im Jahre 1803 erscliienenen xsvn'a abgedruckt sind.