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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 19

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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19 in die Fesseiii blinder Unterwürfigkeit schlagen; auch mussten nach den erweiterten Verhältnissen neue Bestimmungen theils aus älteren deducirt, theils selbstständig ins Leben gerufen werden. Die amoralische Forschung zeigt auch in der That von ungemeinem Tief- und Scharfsinn: es wird auf die überraschendste Weise aus den entferntesten Kreisen durch eine Art Kettenschluss eine Analogie für den vorliegenden Fall aufgesucht, durch freie dialectische Combination Erklärung oder Auskunft gegeben, neue Gesichtspunkte aufgestellt etc. Aber es wird jetzt weniger zur Forschung der Schrift und zur Beweisbringung aus ihr zurückgegangen: man hält sich, wenn es der Beweisführung bedarf, grösstenteils an die Tanai'm, und die Forschung der Schrift besckränkt sich nur zumeist auf die Erklärung der Tanai'm, d. i. man sucht für ihre häufig ohne JVIotivirung angegebene Meinung die Motivirung in der Schrift auf. Die talmudische Schriftforschung ist daher sowohl dem Wesen als der Form nach von der mischnischen nngemein verschieden. Letztere ging von der Schrift aus, erklärte sie und wurde durch Schriftstellen oder Interpreiationsregeln zur Aufstellung eines Lehrsatzes veranlasst; die talmudische Schriflforschung findet den Lehrsatz vor nnd will für ihn eine Berechtigung in der Schrift aufsuchen. Die mischnische Forschung konnte ferner diesem ihrem Wesen gemäss für ihre Resultate nur eine eigentliche, an sich in der Schrift begründete Motivirung anführen; die talmudische Schriftforschuug, die für einen gegebenen Satz einen Grund aufsuchen soll, leitet, da der Satz doch in jedem Falle feststehet, diesen Grund auch auf entlegene Weise her. Die Interpretation erweitert sich nuu ungemein, ist aber nicht mehr eine eigentliche. Der Anstoss hierzu war schon in früherer Zeit durch R. Akiba gegeben, der jedem Buchstaben eine Bedeutung vindiciren wollte. Er hatte zwar durch seine scharfsinnigen Interpretationen die Bewunderung der Zeitgenossen erregt, doch wurde ihm keinesweges beigestimmt; die Tanai'm holen nicht die Motivirung für ihre Sätze aus Buchstaben und unscheinbaren Partikeln ab. Hiergegen wendete sich die talmudische Schriftforschung, die nur für Gegebenes die Motivirung nachzuweisen hatte, dieser Deutungsweise zu 4). Mau begegnet ihr zumeist im babyl. Talmud; der jerus. Talmud geht selten auf diese Deutung und die durch sie bedingte Motivirung ein 2), und selbst der babyl. Talmud ist sich häufig bewusst, dass diese Deutungsweise eigentlich nur Anlehnung (ntüsdn) sei3): der mischnische Midrasch nimmt grösstentheils seine Erklärung als eine eigentliche 4). — Die Talmud. Schriftforschung stellt manche Interpretationsregeln J) Die Differenz der mischnischen und talmud. Schriftforschung wird in folgender Stelle ganz anschaulich. Mechilta Mischpatim c. 4 heisst es: nn nies 'i s^s irs w 'idi nais nns rr:s caSs iSx vnnn iz» tjis xirvr iaS tjs; na-? cipa -p \iau:i laix s:,py i- 'B'x '121JS3 J)X nax s'aSx |SnS iiEsn Olpe na dpa jSnb ius;i eipo po ics: p nns. Und man vergleiche hiermit Erubin 51a: spa lyia-j pna pm pna Sur. Suaa '^z:\ b\z:a no^i nD-:e ncrii no^o oy-ei aipcs. 2) So ergibt ein genauerer Vergleich der beiden Talmude. Ueberhaupt zeigt, wie ich an einer anderen Stelle nachgewiesen habe, der jerusal. Talmud eine geringere Abhängigkeit von den tanaitischen Autoren. Folgende Stelle gibt eine Anschauung von der Weise der jerus. und bab. Talmuds. J. Pesachhn 1, 1 zu der Mischna: 'wiunnsS a'pus heisst es: 'is\ pnx' 'n: Sxia» 'S ram 'n um ja nwav na's n'sn reraz □'Sri-1' nx vsnn Ninn ora nvn -cnS iar w? n"sn ps» a'rx sina? *->2 pii2 ':se irx ms und bab. Pesachhn 7, 6: i:o niui nnja ria'ni ane-na anavii oa-na ns'xoi ns^aa ns^a inaS. Bemerkenswerth ist, dass diese und in der vorigen Anmerkung aus Erubin angeführte zusammengesetzte Deutungsweise von demselben Autor — S"<Dn — ausgehen. 3) So wird sie selbst nicht selten im Talmud angegeben, und darum auch ar»np xS yrxi das besonders bei weit ausgeholter Deutung. So Erubin 15b: •am sS rvuma ma -p'xi ninn: ,t:2 '"'S xpai i"n n 'lai nwna -.ao.'xn pzn. Kidduschin 15a: ''S xpsa -p\vi arm sS izvn ^zv -p-xi "Cin -»aro i^si ''»21 '"S va^a 121 "tai-n nex'1 asa. 4) Zwar haben auch die oben häufig genannten drei exegetischen "Worte (und an manchen Stellen auch die Beraita) zuweilen Anlehnungen und gilt dieses zumeist vom Sifra. So Schemini Par. 6, 5. Vergl. Tosafot Erubin 31 auf Btraa. Bechukkothai 3*

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