Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720905--0020-2721257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
druck Gewicht gelegt werde, andere erblicken hier nur eine gewöhnliche Redeweise '). — Hervorzuheben ist ferner die Interpretation, die auf die Ursache des Gesetzes eingehet und als deren Vertreter R. Simeon angeführt wird (tnpi rvoi'e wm-i). Dieses ist jedoch nicht in der Weise zu verstehen, als werde nach Grund und Ursache des Gesetzes gefragt; gefragt, warum es gegeben sei, was den göttlichen Gesetzgeber zu dessen Erlassung bewogen habe — das Gesetz emanirte aus der Weisheit Gottes, die dem Menschen unerforschlich ist — sondern es wird nur da gefolgert, wo entweder das Gesetz selbst eine Ursache angibt, aber "wo die Ursache nahe liegt. So Deuteron. 17, 17: „Er (der König) soll nicht viele Frauen nehmen, dass sie nicht sein Herz abwendig machen." Hierzu erklärt R. Simon (Synhedrin 2, 4), dass er auch eine einzige Frau, die sein Herz abwendig machen könnte, nicht, heiratheil dürfe. — Deuteron. 24, 17: „Du sollst nicht pfänden das Kleid derWittwe" erklärt R. Simon eine reiche Wittwe darf man wohl pfänden (Baba Mezia 115), vgl. auch Kidduschin 21, 68 u. a. m. — An drei Stellen wird bildlich interpretirt: Exod. 21, 19 „und er gehet auf der Strasse auf seiner Krücke," d. i. er ist wieder hergestellt. Das. 22, 21: „Wenn auf ihn die Sonne scheint, so ist wegen seiner Blutschuld ff.," d, i. wenn so wie die Sonne, die das Bild des Friedens ist, der Einbrechende mit dir in Frieden lebt, er also keine lebensfeindliche Absicht hatte, wie z. B. der Vater gegen den Sohn, so ist wegen seiner Blutschuld. Deuteron. 23, 17: „Und sie sollen ausbreiten das Kleid," d. i. die Sache so klar machen wie ein fleckenloses Gewand. Diese drei bildlichen Erklärungen gehören R. Ismael an 2). — Wir fuhren hier noch eine auf Strafrechtliches sich beziehende Interpretationsweise an. „Wo je in der Schrift Todesstrafe vorkommt, da ist die Regel: sie dürfe nicht nach der schweren, sondern nach der leichten Seile gedeutet werden" 3). Dieses ist nun die ältere oder mischnische Sprachforschung; man begegnet dabei den in der Mischna und in den andern oben gedachten Werken vorkommenden Autoren, die von der späteren Zeit die Benennung: Tanai'm, Lehrer, erhielten. Mit dem Abschluss dieser Werke beginnt eine neue Periode, die talmudische und mit ihr die talmudische Schriftforschung. Die Mischna war mit diesem Abschlüsse ein Codex, und die Tanai'm massgebend geworden. Die späteren Gelehrten werden Amorai'm „Erklärer" genannt: ihre Thätigkeit war vorzüglich auf die Erklärung der Mischna und der älteren Lehrer gerictbet. Hierhei wurde zwar auf Selbstständigkeit nicht verzichtet; der in den Sphären des Denkens sich bewegende Geist lässt sich nicht auf diesem Gebiete 1) a-s "sr prS^ mir m:"1-! vgl. Baba Mezia 31 und sonst. Aus der Mischna (das. 2, 9, 10, Chollin 12, 3) scheint sich zu ergeben, dass bei der Verbindung des Infinitivs mit dem'definitiven Modus eine Frequentation anzunehmen sei: diese Anschauungsweise dürfte auch, wenn in dem verdoppelten Ausdruck nur eine gewöhnliche Redeweise erblickt wird, begründet sein, vgl. Maimonides Erklärung zur Mischna, Baba Mezia 2, 9 und Ben-Seb Glosse. Der Talmud daselbst scheint jedoch Beides in eine Kategorie zu stellen. — Neben dieser Erklärung des doppelten Ausdrucks ist noch die Weise des R. Akiba zu merken, die nicht nur hierfür (vgl. jerus. Nedarim 1, 1), sondern auch fast für jeden überflüssigen Buchstaben eine besondere Deutung sucht, vgl. weiter. 2) Sre pcn-nre r-»Ti :srr Lsver"> 't n-nr o^-cn 'jq 's m Mechilta Mischpatim cljj B. j. Xetubot 4,4., 3) u^p",t' f'K vonnS rwraS ">S3H nns ps* mwsn n.-vo Sa nnrr mo v (Mechilta Mischpatim c. 5). — Wir führen hier auch einige exegetische und sprachliche Anklänge mischnischer Autoren an. „In fünf Versen ist unentschieden, ob ein Wort zum Vorder¬ oder Nachsatze zu lesen sei" Joma 52, wo diese Verse aufgezählt sind. — „Das n zu Ende (paragogicum) ist für das h locale zu Anfang zu nehmen." isnos N"n v?;n"j p': nbi inbvino -i"ah -p-rc nw» nr> *73 nvjna 'i ">:n j. Jebamot 1, 6. Bemerkenswerth. ist, dass diese Regel als Controverspunkt zwischen den paläst. Gelehrten und den Samaritanern angeführt wird und dass, wie Vorstudien zu der Septuaginta S. 197 Anmerkung ausführlich nachgewiesen würde, der Samarit. Pentateuch wie die Samar. Chaldäische Uebersetzung diese Bedeutung des n paragogicum nicht kennt.