Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720905--0019-2721256- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
17 regeln der allgemeinen Analogie (Regel 3); es wird durch sie eine dunkle oder nicht speciell angegebene Bestimmung eines Gesetzes aus einem anderen Gesetze, das diese Bestimmung hat und das mit dem in Frage stehenden Gesetze in manchen Punkten übereinkommt, abgeleitet. Diese Analogie wird auch bisweilen aus zwei Bestimmungen abgeleitet, die in einem Dritten übereinkommen und sich entweder in einem Verse (Regel 4) oder in zwei Versen (Regel 6) befinden. Das Allgemeine und Specielle (Regel 5). Zuweilen geht das Allgemeine voraus und das Specielle folgt. So Lev. 1, 2: „Wenn Jemand von euch ein Opfer darbringt vom Vieh" allgemein, „vom Rind und vom Schafe" speciell. Zuweilen geht das Specielle voraus und das Allgemeine folgt. So Exod. 22, 9: „Es gibt Jemand einen Esel, Ochs oder Lamm aufzubewahren" speciell, „oder was immer für eine Art Vieh" allgemein. Aus dem Zusammenhange (Regel 7). So ist das Verbot Levit. 19, 11: „Ihr sollt nicht stehlen" auf Gelddiebstahl (und nicht auf Menschenraub, vgl. Exod. 22, 16) zu beziehen, da der ganze dortige Zusammenhang von Geldveruntreuung handelt (Synhedrin 86). Diese sieben Interpretationsregeln Hillels wurden durch R. Ismael auf dreizehn erweitert *). Hieran knüpfen sich noch andere Regeln, von denen manche allgemein anerkannt sind, andere Widerspruch erfuhren. So die Regel, dass zwei mit einander durch ein gemeinschaftliches Prädicat verbundene Subjecte gleiche Bestimmungen haben, so dass, was anderswo von dem einen ausgesagt wird, auch von dem anderen gelte. Diese Regel wird genannt wp»n „Vergleichung." So (Deuteron. 15, 12): „Wenn sich dir verkauft dein Bruder der Hebräer oder die Hebräerin ff.," da hier von beiden Subjecten zugleich „dem Knechte und der Magd" ausgesagt wird, so ist daraus zu schliessen, dass sie ein gleiches Recht haben und die Bestimmung des einen auf den andern anwendbar ist. Diese Regel wird allgemein anerkannt2). — Eine fernere Regel ist der Schluss aus der Nebeueinanderreihung paieo: es wird aus der unmittelbaren Aufeinanderfolge zweier Gesetze auf eine unter ihneu sich findende Aehnlichkelt einer Bestimmung geschlossen. Diese Regel wird jedoch nicht allgemein anerkannt3). Manche Autoren wollen ferner, dass auf den verdoppelten Aus- Ursprünglichkeit, im Verlaufe der Zeit erlitt sie einige Aenderung: sie sollte sich (neben ihrer inneren Berechtigung) auf ein überflüssiges Wort (oder auf zwei) stützen (Nidda 22), bis sie endlich im talm. Zeitalter rein als Wortanalogie erscheint, worüber weiter Mehreres. — In einem mir, nachdem ich obige Resultate gewonnen, zu Gesicht gekommenen Schriftchen: nvs-Sn 'd von M.Plungian, Wilna, 1849^ fand ich manche Uebereinstimmung mit meinen Ansichten, nur fasst der Verfasser hinsichtlich der Tradition Manches anders auf, auch ist ihm das kritische Moment, dass zwischen der mischnischen und talmudischen Periode streng zu scheiden sei, entgangen. *) So hat R. Ismael die 5 Regeln — das Allgemeine und Specielle — in mehrere Regeln zerlegt und erläutert. So wird beim Allgemeinen und Speciellen ersteres durch letzteres modificirt und auf dasselbe beschränkt. Beim Speciellen und Allgemeinen gilt die Allgemeinheit; beim Allgemeinen, Speciellen und Allgemeinen eine theilweise Modification. (Vergl. Middot Aaron. Ende über das Verhältniss der Regeln des R. Ismael zu denen Hillels. — Ueber die 32 Regeln des R. Eleasar vgl. weiter.) 2) Sie soll nacli Seter Keritot (2. Haus §. 14) in der siebenten Regel des Hillel (oder 11 und 12 des R. Ismael), nach Middot Aaron in der 2. Regel (v"u) eingeschlossen 3) So Exod. 22, 17, 18: „Eine Zauberin sollst Du nicht leben lassen. Wer bei einem Thiere schläft, soll getödtet werden." Diese beiden Gesetze, erklärte Ben Asai, stehen nebeneinander, um über die Todesweise der Zauberin Aufschluss zu geben, worüber in der Schrift keine Bestimmung. Diese ist abzuleiten aus dem darauf folgenden Gesetze „Beschlafen eines Thieres," wofür nach der Halacha, Levit. 20 die Todesstrafe Steinigung bestimmt. R. Jehuda widerspricht jedoch und vermeint: „auf diese Erklärungsweise wollen wir über Jemanden Steinigung verhängen!" Vgl. Jebamot 4. Doch soll R. Jehuda in Deuteron, den Psvso Berechtigung zugesteheu, vgl. jedoch das. Tosafot auf — Bemerkenswerth ist, dass auch der spätere kritische Ibn Esra sich stets bestrebt, eine Nebeneinandersetzung aufzusuchen. 3