Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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11 Glaubens aufzufinden, was mehr geeignet, dem Volke den Glauben theuer zu machen und ihm dessen Beseligendes einzuflössen, als diese, den Schwerpunkt des Glaubens bildende Worte? Und die lange Reihe der Zeiten hat gelehrt, wie diese Exegese der Soferim aus dem Innersten des Glaubens gegriffen, wie sie aus dem tiefsten Religionsleben hervorgegangen in sich ihre eigentliche Berechtigung hatte. Mit diesem Schema tritt noch heute der Israelit ins Leben, es ist das erste Gebet, das das zarte Kind erlernt, und mit ihm verlässt er das Leben, seine Zunge lallt es noch in der Sterbensstunde; und dieses Schema war die Hymne, der Triumphgesang, mit dem er in vergangenen Jahrhunderten den Scheiterhaufen bestieg und für seinen Glauben freudig den Märtyrertod erlitt. Die Mischna hat auch einige eigentliche Exegesen der Soferim aufbewahrt. Man nimmt bei tieferem Eingehen Stellen in ihr wahr, die der Form wie dem Geiste nach dem mischnischen Lehrgange fremd sind; sie knüpfen nicht uur an die Schrift an, sondern exegesiren fortlaufend Schriftstellen; die Schriftworte werden angeführt nnd interlinearisch erklärt und es werden, um ein Ganzes zu geben, auch die Schriftworle die keiner Erklärung bedürfen, nach dem Schrifttext angeführt. So Negaim 12, 5—7: hier wird exegesirt Levit. 14, 35 ff. Es wird begonnen: wie ist die Besichtigung des Hauses (rvan n\sn tx»2) und nun wörtlich angeführt Levit. 14, 35 und der Sinn kurz exegesirt. Hierauf v. 36 und hierzu wieder eine kurze Exegese, zu der auch ein Theil von v. 38 gezogen wird (Mischna 6 das.) *), hierauf v. 39 etwas verändert und v. 40 buchstäblich, beide ohne Exegese angeführt; hierauf v. 42 mit Exegese 2). Dann v. 43 uud 44 inhaltlich, endlich v. 45 buchstäblich und ohne Exegese (Mischna 7) 3). — Eine ähnliche Exegese findet sich Sota 8, 1 ff.: daselbst wird fortlaufend an Deuteroh. 20, 2 angeknüpft und dieser Abschnitt erklärt. — Auch Maaser Scheni 5,10—14 scheint eine alte fortlaufende Exegese zu Deuteron. Gap. 27, 13—16. Wenden wir uns nun zur mischnischen Schriftforschung. Die Mischna ging aus den Vorarbeiten der Soferim hervor, die sie zu einem sich selbst tragenden Ganzen umgestalten wollten. Aber die alte Ableitung der Soferim war, wie es beim Uebergewichte der mündlichen Glossen nicht anders eintreten konnte, zum Theil verloren gegangen und so verlangten viele Sätze der sich'bildenden Mischna Begründung und Ausweis aus der Schrift. Andererseits hielt man sich nicht im Gebiete der Forschung durch Autorität gebunden; wurde auch mancher soferischen Ausprägung, so sie in das Leben übergegangen war, Gültigkeit zugestanden, so musste dem Geiste sein Recht, sich frei bewegen und zur Quelle zurückkehren zu können, unbenommen bleiben. Es enthielten aber auch die Lehrsätze der Mischna selbst Stoff zur ferneren Bestimmung und Erörterung des Gesetzes; das Nachdenken über diese Lehrsätze erregte neue Anschauungen, und der Geist nahm bald Lücken wahr, die nach der naturgemässen Entwicklung jedes Geisteswerkes, bei der Heranbildung der Mischna unausgefüllt geblieben waren. Auch machten sich durch Veränderung und Erweiterung der Verhältnisse neue religiöse Bedürfnisse geltend, deren Befriedigung in der Schrift gesucht wurde, da sie als das Buch des Lebens und für das Leben aller Zeiten galt; in ihr sollte jedes Zeitalter sich wiederfinden, dass es nicht in dem brausenden und verschlingenden Zeitstrom untergehe. Es be- J) Das 'i3i ^>->zr\ ^sx bis Ende der Mischna ist, wie leicht wahrzunehmen, Zusatz der späteren. Redaction, vergl. S. 10 Anmerk. l. s) Die aber auch, wie man an dem neN jt»30 erkennt, einigen spätem Zusatz hat.. 3) Die Verse, die ausgelassen sind, scldagen mehr in das Specielle der Priester, und gehören nicht strict in den Zusammenhang. 2*