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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 10

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 so ist wahrzunehmen, dass bis hierher ursprünglich dte frühere Redaction gegangen und sie uns hier wesentlich vorliegtAn diesem leitenden Gedanken dürfte die Mischna des R. Akiba and hei noch schärferer Sonderung selbst die alte Mischna aufzufinden sein. Bei diesem Scheiden der verschiedenen Bestandtheile der Mischna gelangen wir auch zur Ermittelung der soferischen Exegese, die oben nur allgemein berührt werden konnte. Die Mischna hat manche Bruchstücke von ihr erhalten. Einen Reflex der soferischen Erklärungsweise und wie sie aus den Tiefen des religiösen Lebens hervorgegangen, zeigt sogleich die erste Mischna Berachot 1,1. des uns vorliegenden Mischnawerkes: „Von wann liest man des Abends das Schema? Von der Zeit an wo die (levitisch unreinen und nach Levitic. 22, 7. den Sonnenuntergang erwartenden) Priester eingehen, um die Hebe zu essen." Diese einfache, man möchte sagen naive Zeitbestimmung weiset auf das hohe Alter dieser Fixirung; und es wird hierin die Verpflichtung, das Schema (hierunter sind die Verse: Deuteronomium 6, 4—10 und 11, 13—24 begriffen) zu verlesen, als bekannt vorausgesetzt. Diese Verlesung war auch in der That allgemein verbreitet und scheint selbst in Alexandrien schon in früher Zeit gekannt gewesen zu sein 2). Die Mischna erklärt jedoch nicht, woher diese Verpflichtung abgeleitet werde, es wird durchgehends angenommen, dass die in Schema vorkommenden Worte „Du sollst davon sprechen, wenn Du Dich niederlegst und wieder aufstehst" sich auf das Verlesen des Schema des Morgens und des Abends beziehen. (Vgl. das. Mischna 3.) Doch die Worte: „Du sollst davon sprechen u. s. w." beziehen sich eigentlich auf keinen besonderen Abschnitt, sondern drücken überhaupt die immerwährende Beschäftigung mit der Lehre ans 3); in der obigen allgemein und früh verbreiteten Auffassung ist das Werk soferischer Exegese wahrzunehmen, durch die diese Auffassung oder Erklärung mit der Schrift zusammenfloss (vgl. oben S. 5). Es wurde wahrscheinlich erkannt, dass diese Verpflichtung in ihrer gegebenen Allgemeinheit nicht Ausführung finden werde: die Menge, der gewöhnliche Mensch in seinen Alltagssorgen und Beschäftigungen will ein Bestimmtes, Fixirtes; das Aufsuchen eines Stoffes in einem grossen Geistesgebiete schreckt ihn ganz von diesem Gebiete zurück. Welche glücklichere Wahl konnten nun die Soferim treffen, als dieses Schema! Diese Stelle hat an ihrer Spitze die Anerkennung der Einheit Gottes: „Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein einziger Gott" und an diesen Grund- und Schlusstein des Mosaismus fügt sie die Worte: „und Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen Deineu Kräften,41 also die hingehendste Liebe und Anhänglichkeit; und in diesem Sinne wird fortgefahren und ermahnt, Solches der Jugend einzuschärfen n. s. w. In welchen prägnanteren Worten war der Inhalt des *) Die Capitel (Perakim) waren schon in früher Zeit in ihrer heutigen Ordnung abgetheilt, vergl. Ketubot 16a 'Nna mro 'a \«*p sps, Nidda 48 a jan Kvn ypish. Nun ist aber in dem wohl geordneten Tractat Berachot Gap. 2, 5 bis zu Ende nicht an seinem Orte, und nimmt unstreitig seinen Platz erst Cap. 3 ein. Bis 2, 5 ging also wesentlich die frühere Redaction; es sind zwar in den bisherigen Perakim auch spätere Autoren genannt, diese sind aber durch die letzte Redaction hinzugefugt: dem Haupttheile nach liegt die Mischna des R. Akiba vor, von 2, 5 bis Ende des Perek ist Zusatz der späteren Redaction. Diese Zusätze kommen zuweilen am Anfänge, zuweilen am Ende des Perek vor. So Chullin 4, 6 wnrow ncnr, welches durchaus nicht hierher gehört und seine eigentliche Stelle Perek 3 hat. Jebamot 91 nnniou?' ist hier vollständig eingeschoben (schon Tosafot rügt dieses daselbst); nach der älteren Redaction begann dieses Capitel erst mit Mischna 4, die sich eng an den Cap. 8 behandelten Stoff nunvc anscbliesst. Mehr hierüber in der Einleitung zur Mischna. *) Vergl. Frankel. Ueber den Einfluss der paläsL Exegese auf die alexandrin. Hermeneutik S. 222. ») Vergl. Talmud .2.1a.

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