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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 9

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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wird mitgetheilt, dass man eine alte Mischna abrogirt, und es divergiren die frühesten Autoren, welche Gestaltung die Mischna nach ihrer Abrogation angenommen *); auch wird häufig in der Mischna angeführt „man sagte" — ne« —, das von früheren Autoren erklärt oder über das, wie es zu verstehen sei, von ihnen disputirt wird 2), endlich weisen auch mehrere Archaismen 3), sowie kurz gedrängte Aufschriften *), auf eine alte Zeit hin. Zwar ist eine Bestimmtheit über die eigentliche frühere Gestaltung nicht zu erlangen; die vollständige Ordnung und Klassificirung. ist das Werk einer späteren Zeit; doch scheint schon früh die Grundlage zu selbstständiger Vertheilung und Verarbeitung des Stoffes gelegt worden zu sein 5). Ueberhaupt sind der heutigen Mischnaredaction andere Redactionen vorangegangen; R. Akiba (lebte zur Zeit des Barkochbischen Aufstandes unter Hadrian), redigirte die Mischna und es wird einer alten Mischna (rwwsn nrc-o) vor ihm gedacht6). Die Ermittelung dieser früheren Redactionen müsste wichtige literarhistorische Aufschlüsse liefern und Licht über die Mischna der alten Zeit und in welchem Zusammenhange geforscht wurde, verbreiten; allein es drohet jeder Versuch an dem Umstand zu scheitern, dass die letzte Redaction (die des R. Jehuda Hanasi) die früheren Redactionen ganz in sich aufnahm, und Lehrstoff aber nicht Zeit berücksichtigend, das Vorgefundene mit späteren Zusätzen so zusammenwebte, dass Aelteres und Jüngeres in Eins verschmolz. Eine tiefer eingehende Analyse dürfte jedoch auf bemerkbare Spuren der früheren Redactionen führen. Die uns vorliegende Mischna zeigt bei genauerer Auffassung in mehreren Tractaten eine systematische Ordnung und Vertheilung des Stoffes, einen von einem inneren klassificirenden Gedanken getragenen Zusammenhang sowohl der grösseren Abteilungen als der Lehrsätze 7). Wenn nun in den logisch geordneten Tractaten manche den Zusammenhang störende Mischna erscheint, *) Vergl. Nidda 10, 6. '121 a^iaix mz SSn rv= -nri2 -cV? vnn '121 -invj m rcrvn a^ais vn nnrsi:. 2) Vergl. Orla 2, 6. Viox nshv, Kelim 3, 5. n*:.«* nS; das. 8. na« nia; Oholot 14, 2. '121 r:n nas nszi; Mikwaot 3, 3. ■pcx s5? srpj.* '1 ION und sonst häufig. Hervorzuheben ist vorzüglich Pesachim 38 b.: "h svw S 'asS vfrsr '121 vh» "zi nos N-:n minnbn tick nn und dieses it;n ^-in ist die dortige Mischna 35 a. 3) So Kelim 1, 2. 0^:2 "3wm; Baba Kama 1, 2. 1*2:12.....mran.....\-12nr hz; das zn das. 1, 1. wird schon vom Rab. (dak 6 b.) auffallend gefunden. 4) So Schabbat 1, 1. Baba Kama 1, 1 ff. Kelim 1, 1—4, 2, 1 und a. m. 5) So zeigt Oholot 1, 2 die abstracte (niclit exegetisch an die Schrift anknüpfende) Lehre über levitische Verunreinigung durch eine Leiche. Die zwei Alischnas sind, wie das Anmerkung 8 gedachte noizn dt zeigt, alt. Zu vergleichen ist hier auch Chagiga 14a. mWi onjj hxtt -pnvc-io ~pz ttzyv v:'zxi \h taualso schon rtihna ein Tractat. . 6) Nasir 6, 1. Synhedrin 3, 4. Edujot 7, 2. Doch ist pjwnt njra nicht allenthalben der Ausdruck für die dem R. Akiba vorangegangene Mischna; Ketubot 5, 3 heist es niwsi n:sws "» und bezieht sich auf Mischna 2, wo auch R. Akiba angeführt ist. Uebrigens ist aus dem Ausdruck Vni nj;ro noch keineswegs auf eine Redaction durch R. Akiba zu folgern; man findet auch den Ausdruck jn:S Mira , ''2ST kvq u. s. w.; mehr dürfte darauf Synhedrin 85 b hinweisen, auch nennt Epiphanius adv. Haereses XIII. XV. XLII. eine devrigioois y xtcXovftivq tov 'Jxißic q Paßßicxißic. 7) Das Ausfuhrliche hierüber muss der Einleitung in die Mischna vorbehalten bleiben; hier genüge kurz auf einige Tractate hinzuweisen. Berachot zerfällt nach logischer Ordnung in 4 Theilc: das Lesen des Schema, das Gebet, die Segensprüche beim Genuss der Nahrungsmittel, die Segensprüche bei Natur- und sonstigen Erscheinungen. Der erste Theil Cap. 1—4, der zweite Cap. 4—5, der dritte Cap. 6—9, der vierte Cap. 9. — Nedarim zerfällt in 5 logisch aufeinander folgende Theile. Erster Theil Cap. 1—4, über die Form des Gelübdes. Zweiter Theil Cap. 4—5, über das Gelübde, durch das man sich am Nebenmenschen etwas versagt. Dritter Theil Cap. 6—9, über das Gelübde, durch das man sich einen Gegenstand versagt. Vierter Theil Cap. 10, Auflösung des Gelübdes. Fünfter Theil Cap. 11, Auflösung des Gelübdes der Frau und der Tochter. — Kelim zerfdUt in eine allgemeine Einleitung und in 4 Theile. Cap. 1 Einleitung. Cap. 2—11, levitische Unreinheit irdener Geräthe. Cap. 11—15, levitische Unreinheit metallener Geräthe. Cap. 15—30 levitische Unreinheit hölzerner und lederner Geräthschaften und der Kleider. Cap. 30, levitische Unreinheit gläserner Gefässe. Es ist übrigens fast in allen Tractaten eine nach einem leitenden Gedanken geordnete Aufeinanderfolge zu finden. 2

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