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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Mit der Perserherrschaft schliesst die Periode der Soferim und zugleich die erste Phase der Schriftforschung: die exegetische1). Die Forschung tritt nnn in einen neuen Kreis, in den des selbständigen Studiums. Die Exegese der Soferim leitete unmittelbar aus der Schrift ab und hing die auf diesem AVege gewordenen Erklärungen, die eben so viele Bestimmungen waren, als Corrollarien an die Schrift an. Diese vereinzelten Bestimmungen mussten nothwendig mit dem Fortrücken der Zeit zu einer bedeutenden Höhe anwachsen, und bildeten eine formlose Anhäufung eines grossen in seiner Zusämmenhanglosigkeit sich erdrückenden Stoffes. Dieser Stoff war zu überwältigen, war in ein System zu bringen: die Summe dieser überkommnen Lehrsätze, die gleichsam Glossen zum Gesetze bildeten, bedurften des Ordnens und der logischen Verbindung unter sich und mit dem Gesetze. Die Schrift bildete die Unterlage, aber es wurde nicht unmittelbar an das Gesetz augeknüpfV sondern das Gesetz wurde oben an gestellt und nach seinen verschiedenen Richtungen und Ausläufen bestimmt. Das früher bezeichnete Moment der Forschung kam jetzt erst zur eigentlichen Geltung; bei den Soferim war es in den Kreis der Praxis gebunden und auf naheliegende vorkommende Fälle beschränkt; die folgende Periode forschte über das Gesetz selbst, und bestimmte aprioristisch die aus ihm abzuleitende Norm. Mit dieser Forschungsweise beginnt die Periode der Mischna, die einen Zeitraum von ungefähr 500 Jahren umfasst. Die Lehrweise der Soferim ist Mi drasch, Erklärung, Erforschung der Schrift; die neuere Lehrweise, das freigewordene Studium, Mischna2).; Doch schloss natürlich die Mischna nicht den Midrasch aus: es wurde noch ferner zuweilen an die Schrift angeknüpft, um einen Lehrsatz aus ihr zu beweisen, oder die Schriftstelle durch einen Lehrsatz zu erklären, überhaupt wurde aus dem Midrasch neues Material zur Bereicherung und Vervollständigung der Mischna herbeigeholt3). Zu dem Entstehen der Mischna, scheiut auch ein äusseres Moment mitgewirkt zu haben. Palästina war durch die grosse, Vorder-Asien tief erschütternde und ihm neue Bahn vorzeichnende Umwälzung aus einem persischen ein griechischer Vasallenstaat geworden. Sein Verhältniss nach Aussen mochte, wenn mau von dem Kriegszug des Ptolomäus Lagi und manchen sich daran knüpfenden Folgen absieht, sich nicht wesentlich verändert haben; umsomehr machte sich aber der Wechsel der Herrschaft im religiösen Gebiete fühlbar. An die Stelle der rohen und nur durch orientalischen 1) Mit der. exegetischen fallt auch zusammen die henneneutische Thätägkeit dieser Zeit, von der der Talmud spricht (vergl. Megilla 3 a. .cvnn ni amüB) und deren Spuren im Onkelos zu finden sein dürften. Doch gehört dieses nicht mehr in den eigentlichen Bereich unserer Aufgabe, die sich nur auf die' Schriftforschung beschränkt. Auch die Untersuchung über sogenannte soferische Verbesserungen DVaiD ^pvi, sowie; über Keri und Ketib konnte hier nicht ihren Platz finden. Mehreres hierüber vergl. Frankel Vorstudien, zu der Septuaginta S. 17.2. 219. ff. 2) Mischna wird nach mancher Erklärung als Wiederholung, Verdoppelung genommen, gleichsam das zweite, das mündliche Gesetz, vergl. Aruch v. nju?«, und so wird sie auch bei Epiphanius und Novelle 144 unter der Benennung äiVTSQWßis angeführt. Da aber der Casus Constructus fl:»o (unj^tj "VK»'"vnVüo u. s. w.) und nicht n:»o wie Deuteronomium Cap. 17 v. 18 lautet, so ist es von dem aramäischen n:v oder njn (daher auch projns) „verdeutlichen, klar machen," abzuleiten. Auch diese Bedeutung hat Aruch und er führt Deuteronomium Cap. 6: aru-tfv als Beleg an. Vergleiche auch. Onkelos das p::m. Die Benennung Mischna kam übrigens erst im Verlaufe dieser Periode auf. B) In der Aufeinanderfolge; der verschiedenen Studienzweige wird zuweilen Midrasch, Mischna; zuweilen Mischna, Midrasch angeführt, vergl. Zunz a. a. 0. S. 43, Anmerkung. Grätz, Geschichte der Juden, Theil 4 S. 784. Wo Midrasch vorangestellt ist,, ist: er in der Bedeutung der einfachen fortlaufenden soferischen Exegese zu nehmen, und er wird dann auch als integrirender Theil der Schrift betrachtet; vergl. Berachot IIb.

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