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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Diese Soferim stehen in innigem Zusammenhange mit der sogenannten grossen Synagoge und geben Aufschluss über deren Wirksamkeit. Abot 1, 1 wird „von Männern der grossen Synagoge" (n?n:n r.o:a vmn) berichtet, „denen die Propheten die Lehre übergaben", das ist, die unmittelbar auf die Propheten folgten und an deren Stelle traten. Diese Männer lebten nicht zu Einer Zeit; es werden als deren erste Mitglieder Esra und Nehemia, als letztes Glied Simon der Fromme genannt, Jene beim Beginn des zweiten Tempels, Dieser, nach talmudischen Quellen, zur Zeit Alexander des Grossen1). Also ein fortlaufendes „Collegium" (wie no3D, eigentlich Versammlung ausdrückt) durch etwa 200 Jahre, von dem jedoch bis auf die aus der Schrift (Nehemias 7, 7) bekannten Namen und den vorgedachten Simon Niemand namhaft gemacht wird. Zu dem in diesen Momenten liegenden Befremdenden tritt noch der Umstand hinzu, dass ausser den bekannten drei Sprüchen: „Seid vorsichtig im Gerichte, stellet viele Schüler aus, machet einen Zaun um die Lehre" (Albot 1, 1) sich von dieser grossen Synagoge keine irgend welche Manifestation auf gelehrtem Gebiete erhalten hat, und doch konnten nur Studium und Wissen allein die Berechtigung geben, an die Stelle der Propheten zu treten, und mit gleicher Autorität Einfluss auf Zeitgenossen und Folgezeit zu üben. Ich habe an einem andern Orte2) den hochwichtigen Inhalt dieser Sprüche für die damalige innere und äussere Gestaltung Palästinas darzuthun versucht und hervorgehoben, dass sie gleichsam die Devise für die Thätigkeit bildete auf die, sollte nicht der neue Staat nach innen und aussen zusammenfallen, das Ziel wahrhaft für Glauben und Vaterland begeisterter Männer gerichtet sein musste. Aber diese Aufschrift ist eine allgemeine; sie zeigt wohl, wohin in bald zweihundertjähriger Wirksamkeit gestrebt wurde; aber wie man an diesem Ziel anlängte, welche Kräfte in Bewegung gesetzt wurden, wie sich das innere Religionsleben durch diese Periode ausbildete, welche Geistesthätigkeit sich entfaltete, hierüber herrscht Dunkel. Durch die Soferim wird es aufgehellt. Sie waren die Lehrer, sie kräftigten den Staat, dass er den später unter syrischer Herrschaft ihn bis auf den Grund erschütternden Stössen widerstehen konnte, und von ihnenhaben sich vielfache Monumente erhalten. — Hierdurch liegt auch nahe, dass diese Soferim selbst die grosse Synagoge bildeten. Die persischen Könige und die sie stellvertretenden Satrapen überliessen, wie die Geschichte vielfach bezeugt, den judäischen Staat nach seiner innern Verwaltung sich selbst; und diese Verwaltung nahm nach dem oben Bemerkten die Schrift zur Basis und wurde nach deren Vorschriften geregelt; das innere politische Leben fiel also mit dem religiösen zusammen, und es bedurfte umsomehr oberster Wächter und Bewahrer des Gesetzes, als nur durch sie allein auch das Recht den eigentlichen Stützpunkt und Ausführung erlangen konnte. Diese obersten Wächter des Gesetzes waren zugleich die Verwalter des auf das Gesetz construirten Staates und bildeten die höchste.Obrigkeit. Diese wurde genannt rV?rsn no:3 „die grosse Versammlung", ebenso wie in späterer Zeit der höchste Gerichtshof die Benennung rhra piroo „das grosse Synedrion" d. h. Rathssitzung oder Rathsversammlung (vergl. cwi^iov). Von dieser grossen Versammlung oder dem obersten Gerichtshofe gingen die wichtigsten Schrifterklärungen und religiösen Einrichtungen aus; seine Mitglieder waren die Soferim. Die Benennung „grosse Versammlung" wurde eine bleibende Bezeichnung für die Zeit des Bestehens dieses Soferischen obersten Gerichtshofes; man wollte hier- *) Nach Josephus Alterthüm. 11. 8 etwas später. 2) Frankel Monatsschrift für Gesclüchte und Wissenschaft des Judenthoms, 1. Jahrg. Seite 209.

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