Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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Die aus dem babylonischen Exil Zurückkehrenden brachten einen nach Erkenntniss des Gesetzes und der Belehrung in ihm sich sehnenden Sinn mit. Und dieser Belehrung bedurfte es sehr bei dem Mangel an Schriftbüchern und dem allmäligen Aussterben der hebräischen Sprache als Volkssprache (Nehemias Cap. 13, 24). Aber noch ein anderes Bedürfniss machte sich geltend. Die Zeit hatte neue Verhältnisse, neue Lebens- und Rechtszustände erzeugt, für die es der Regelung und Normirung bedurfte, die aber nur durch erweiterte Anwendung der Schrift, der allein gültigen Basis für Einrichtung und Verordnung, gefunden werden konnte. Andererseits bedurfte die Schrift Erläuterung vieler in ihr enthaltenen Gesetze, die dem gegenwärtigen Volksbewusstsein etwas ferner gerückt waren, oder über deren Weise und Umfang der Ausführung nach der tiefen Verehrung, die jetzt für die Lehre und jedes ihrer Gesetze gehegt wurde, beängstigende Ungewissheit entstand. Es erhoben sich nun Männer, die diese Belehrung ertheilten: sie sind bekannt unter dem Namen Soferim; Ihre Aufgabe war eine doppelte: die Schrift zu erläutern, und durch Analogie aus ihr Vorschriften für neu auftauchende Fälle abzuleiten. Die Schriftforschung selbst war in diesen Uranfängen ganz einfach und fand ihren Ausdruck in der Exegese: die Schrift wurde erläutert zum Zwecke des religiösen, die Ausführung normirenden Verständnisses; und diese Erläuterung gab manche Analogie an die Hand, die nicht sowohl als Anhang zum Gesetze, als vielmehr als eigentliche Deutung betrachtet werden konnte, daher die auf diesem Wege gefundenen Bestimmungen als biblische angesehen wurden. Auch die Benennung Soferim weiset auf diese exegetische Beschäftigung hin: ~£»o zur Zeit des Lebens der hebräischen Sprache „Schreiber," bedeutet zur Zeit des zweiten Tempels „Gelehrter": es schliesst sich nämlich an -so Buch, Schrift an: „Schrifterklärer"1). Die Schrifterklärungen dieser Soferim haben sich nicht besonders erhalten: sie flössen durch ihre Einfachheit mit der Schrift zusammen, nur einzelne Spuren werden uns weiter auf manche dieser alten exegetischen Momente führen. Hingegen werden manche Verordnungen als onaio nn augeführt, die sich nicht als weitere Ausführung und Erläuterung der Schrift, sondern als das Gesetz umzäunende und es bestärkende Einrichtung ankündigen. So manche über die Schrift hinausgehende verbotene Verwandschaftsgrade (Jebamot Gap. 2, 3), sie werden als ein Verband um das Gebot angegeben nwo hcn 2). Die Mischna nennt überhaupt ältere Bestimmung oneTOnn (vergleiche Synhedrin 10, 3), der spätere Ausdruck d^ödh (Weise) und der noch spätere pn (unsere Lehrer) wird für die alte Zeit nicht gebraucht, in dieser existirten nur onsiD 3). 1) Mit Unrecht nennt Zunz, gottesdienstliche Vorträge S. 32, die Deutung von nsion Esra, Cap. 7,. 11 eine unrichtige. Nach dem Sprachgebrauch des zweiten Tempels legte man diesem "Worte die Bedeutung Schrifterklärer bei, und dieses ist mit dem dortigen T>no 13id ausgedrückt. 2) Vergleiche jedoch Jebamot 20 a Jeruschalmi 2, 3. a) Soferim ist demnach an sich eine ehrenhafte Benennung, da sie sich auf die ältesten Lehrer zurückbezieht; daher spricht Kabbi Gamaliel Sota 15a naa'Tisi "h wan o^nsiD. Vergleiche auch Kelim 13, 7 'in d"H21d "lamn r-iri "i-"t rfirP 't iks. Seiner eigentlichen Bedeutung nach „Schrifterklärer" musste jedoch in späterer Zeit, wo das Studium sich nach grösseren Dimensionen ausgebreitet und nicht mehr bei der Exegese stehen blieb, der sich mit der Exegese beschäftigende weniger gelehrt erscheinen, als der das Studium in seiner ganzen Tragweite umspannende orn; daher Sota (49 a) .dvö bnan "W'S.x 'i N^tro jnsDi k^sds "»inoS s*nr»3n vi» «npon rr>z 2-inw. Easchi's Erklärung; mpvn ->noSa xnao scheint nicht befriedigend, da npuv ">icba wohl eher unter dem jostro zu verstehen wäre; vergl. Schbbat 1, 3 pnp mpuvin p'n nsri prin. Auch steht nach unserer Auffassung: N^m N'ISD son^n in entsprechenderer Ordnung.