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Die neue Welt · 1938-03-11 · Heft 734 (11.3.1938) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 734 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 734 vom 11. März 1938 DIE NEUE WELT Seite 5 Wissen Sie, warum ... im Haushalt von zehntausenden Wiener Juden zu PESSACH immer wieder nur „Schmidl-Mazzoth" und Schmidls Mazzoth-Grieß sowie Mazzoth-Farvel verwendet werden? Weil „Schmidl-Mazzoth11 die unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad erzeugt werden, den verwöhntesten Ansprüchen genügen und den nebenstehenden ZEHN GEBOTEN entsprechen. Uedan^CH Sic dU neue, UtoncUcs scUtnackUafte. SptaMrfmackc ,H.B/ in alten. U&mcch QescU&QteH! ZENTRALE i BRODETZKY M, Uopoldigasse 48, Tal. A.40-0.90, «.60*2.63, A-48.4-48 Die 10 Gebole: ,,S<hinid.-Mazzoth" 1. Sind seit fast 50 Jahren beliebt. 2. Haben einen besonders feinen Geschmack. 3. Sind sehr leicht verdaulich und bekömmlich. i. Werden nur aus den feinsten Mehlen erzeugt. 5. Sind hygienisch und in Kaschruth einwandfrei! 8. Werden nach einem besonderen Verfahren hergestellt. 7. Werden in peinlichst reinen Räumen erzeugt! 8. Von Facharbeitern deren Sauberkeit Uberwacht. 9. Der erstklassige Fachmann und Fabrikant N. Brodetzky. 10. Schmidl-Mazzoth sind garantiert frisch (Erzeugung 1938). ,,/CHMIDL"-GRIE/ nur in plombierten Säcken! RUNDSCHAU Zum Tode Schwartzbards Die Nachricht vorn Ableben Schalom Schwartzbards, welcher seinerzeit in Paris den ukrainischen Pogromführer P e 11 j u r a erschossen hatte, hat unter der Pariser Judenheit lebhafte Teilnahme hervorgerufen. Die jüdischen Zeitungen veröffentlichen lange Nachrufe auf den Verstorbenen. Am 30. Tage nach dem Tage seines Ablebens wird in Paris unter dem Vorsitz von Henri Torres, dem Verteidiger Schwartzbards im Petljura-Prozeß, eine Trauerkundgebung stattfinden. Es verlautet, daß Schwartzbard entweder in Paris oder in Palästina beigesetzt werden wird. Schwartzbard wurde am 18. August 1886 in Ismail, Bessarabien, geboren. 1905 war er in Balte, wo er bei seinem Vater lebte, Zeuge des damals dort wütenden Pogroms und trat gemeinsam mit seinem Vater dem jüdischen Selbstschutz bei. Nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe floh er von Rußland nach Oesterreich. 1910 ließ «r sich in Paris nieder und unterhielt dort einen Uhrmacherladen. Bei Ausbruch des Weltkrieges meldete er sich als Freiwilliger; für Frankreich an die Front, wurde dreimal verwundet und wegen besonderer Tapferkeit mit dem Kriegslcreuz ausgezeichnet. Schwerverwundet und lungenleidend mußte er die Front verlassen. Nach der russischen Märzrevolution kehrte er als russisch-französischen Dolmetsch mit einer französischen Regierungsmission nach Rußland zurück und nahm in Odessa an der Formierung der militärischen Kerenski-Garde teil. Nach der bolschewistischen Revolution wurde er Kommandant eines Regiments, das gegen P e 11 j u r a und D enikin kämpfte. Schwartzbard blieb dann in . der Ukraine und erlebte dort alle Greuel der von den Petljura-Banden veranstalteten Nachkriegspogrome. Er beteiligte sich auch dort an der Bildung jüdischer Selbstschutzabteilungen; während der Pogrome wurden zwölf Verwandte Schwartzbards ermordet. 1919 kehrte Schalom Schwartzbard nach Paris zurück; er wurde französischer Staatsbürger und widmete sich wieder seinem Uhrmacheri'aeh. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym „Baal Chalomot" (Träumer) in jiddischer Sprache einen Gedichtband „Träume und Wirklichkeit", ferner Kriegserinnerungen von der französischen Front 1914 bis 1916 und Tagebuchaufzeichnungen über die Ereignisse in der Ukraine 1917 bis 1919. Er war auch Mitarbeiter einer Reihe jüdischer Zeitungen. Nachdem Schwartzbard im Sommer 1927 in dem sensationellen Prozeß wegen der Ermordung Petljuras freigesprochen worden war, beabsichtigte er, sich in Palästina niederzulassen, doch erteilte ihm die englische Verwaltung nicht die Einreisebewilligung. In den letzten Jahren bereiste Schwartzbard zahlreiche Länder, insbesondere sämtliche Teile Amerikas. Vor kurzem hatte er sich im Auftrage der Jiddischen Welt-Enzyklopädie nach Südafrika begeben. //Wib* Juden werden nida' sdiweigen" Aus L ondon (J. T. A.): Der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Montefiore, hielt auf der Monatskonferenz des Rates der Association eine Rede, in der er sich mit den geplanten englisch-deutschen Verhandlungen und der „Absicht Hitlers, der britischen Presse eine Zensur aufzuerlegen", befaßte und dazu u. a. ausführte: Solange Juden und Judentum verfolgt und erniedrigt werden, solange von Naziquellen her in alle vier Weltteile Verleumdungen über die Juden ausgestreut werden, können wir uns nicht Schweigen auferlegen lassen. Alle außenpolitischen Entscheidungen müssen in voller Kenntnis der Tatsachen getroffen werden. Es gibt nicht mehr viele Plätze in der Welt, wo man noch seine Meinung frei zum Ausdruck bringen kann, und wir brauchen uns nicht zu schämen, wenn man uns zu denjenigen zählt, die Unpopularität und Kritik riskieren, indem sie sich bemühen, der Freiheit zu dienen. Es scheint, daß Herr Hitler die englischdeutschen Verhandlungen von der Einstellung der Angriffe auf Deutschland in der englischen Presse abhängig machen will. Es ist schwer zu verstehen, was mit der „zügellosen Verleumdung" gemeint ist, über die Herr Hitler sich beklagt. Es scheint mir, daß das, was wirklich gewünscht wird, nur schwer zu unterscheiden ist von dem Prozeß der „Gleichschal t u n g", den man am Beispiel Deutschland nur allzu gut kennt. Es würde praktisch bedeuten, daß keine einzige englische Zeitung es wagen dürfte, das Naziregime zu kritisieren. SatomOH und Fing. WitttHOHH zeigen die glückliche Geburt einer Tochter an Wien, im Adar 5698 Es kann in Berlin freilich nicht angenehm sein, wenn die Oeffentlichkeit in England davon erfährt, daß in Deutschland Christen „Feinde der Menschheit" genannt werden, daß christlicher Einfluß in den Schulen unterdrückt wird. Dies alles könnte man in Berlin als „zügellose Verleumdung" betrachten. Englische Zeitungsschreiber würden die Möglichkeit haben, die Moskauer Prozesse in aller Ausführlichkeit zu beschreiben; über das Schicksal Pastor Niemöllers aber würde man mit Schweigen hinweggehen müssen. Es könnte dem Führer nicht genehm sein. Wenn „zügellose Verleumdung" eingestellt werden soll, schloß Montefiore, dann nicht nur auf der einen Seite der Nordsee. Wir können nicht damit einverstanden sein, daß es Naziführern gestattet sei, zügellose Beschuldigungen auf die Juden zu häufen, und daß wir demgegenüber Schweigen bewahren müssen, weil aussprechen, was ist, „Kritik an einem fremden Staat" bedeuten würde. nicht der Wirklichkeit entspricht. Es ist nicht richtig, daß Italien beabsichtige, in einem Punkt seines Kolonialbesitzes ein jüdisches nationales Heim zu schaffen, um dort die in aller Welt verstreuten Juden zu konzen* trieren." Weiter heißt es in dem Artikel: „Da in Palästina wegen des Vorhandenseins einer arabischen Bevölkerung das Judenstaatsexperiment Bankrott erlitten hat, ist es selbstverständlich, daß z. B. auch in L y b i e n, wo dieselben Schwierigkeiten bestehen, das Experiment keine besseren Aussichten hätte. Aber auch in Abessinien und in den italienischen Kolonien Somaliland und Erythräa werden die Italiener nicht den Juden zuliebe auf die ihnen dort offenstehenden kolonisatorischen Möglichkeiten verzichten. Es ist daher", schließt „Azione Coloniale", „naiv und unüberlegt, an die Eventuaütät zu glauben, daß das jüdische Weltproblem auf eine solche Weise gelöst werden wird. Es ist aber auch nicht einzusehen, warum Italien, das nicht unmittelbar unter diesem Problem zu leiden hat, es auf seinen eigenen Territorien soll lösen müssen." Unter Berufung auf die in kolonialen Angelegenheiten zuständige „Azione Coloniale" erklärt die „Gazzetta del Popolo", daß die Ueberlassung äthiopischer Gebiete für eine jüdische Siedlung nicht in Betracht komme. Es sei auch nicht verständlich, weshalb ausgerechnet Italien zur territorialen Lösung der Weltjudenfrage die Hand bieten sollte. Ein Dokument der Zeit Der J. T. A. wird aus Zürich geschrieben: „Das bekannte Buch von Paul de Kmif, „Die Mikrobenjäger", ist im Verlag Orell-Füssli vor kurzem in der sechsten Auflage erschienen. Ein Kapitel dieses Buches handelt von Paul Ehrlich, dem deutschen jüdischen Arzt und Wissenschaftler, der als Krönung seiner jahrelangen unermüdlichen Forschungen das Salvarsan, das Heilmittel gegen die Syphilis, erfand. Mit Erstaunen stellt man nun fest, daß dieses Kapitel in der neuen Auflage weitgehend geändert wurde. In welcher Form dies geschah, soll in der nachfolgenden Gegenüberstellung gezeigt werden: Fünf te Auflage: Sechste Auflage: Seite 53//.- Seite 331: „Prächtig", rief er aus, „Prächtig", rief er aus, indem er vor seinen Schränwährend er vor den Schränken kauerte und d-as schilken kauerte, die ein erlernde Mosaik der her n mstaiuüich buntes Mosaik stehenden Flaschen bcv c r s c h m u 1 z t er wunderte. Fläschchcn enthielten. Seite 337: Seite 83!t: Das genügte, um diesen Und des genügte, um zukun f t s gl äub i g en diesen allzu Zuversicht' Mann rastlos vorwärts zu liehen Mann vorwärts zu treiben, ,zur Auffintreiben, (Das weitere ist dun g seiner Zaub e rausgelassen!), kug el, zur Rettun.o von Millionen leidender M einsehen. Seite 3Jf2: Seite S3S: Um jene Zeit also stol- Und nun stieß er also perte Paul Ehrlich in die zufällig auf das bc- U n sterblich keit rühmte Präparat 606'. durch sein famoses Präparat 606. Seite SJ,2: Seite 339: Es war ein napoleoni- (Gestrichen!) scher Sieg. Seite 3Jt6: Seite 8Jf2: Mittlerweile kam das Das Jahr 1910 kam Jahr 1910 heran. Es wurde heran, Paul EhrUchs großes das große Ehrlich-Jahr der Jahr, deutschen Medizin. Diese scheinbar geringfügigen Aenderungen, Umstellungen und Weglassungen sollen ein verzerrtes BÜCHER jeder Art, BAR-MIZWAH-GESCHENKE billig, im Antiquariat Hermann TUCHNER, EChß TnÜOrStraßß 52. Tel. R-41-4-20 Italien denkt nidit daran Der offizielle Sprecher des italienischen Propagandaministeriums hat die in ausländischen Zeitungen veröffentlichten Nachrichten, wonach Italien den Juden kolonisatorische Möglichkeiten in Abessinien anbieten wolle, dementiert. Er bezeichnete diese Nachrichten als „phantastisch". Auch das italienische Außenministerium hat dem polnischen Gesandten, der sich für Einwanderungsmöglichkeiten von Juden in Abessinien interessierte, auf Befragen die gleiche Antwort erteUt. Die den offiziellen italienischen Kolonialkreisen nahestehende Zeitschrift „Azione Coloniale" veröffentlicht in großer Aufmachung einen „Jüdisches Heim und italienische Kolonien" betitelten Artikel, in welchem entschieden gegen die Gerüchte betreffend einen Plan jüdischer Kolonisation in Abessinien Stellung genommen und ausgeführt wird: „Einige französische Blätter haben die offizielle italienische Note (betreffend Errichtung eines souveränen Juden Staates, aber nicht in Palästina — <Ue Red..)., in einer Weise kommentiert, die und unrichtiges Bild eines weltberühmten Gelehrten wiedergeben. Der Grund liegt offenbar darin, zu ermöglichen, daß auch die sechste Auflage in Deutschland verkauftwerde. Deshalb wird die Persönlichkeit des jüdischen Forschers dem Wunsche der Reichskulturkammer gemäß dargestellt. So wird in einem Buch, das in einem alten Schweizer Verlag erschienen ist, das Andenken an einen Menschen, der sein Leben dem Kampf gegen tödliche Bazillen geweiht hat, durch die Mikroben des antisemitischen Giftes geschändet." Die Bevölkerung Palästinas Ende 1937 Aus Jerusalem: Die Bevölkerung Palästinas zählte, laut dem statistischen Regierungsbulletin, Ende 1937 1,335.253 Seelen, davon 61,2 Prozent Mohammedaner, 29,6 Prozent Juden, 8,3 Prozent Christen und 0,9 Prozent andere. Vau Vriesland, Direktor des Tel-Aviver Halens Aus Tel-Aviv: Zum Direktor des Tel-Avivcr Hafens ist van Vriesland vom Tcl-Aviver Vorband für Schiffahrt bestellt worden.

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