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Die neue Welt · 1938-03-11 · Heft 734 (11.3.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 734 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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' Seite 4 DIB NEUE WELT Nr. 784 vom 11. Mäw 1938 Nach Waudiope§ Abgang iVon unserem politischen Korrespondenten Dr. N. Vardi (Tel-Aviv) Die Abschiedsfestlichkeiten zu Ehren des zurücktretenden Oberkommissärs Sir Arthur Wauchope nahmen einen großartigen Verlauf. Die Führer der Zionistischen Exekutive hielten zu Ehren des abreisenden Regierungshauptes tiefempfundene Lobreden, in denen seine nutzbringende Tätigkeit für das Wohl des Landes und des Jüdischen Nationalheimes gepriesen wurde. Die Führer des jüdischen Landbesitzerverbandes wiesen auf seine hervorragenden Leistungen zu Gunsten des jüdischen Grundbesitzes hin. Der Bürgermeister von Tel-Aviv würdigte die Freundschaft des zurücktretenden Oberkommissärs und seine Ergebenheit für die jüdische Stadt. Tel-Aviv. Der Präsident des Tel-Aviver-Hafens hob die zuvorkommende Haltung Wauchopes gegenüber dem im Tel-Aviver Hafen vollbrachten Werk besonders hervor. Alles lobte, pries und würdigte ... Und Sir Arthur, dem dies alles gewidmet war, nahm die warmen Gefühle der jüdischen Bevölkerung mit begreiflicher Genugtuung entgegen. Dabei haben beide Teile etwas vergessen. Die jüdischen Lobpreiser scheinen vergessen zu haben, daß noch vor ganz kurzer Zeit Wauchope geradezu als Repräsentant jenes politischen Systems galt, das sowohl den Ausbruch der blutigen Ereignisse als ihre ungestörte Fortsetzung in so großzügiger Weise ermöglicht hatte. Sie vergaßen, daß sogar Dr, Weizmann ein Buch voller Beschwerden gegen die Wauchope-Administration der Königlichen Kommission vorlegen mußte. Sie vergaßen ferner, daß gerade die Stadt Tel-Aviv vom abtretenden Oberkommissär jahrelang als Stiefkind behandelt wurde. Noch heute weigert sich die Regierung, die jüdischen Vorstädte Jaffas dem Tel-Aviver Munizipalgebiet anzugliedern, und zwingt sie, trotz der vielfachen Progromerfahrung, an den Jaffaer Stadtrat ihre Steuern abzuführen. Es scheint auch der Vergessenheit anheimgefallen zu sein, daß der zurücktretende „Gönner des Tel-Aviver Hafens" es nicht einmal für nötig befunden hat, seinem Lieblingskind vor der Abreise eine offizielle Lizenz zu hinterlassen. Der Hafen wurde ohne Regierungserlaubnis auf „gut Glück" gebaut, in der Ueberzeugung, daß, wenn man mit den Regierungsvertretern sanft verfährt, sie sich als genügend höflich erweisen werden, um die Juden bei ihrer Hafentätigkeit nicht zu stören. Andererseits scheint auch Sir A r t h u r vergessen zu haben, daß er bisher peinlich bemüht war, die Juden von öffentlichen Lobreden in bezug auf seine Person fernzuhalten, um nicht die Araber zu „reizen". Plötzlich ä n d e r t e er die Einstellung und ließ sich in Tel-Aviv, Haifa und den Kolonien huldigen. Läßt sich noch die Positionsänderung Wauchopes erklären („Johanna geht und nimmer kehrt sie wieder") so ist die Frontänderung der Juden ganz und gar unbegreiflich. Die Juden gehen nicht, sondern bleiben vielmehr im Lande; und es ist zu befürchten, daß die jüdischen Reden eine fatale Wirkung auf Wauchopes Nachfolger haben werden. In der palästinensischen Presse wurde vor kurzem das Problem der nach Palästina eingedrungenen „Gleichschaltung" besprochen. Es wird darauf hingewiesen, daß die zionistische Leitung geistig in den Wegen Berlins wandelt und Me Ullllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll heue MtodtiU lllllllllllillllllllllllülllllllllllllli lllllllltlllllllllllllliili HENRIETTE ROSENFELD'KLEIN Wien I, Kärntnerstrafte darum besorgt ist, sämtliche politische Institutionen des Landes mit ihrer eigenen „Generallinie"' gleichzuschalten. Vor sieben Jahren wurde der jüdische Nationalrat Palästinas gewählt. An der Spitze dieser Körperschaft stehen seit damals Leute, die aus der Partei der zionistischen Majorität kommen. In früheren Jahren gab es noch ein gewisses Gegengewicht für ihr Wirken: die Revisionisten. Diese haben aber vor vier Jahren den Nationalrat verlassen, so daß die Reihen der Opposition auf ein Minimum einschrumpften. Im Laufe dieser sieben Jahre ist so manches in Palästina geschehen: die jüdische Bevölkerung des Landes ist auf das Doppelte gewachsen, politische Veränderungen grundlegender Natur wurden dem Lande aufgezwungen, eine noch nie dagewesene wirtschaftliche Krise erfaßte den jischuw. Es gelingt aber nicht, die Leitung des Nationalrates zur Ausschreibung von neuen Wahlen zu bewegen. Die Leute fühlen sich untereinander sehr gemütlich und beeilen sich nicht, der öffentlichen Meinung und dein Gesetz, das Neuwahlen vorschreibt, Genüge zu tun. Statt dessen verwandelte sich der Nationalrat in einen Spiegel der Agency, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Verrenkungen der Exekutive getreulich nachzuahmen. Seelenverwandtschaft und gegenseitiges Verständnis reichen so weit, daß sich Dr. Weizmann den Spaß ertauben durfte, eine auf der A. C.-Sitzung nicht gehaltene Rede, vor dem ihm ergebenst angebotenen Forum des Nationalrates nachzuholen. Nach der Gleichschaltung des Nationalrates schreitet nun die Exekutive zur Gleichschaltung der Jerusalemer und Tel-Aviver Kultusgemeinde. In Jerusalem ist eben die neue Kultusgemeinde gewählt worden. Die Opposition eroberte bei den Wahlen den zweiten Platz und nahm ihre Stelle unmittelbar nach der erstplacierten Arbeiterpartei ein. An dritter, vierter und fünfter Stelle stehen verschiedene der Exekutive mehr oder weniger ergebene Gruppen. Und nun stellte es sich heraus, daß man die siegreiche Oppositionspartei nicht in das Gemeindepräsidium einschließen will. Die Sache geschieht zweifelsohne auf Veranlassung der Exekutivmajorität, die auch die Jerusalemer Kultusgemeinde gleichzuschalten bestrebt ist. Sodann wird die Reihe an die Tel-Aviver Kultusgemeinde kommen. Die Wahlen finden hier demnächst statt. Ein sympathisches Vorspiel zum „Judenstaate" des Herrn Ben-Gurion. In einem unserer vorigen Berichte an die „Neue Welt" hatten wir Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, daß die Führer der Po a 1 e Z i o n bestrebt sind, die antizionistitischen Arbeitergewerkschaften Amerikas zum Zionistischen Kongreß zu bringen. Wir wiesen auch darauf hin, daß die Amerikareisen Ben-Gurions und B. Katznelsons diesem Zwecke gewidmet waren. Nun bestätigt der Warschauer „Hajnt" diese Berichte vollauf. In seiner Ausgabe vom 7. Febraur d. J. schreibt das Blatt, daß sich Herr W1 a d e k, Führer der dortigen Gewerkschaft, an den Präsidenten der Zionistischen Exekutive, D. Ben-Gurion, mit der Mitteilung gewandt hat, er „sei bereit, zum nächsten Zionistischen Kongreß zu gehen und sämtliche Arbeiter, die im .Arbeiterring' organisiert sind, zum Erwerb der zionistischen Schekalim für den 21. Kongreß zu bewegen". Herr Wladek führte weiters aus, daß er überzeugt sei, ein Zwerjuden- Staat würde sogar der Liebe und Anhänglichkeit des polnischen „Bund" gewiß sein ... Wir dürften es also beim nächsten Kongreß mit einem zionistischen Auditorium „ersten Ranges" zu tun haben. TheateroderKanali§ation? Von Harry Sacher (London) In der Londoner Zeitschrift „New Judea" nimmt das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive, Harry Sa eher, das Gastspiel des hebräischen Theaters „Habimah" zum Anlaß, um Kritik daran zu üben, daß in Palästina auf Kosten von Lebensnotwendigkeiten auf anderen Gebieten Luxus betrieben wird. Der Umstand, daß fast zu gleicher Zeit im englischen Parlament über gesundheitliche Mißstände in Tel-Aviv zufolge mangelnder Kanalisation Klage geführt wurde, macht die Ausführungen Sacher3 besonders beachtenswert. Ueber die finanzielle Seite der Tournee der „Habimah" ist wenig Erfreuliches zu berichten. Ich weiß nicht, wie die Ergebnisse in Paris waren. In London aber war das Defizit groß und muß von den Juden getragen werden. In London bestehen eben nicht die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Spielzeit der „Habimah". Es gibt wenig Leute, die mit dem Hebräischen vertraut sind, und auch wenige, die das Interesse für ein, wenn auch ausgezeichnetes Spiel aufbringen, dessen Text sie nicht verstehen. In diesem Kreis ist es unmöglich, ein großes Theater zwei Wochen hindurch zu füllen. Zweifellos ist es für die Truppe ein große Genugtuung, im Westen Londons von hervorragenden Kritikern gelobt zu werden, und man wird uns vielleicht sagen, daß das eine gute Propaganda für Palästina ist. Aber einer der größten Vorteile des letzten Arguments ist, daß niemand jemals beweisen kann, ob es falsch oder richtig ist. Es steht vollkommen frei, zu behaupten, daß die „Habimah" in London einen tiefen Eindruck jüdischer Vitalität und künstlerischen Schöpfertums hinterlassen hat. Man kann aber ebensogut sagen, daß sie wie eine leichte Welle über den Sturm der Londoner Season hinweggegangen ist. Es gibt einen Bericht, nach welchem die S t a d tverwaltung von Tel-Aviv eine Summe von 3 0.0 0 0 P f u n d für den Bau eines Theaters aufwenden will. Dieser Plan regt nun einen Gedanken an, der so natürlich ist, daß niemand ihn außer acht lassen kann. London ist ungefähr hundertmal so alt wie Tel-Aviv, die Bevölkerungszahl ist fünfzig- DIE ZEITUNO UND IHRE WELT OST. PRESSEAUSSTELLUNG 4.-20. MÄRZ 1938 VERANSTALTET VON DER ÖSTERREICHISCHEN PRESSE¬ KAMMER IN DEN AUSSTELLUNGSRÄUMEN DES ÖSTER¬ REICHISCHEN MUSEUMS FÖR KUNST UND INDUSTRIE. WIEN I, WEISKIRCHNERSTRASSE (ECKE STUBENRING) GEÖFFNET TÄQL 10—19 UHR EINTRITT 40 GROSCHEN BEI OER ABGABE DIESES INSERATES AN DER AUSSTELLUNGSKASSA ERHALTEN SIE EINE EINTRITTSKARTE ZUM HALBEN PREIS Cofö Buchshaum D "•.^? Bürgerliches Famillencafs. In- und ausländische Zeltungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herab* gesetzte Preise. Mokka 46 Groschen, Melange SO Groschen. ma 1 so groß und doch hat London kein städtisches Theater. Dafür hat London aber ein. Kanalnetz und Tel-Aviv hat keines. Es würde sich nun herausstellen, daß Tel-Aviv ein städtisches Theater bekommt, aber keinen Hauptkanal. Es werden sich Leute finden, die sagen, daß es ausgezeichnet ist, geistigen Dingen vor körperlichen den Vorzug zu geben. Aber Skeptiker und kritische Menschen werden darin Philosophie am falschen Platz und ein Fehlurteil sehen. Palästina ist ein Land im Aufbau und muß auch seine Bedürfnisse danach einstellen. Die Höhe der Summe, die es selbst für die dringendsten Bedürfnisse aufbringen kann, ist beschränkt; die Summe, die es von draußen bezieht, ebenfalls. Die Einsicht diktiert nun eine Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem. Wichtiges zuerst! Es ist nicht notwendig, nicht klug, und vor allem ist es unmöglich, Palästina mit dem ganzen Aufwand der fortgeschrittensten und reichsten Gesellschaft auszustatten. Der Mantel muß dem Kleid angepaßt sein. Unsere Behörden und" Bürger müssen lernen, nach der dringendsten Notwendigkeit zu wählen und zu urteilen. Sie müssen die schwierige Kunst des „Neinsagens" lernen. Palästina und die Galuth werden von Projekten, die oft von den angesehensten Persönlichkeiten empfohlen werden, nur so überschwemmt. Keiner von diesen Herren hält es für seine Pflicht, wirklich Notwendiges in den Vordergrund zu stellen. Keiner will dem Urheber des Projekts die Möglichkeit einer Attacke auf die öffentliche oder private Kassa nehmen. Keiner fragt auch darnach, ob nicht Lebensnotwendigkeiten zufolge dieser Attacken unbefriedigt bleiben. Der Sinn für wirklichen Wert und der Sinn für Verantwortung muß stärker werden. Wenn wir uns an die brutale, einfache Frage — TheateroderKanalisation? — gewöhnten, könnte viel Verschwendung vermieden und ein soliderer Grundstock gelegt werden. Schnee und strenge Kälte in Jerusalem Aus Jerusalem: In Jerusalem fiel am Sonntag: zum zweiten Male im heurigen Winter Schnee bei strenger Kälte. Schnee und Glatteis, in Palästina ziemlich unbekannte Erscheinungen, verschuldeten den Zusammenstoß eines vollbesetzten Autobusses mit einem Gefährt. Hiebei wurden zwanzig Personen verletzt, unter ihnen ein Geistlicher der tschechoslowakischen Kapelle in Jerusalem. Wegen Sturm und Schneegestöbermußten mehrere Flugzeuge zurückgehalten werden. Wiederholung der Aufführung des neuen Tonfilms aus Palastina am Sonntag, den 13. März, Uhr vormittags im Elite-Kino, l. Wollzeile 34 Karten von S —.80 aufwärts an der Kinokasüß Wachsende Einnahmen aus Post und Radio Aus Jerusalem: Im Jahre 1937 haben in Palästina die Einnahmen aus Post und Telegraph insgesamt 507.586 Pfund, um 12,7 Prozent mehr als im Jahre 1936, betragen. Die Einnahmen aus Radiogebühren betrugen im Berichtsjahr 14.291 Pfund gegenüber 10.474 Pfund im Jahre 1936. 8127 neue Radioabonennten wurden geworben. Die Zahl der Telephonanschlüsse stieg von 12.480 im Jahre 1936 auf 14.848 im Jahre 1937, d. h. um 19 Prozent. , Neue Wirtschaftsunternehmungen in Palästina Aus London: Kolonienminister Ormsby-Goro erwiderte im Unterhaus auf eine Anfrage, in Palästina seien 1932 53, 1933 117, 1934 214, 1935 273 und 1936 183 neue Wirtschaftaunternehmungen registiert worden. Verb« der Judenstaatsxionesten Oesterreichs Dienstag, den 15. d., Verbandsrotsitzung im Heim» II., Praterstraße 30. Beginn 'Ad Uhr. Judenstaatsjugend. Sonntag, den 13. d.» 0 Uhr abends, im Heim, II., Praterstraße 30, Abschiedsfeier für Ch. J. Markow!tsch. — Dienstag, den 15. d., entfällt der Vortrag. — Samstag, den »6. d„ große Purimfoler, * Der Verband der Judcnstaatu/Joiiistcn gratuliert seinen Mitgliedern Salomon und Finy Willmanu zur Geburt einer Tochter aufs herzlichste. iiit f if iiiif fit Iii ff if f iiit iiif iit tif t inif iniif iiiiiirü in Iii imiiiiiiiif Verband der JudeiBStfaatsxiomsten/ Sekofion XIV-XV Am 12. März im Hotel Palace Purimball mit Mitternachts-Akademie Eintritt S 1.50. Beginn 9 Uhr. IUI IllllllllltllltllllllllllCIIIIII IIIIIIIII I llltllllll I Hilf III III IlllltUl

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