Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 734 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712340-2712360--7061-2720896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 734 vom 11. März 1938 DBS NEUE WELT Seite 3 Wotkmfuetd Theodor Herzls Erkenntnis Wie auch ein Jude zu der Lehre Theodor Herzls stehen mag, sie läßt sich aus dem Geschichtsbild des jüdischen Volkes nicht mehr hinwegdenken. Denn er, der große Lehrer seines Volkes, hat nicht allein das Verdienst^ den Zionismus geschaffen zu haben, den vielleicht andere vor ihm schon deutlich erkannten. Was ihn aus der Reihe jüdischer Politiker absondert, war die schöpferische Erkenntnis, war seine Fähigkeit, Vergangenes mit Zukünftigem zu verbinden, es war der prophetische Sinn, der ihm die einzigartige Bedeutung gab. „Isr. Familienblatt" (Berlin). Judische Erneuerung Wir Juden, und gerade wir, die wir uns für sehr assimiliert halten durften, haben trotz allen Schicksals- Schlägen, die eine Entschädigung gewonnen, und — ich muß das Wort hierher setzen — die eine glückhafte Erhebung erlebt, daß wir uns als Juden entdecken durften, daß wir, auf unsere Vergangenheit, demgemäß auf unsere Bestimmung zurückgewiesen, unser Sein aus sehr vergrabenen Wurzeln wieder erneuern, unsere zerrissene, scheinbar gerade in uns abgerissene Geschichte wieder verknüpfen konnten, die, ob glücklich oder unglücklich, por allem wieder aktiv und eigengesetzlich werden soll. Dr. Arthur Eloesser (gest. Berlin 1938). Araber/ die Boden verkaufen Auf einer kürzlich statt gefundenen Journalistentagung im Emek Hefer hat die Leitung des Keren Kajeineth in verbindlichster Form nicht nur erklärt, daß auch Möbeltransporte, Möbeleinfagerung, Übersiedlungen nach dem gesamten In* und Ausland Fachgemäße sorgfält. Bedienung/Vertrauensvolle Beratung GOTTLIEB KANTOR Wien I, Helferstorferstr. 4. Tel. U-27-5-35 Serie heute ein ständiges und bedeutendes Angebot an arabischem Boden besteht, sondern daß auch faktisch in den letzten Monaten und Wochen tausende Dunam in jüdischen Besitz übergegangen sind. C. Z. Klötzel (Jerusalem). Em Engländer fordert! Die Juden dürfen ihre Einwilligung zur Teilung Palästinas nicht geben. Der Preis, den die Juden für eine überschnelle Selbständigkeit zu zahlen hätten, könnte sie zum vollkommenen Ersticken bringen. Das Mandat ist durchführbar und ein geeignetes Werkzeug zur Verwirklichung des Zionismus. Es muß von der Mandatsregierung gefordert werden, daß das ganze Land offen und bereitgestellt sein muß für die jüdische Ansiedlung. W. Adams („Jewish Chronicle", London). Was nsf Assimilation f Assimilierbar zu sein, bedeutet für mich nicht, ebenso sein wie die anderen in einem bestimmten Lande. Mein Ideal einer südafrikanischen Nation ist Einheit, aber nicht Einförmigkeit. Ich wünsche nicht, daß alle Bürger so aussehen, als wenn sie durch eine Wurstmaschine durchgedreht worden wären. Wir alle haben unsere Differenzen und Eigentümlichkeiten. Ich erwarte nicht, daß ein englisch sprechender Südafrikaner genau so denkt und redet wie ich, ein afrikanisch sprechender Südafrikaner. Aber alle Südafrikatier müssen ihre Liebe und Hingebung ihrem Lande vor allem anderen widmen. Minister I. H. Hofmeyr (Südafrika). Gegen den Antisemitismus Rassensdiande'Grundsätze Aus Berlin: Das Reichsgericht in Leipzig hat in einigen Rassenschande-Urteilen der letzten Zeit folgende Grundsätze aufgestellt: Die Rassenzugehörigkeit der Beteiligten muß vom Gericht sorgfältig geprüft werden. Ist der beteiligte angeblich arische Teil unehelicher Abstammung, so ist eine besondere Sorgfalt geboten, weil hier die Möglichkeit, daß der Erzeuger und seine beiden Eltern Juden sind, nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden kann. Eine Beihilfe zur Rassenschande kann in der Gewährung einer Wohnung an die Beteiligten liegen. Ein versuchtes Verbrechen der Rassenschande liegt vor, auch wenn die weibliche Beteiligte noch nicht einverstanden ist, die Handlung des Täters aber unmittelbar darauf gerichtet ist, die Beteiligte zum Verkehr zu veranlassen. Bei der Strafzumessung bedarf es zur Verhängung einer Zuchthausstrafe nicht des {Nachweises eines besonders schweren Falles. Ab 1. April Arierparagraph bei den Danziger Aerzten Aus Dan zig: Es wird angekündigt, daß am 1.,April in Danzig der Arierparagraph für Krankenkassenärzte eingeführt wird. Ausgenommen sind nur jene jüdischen Aerzte, die bereits vor 1914 in Danzig wohnten und Frontkämpfer sind. Auf diese Weise werden von den 23 jüdischen Aerzten in Danzig nur 7 die Krankenkassenpraxis ausüben dürfen, Jugoslawien Aus Belgrad: Im Zusammenhang mit den jüngsten antisemitischen Aktionen in Jugoslawien, die in der Oeffentlichkeit des Inlandes und im Ausland lebhaftes Echo gefunden haben, hat die Regierungspartei „Jugoslovenska Radikalna Lajedn i c e" (Jugoslawische Radikale Einheit) die j ü d isehen Bürger von Belgrad zu einer öffentlichen Tagung eingeladen, auf der die Haltung der Regierungspartei gegenüber der jüdischen Bevölkerung be-. handelt wurde. Hauptredner war der Vh 7 resident der Stadt Belgrad, DragoljubTodorc vi S, Aaer der prominentesten Führer der Partei, der iw Verlaufe einer zweistündigen Rede die Stellung Oester Partei und mithin auch der Regierung zu der jüdischen Bevölkerung Jugoslawiens umriß. Er verwies auf den Anteil der jüdischen Bevölkerung am letzten Freiheitskampf der Serben und an allen anderen Freiheitskämpfen sowie auf ihren Anteil am öffentlichen Leben des heutigen großen Jugoslawien. Zu der Schilderung der jetzigen Lage der Juden in Europa, insbesondere in Jugoslawien übergehend, sagte er, seiner Partei liege Antisemitismus ferne; jeder Bürger genieße gleiche Rechte und trage die gleiche Verantwortung. Religiöse und rassische Unterschiede würden niemals gemacht werden. Was in der letzten Zeit geschehen ist, seien die Taten unverantwortlicher Elemente. Die Gegner der Regierungspartei hätten diese Vorfälle ausgenützt, um die Partei des Antisemitismus zu beschuldigen. Er könne feststellen, daß die Reise des Ministerpräsidenten nach Berlin nichts zu tun habe mit dem inneren Leben des Landes; diese Reise sei von wirtschaftlichen Notwendigkeiten diktiert worden. Zum Schluß versprach Vizepräsident Todoroviö der jüdischen Bevölkerung, als Teil des jugoslawischen Volkes, volle Sicherheit; weder die Partei noch die Regierung verfolge antisemitische Tendenzen, solche Tendenzen seien ihnen vollkommen fremd. Die Serben hätten selbst zu sehr unter verschiedenen Fremdherrschaften zu leiden gehabt, als daß sie nicht Verständnis hätten für den Wert der Freiheit. Die Rede hat größtes Aufsehen hervorgerufen, weil sie von einem Führer jener Partei gehalten wurde, die gegenwärtig die Politik des Landes bestimmt. Brasilien Aus Rio de Janeiro: Der Präsident von Brasilien, Getulio Vargas, erklärte Pressevertretern gegenüber: Die neue, auf berufsständischer Grundlage aufgebaute Diktatur in Brasilien ist nicht antisemitisch/ Es ist nicht die Wesensart unseres Volkes und auch nicht das Kennzeichen unserer politi- ©ttt itttereffattieS ©ejidjt ofyxi ftfcönc 3^nc iß unbcnIBar. 2>ie 2^nt muffen aber aud) gejjflegt fein, gepflegt mit Gblorobont, ber mUtionenfad) erprobten 3<u)ttbaftc. 2Ber ©jtorobont bemri|t, roetfe, bajj et bernünftige ^nbflege treibt, bafc er für feine 3cu)ne nid)t§ SeffereS tun fann. Xubc (fäjäumenb ober md)tfd)äument>) - S —-90. Unb beadjten Sie immer; .jSL Morgens als Erstes, abends als Letztes uLChlorodont Zahnpaste sehen Geschichte, Krieg gegen Angehörige bestimmterRassenzu führen. Brasilien wird nach wie vor alle, die in unser Land kommen, gastfreundlich empfangen und allen helfen, die zu seiner Entwicklung beitragen. Ich versichere den JudendesAuslandes, daß sie nach wie vor in Brasilien vorurteilslos willkommen geheißen sein werden. England Aus London: In Cambridge fand eine von 500 Akademikern besuchte Versammlung statt, die sich mit dem Anwachsen des Antisemitismus in Mittel- und Osteuropa befaßte. Die Versammlung — in der Geschichte der britischen Universitäten einzig dastehend — war von sieben Universitätsvereinigungen, darunter der konservative und sozialistische Klub, die „Christliche Studentenbewegung" und „Jüdische Kongregation", organisiert worden. Den Vorsitz führte der Präsident der Union Society, der repräsentativen Körperschaften der Studenten von Cambridge und ehemalige Präsident der Konservativen Vereinigung, J. M. Simonds. Begrüßungen hatten gesandt:Viscount Cecil und die Unterhausmitglieder Commander Oliver Locker- Lamps0n und George Lansbury. Der erste Redner, H. L. Elvin von der Trinity Hall, sagte, antijüdische Diskriminierung gehe nicht allein die Juden an, sondern alle Menschen, denen die Freiheit am Herzen liegt. Den Akademikern komme in diesem Kampf um Freiheit eine besondere Rolle zu. Colonel Josiah Wedgwood sagte, er hoffe, die öffentlich© Meinung Englands werde riebt duldent daß die Rechte der Juden, die England und Frankreich! in den Friedensverträgen zu verteidigen versprochen hätten, mit Füßen getreten werden. Der Vorsitzende brachte zum Schluß folgende Resolution zur Verlesung, die von den Versammelten einstimmig angenommen wurde: „Die Versammlung bedauert das Anwachsen des Antisemitismus in Europa und protestiert dagegen, daß antisemitische Aktionen von einigen Regierun- %ONEDltf ÄaM^^f«^ EIN RAUSCH VON SCHÖNHEIT UND MUSIK secie: w s - van dyks <fax*kJteu^-%J^$ij^- MANUSKRIPT UND fROPUKTIONSlBlf UNS WIUIAM AMTWONT MC CUIRI MACH P*" THCATCUTOCK VON WIUIAM ANTHONY MC CUlU VHP CUT BOITON ™« SCHWEDEN mnmtMx* gen gefördert werden, die dadurch die elementaren menschlichen Rechte und die in den Friedensverträgen übernommenen Verpflichtungen verletzen. Sie sieht im Antisemitismus eine Gefahr für die Stabilität und die Ordnung in Europa und begrüßt daher die von den Regierungen Amerikas, Englands und Frankreichs unternommenen Schritte zugunsten der rumänischen Juden. Die Versammlung verurteilt die Einrichtung von Ghetto-Bänken an den polnischen Universitäten als barbarisch und verspricht den polnischen Gelehrten, die für die Wiederherstellung der Freiheit an den Hochschulen kämpfen, Unterstützung." „Christlich oder antisemitisch!" Aus Rom: In einem „Das Geheimnis des Volkes Israel" betitelten, Artikel bespricht das offizielle Organ des Vatikans, „Osservatore Romano", das in Frankreich erschienene Buch „Les Juifs", welches eine Reihe bedeutender Aufsätze von hervorragenden christlichen Persönlichkeiten, wie J. Maritain, J. Bonsirven und Paul Claudel, enthält, und schreibt: „Nur zwei Haltungen sind möglich: die christliche oder die antisemitische. Eine schließt die andere aus. Entweder Krieg, der auf Haß und Gewalt gestützt wird und in welchem sich der „animalis homo", die menschliche Bestie, in ihrer ganzen Niedrigkeit erweist, oder eine Haltung des Mitgefühls und des „spiritualis homo", des geistigen Menschen, mit dem Ziel,, die Welt und das Volk Israel zu retten. Es ist schwer, schlieft „Osservatore Romano", dem Ungeheuerlichen, das in der Beschimpf ung der jüdischen Rasse liegt, Ausdruck zu geben." Der litauische flnnenminoster zur ludenffrage Aus Kaunas: Der Sonderkorrespondent der J. T. A., B. S m 01 a r, besuchte den litauischen Innenminister General Tschaplikas und unterhielt sich mit ihm über die Lage der Juden in Litauen. Auf die Bemerkung B. Smolars, daß die Aenderung der litauischen Konstitution in maßgebenden jüdischen Kreisen des Auslandes einige Besorgnis mit Bezug auf die Situation der Juden in Litauen geweckt hat, erwiderte Innenminister General Tschaplikas: „Die jüdischen Kreise im Auslande haben keinerlei Grund, sich hinsichtlich des Schicksals ihrer Brüder in Litauen irgend welchen Besorgnissen hinzugeben. Die neue Verfassung hat die jüdische Lage nicht im geringsten geändert. Auch in Zukunft bleiben Toleranz und gleiche Behandlung der Minderheiten Grundprinzipien der litauischen Regierungspolitik. Wir Litauer vergessen nicht, daß die litauischen Juden uns in den ersten Jahren des Freiheitskampfes viel geholfen haben. Niemals werden wir auch vergessen, mit welcher Hingebung nicht Ii tauische jüdische Führer uns geholfen haben, in den Zentren der Weltpolitik die Anerkennung des souveränen litauischen Staates durchzusetzen. Die jüdischen Bürger haben sich in dem neuen Litauen aktiv an dem großen Aufbauprozeß von Staat und Land beteiligt. Wir sind dessen eingedenk." Der Minister schloß: „Seit Generationen herrscht in Litauen Freundschaft zwischen dem Mehrheitsvolk und der jüdischen Minderheit. Diese 700jährige Freundschaft ist fest und stabil. Was die Frage der Nichtexistenz eines legalisierten jüdischen Gemeindewesens betrifft, so muß festgestellt werden, daß in diesem Belange unter den Juden selbst Meinungsverschiedenheiten bestehen. Breite jüdische Kreise haben seinerzeit selbst die Liquidation des Gemeindeverbandes gefordert. Mögen sich die Juden unter sich darüber einigen und ein entsprechendes Gesetzesprojekt schaffen, wir werden dann darüber reden." Anm. der Red. Die „nichtlitauischen jüdischen Führer", an welche sich General Tschaplikas so dankbar erinnert, waren die verstorbenen Zionistenführer Sokclow und Motzkin. Diese Männer hätten bei den Friedensverhandlungen den Weinen neuen Staaten die. wertvollsten Dienste geleistet,