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Die neue Welt · 1938-03-08 · Heft 733 (8.3.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 733 (8.3.1938)
Date
1938-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIB tfEUE WELT Kr. 733 vom 8. März 1938 Die Lage der Juden in Rumänien Nach dem Sturze der Regierung tioga*€uxa (Von einem gelegentlichen Mitarbeiter.) Es war ein Glück für die Juden in Rumänien, daß die Regierung Goga-Cuza sich mit Antisemitismus überfressen hat. Mit dem Zuviel auf einmal schaufelte sie ihr eigenes Grab. Wäre sie vernünftig und maßvoll gewesen und hätte sie nicht die hakenkreuzlerischen Methoden kopiert, sie wäre noch heute im Amt und die Juden in Rumänien wäfea dem allmählichen Verderben schutzlos preisgegeben gewesen. Aber wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie bekanntlich mit Blindheit. Der maßvollere Goga war der Gefangene des 82jährigen Cuza, der den Triumph Über Israel und den jüdischen Gott rasch und zur Gänze auskosten wollte. Dämm Wurden die Juden in Rumänien ununterbrochen mit judenfeindlichen Dekreten und Ministerialerlässen und nicht zuletzt mit wüsten Exzessen seitens der nationalchristlichen Sturmtruppen — genannt lanciert — gepeinigt. Ohne jedwede Verabredung und ausschließlich als Folge des über die Juden hereingebrochenen Schreckens wurde die gesamte Wirtschaft des Landes lahmgelegt. Denn die Juden spielen auf dem Gebiet der Wirtschaft eine bedeutende Rolle. Infolge der allgemeinen Unsicherheit erlahmte die Schwungkraft des jüdischen Geschäftsgeistes. Bestellungen wurden abberufen. Man kaufte nicht und verkaufte nicht, man stürmte die Banken, Einlagen wurden herausgenommen, Fabriken reduzierten ihre Arbeit, die Zollämter verödeten, die Staatseinkünfte sanken auf edn Minimum und nicht nur Juden, sondern auch Christen übten eine weitgehende Zurückhaltung in der wirtschaftlichen Betätigung. Hiezu kamen Uebergriffe der vielen Präfekten. Namentlich die Juden der Bukowina hatten viel zu leiden. Der Präfekt Robu, eine Säule des Cuzismus, gebärdete •sich wie ein Pascha, dem gegenüber Staatspolizei und Staatsanwaltschaft fast ohnmächtig waren. Nach dem plötzlichen Sturze der Regierung atmete man in ganz Rumänien wieder auf. # Ist nach dem Sturze der Regierung der Antisemitismus in Rumänien erledigt? Nein: Erledigt ist nur der Cuzismus, diese besondere Spielart des rumänischen Antisemitismus. Eine Cuza-Regierung wird nicht mehr kommen, nicht nur weil Cuza schon ein uralter Mann ist, sondern weil es sich gezeigt hat, daß man die nationalsozialistischen Methoden in Rumänien nicht nachmachen kann. Hier muß man langsamer zu Werke gehen. Man muß die Wirtschaft schonen. Das Land kann bis auf weiteres des jüdischen Geschäftsgeistes, der jüdischen Unternehmungslust und wohl auch nicht des jüdischen Kapitals entbehren. Obwohl der Durchschnittsrumäne, auch der Bauer, aufgeweckter ist als der Deutsche in gleicher Position, verfügt er dennoch nicht über den Fleiß, die Ausdauer, die Gründlichkeit und Energie und auch nicht über das Organisationstalent, das die Deutschen Der FrauenoNoldiensf hilft Die Aktion der Gemahlin des Bundespräsidenten, Frau Leopoldine Miklas, hat auch in den jüngstvergangenen Monaten wieder das Ihre getan, Not und Elend unserer Mitbürger nach Kräften zu mildern. Bekanntlich wird der Frauen-Notdienst nach den Grundsätzen der Interkonfes»ionalität geführt und ist auch die soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde im Hauptausschuß vertreten. In den Bezirksstellen arbeiten gleichfalls die Vertreterinnen aller österreichischen Frauengruppen. Wie immer waren die Zentrale und die Bezirksstellen gleichermaßen bestrebt, ausgiebig zum großen Hilfswerk beizutragen. Im Mittelpunkt der karitativen Tätigkeit standen begreiflicherweise die Bescherungen, die im Dezember gegen Jahresende veranstaltet wurden. Wie üblich, wurden Unterstützungen in Naturallen wie in barem gewährt. Höchst erfreulich ist, daß nicht nur die einzelnen Helferinnen und Helfer, beziehungsweise Freunde der Aktion taten, was in ihren Kräften stand, sondern daß auch Körperschaften und Firmen sich unter die Mitarbeiter die Frauen-Notdienstes einreihten. So beteilte der Oesterreichische Apothekerverein im Zuge der Aktion an die fünfzig Schützlinge. Ebennoviele Kinder wurden von der Kinderschutz- und Hettungsgeselischaft xonständig bekleidet. Die Firma Gerngroß verpflichtete sich, 15 Schützlingen des Frauen-Notdienstes in den Wintermonaten einen ausgiebigen und guten Mittagstisch zu gewähren. Zu Weihnachten wurden die Kinder von der Firma überdies noch reichlich beschenkt. Wie sehr namentlich die Bezirksstellen sich bemühen, kann man daraus ersehen, daß bei einigen Bescherungen bis zu 200 Familien einbezogen wurden. Das aUererfreullchste aber ist, daß auch die weibHoheJugend stärker als bisher für den Frauen- Notdienst gewonnen werden konnte. So veranstaltete beispielsweise die Döblinger Mädchen-Mittelschule eine Aufführung im Mittleren Konzerthaussaal, dessen Ertrag der Aktion zugute kam. Ueberdies führt diese Schule schon seit längerem eine Frühstticksaktion durch. Judenstaatsiugend______ Dienstag, den 8. März 1938, halb 9 Uhr abends im Zentralheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent; Hugo FRIEOMANM Thema: 2000 Jahrs Jüdische Kunst (mit Lichtbildern) Gäate willkommen! auszeichnet. Die rumänische Jugend sucht mit Vorliebe und findet mit Leichtigkeit Staatsanstellungen und auch sonst sicheret Einkommen in Privatuntemehnwingen. Das rumänische Kapital ist nicht wagemutig und zieht sichere Anlagen in liegendem Vermögen vor. Es wird lange dauern, bis die Rumänen in die wirtschaftlichen Positionen der Juden einrücken können. Aber man darf sich nicht täuschen: Der Antisemitismus in Rumänien hat nicht abgewirtschaftet. Er ist nur klüger und vorsichtiger geworden. Darum ist die Situation der Juden genau so gefährdet, wie sie es in der Aera der von Tatarescu geführten Liberalen gewesen ist. Nationalsozialismus ist auch weiterhin Trumpf. Auch weiterhin wird die möglichste Ausschaltung der Juden aus den freien Berufen betrieben. Die Dekretgesetze aus der Zeit der Regierung Goga-Cuza bleiben bestehen. Die Staatsbürgerschaften der Juden werden weiterhin revidiert und daran wird mindestens die Hälfte von der Gesamtzahl aller jüdischen Staatsbürger glauben müssen. Man wird es erreichen, daß fast eine halbe Million Juden die Staatsbürgerschaft verlieren und im Staate den Status der Juden des Vorkriegsrumäniens (Mitbewohner ohne Staatsbürgerrecht) erlangt. Ihre ErfoßAtdted«4 \, Hoher Markt- LichtenstegNr.4 werbsmögliohkelt wird sehr beschränkt sein, weil man auch zu den meisten Gewerben die rumänische Staatsbürgerschaft braucht. Diese Juden werden bestenfalls Bürger im Sinne des Art. 2 des Minderheitenschutzvertrages werden, der Ausländern gewisse Freiheitsrechte einräumt. Es bedarf keiner weiteren Schilderung, welch Jammer in tausenden jüdischen Häusern herrscht. Von der Revision der Staatsbürgerschaft sind besonders die jüdischen Advokaten betroffen. In mehreren Advokatenkammern haben die christlichen Majoritäten ihre jüdischen Kollegen von der Advokatur suspendiert — mit der Motivierung, ihre Staatsbürgerschaft sei nicht erwiesen, es fehle ihnen also die erste Voraussetzung zur Ausübung ihres Berufes. Eine Erbschaft nach der Goga-Cuza-Regierung ist auch die mit Dekretgesetz verfügte Revision der Diplome all jener Aerzte und Apotheker, die im Auslande studiert und in der Nachkriegszeit ihren Beruf auszuüben begonnen haben. Dieses allgemein gehaltene Dekretgesetz betrifft insbesondere die jüdischen Aerzte und Apotheker, weil es zumeist Juden waren, die wegen der bekannten Verhältnisse an unseren Universitäten nur schwer studieren konnten. Dieses Gesetz ist so abgefaßt und erfordert einen derart komplizierten Urkundenbeweis, daß viele ijin nicht werden erbringen können. Sie laufen Gefahr, ihren Beruf nicht weiter ausüben zu können. Werdende Mütter müssen jegliche Trägheit der Verdauung, besonders aber Darmverstopfung, durch ein Gläschen natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser zu meiden trachten. Fragen Sie Ihren Arzt. E Man muß mit einer strengen Handhabung dieses Goga-Cuza-Dekrets rechnen, weil kein Geringerer als der neue Ministerpräsident, der Patriarch von Rumänien Miron Cfcristea, sich für eine strenge Durchführung dieser Revision öffentlich ausgesprochen hat. Auch die von der Goga-Cuza-Regierung verfügten Entlassungen von bei den Krankenkassen angestellten jüdischen Aerzten werden strenge durchgeführt, z. B. in Cernauti, wo alle acht jüdischen Krankenkassenärzte (8 unter 25) vor einigen Tagen das Entlassungsdekret bekommen haben. * Die neue Verfassung ändert das bisherige parlamentarische System und führt eine ständische Vertretung ein. Wie sich dies auf die Juden auswirken wird, ist vorläufig nicht abzusehen. Die Regierung perhorresziert das politische Parteienwesen und es wird ihr zweifellos gelingen, die letzten Reste der faschistischen Partei der „Eisernen Garde", die deren Führer Coneliu Codreanu jetzt aufgelöst hat, zu vernichten. Aber vieles spricht dafür, daß das antisemitische Erbe von Berufeneren redlich und mit Ausdauer verwaltet werden wird. Palästina! Größter Orangenproduzent der Welt Aua Kreisen der Tschechoslowakisch-Palästinensischen Handelskammer (Prag) wird mitgeteilt: Palästina ist zum größten Orangen- und Grapefruit- Produzenten der Welt geworden; das Land hat mit elf Millionen Kisten (gegenüber 10,782.000 Kisten im Vorjahre) Spanien, Italien, Südafrika und die U. S. A. übeyflügolt, weiche Staaten zusammen in der diesjährigen Saison nur etwa daa Doppelte produzieren, /sKammerjungfer" — Theater in der Josefetadt Wundervolle Toüetten in kleidsamer Fasson beleben die Ausstattung dieser Premiere. Jeder Vorzug der Gestalt wird durch diese Kleider wirksam hervorgehoben. Frau Terwin-Moissi, als reiche Amerikanerin-Mutter, sieht vjornefcm aus in einer lila Moir6tollette mit originellem Kragen. Sehr apart Ihr schwarzes Kleid mit einem roten und einem blauen Schal. Ein wundervoller Zusammenklang Von Pailletten, Perlenstickerei und koraillefarbener Seide macht ein anderes Kleid zum vorbildlichen Modell. Lilli Darvas als Pariserin erscheint in einem schicken dunkelblauen Schneiderkostüm über getupfter Seidenbluse. Kitty Stengel trägt ein fesches braungelbes Trotteur, Jane Tilden ein parantes weißes Stilkleid mit bunten gestickten Blumensträußen. DU Toiletten dec fatfä^-pAMfUCCC. von Ida Reich&Bruderralstaa Tribüne Zum Tode d'Annunzios Wir erhalten folgende Zuschrift: „Wien, am 3. März. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich anläßlich des Todes des Italienischen Dichters Gabriele d'Ann u n z i o mit einer Reminiszenz komme. Als im Mai des Jahres 1915 Italien an Oesterreich den Krieg erklärte, tauchte in Wien das Gerücht auf, d'Annunzio, der in lebhafter Weise für die Teilnahme Italiens am Kriege auf der Seite der Entente eintrat, sei ein Jude und heiße mit seinem bürgerlichen Namen Rappaport. Die Behauptung ist natürlich ein blühender Blödsinn. Die Sache verhält sich folgendermaßen: D'Annunzio hieß mit seinem bürgerlichen Familiennamen Rapagnetta und ist ein echter Italiener und Katholik und hat wohl kaum jüdisches Blut in seinen Adern. Vielmehr ist der besonders im Osten vorkommende Name Rappaport wahrscheinlich italienisch-jüdischen Ursprungs und geht auf einen Hafenort „Rapa" oder „Rappa", vielleicht Rapallo, zurück, denn „Porto" heißt bekanntlich im Italienischen „Hafen". Der ähnliche Klang von „Rapagnetta" und „Rappaport" war natürlich für die Antisemiten in Oesterreich ein Fressen, denn sie konnten so die Schuld an der Kriegserklärung Italiens an Oesterreich den Juden indie Schuhe schieben. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Dr. Paul Steiner." Die Prager „Selbstwehr" schreibt in der gleichen Angelegenheit: „Vom jüdischen Standpunkt interessant ist die Tatsache, daß damals, als d'Annunzio der erbitterte Feind der Zentral mächte war, in vielen deutschen Blättern mit aller Bestimmtheit die Behauptung auftauchte und unzähligemal wiederholt wurde, d'Annunzio sei eigentlich ein galizischer Jude und heiße Rapaport. Es wurde in antisemitischen Kreisen Mode, nur noch von „d'Annunzio- Rapaport" zu reden und zu schreiben. Ob sich heute, da das antisemitische Deutschland und das faschistische Italien Verbündete sind, irgend jemand in den Hakenkreuz- Schriftleitungen dieser alten Märe erinnern wird? Heute, da d'Annunzio als politischer Freund Deutschlands stirbt, denkt natürlich niemand daran, aus ihm einen Juden zu machen. Selten ist Gelegenheit geboten, so klar hinter die Kulissen der antisemitischen Lügenfabrikanten zu schauen. Heute wird schlicht festgestellt, daß d'Annunzio mit dem bürgerlichen Namen „Rapagnetta" geheißen hat.,Die Episode „Rapaport" hat ihren zeitbegrenzten hetzerischen Zweck erfüllt und wird vergessen — nur von uns nicht. Wir gestatten uns, sie ins Gedächtnis zu rufen." Sdialom Sdiwavtfzbavd gestorben Aus Kapstadt: Schalom Schwartzbard, der anv 26. Mai 1926 in Paris den ukrainischen Hetman Simon, Petljura erschossen hatte, ist kürzlich In Kap* Stadt (Südafrika), noch nicht 50 Jahre alt, gestorben.. Unter der Herrschaft Petljuras in der Ukraine, 1918 bia 1920, kamen Judenpogrome vor, die zu den blutigsten in der Geschichte zählen. Zehntausende Juden wurden von,. den Banden des Hetmans grausam hingeschlachtet. Ganze jüdische Gemeinden in Stadt und Land wurden; vernichtet. Um diese Opfer zu rächen, erschoß der jüdische Uhrmacher Schwartzbard den Hetman, der nach dem Sieg des Sowjetismus Paris zu seinem Exil gewählt hatte, Da« Pariser Schwurgericht bewies Verständnis fÜS die Tat Sohwartzbarda und sprach, ihn frei. Ein ganzes jüdisches Dorf übersiedelt nadi Palästina Aus Prag (J. T. A.): Bekanntlich mußten üt Deutschland auf Befehl der Behörden sämtliche jüdi« sehen Mustergüter und landwirtachafitäiöhe Au«m bildungastätten liquidiert werden, der Bodene besitz, die Wohnhäuser und die Wirtschaftsgebäude wurden „arisiert". In Württemberg aber existierte bis zuletzt das Dorf Rexingen, in welchem die jüdische Einwohnerschaft der Landwirtschaft oWag. Jetzt wird zum erstenmal der Versuch unternommen, eine jüdische Dorf«* bevölkerung aus Deutschland vollzählig nach Pia« lästina zu verpflanzen. In den nächsten Monaten werde» die ersten 74 Menschen aus Rexingen nach Palästina gebracht, um dort angesiedelt zu werden. Die erste Gruppe ist am 16. Februar bereite abgereist Der KKL, hat der Siedlung 670 Dunam Boden südlich von Naharia (an de« Straße Haifa-Beirut) zur Verfügung gestellt. Die neu« Siedlung wird den Namen „Malchutia" tragen, eine Uebersetzung des lateinischen Sinnes des Worte» ,;Rßxingea".

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