Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 732 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 732 vom 4. März 1938 DIE NEUE WBt/T Seit« 5 Hie wiedet w'Mett zehntausende jüdische Familien in Wien und in der österreichischen Provinz zu PESSACH irgend eine andere in- oder ausländische Sorte Mazzoth, Mazzoth- Gries oder Mazzoth-Farvel als die seif fast 50 Jahren so beliebten SCHMIDL MAZZOTH »SdimidhMazzoth« sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. »Sdintidl'Maxxoth« werden aus nur all erfeinstem Weizenmehl erzeugt. »SdimidkMazzoth« werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt. »Sdiimdl'Maxzoth« sind verläßlich streng koscher Zentrale. Achten Sie im eigenen Interesse Na BRODETZKY bd *ink*uivon Mazzoth, II, Leopoldsgasse 43 Telephone: A-40-0.90, A-60-2-63, A-48-4-48 Gries und Farvel besonders auf die Marke »SCHMIDL« RUNDSCHAU Der yspoplEJQResesdie Jude" muß rauß! Aus Heidelberg wird der „Basler Nationalzeitung" geschrieben: „Im Auftrage der Heidelberger Akademie gab Carl Gebhardt im Jahre 1925 die Werke Spinozas in einer endgültigen Edition heraus. Seitdem dient diese vierbändige Monumentaiausgabe der Spinoza-Forschung in der ganzen Welt zur Grundlage. Die Auflage ist vergriffen. Eine neue wird von der jetzigen deutschen Regierung nicht gestattet. Als der Verleger darauf hinwies, dann würde die neue Auflage im Ausland erscheinen, bekam er zur Antwort: ,Uin so besser! Dann sind wir den portu; giesischen Juden los,' Vermutlich wird man demnächst Spinozas Werke auch aus Reclams Universal-Bibliothek ausmerzen, wie Adolf Bartels im .Völkischen Beobachter" verlangt. Diese populäre Ausgabe hatte Spinozas Schriften auch breiteren Schichten der deutschen Gebildeten zugänglich gemacht. Denn so stark und dauernd auch in allen Ländern der Kulturwelt die Wirkung des Philosophen ist, vor dessen Hause Renan bei jener Spinoza-Feier erklärte: ,C'e>st d'ici peut-etre que Dieu a ete vu de plus pres', die Deutschen dürfen von ihm vielleicht sagen: „Und uns wa r er m e h v.1 Die deutschen Dichter und Denker haben fast ohne Ausnahme ihre Weihe empfangen von der Philosophie des Glasschleifers aus Amsterdam, durch dessen Brillen nach dem Wort Heines alle Nachfolgenden geblickt haben. Wenn Lessing sagte: ,Es gibt keine andere Philosophie als die Philosophie des Spinoza', und Lichtenberg erklärte, künftig werde ,die Universalreligion geläu- CaßAtekedi&ß i. Hoher Markt- UchtenstegNr.4 terter Spinozismus sein", so wirkte er auch bestim* mend auf die Entwicklung Herders und Goethes, der sich seinen .leidenschaftlichen Schüler und entschiedensten Verehrer' nannte, und Schleierraacher forderte: .Opfert mir ehrerbietig eine Locke den Manen des heiligen, verstoßenen Spinoza!' Nietzache nennt im 475, Aphorismus von Menschliches Allzumenschliches' Spinoza ,den reinsten Weisen'. Im Jahre 1G73 erhielt Spinoza eine Berufung an die Universität Heidelberg, die er ablehnte, im Jahre 193S wird die große Heidelberger Ausgabe seiner Schriften in Deutschland verfemt — welch ein Fortschritt!" Ein bewegtes Leben Der Berliner jüdische Philosoph Jakob Fvomer in Preßburg gestorben Aus Prag wird berichtet: Am Freitag morgen traf in Preßburg, der Hauptstadt der Slowakei, der 72jährige bekannte jüdische Philosoph Dr. Jakob Fromer ein, um dort einen Vortrag zu halten. Er begab sich sofort nach der Ankunft in sein Hotelzimmer. Als er am Nachmittag nicht erschien, sah man nach und fand ihn tot im Bette liegen. Damit ist ein Leben, reich an geistigen Kämpfen, beschlossen. Dr. Jakob Fromer wurde 1865 in Baluty bei Lodz geboren, studierte Orientalia und Philosophie und wurde Bibliothekar an der jüdischen Gemeindebibliothek in Berlin. Seine For- «chungsgebicte waren det Talmud Maimouides und Spinoza. Wie einst der jüdische Philosoph Salomon Maimon, dessen Lebensgeschichte er schrieb, wanderte auch Jakob Fromer, ein studienbeflissenes Kind sehr armer jüdischer Eltern, in jungen Jahren zu Fuß nach Berlin, um hier sich zu bilden. Im Juniheft 1904 von Maximilian Hardens „Z uk u n f t" veröffentlichte Fromer unter dem Pseudonym Dr. Elias Jakob einen Aufsatz: „Das Wesen des Judentums", in welchem er die jüdische Religion sehr abfällig kritisierte und den Juden riet, unterzutauchen und den Glauben ihrer Wirtsvölker anzunehmen. In allen jüdischen Kreisen Deutschlands entstand eine solche Erregung, daß die Berliner Gemeinde Fromer beim Bekanntwerden seiner Autorschaft aus dem Amt entließ. Fromer veröffentlichte dann eine Reihe weiterer Werke: ,,Vom Ghetto zur modernen Kultur" (2. Auflage: „Götterdämmerung"), „Der Organismus des Judentums", „Der Talmud, Geschichte, Wesen und Zukunft", „Die eine Gruppe von Offizieren der Eisernen Garde aus, die einen kompletten Umsturzplan ausgearbeitet hatten; Waffertlager wurden beschlagnahmt, kompromittierende Listen mit den Namen der Häupter der Verschwörung und der präsumtiven Opfer gefunden; alle kompromittierenden Persönlichkeiten wurden verhaftet. Am 20. und 21. Februar wurden einige hundert Beamte, Mitglieder der Eisernen Garde, ihrer Stellungen enthoben. Am 22. Februar gab Codreanu. selbst von Verhaftung bedroht, nach." „Unter den gegenwärtigen Verhältnissen", fährt der Korrespondent fort, „ist Codreanus Verzicht als endgültig anzusehen. Codreanu hat sich über seine Laufbahn in dem 1936 abgeschlossenen ersten Bande seiner Erinnerungen sehr freimütig — er hoffte ja auf den Endsieg — geäußert. Kurz nach der Schaffung Großrumäniens wird sein Name zum erstenmal in Verbindung mit. blutigen Ereignissen genannt: Er organisierte die unrühmlichen Ueberfälle auf die streikenden Arbeiter der Staatsmonopole; 1923 steckt er mitten in der großangelegten Verschwörung, die eine Bartholomäusnacht für Dutzende der bekanntesten Persönlichkeiten Rumäniens veranstalten wollte; die Opfcrliste wies die Namen von sechs Ministem, von allen Rabbinern Bukarests, von B a n k i c r s, Abgeordneten, Senatoren usw. auf. Aber das Komplott wurde rechtzeitig verraten. Der Angeber wurde von Codreanu-Leuten im Hospital überfallen und gräßlich ermordet. Codreanu selbst hatte bekanntlich den liberalen Präfekten von Jassy, Manciu, ermordet, wurde aber freigesprochen. Später fiel Ministerpräsident D u c a durch die Hand von Codreanu-Leuten. Was hat in diesem verhängnisvollen Manne gesteckt, dessen Wahlerfolge im Dezember 1937 seine Partei zur drittstärksten des Landes machten? Nur Agitation, nur Phras e n. Ein Programm lehnte er ab, ,denn ein Programmd ist die Ausgeburt der Vernunft, und die Vernunft wird durch die Tat zerstört werden; siegen wird der Glaube an die Nation!' heißt es in seinem Buche. Der glänzende Volksredner Codreanu wurde zum Idol der Studenten; sein Ansehen stieg so, daß es dem König verdächtig wurde. Nach Gogas Sturz konnte Codreanu weder ein Kompromiß mit der neuen Lage finden noch weiter auf milde Richter für die Legionäre hoffen, die auf den Dörfern im Interesse der Nation, wie Codreanu es sich vorstellte, brandschatzten." BOCHER jeder Art (auch alt) sowie zur Barmizwah im Antiquariat Hermann TU CNN ER, ECkE TfliOrStrOßS 52. Tel. R-41-4-20 Auferstehung Spinozas", schließlich eine Auswahl aus dem Babylonischen Talmud in deutscher Sprache. Jakob Fromer hat in seinen letzten Werken seine ursprüngliche Auffassung des jüdischen Problems gründlich geändert. Er wurde ein leidenschaftlicher Verfechter der Ideen des jüdischen Messianismus, denen er ein großes Werk widmete, welches im Manuskript vorliegt. Im Jahre 1933 mußte er Deutschland verlassen. Er kam nach Paris, wurde aber unter dem für die deutschen Flüchtlinge verhängnisvollen Flandin-Laval-Kurs aus Frankreich ausgewiesen. Er nahm Aufenthalt in PalmadiMallorca, mußte aber auch diese Insel verlassen, als sie von den Franco-Leuten und Italienern besetzt wurdo, die die deutschen Flüchtlinge verfolgten. So führte der nach Ruhe und Sammlung sich sehnende Denker in den letzten Jahren ein unstetes Leben, das gewiß seinen Tod beschleunigte. Codreanu Der Mann, welcher ganz offen und rückhaltlos die physische Vernichtung aller rumänischer Juden, d. h. ihre Ermordung, als sein Ziel proklamiert hatte, Kapitän Codreanu, hat seine Partei „Alles fürs Vaterland" aufgelöst und Rumänien verlassen. Der rumänische Korrespondent des „Neuen Wiener Tagblatt" berichtet über die Gründe der überraschend wirkenden Entschließung des Mannes, welchen man allgemein als den „kommenden" Führer Rumäniens bezeichnete, wie folgt: „Am 19. Februar wurde eine Milit&rverscliwörung von ,,Alles fürs Vaterland*' aufgedeckt, von der man im Ausland wenig gehört hatte, die aber einen erheblichen Umfang hatte: Im Kloster Piatra Neamtze hob der Hauptmann M i c u 1 e s u HEIRAT-HOLLÄNDER-AMSTERDAM! Kaufmann, 40jähr. Witwer (Tochter 16 J.), sehr üb.Isr., gebild., symp. Erschg., angen. Charakter, jedoch OHNE Vermögen, wünscht HEIRAT mit pass., charakterlieber Dame (bevorzugt große, schl. Figur), MIT VERMÖGEN, geneigt, nach Holland, N..O.-Indien, bzw. übereee au«*uwandern. Ausf. Offerte nur mit Bild erbeten an: „ESSEF", Amsterdam-Z., Maasstraat 91 BiMMltfdsdhan stagnfart Aus Moskau: Aus Berichten der 02EJT (Gesellschaft zur Ansiedlung von Juden auf dem flachen Lande in Sowjetrußland) geht hervor, daß die Ziffern der Auswanderung von Juden nach BU'o*Bidschan im Jahre 1937 unterdenSchätzungender Sowjetbehörden lagen. Infolge1 dieses Umstandes nimmt die OZET jetzt einen Drive zur Beschleunigung des Tempos der jüdischen Ansiedlung in dem jüdischen autonomen Rayon in Angriff. Auf einer Konferenz jüdischer Schriftsteller, Journalisten und Sozialarbeiter entwickelte der Vor- „Uokoak-ttetedU 1938" Die Sportler der Hakoah werden in der großen Revue „Hakoah-Melodie 1938" als Schauspieler auftreten. Die Premiere dieser Revue, in der versucht wird, alle Sportzweige jn ihrer Eigenart zu beleuchten, findet im Rahmen der „Blau-weißen Redoute" am 5. März in den Sofiensälon statt. Judith Deutsch, Gerda Gottlieb, Ruth Lange r, Fredl König werden, gemeinsam mit der großen Girls- und Boys-Tx*uppe der Hakoah, die musikalischen Schlager der Revue, die von Jimroi Berg komponiert wurden, zur Erstaufführung bringen. Da bereits lebhafte Nachfrage nach Karten herrscht, wird ersucht, sich diese und Logenkarten im Sekretariat der Hakoah, I., Wiesingerstraße U, Telephon R-Sp^MO, zu besorgen, wo auch alle Auskünfte erteilt werden. sitzende der OZET, S. Dimantstein, das Programm der Kampagne zur Intensivierung der Ansiedlung von Juden in Biro-Bldschan. Dieses Wanderungswerk muß in großem Maßstab durchgeführt werden. DlmantsLefefc unterstrich die Wichtigkeit der Veröffentlichung von Literatur über Btro-Bidschan in j i d d l s c h e r Sprache und der Verbreitung dieser Literatur unter der jüdischen Bevölkerung, besonders in den Städten. Es sei auch notwendig, im ganzen Lande Gruppen von OZET -Propagandisten heranzubilden. Jüdische Schriftsteller und Kulturarbeiter müßten letzten Endes den Wegzum jüdischen autonomen Rayon finden. (J. T. A ) Aub alldem geht hervor, daß die Juden in Sowjetrußland für den „Judenstaat Biro-Bidschan" kein lebhaftes Interesse an den Tag legen. Nim soll ihnen dieses Interesse „beigebracht" werden. Durch Schriften und Bücher! Was man bis jetzt von den in Sowjetrußland gebräuchlichen Methoden der Ueberzeugung weiß, läßt darauf schließen, daß man es nicht bei jiddischen Schriften bewenden lassen, sondern drastischere Mittel ausprobieren wird, um c'ie Juden dorthin zu bringen, wohin sie nicht wollen, nämlich nach Blro-Bidschan.