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Die neue Welt · 1938-03-04 · Heft 732 (4.3.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 732 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. T32 vom 4. März 1938 SIEGM. KORNMEHL QROSSFLeiSCHMAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-3+ Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^>Wtg<ft anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbiaats der Ist. KuHnsgemeinde Wien AutesMtollung Korten l»» IX« B«rggasse 15 / XVIII., WShrliig«r«tr. «7 Kongreß sich ununterbrochen nur mit der Tellungafrage bescha/tigrt hat? Es ist alao irreführend, zu sagen, daß Dr. Weizmann dem Kongreß „seine Haltung klargelegt" habe. Es wäre auch sonderbar, zu behaupten, daß sich im Drang der Geschäfte die zionistischen Delegierten mit Großmanns Veröffentlichung nicht beschäftigen konnten, da achon ein Auszug aus Großmanns Material großes Aufsehen erregte und eine Zeitlang unter allen Delegierten das Hauptgsprächsthema war. Sicher hätte der Präsident jede weitere Veröffentlichung unterbinden können, wenn er steh mit Großmann ins Einvernehmen gesetzt hätte. Wir fassen also zusammen t l. Die Anstrengungen, '/u beweisen, daß sich der Präsident um die Einstellung der Veröffentlichung des Dokuments bemüht habe, sind erfolglos geblieben. Tatsächlich hat der Präsident sich Überhaupt nicht bemüht, die Veröffentlichung zum Stillstand zn bringen. 2. Der Entschluß, gegen Großmann vorzugehen, wurde erst gefaßt, als man die Verstimmung des Kolonialamts merkte. Es liegt daher eine unerhörte Justizkoraödie vor und weiters ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Präsident, seine Zusage, ohne Einverständnis des Kongresses auf der Basis des Teilungsplans nicht zu verhandeln, gebrochen habe. Daher ist meine Forderung nach Revision des Falles Großmann dringender denn je." Palästina/ ein strategisches Zentrum Die Londoner Zeitschrift „P a 1 e s t i n e", das Organ des britischen Pro-Palästina-Komitees, dem bekannte Staatsmänner und Parlamentarier angehören, bringt unter der Ueberschrift „Palästina und das Empire" einen Artikel, der in der britischen OeffentUchkeit starke Beachtung gefunden hat. In dem Artikel wird mit Nachdruck auf die Bedeutung Palästinas für das British Empire und für die britischen Interessen hingewiesen. Seitdem Lord A1lenby erklären konnte, daß Palästina keine strategische Bedeutung für Großbritannien habe, ist viel Wasser in das Meer geflossen; heute sind wir Zeugen eines stillen, aber um so hartnäckigeren Kampfes um die Kontrolle im Mittelländischen Meer. In Spanien, auf den Balearen und in Nordafrika versucht Mussolini, das Mittelmeer für England unpassierbar zu machen. Von der anderen Seite hat Großbritannien erklärt, daß das Mittehneer und der Suezkanal für das Empire lebenswichtige Kommunikationen bedeuten, die keinesfalls abgetreten werden würden. Diese Umstände erklärt „Palestine" — lassen eine neue Politik hinsichtlich Palästinas unvermeidlich erscheinen. England müsse über den palästinensischen Flügel des Suezkanals mit Argusaugen wachen, da seine Kontrolle und Freiheit, in Aegypten zu manövrieren, immer eingeschränkter wird. Die Pipeline, der Hafen von Haifa, die Möglichkeit eines zweiten Weges zum Kanal, all das sind Faktoren, die Palästina einen zentralen Platz in dem ganzen Komplex der britischen imperialen Strategie zuweisen. Wenn wir heute in Palästina sind, so sind wir es nicht allein oder nicht hauptsächlich den Juden zuliebe; wir sind dort, weil wir uns den Luxus nicht erlauben können, nicht dort zu sein. Dies wurde letztens durch die Geschehnisse in Akaba illustriert, wo England bereit war, gegen das Heer von Ibn Saud vorzugehen. Denn für England ist es sehr wichtig, die Kontrolle über dieses „Fenster zum Roten Meer" zu behalten, ala über einen Weg, der im Notfälle den Suezkanal ersetzen könnte (der Verfasser denkt hier an den Plan eines Kanalbaus von Gaza nach Akaba als einer zweiten Verbindung zwischen Mittelländischem und Rotem Meer). Palästina, heißt es in dem Artikel weiter, ist für England keineswegs eine Last, im Gegenteil: eine Basis, die es nicht entbehren kann und die auch andere begehren. „Palestine" kritisiert den Bericht der Peel-Kommission vom Standpunkt der britischen imperialen Interessen und erklärt, allein schon vom strategischen Standpunkt darf nicht zugelassen werden, daß z. B. der „Negew" (Südpalästina) dem arabischen Staate einverleibt wird. Dieser Teil Palästinas darf nicht eine Wüste bleiben, ein Schlupfwinkel für vagabundierende oder andere dunkle Elemente, Der Negew liegt in der V e r k e h r s 1 i n i e zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer, die für die britischen Interessen in Akaba unentbehrlich ist. „Palestine" kritisiert auch «Chart die vorgeschlagenen Ostgrenzen des geplanten Judenstaates und nennt es phantastisch, daß diese Grenzen die Eisenbahnlinie siebenmal kreuzen; dies sei vom strategischen Standpunkt ein Monstrum. Das stärkste Fundament der Strategie ist aber eine j dichtsiedelnde loyale Bevölkerung von | hoher industrieller Entwicklung, die entschlossen ist, ihr Vaterland zu verteidigen. Die Industrie ist sehr wichtig vom Standpunkt der militärischen Versorgung. Die Juden besitzen in hohem Maße alle diese Qualitäten. Demgegenüber hegt der Araber einen Widerwillen gegen Westeuropa und seine Zivilisation, er lehnt es ab, Verbündeter und Stützpunkt Großbritanniens zu sein. Der Judenstaat aber werde ein vielvermögender Freund Englands bleiben. Zum Schluß des Artikels heißt es: Unsere palästinensische Strategie muß auf dem Judenstaat und der Judenstaat auf seiner Verbindung mit Großbritannien basieren. Palästina-Pol tik itadi Edens Demission Aus London: Der politische Korrespondent des ,,J e w i s b C h r o n i c 1 e" befaßt sich mit 'der nach der Demission des englischen Außenministers Sir Anthony Eden geänderten Haltung des englischen Kabinetts dem Palästina-Problem gegenüber und schreibt: Minister Eden hat treu, wenn auch ohne Enthusiasmus, die Ideen Ormsby-Gore* und der Königlichen Kommission in der Frage des Palästina-Teilungsplanes unterstützt. Es ist zweifelhaft, ob Premler Chamberlain ein Gleiches tun wird. Wahrscheinlich wird für Chamberlain auch in der Palästina-Frage in erster Reihe das Interesse des britischen Imperiums maßgebend sein. Es ist anzunehmen, daß Chamberlain auch die Kritik des Völkerbundes nicht scheuen wird, wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, das Palästina-Problem auf eine andere Weise als durch Teilung zu lösen, sei es nun in Form eines Dominiums oder sonstwie. Es ist auch durchaus möglich, daß der Ministerpräsident, wenn es sich, z. B. um die Frage des Tempos der jüdischen Einwanderung in Palästina handeln wird, den Arabern nachgibt oder sogar, ohne dem Völkerbund überhaupt Rechnung zu tragen, dem italienischen Standpunkt Konzessionen macht. Jedenfalls wird Chamberlain nicht auf der Durchführung des Teilungsplanes bestehen, wenn dieser auf Schwierigkeiten ptößt. Chamberlain ist zwar ein Freund der Juden und des Zionismus und hat stets die zionistischen Bestrebungen gefördert; letzten Endes aber ist für ihn das Interesse des britischen Imperiums ausschlaggebend. Das politische und ws'rlsdhaffKdhe Terrain Von Dr. N. Vardi (Tel-Aviv) Vorigen Monat feierte der tschechische Ministerpräsident Hodza seinen sechzigjährigen Geburtstag. Anläßlich dieses Datums veröffentlichte der bekannte russische Geschichtsschreiber und Politiker Professor P. M i 1 j u k o w einen aufsehenerregenden Artikel in den Pariser Blättern, in dem er u. a. ausführt, die Tschechoslowakei habe Glück mit ihren Staatsmännern: unmittelbar nach Abschluß des Weltkrieges, als noch die Sprache der I d e a 1 e und des moralischen Vertrauens, die Sprache Wilsons, Geltung hatte, wählte sich die Tschechoslowakei Massaryk und Benes zu ihren außenpolitischen Vertretern; und heute, nach 20 Jahren, als Winde des politischen 21 Cafe Buchsbnum i r BUrgerlichss Familiencafe. In- und autländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise, Mokka 45 Groschen; Melange 50 Groschen. Mißtrauens und politischer Revisionslust zu wehen begannen, welche auch die Tschechoslowakei bedrohen, wählte sich dieses Land zum Ministerpräsidenten Hodza, einen Mann, bar jeglicher Nachkriegssentimente, der seinen Weg kennt und auch die Kraft aufbringt, den feindlichen internationalen Strömungen, wenn nötig, Härte und Entschlossenheit entgegenzusetzen. Ich glaube, daß das jüdische Volk und die zionistische Bewegung sich der politischen Anpassungsfähigkeit des tschechischen Volkes kaum rühmen können. Vor zwanzig Jahren, als die Welt im Zeichen des Liberalismus und Sozialismus stand, waren die zionistischen Geschäfte von Weizmann und seiner sozialistischen Umgebung geführt. Als sich später die ersten Zeichen der europäischen Kursänderung ankündigten und sich die meisten Völker darauf einzustellen begannen, blieb die zionistische Bewegung die einzige, die ihre althergebrachten Führer und Parteien am Ruder beließ. Die Bewegung stand offenkundig auf dem Standpunkt, daß neuer Tonfilm aus Palästina l ..Werdende Welt - eine Uraufführung Sonntag, den Ö. Marz, 10 Uhr und halb VA Uhr vormittags im Flieger-Kino, IX, Liechtensteiner. 37 Karten von S — .80 bis S 1.80 an der Kinokasse die Machtergreifung Mussolinis und das auffallende Aufkommen de» militanten arabischen Nationalismus kein Grund Bei, mit dem sozialistischen Regime im Zionismus aufzuräumen. Noch später gesellten sich dazu die politischen Revisionßgelüste gegenüber dem zionistischen Kriegsversprechen in England. In Europa kam die Sozialdemokratie gänzlich zu Fall. Auch die arabische Pogromorganisation in Palästina konnte mit Hilfe der Regierung immer weitere Positionen erobern. In England kam an Stelle der Arbeiterregierung eine Regierung der nationalen Konzentration. In Frankreich steht die Front populalre vor ihrer endgültigen Auflösung. Probleme wie Deutschland und Rumänien, die auf die jüdische Politik ungeheure Rückwirkungen ausüben mußten, drangen an die politische Oberfläche. Nichts konnte das Unruhegefühl des zionistischen Bürgers erregen. Alles blieb beim alten: Weizmann und seine sozialistische Umgebung waren und sind fortwährend totsichere Kandidaten zur Wiederwahl» die zionistische Leitung. Politische und ideologische Bankrottcure scheinen dem jüdischen Wähler noch immer die passendsten Führer zu sein. Und so darf Dr. Weizmann noch heutzutage das jüdische Volk in einer so schicksalsschweren Stunde vertreten und dem internationalen Faschismus und Antisemitismus mit den der zionistischen Sozialdemokratie entnommenen Argumenten entgegenzutreten .. - In der offiziellen Regierungszeitung Palästinas ist eine Liste von Banken veröffentlicht worden, die dieses Jahr ihre Lizenz erneuert haben. Ihre Zahl beläuft sich auf 55. Zieht man in Betracht, daß es im vorigen Jahr 74 Banken waren, die hierzulande ihre Funktion ausüben durften, so kommt man zur Schlußfolgerung, daß seit dem vorigen Jahr 19 Banken ihre Tätigkeit eingestellt haben. Dies geschah, weil sie nicht imstande waren, die für die Erlangung der Lizenz notwendigen 100 Pfund zu entrichten, oder weil sie für sich keine Möglichkeit sahen, die vom Gesetz vorgesehene Erhöhung des Aktienkapitals bis 25.000 Pfund zu bewerkstelligen. Von den übrigen 55 Banken, die ihre Lizenz dieses Jahr noch einholen konnten, gibt es weitere 10 bis 12, die ebenfalls sehr schlecht fundiert sind, jedoch ihre letzte Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Diese kurze Meldung sagt mehr als lange sozialökonomische Untersuchungen. Ebenso wie man noch vor drei, vier Jahren sagen konnte, Palästina sei eines der wenigen Länder der Erdkugel, das eine gesunde ökonomische Entwicklung aufweise und keine Arbeitslosigkeit kenne, kann dies leider heute nicht mehr gesagt werden. Ich glaube nicht, daß es ein zweites Land gibt, in dem zirka 25ProzentderBauken im Laufe des letzten Jahres ihre Tätigkeit einstellen mußten und weitere 15 Prozent sich diesem Schicksal nur mit äußerster Mühe entziehen konnten. Dies zeigt nochmals mit unerbittlicher Härte, wieviel Wahrheit in der Behauptung lag, die Wirtschaft eines Kolonisationslandes hänge im wesentlichen von politisch enFaktoren ab. Politische Rückschläge sind geeignet, jede Art von Prosperity zugrund zu richten. Jüdische Künstlerhilfe. Um in der schwierigen und kritischen Lage, in welcher sich die jüdischen schaffenden Künstler heute befinden, diesen eine Kleine HUfe zu leisten, hat sich ein Komitee bereit erklärt, aus privaten Spenden je einige Oelbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Plastiken und Architekturprojekte anzukaufen. In Oesterreich wohnhafte und schaffende jüdisch» Maler, Bildhauer, Architekten erfahren Näheres durch Herrn Dr. Ing. Oskar Wlach, Wien, VII., Neustiftgasse 3. Verb« der ludeniiaaSszionisfen Oesterreichs ,) (i d e ii s t a u t h j u g e n d. üieuatag, den 8. d„ halb 1) Uhr abends, im Zeiitralheim, II., Pratcrstraße 30, Vortrag, Hugo Friodmann: 2000 Jahre jüdische Kunst. Gäste willkommen. — Voranzeige! Samstag, den 36. d., in sämtlichen kümitlerisch ausgestatteten Räumen des Verbandsheimes „Lustigi; Fiirimnucht". B r i t h II a k a im l n«. Die zweite Nummer unserer Zeitschrift „Haruach HaehadnNohah" ist bereit» erschienen. Au« dem Inhalt: Zum 18. Todestag Josef Trumpeldors. — Der 100. Geburtstag Josel Poppftr-Lynktnis. - J. Hadari (Tel-Aviv): Methoden der Kr/.lehung. - Nachrichten aus dem Weltbaralt u. v. u. Bestellungen durch die Musldruth, II., Praterstrafl« 80. Focht- und .1 f u -..» ) t h u - K u r s e. Mittwoch, den 9. d., beginnen i\h> Fedit- und Jlu-Jitsu-ICurse im Hohn, XVIII., Semperstraße 19. Näheres in der Maskiruth, Der Verband der Juilenstaatszioulbten gratuliert seinem Mitglied, Herrn Sacher P «rtisch und Frau, zur Geburt eine« 8olmeg aufs herzlichste.

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