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Die neue Welt · 1938-03-04 · Heft 732 (4.3.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 732 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 732 vom *. M&ra 1938 DIE NEUE WELT Seite S jjjö: | j ERROL FLynn unp JOAM BLOnDELL sl ^n tut^ PIS; , ROTEMTUDfl WIHO VOTIVPAftH WIHO Särge mitnehmen! Ein Fachmann Uber die jüdische Kolonisation auf Madagaskar lÜGekekSfaefd Von der österreichischen Kultur Oesterreich ist mit den Wahrheiten und Werten eines geschichtlich fundierten katholischen Christentums verbunden. Aus dieser tiefen Verankerung im christlichen Glaubens- und Gedankengut ergibt sich auch seine un* mittelbare geistige Verflechtung mit anderen Staaten und Völkern. „Sturm über Oesterreich" (Wien, Februar 1938). Ist „Habhnah" jüdisch! Die Vereinigung von Wort, Tanz und Musik im Drama ist wohl russisch, kommt aber vollkommen den gegebenen jüdischen, seelischen Elementen und ihren Spannungen entgegen. Die gelegentlichen tänzerischen Vebersteigerungen entsprechen ganz den Uebersteigerungen jüdischen Daseins. Der jähe Wechsel zwischen Freude und Leid, das Auskosten der Freude in dem Bewußtsein eines unabwendlich kommenden Leids und die Ueberwindung des Leids durch das Anklammern an jeden kleinsten Lichtstrahl der Freude, das ist echt jüdisch und nicht russisch. Walter Kohn, Aussig. Um unseretwilfen ♦ ♦ Wer sich im Gestrüpp der englischen Palästina- Weißbücher von 1922, 1930, 1987 auskennt, weiß, wie diese Schlußfolgerung lautet: Es sei die Pflicht des Zionismus, ah tätiger Helfer an der Seite Engtands fördernd an der sozialen und wirtschaftlichen Entfaltung der palästinensischen Araber mitzuwirken, und es sei eines unserer großen Versäumnisse, dies nicht zu tun. Mit Recht haben sich unsere Wirtschaftsführer, die Repräsentanten der zionistischen Bewegung und des Jischuws, demgegenüber noch stets auf den Standpunkt gestellt, daß wir nicht um der Araber, sondern um unseretwillen nach Palästina gekommen sind. Dr. A. Kupferberg (Tel-Aviv). Die notwendige Wirtschaftspolitik Jede jüdische Wirtschaftspolitik muß auf die Erreichung von zwei Zielen gerichtet sein: 1. auf ungehinderte Einwanderung — daher ist Wirtschaftspolitik zunächst politischer Kampf; 2. auf die Aufrechterhältung des Glaubens und der Vertrauens des Jischuws und der Golah auf eine neue große Einwanderung. Die Einwandern n gspause" darf nicht in eine strukturelle Krise umschlagen. Zeitschrift „Palästina" (Februar 1938). Konkurrenz der Jaffa'Orange Die ungarische Regierung geht daran, die Einfuhr von Jaffa-Orangen und Jaffa-Grapefruits einzuschränken, um für italienische Ware den Markt offenzuhalten. Die ungarischen SüdfrüchtegroßlUindler sind deswegen sehr enttäuscht, da das Publikum die Palästina-Ware sowohl wegen ihrer Güte als auch wegen ihrer Billigkeit vorzieht. Nachricht der J. T. A. aus Budapest. Vermählung. Der Redakteur der „Neuen Freien Presse" Dr. jur. et phil. Kurt Sonnenfeld hat sich mit Frau Elfriede geb. Schreiber vermählt. Du „Dytok" U» film Die Erschütterung, die Anskis dramatische Legende „Der Dybuk" beim Zuhörer auslöst, ist so stark, daß sie Über all die zahllosen Eindrücke hinausrückt, welche der Jude vom Theater empfängt. Seit 20 Jahren spielt man den „Dybuk" in aller Welt, aber die „Klassizität" hat er — nach den naturalistischen Aufführungen der Wilnaer Truppe unter der Regie des kürzlich verstorbenen David Hermann — erst durch die Habiman erhalten. Der „Dybuk" der Habimah gilt heute als Manifestation der chassidischen Seele, er ist repräsentatives hebräisches Theater, einmalig geworden unter der Autorität des neuen palästinensischen Kulturlebens. Darum wird jede Reproduktion des Anski-Werkes unter der Kontrolle der Habimah-Kunst stehen. Es lag nahe — sobald man einmal daranging, einen das ostjüdische Leben in seiner ganzen Tiefe, Gläubigkeit, Ekstase und Exotik umspannenden Stoff zu filmen — zum „Dybuk" zu greifen. Warschau war der natürliche Zentralpunkt für soloh eine Produktion, da hier Schauspieler, Musiker, Intellektuelle vorhanden sind, die den Wagemut besitzen, sich an das gewaltige „Dybuk,,-Thema heranzumachen. Morewski, Samberg, Lipman, Bozyk, Iiliana, kennen Geist und Geste des „Milieus"; Dr, Meir Ballaban beherrscht das Folkloristische, Gerson Sirota das Musikalische. Mit solchen Persönlichkeiten einen „Dybuk"-Film zu schaffen, war jedenfalls eine Freude für den Regisseur, zumal ihm das jiddische Originalwort über alle Schwierigkeiten des Dialogs hinweghalf und die Dynamik des ötücks den filradramaturgiachefl Weg .wies, Map bjfAu.phje Die Pariser Zeitschrift „L'Illustration" veröffentlicht einen Artikel des früheren Generalgouverneurs von Madagaskar, Marcel 01 i v i e r, in welchem sich dieser mit der von der polnischen Regierung vor kurzem nach Madagaskar entsandten Mission befaßt und erklärt, daß keinerlei Aussichten auf irgend eine Ansiedlung von Juden oder anderen Europäern auf der Insel bestehen. Bereits im Jahre 1926, schreibt Olivier, habe der damalige polnische Botschafter in Paris, Graf Chlapowski, mit ihm über die Möglichkeit der Ansiedlung von Emigranten aus Polen auf Madagaskar gesprochen. Er habe damals dem Botschafter gesagt, die europäischen Landwirte, die versucht hatten, sich auf der Insel anzusiedeln, sind durch Sterbefälle dezimiert worden. Dasselbe Los erfuhren auch diejenigen Kolonisten, denen seinerzeit General Gallieni Konzessionen auf der Insel eingeräumt hattte. 1927 habe dann eine japanische Mission die Insel besucht, um die Möglichkeiten einer rasiert besser, rasiert öfter, rasiert glatter, Swing ist die Kling: für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kanne nur noch die Swing Um das Großmaiullrtefl Von unserem Londoner Korrespondenten London, 1. März. Die Entrüstung über das Urteil des Zionistischen Ehrengerichtes gegen den Führer der Judenstaatspartei, Meir Großmann, hält hier an. Insbesondere konzentriert sich die Aufmerksamkeit um die Diskussion des Urteils in der größten und ältesten englisch-jüdischen Zeitung „Jewish Chronicle", welche durch das Eingreifen Prof. A. S. Yahudas, des intimen Freundes und Mitarbeiters von Max Nordau und Theodor Herzl, eine besondere Bedeutung gewonnen hat. Prof. Yahuda hatte vor kurzem im „Jewish Chronicle" die üblen Hintergründe des Prozesses Großmann aufgedeckt. Er hatte festgestellt, daß hier ein politischer Rufmord ärgster Art vorliegt. Präsident Weizmann hat hinter dem Rücken des Zionistenkongresses und gegen den ausdrücklichen Beschluß des A. C. mit dem englischen Kolonialminister Ormsby-Gore über die Zerreißung Palästinas verhandelt und dem Plane zugestimmt. Großmann hat dieses Attentat auf den Zionismus enthüllt. Weil Großmann seine patriotische Pflicht erfüllt hat, wurde er vor ein Gericht gestellt und Weizmann, der Schuldige, ging frei aus. Prof. Yahuda schilderte auch die Zusammensetzung und das Verfahren des „Ehrengerichtes", welches darin bestand, daß abhängige und dem Angeklagten feindlich gesinnte Männer in geheimer Verhandlung den edlen,. selbstlosen Führer der einzigen Oppositionspartei für zwei Jahre aus der Organisation ausgeschlossen haben. Warum wurde nicht auch Präsident Weizmann vor Gericht gestellt? Warum wurde nicht im Verlaufe des Kongresses die Anklage gegen Großmann erhoben, sondern erst Monate später? Die Zionistische Exekutive hatte sich bisher in Schweigen gehüllt. Doch den Anklagen eines Mannes vom Uli Lilliana als Lea im jiddischsprachigen Film »Der D y b u k", der zur Zeit im Helios-Kim» (Taborstraße) und Nestroy-Kino (Praterstraße), zu sehen ist. bloß hineingreifen in die Fülle von Leben, von Bewegung, Handlung, Schwung, In den unendlichen Reichtum von Episoden, Stimmungen, Farben — um das köstlichste Material für einen abendfüllenden Film zusammenzubekommen. Aber auch die Kehrseite war da, eine G#!^..flM!s De* ^M^a-4BsW^tt^s^U|gt Ansiedlung von Japanern dort zu studieren. Die Mission sei aber bald zu dem Schluß gekommen, daß eine Kolonisation auf Madagaskar nicht möglich ist. Olivier kommt dann auf die Erklärung des Leiters der polnischen Mission, Major Lepecki, zu sprechen, wonach etwa 30.000 polnische Bauern auf einem 800 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hochplateau der Insel angesiedelt werden können. Diese Erklärung sei übertrieben optimistisch. Die polnischen Antisemiten und anscheinend auch eine kleine Gruppe jüdischerFührer, fuhr Olivier fort, haben sich von der „Fata MOrgana von Madagaskar" in die Irre führen lassen. Zwei Juden, Alter und Dyk, gehörten der polnischen Madagaskar-Mission an. Laut „Jüdischer Rundschau" vom 31. Dezember 1937 haben diese beiden gesagt, es gebe keine Möglichkeit einer Masseneinwanderung in Madagaskar. Ich stimme dem vollkommen zu. Olivier schloß: Wenn Polen die Ergebnisse der Lepecki-Mission in irgend einem positiven Sinne interpretiert, dann sollte die französische Regierung aus reiner Nächstenliebe den Einwanderern aus Polen den Weg nach Madagaskar versperren. Tut die französische Regierung dies nicht, dann müßte sie zumindest darauf bestehen, daß die Einwanderer gleich ihre Särge mitbringen! Range Prof. Yahudas, glaubte auch sie nicht ausweichen zu können. So hat denn in ihrem Auftrage der politische Sekretär der Londoner Exekutive, Dr. Lourie, im „Jewish Chronicle" eine Rechtfertigung des an Großmann verübten politischen Justizverbrechens versucht. Er ist kläglich ausgefallen, ganz besonders in jenem Teile, der eine Antwort auf die Fragen Prof. Yahudas sein soll. Aus der Abfertigung, welche Prof. Yahuda dem Bemühen Dr. Louries, die Wahrheit zu verdunkeln, erteilt,, seien hier folgende Stellen wiedergegeben: „per Sekretär des politischen Departements, Doktor Lourie, erklärt, die Wiederwahl Dr. Weizmanns durch den Kongreß zum Präsidenten der Organisation, sei ein genügender Beweis dafür, daß er (der Kongreß) an dessen Verhandlungen mit dem Kolonienminister auf Basis des Teilungsplans nichts Ungebührliches gefunden habe. Aber gleichzeitig bezeugt Großmanns Wiederwahl zum Vizepräsidenten des Zionistischen A. C, daß derselbe Kongreß an die Veröffentlichung des Dokuments, betreffs dieser Verhandlungen durch Großmann nichts Tadelnswertes gefunden hat. Daher führt die logische Folgerung aus diesen Tatsachen zu folgender Ueberlegung: Wenn das Ehrengericht es für notwendig hielt, Großmann wegen eines ernsthaften Vergehens vor ihr Tribunal zu zitieren, warum tat sie dies nicht auch gegenüberDr. Weizmann für einen weit schwererwiegenden Fall? Die Behauptung, daß Dr. Weizmann „seine Haltung dem Kongreß gegenüber .klargelegt" habe, ist gänzlich unwahr! Ich, der allen Sitzungen des Kongresses beiwohnte, hörte nicht ein einziges Wort von Weizmann über seine Verhandlungen mit den Kolonienminister. Und ist es etwa möglich, daß der Kongreß dem Präsidenten sein Vertrauen ausgesprochen hätte, wenn dieser die von Großmann ans Tageslicht gebrachten Tatsachen eingestanden hätte, undzwar zu einer Zeit, wo der in dem Umstand, daß ein gewaltiger Stoff in drei Akte zusammengepreßt ist. Die Intensität der einzelnen Szenen dn ihrer Vereinigung von Wort, Tanz und Musik macht die Schönheit des Anski-„Dybuk" aus. Im Bestreben, alles, aber auch alles, was Gutes und Schönes bei Anski zu finden ist, dem Film einzuverleiben; auch nicht den Hauch einer seelischen Regung außer acht zu lassen; Schul, Jeschiwah, Judengasse, Verlobung, Hochzeit, Bettlertanz im Bild festzuhalten; die Mystik des Geschehens zu realisieren; kurzum den ganzen geistigen, metaphysischen und substanziellen Inhalt des „Dybuk" filmisch festzuhalten — in diesem Bestreben wählte der Regisseur die Methode, die Legende in eine Unzahl von losen Bildern aufzulösen und aus dem dichtmaschigen Drama einen Filmroman zu machen. Wer den „Dybuk" von der Bühne her nicht kennt, dem wird der Film einen tiefen Eindruck machen. Grandiose Szenen, technisch interessante Ueberschneidungen, stilechtes Ritual und vor allem die Musik von Henoch Kohn (der sich diesmal wieder als Meister jüdisch-volkhafter Melodik erwiesen hat und durchdrang, obwohl er gegen schon traditionell gewordene Musik der Wilnaer und der Habimah zu kämpfen hatte) bezeugen, daß hier der Weg zum künstlerischen jiddischen Film beschritten worden ist. Wer Einblick gewinnen will in die Seele und das Kolorit des Ostjudentums, in die ekstatischen Formen des Chassidismus, wer Freude hat an Tanz und Musik als Ausdruck seelischer Vorgänge des jüdisch-religiösen Menschen, der soll sich den „Dybuk"-Füm ansehen. Ö»S»

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