Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 732 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 MB NEUE WELT Nr. 732 vom 4. März 1938 WETTERHARTE MENSCHEN fürchten keinen Regen, keinen Sturm. keine Anstrengung, d«nn sie verwanden ständif zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewahrten tana Pranibranftiwfttn mit Menthol Kräftigt durch tägliche Einreibungen (Aussagen) Muskeln und Sehnen, erhönt Elastizität und Ausdauer, ei füllt mit verjüngender Frische. Ebenso weitvoll zur Mund- und Haarpflege. lo jedem besseren öesctiält erhältlich. Veilangen Sic ausdrücklich DIANA und nehmen Sie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen Italiens zum Judenproblem präzisiert. In dieser Stellungnahme wurde erklärt, daß die italienische Regierung keinerlei Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und keine antisemitische Politik zu betreiben gedenke. Andererseits behauptete die „Informazione Diplomatica", daß „an der Quelle der antifaschistischen Bewegung überall jüdische Elemente zu finden seien". Schließlich sprach sich die offiziöse Note zwar für einen jüdischen Staat aus, protestierte aber gegen einen jüdischen Staat in Palästina. In der Antwortnote der Jewish Agency wird nun erklärt, daß das Judentum niemals geschlossen oder in seinen einzelnen Organisationen gegen das italienische Regime Stellung genommen habe. Das Judentum gedenke vielmehr mit Dankbarkeit der Loyalität des italienischen Faschismus. Dagegen müsse es sich gegen den deutschen Nationalsozialismus mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zur Wehr setzen. „Es wäre absurd, anzunehmen", heißt es in dem Dokument, „daß sich das Judentum willig unter das Beil seines brutalen und unversöhnlichen Henkers beugen werde." In weiterer Folge protestiert das Dokument gegen den VorschJag, i n irgend einem anderen Lande als in Palästina eine jüdische Heimstätte zu errichten. Die Jewish Agency erinnert daran, daß Italien die Balfou r- Deklaration anerkannt und das Mandat über Paläs t i n a mit unterzeichnet habe. „Das Judentum", heißt es, „wird vor keinem Hindernis zurückschrecken, um die Errichtung des jüdischen Staates in Palästina — und nirgends anderswo — zu betreiben und ztt erreichen." Die-Note schließt mit einem Appell an die italienische Regierung, die in ihrem Nationalgefühl um so mehr Verständnis für die zionistischen Bestrebungen empfinden müßte. verwirklichbar und nicht dazu angetan ist, den Meinungsverschiedenheiten zwischen Atabcrn und Juden ein Ende zu machen. In den Straften Wiens ♦ ♦ ♦ Nach einigen tagen wohltätiger Ruhe konnte man glauben, daß dieser Zustand nunmehr andauern und der Stadt die frühere Schaffens» und Lebensfreude wiederbringen werde. Es war ein Irrtum, eine Illusion... Man geht seines Weges durch die Straßen, um nach getaner Arbeit das schöne Stadtbild zu genießen, aber man wird dessen nicht lange froh. Denn ganz plötzlich stürzt wie eine losgelassene Meute eine Schar von Kolporteuren auf dich, mit einem Geschrei, das im Gegensatz zur gesitteten Haltung der tausenden Passanten steht, die neue antisemitische Zeitung „Volks ruf" anbietend, als wären darin Erkenntnisse niedergelegt, die wegen ihrer Neuheit und Wichtigkeit so rasch als möglich dem Wiener Publikum vermittelt werden müßten ... Ein Blick in die Spalten des „Volksruf" genügt, um festzustellen, daß es sich um eines jener Presseprodukte handelt, die mit dem Zynismus des hetzerischen Ignoranten die Lügen der marktgängerischen Antisemitenpresse wiederholen. Wir haben uns an die seit eh und je an die antisemitischen Parolen in Wort und Schrift und an die Hetze des be,i uns latent vorhandenen Antisemitismus gewöhnt. Diese DingÄ sind so alt wie die Geschichte der jüdischen Zerstreuung. Wir wissen, daß man ihnen nicht mit der bloßen Wahrheit begegnen kann und die „Abwehr des Antisemitismus", wie sie von unseren braven „Liberalen" betrieben wurde, weiterzuführen, fällt uns nicht ein. Die Judenfrage kann nicht mit Anklagen gegen die Rückständigkeit der Gesinnung, mit WidQ» legung von Lügen und Verleumdungen, mit Berufung auf die Gefahr kultureller Zerstörungen oder auf die großen EISEN¬ WURSTE VERTRAUENSWARE DER KENNER! FAHRRAD. f A B R I K LUMAG Kin«lerwacj«mv«rkauf: Vit, H«ub»ufliiM 21 / XVII, Kulmgasse 34 X, LazenburgarstraBe 12 XX, Jägerstraße 41 Fahiraarabrlk: VII, Burigasse 110 Böqueme Teilzahlung! Kataloge gratis: KINDERWAGEN* i FAHR I K von S 3S.- Ifi ^&&r Eine arabische Stimme Aua Jerusalem: Die arabische Zeitung „A1 L a h a. b", Organ der Husseini-Partei, die jetzt an Stelle der verbotenen „AI Liwa" erscheint, meldet aus London, daß der neue High Commissioner Sir Harold Mac- Michael nach seiner Ankunft in Palästina an die Bewohner des Landes einen Aufruf erlassen wird, zu normalem Leben zurückzukehren und ihm die Möglichkeit zu geben, die Lage im Lande ruhig zu studieren und den Boden für die n e u e Un t e rs u ch u n g s k o m m i ssion, die nach Palästina kommen soll, vorzubereiten. In dem Aufruf werde der neue High Commissioner die Bevölkerung des Landes vor der Fortsetzung der Unruhe warnen; falls diese nicht ein Ende nehme, werde er gezwungen sein, die schärfsten Mittel anzuwenden. Mit MacMichaels Kommen nach Palästina würden auch die angekündigten großen Aenderungen in der palästinensischen Verwaltung vorgenommen werden, welche die Peel-Kommission in ihrem Bericht empfohlen hat. (Anm. d. Red.: Die Peel-Kommission hatte die verräterische Haltung höherer arabischer und englischer Beamter der Palästina-Regierung festgestellt.) Die Ankunft der neuen Untersuchungskommission, schreibt „AI Lahab" weiter, hängt von einer ganzen Reihe politischer Faktoren ab. Vor allem müssen die zwischen England und Italien bestehenden Meinungsverschiedenheiten durch ein Abkommen beglichen werden. Dann müssen England und Frankreich ein Abkommen hinsichtlich Spaniens treffen. Drittens muß England seine politische Haltung gegenüber der Achse R o m—B e r 1 i n—T o k i o sowie gegenüber dem japanisch-chinesischen Krieg festlegen. Viertens wird erst wieder Ruhe und Ordnung in Palästina selbst hergestellt werden müssen. Erat wenn alle diese Bedingungen erfüllt sein werden, wird die Kommission in Palästina ihre Untersuchungen ungestört durchführen können. Nach Ansicht von „AI Lahab" wird die Palästina- Kommission feststellen, daß der Tellungsplan nicht geistigen Leistungen des Judentums gelöst werden, Man kann keinem Menschen seine Gesinnung vorschreiben oder zum Vorwurf machen. Aber Gesinnung Und Hetze sind zweierlei Dinge. Das, was der „Volksruf" in den Gassen Wiens betreibt, ist nicht die Doktirrtentierung einer Gesinnung, sondern die .bewußte Hetze gegen einen Te 11';d'er österreichischen Staatsbürger. Keine Lüge ist — nach ausländischem Muster — groß und dumm genug, um nicht vom „Volksruf" seinen Lesern präsentiert zu werden, selbstverständlich nur zu dem Zweck, um den bösen Instinkten gewisser Kreise entgegenzukommen. „Vielleicht kommt auch noch Titulescu- Teitelbaum wieder als Außenminister...", schreibt der „Volksruf", wohl wissend, daß der gewesene rumänische Außenminister Titulescu ein reinrassiger Rumäne ist und nichts mit dem Judentum zu tun hat. Das ist ein Beispiel für die zahllosen schäbigen Lügen und Fälschungen, die der „Volksruf", um die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen, für jede Spalte seines Blattes fabriziert. Wer nur ein wenig Erfahrung als Zeitungsleser hat, erkennt auf den ersten Blick, woher der „Gedanken- und Begriffsschatz" des „Volksruf" stammt. Für uns gibt es hier hur die Frage: Muß man sich solch eine verleumderische Hetze ohne Widerspruch gefallen lassen? Wie lange werden Staatsbürger solcher Hetze ausgesetzt bleiben? Der Goga-Cuza-Kurs bis jetzt nicht überwunden Aus Bukarest: Die Bukarester. Handelskammer hat beschlossen, Firmen, die nlchtrumähischen Bürgern gehören, nicht zu registrieren. Rumänische J u d e n, deren Staatszugehörigkeit noohriiehtf ür gültig befunden wurde, können nicht Inhaber von Firmen sein. Die Revision der Staats bürge rsch'af tön hat noch nicht begonnen, da die Durchführungsbestimmungen noch nicht veröffentlicht wurden. Es verlautet, daß rumänische Juden, die am Weltkrieg öder "1913 am Balkankrieg teil- Für wohlbeleibte, muskelkräftige Personen, bei denen allerlei Beschwerden der allzu reichlichen Vollblütigkeit vorhanden Bind, ist eine mehrwöchige Trinkkur mit dem rein natürlichen „FranWoSef'-Bitterwasser — täglich früh auf nüchternen Magen ein volles Glas — vortrefflich geeignet. Fragen Sie Ihren Arzt. genommen haben, de facto als rumänische Bürger angesehen werden. Sie werden keine anderen Dokumente vorzuweisen haben als jene Militärpapiere, aus denen hervorgeht, daß sie Frontkämpfer waren. Der größte rumänische Journalistenverband, „Syndikat der rumänischen Presse", hat die Mitgliedschaft der ihm angehörigen jüdischen Mitglieder für die Dauer der Revision der Staatsangehörigkeit der Juden suspendiert. Nach durchgeführter Revision sollen die durch diesen Beschluß betroffenen jüdischen Mitglieder, deren Staatsangehörigkeit in Ordnung befunden wird, wieder In ihre Rechte eingesetat werden. Der Weltverband der jüdischen Jugend Von Jacques Jcfroykln, (tenetalsokrctär der Jtigendftbteihing des Jüdischen Weltkongresses (Pari«) Vor zwei Jahren beschloß das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses einstimmig, einer W el t o r g anisation der Jugend seine Unterstützung au geben, deren Ziel es sein sollte, t;» allgemeine;, Rahmen des Jüdischen Weltkongresses die Verbindung der jungen Juden aller fünf Erdteile enger zu gestalten. Keine leichte Aufgabe. Parteistreitigkelteri trennten die' Jüdische Jugend; Unterschiede in Sprache, Erziehung, Lebensniveau und die geographische Entfernung waren ebenso viele Hindernisse für ein Werk der Einheit und Solidarität. Doch können wir mit berechtigtem Stolz den seither zurückgelegten Weg betrachten. Mit lächerlich, geringen materiellen Mitteln, mit sehr wenig Mitarbeitern, mit einem minimalen Verwaltungsapparat brachten wir es dahin, daß heute nationale Komitees unserer Bewegung in folgenden Ländern konstituiert oder auf dem Wege der Konstituierung sind: Frankreich, Belgien, Schweiz, Oesterreich, Jugoslawien, Rumänien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Britisch-Arabien, Aegypten, Algerien, Kanada, U. S. A. und Argentinien. Die Organisationsarbeit geht also erfolgreich vor sich, und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß der erste Kongreß des Weltverbandes der jüdischen Jugend im Sommer 1939 wird zusammentreten können. Auf ideellem Gebiete ist ein Aktionsprogramm in Form eines Referendums aufgestellt und an die jüdischen Jugendorganisationen verteilt worden. Dieses Referendum deutet die Grundlinien eines Aktionsprogramms ari und verlangt gleichzeitig von unserer Jugend, selbst zu sagen, was sie von einer Weltorganisation der jüdischen Jugend erwartet. Unter anderem sind folgende Punkte im Referendum behandelt: Schaffung von Heimen für die jüdische Jugend, Herausgabe einer Monatsrevue in mehreren Sprachen, kultureller Austausch, Schaffung von Informationszentralen zum Kampf gegen den Antisemitismus, Organisierung von Kundgebungen und Propägandaaktionen, Arbeit für den Jüdischen Weltkongreß. Studium 'der^AuswanderuhgsmÖglichkeiten nach Palästina und anderen Ländern; Aufklärungsarbeit bei der nichtjüdischen Jugend und Teilnahme an deren Kundgebungen, Sammlung von- Material über die Berufsumschichtung usw. Kleinmütige werden erklären, daß eine solche Bewegung undurchführbar und überdies unnütz ist. Wir werden auf unserem Weg noch auf manche unterirdische Opposition stoßen. Aber wir können versichern, daß uns Hindernisse nicht beirren werden. Alle großen Ideen sind heftig bekämpft worden, doch diejenigen, die zu einer Rolle in der Geschichte eines Volkes berufen waren, haben sich schließlich durchgesetzt. Erinnert sei an die Emanzipation, den Zionismus, den Jüdischen Weltkongreß. Neu: San Remo, Penslone Fellce Corso d«ll* Impftro 184. Im warmen, sonnigen 8Uden. Einzig« rituell« Pension a. i. Kai. Rivierä, ruhige Lage, moderner Komfort, « M* m 8tr»ndnlhe, Mlkwa Minjan. für Ptssach Vorbestellungen erbeten. 1 w J Dir. Or. med. Alex Schwarz. In seiner prophetischen Botschaft „Auto¬ Emanzipation" schrieb Leo P i n s k e r im Jahre 1882: „Wir müssen zugeben, daß der Jude für die Lebenden ein Toter ist, für die Eingeborenen ein Fremder, für die seßhaften Völker ein Vagabund, in den Augen der besitzenden Klasse ein Bettler und in den Augen der Armen ein Ausbeuter und Millionär; er ist ein Heimatloser für die Patrioten und für alle Klassen ein verhaßter Konkurrent." Das ist eine zu schwere Last für unsere Schultern. Wie alle anderen jungen Menschen, so fordern auch die jungen Juden ihren Platz als Menschen auf dieser Erde und ihr bißchen Arbeit und Freude! Wenn unsere Bewegung es erreicht, der jüdischen Jugend den Weg zu zeigen, der zu einem menschenwürdigen Leben führt und das Gefühl der jüdischen Solidarität, mehr festigt, dann werden unsere Anstrengungen nicht vergeblich gewesen sein. „Gastredit" Aus Prag (J. T. A.): Die deutsche Presse bringt einen Bericht, wonach das Franfurter Schöffengericht den Juden und Prokuristen der Frankfurter Aßbostwerkc, Dr. Willy Kurt Grünebaum, wegen Mißhandlung eines 53jährigen kriegsbeschädigten Betriebsobmannes zu 15 Monaten Gefängnis verurteilte und gleichzeitig Haftbefehl gegen ihn erließ. Obwohl die Zeitungen den Prozeßverlauf unverkennbar tendenzlös schildern, ist zu ersehen, daß der Jude von dem Nazibetriobsobmann mißhandelt wurde und sich lediglich gewehrt hat. Der Angeklagte sagte auch in diesem Sinne aus. Das Gericht jedoch wertete nicht den Tatbestand selbst, sondern kam zu dem Schluß, der Angeklagte habo sich einer „groben Herausforderung und Verletzung des völkischen Empfindens" schuldig gemacht; er habe vergessen, daß er „Gastrecht genieße. Die Tat forclere daher eine exemplarische Strafe",