Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 732 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Ffe<,"9/ den 4*Ma,x I9M ,ahr9ang N':._7,lm Vßr,J±l; 187 * rediteur- DIE NEUE mmiX BEZUGSBHDlNOtJNGBN: oertewelch monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig s 16.—i Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14,—i Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer JYancs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4,50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Vniversitätsstr, 8, Tel. A-20-2»78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Worte in ernster Zeit REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER o. r. Wien, 3. März. Jetzt, da die Vehemenz der ersten Besorgnis vorüber ist, gilt es, Bilanz zu machen im jüdischen Bereich. Es gilt vor allem, das im Auge zu behalten, was zur Sammlung der jüdischen Menschen in Oesterreich und zur Konsolidierung ihrer Lage beiträgt. Die vielen Tausende haben, als das Unwetter sozusagen ans Fenster klopfte, ihr jüdisches Herz entdeckt und eine jüdische Solidarität in Anspruch genommen; zahlreiche von ihnen haben eine Ahnung von einem gemeinsamen Judenschicksal bekommen; einzelne sogar das Gefühl gehabt, daß es irgendwie eine jüdische — gegenseitige — Verpflichtung gibt; aber nur wenige haben sich bereit erklärt, dieser Verpflichtung zu dienen, also etwas zu tun, was in diesen Tagen unsere dringlichste Aufgabe ist. Für uns Zionisten, denen Herzls Worte „Wir sind ein V o 1 k — ein Volk" und. „Man wird uns keine Ruhe geben" tägliche Mahnungen sind, ist das Judesein zur bestimmenden Komponente unseres Seins geworden. Wir haben den Juden unserer Umgebung Antwort auf die drängenden Fragen des Tages zu geben: Sie erwarten Trost und Rat von uns, denn:sie wissen, daß wir aus unserer jüdischen Grundhaltung heraus ihnen einen Weg weisen'können, daß unsere Erfahrung - ihnen wertvolle Fingerzeige, geben kann " und daß sienurvonun s,' niemals von den andern, Hilfe zu erwarten haben. Denn der Zionismus, unser Zionismus, will nicht Partei unter Parteien, Gruppe unter Gruppen, Verein unter Vereinen, Organisation unter Organisationen sein, sondern eine große, alle Juden umfassende Bewegung, die dem ganzen jüdischen Volk Antwort gibt auf die Fragen des Lebens und Denkens. Gerade heute wieder beweist der Zionismus, daß er die Probleme des täglichen Lebens zu erfassen und. die jüdische — seelische und materielle — Not zu regulieren vermag. Wir leben in ernster Zeit. Die politische Lage hat sich seit der Botschaft des österreichischen Bundeskanzlers vom 24. Februar entschieden gebessert, aber wir wissen nicht, ob der Bereich, der uns wirtschaftlich und sozial geblieben ist, in vollem Umfang erhalten bleiben wird. Aber sogar unabhängig davon, wie , sich die materiellen Verhältnisse für uns gestalten werden, haben wir unsere äußere Haltung den Bedingungen, unter denen wir leben, anzupassen. Gerade derjenige Jude, der sich für die ganze Judenheit verpflichtet fühlt, wird so bescheiden als möglich auftreten. Er wird sich mit seiner Person und mit seiner Stellung im Hintergrund halten, weder in Kleidung noch im Benehmen auffallen und instinktiv jenen Kreisen fernbleiben, die „unter sich" sein wollen. Gleichberechtigung heißt noch nicht , da*1 .Recht, überall mitzureden und überall dabei zu sein. Es gibt einen spezifisch österreichischen Konservativismus, der sich — ohne Absicht einer Verfemung oder Degradierung — gegen andersartige Elemente abschließt, einen aristokratisch' gerichteten Konservativismus, der unbedingt respektiert werden muß. Das Verständnis für diese Notwendigkeit hängt mit der Achtung zusammen, die man sich selbst entgegenbringt. Der Sinn für die eigene jüdische Würde wird zweifellos. jeden Versuch, in die fremde Sphäre einzudringen, von Haus aus unterdrücken. Es muß nicht sein, daß jüdische Männer und Frauen sich zu Festen und Veranstaltungen; drängen, deren kulturelle Tendenz der christlich-deutschen Mentalität entspricht. Die vielgepriesene Emanzipation hat nichts gemein mit dem — allerdings aussichtslosen —Bestreben;,, seine Herkunft vergessen zu machen'. Die Jähre " 'na^ibit»listisch-antisemitischer Propaganda haben, ob man es will oder nicht, in einigen Ländern ' eine Lockerung im Verkehr zwischen Nichtjuden und Juden in die Wege geleitet. Sie hat gewiß nichts mit der Tatsache zu tun, daß im geschäftlichen und privaten Leben die bisherigen innigen Beziehungen tausender Juden und Nichtjuden untereinander nicht gelitten haben, aber man kann aus zahlreichen Symptomen erkennen, daß die „gute alte Zeit" des reibungslosen gesellschaftlichen Zusammenlebens eine Unterbrechung erfahren hat. Diese Tatsaehe muß jeder Jude, der Selbstachtung besitzt, anerkennen. Bei aller Selbstachtung bescheiden sein, in den Grenzen leben und wirken, die Takt und Feingefühl vorschreiben; den Dingen fernbleiben, die der österreichische, deutsch-christliche Mensch sich selbst vorbehalten hat; Angriffen auf jüdische *Ehre und Existenz in aller Oeffentlichkeit entgegentreten; parat sein, wenn Oesterreich ruft — das ist im wesentlichen das Programm, dem sich der österreichische Jude zu widmen hat. Anii§emiti§die Kampagne in Italien eingestellt! Abessinien statt Palästina? Aus London (J. T. A.): Der römische Korrespondent des „Evening Standard" teilt mit, daß die italienische Regierung den Redaktionen der Zeitungen strikte angeordnet hat, die antisemitische Kampagne, die ein Teil der Zeitungen in der letzten Zeit geführt hat, einzustellen. Der Korrespondent der Londoner Abendzeitung befaßt sich dann mit der durch die „Informazione Diplomatica" verbreiteten Erklärung der italienischen Regierung über die Judenfrage und schreibt: „In Italien rechnet man damit, daß Mussolini den Juden Kolonisationsmöglichkeiten in Abessinien bieten wird, um sie auf diese Weise von Palästina abzulenken. Damit wäre das Palästina-Problem. auf ewig gelöst, in dem Sinne. nämlich, daß Palästina einerseits ein arabisches Land bliebe, andererseits jüdisches Kapital das italienische Imperium bereichern würde. Die jüdischen Gemeinden Italiens behalten Selbstverwaltung Aus Rom (J. T. A.): Das Innenministerium hat den Termin für den zweiten Kongreß des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, der auf den 21. und 22. März festgesetzt wurde, bestätigt. Gemäß den Bestimmungen des Gesetzes über die jüdischen Gemeinden, vom 30. Oktober 1930 müssen die Repräsentanten der einzelnen jüdischen Gemeinden in Italien und den italienischen Kolonien a 11 e f ü n f Jahre z u einer Tagung zusammentreten, um das Tätigkeitsprogramm des Verbandes zu besprechen und einen neuen Ausschuß zu wählen. Die nunmehr erfolgte Bestätigung des Termins des Kongresses, der die Wahl des neuen Verbandsausschusses vorzunehmen haben wird, macht den verschiedenen Gerüchten ein Ende, die wissen wollten, daß die Regierung einen Kommissär mit der Leitung des Verbandes betrauen werde. Seit dem Ableben des Vorsitzenden des Verbandes, Aw. Feiice Ravenna, im März 1937 führte der angesehene jüdische Industrielle und Politiker Federigo Ja räch aus Mailand die Geschäfte des Verbandes. Jewish Agency und die italienische Erklärimg zur Judenfrage Aus Genf (J. T. A.): Der Bevollmächtigte der Jewish Agency in Genf, Dr. Nahum G o 1 d m a n n, hat am Dienstag, 1. März, im Namen der Exekutive der Jewish Agency der Weltpresse eine Note als Antwort auf die jüngste italienische Erklärung zur Judenfrage überreicht. Die offiziöse italienische „Informazione Diplomatica" hat bekanntlich vor kurzem die Stellungnahme mit den vorzüglichen SchiHen MARCO POLO' ,ESPERIA' ,CsALIUBA' ,GERU$ALEMME' ,PALE$TINA' der Schiffahrtsgesellschaft „ADRIATICA" Zu PURIM und PESSACH auf Hin- und Rückfahrkarten 20 ü/u Ermäßigung Gesellschaftsreisen d.Reisebüro CITY, Dr.l.H.Körner.l,Kohlmarkt 8 PURIM.REISE ab Triest 9. März 1938 PESSACH»REg$EabTriest6.April1938 Auskünfte u. Prospekte: Gencralagentu? u. Passagierbtiro: Wien I, Kärntnerring 6 ' T<j». U-47-5-60 Zweigstelle: Wien I, Ka^marM 1 / Toi. R-22-1-?3 Die neue Kommission für Palästina Aus London wird gemeldet: Kolonienminister Ormsby-Gore hat am Montag, 28. Februar, im Unterhaus die Zusammensetzung der neuen Technischen Untersuchungskommission für Palästina bekanntgegeben. Die Kommission setzt sich zusammen aus Sir John Woodhead, der lange Zeit hindurch im britischen Kolonialdienst in Indien tätig und zeitweise stellvertretender Gouverneur von Bengalen war, als Vorsitzenden, Sir Allison Russell, der ebenfalls ein erfahrener Kolonialbeamter ist und seit 1923 als Rechtsberater der Regierung von Malta fungierte, sowie dem ersten stellvertretenden Sekretär des britischen Schatzamtes A. P. Waterfield. Die Ernennung eines vierten Mitgliedes der Kommission wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Kommission, die von Minister Ormsby- Gore im Unterhaus als „P a 1 ä s t i n a - T e i l u n g skommission" bezeichnet wurde, wird ihre Arbeiten in England Mitte März beginnen und sich etwa einen Monat später nach Palästina begeben. Als Sekretär fungiert S. E. V. L u k e vom Colonial Office (nicht zu verwechseln mit dem von den Unruhen in Palästina 1929 her unrühmlich bekannten, damaligen Chefsekretär der Palästina-Regierung H. Luke).! Die K o m p e tenzen der Komm isdip.nl sind schon im Schreiben des Kolonienministers Ormsby-Gore an den High Commissioner Sir Atrhur Wauchope vom 23. Dezember 1937, welches der wesentliche Bestandteil des englichen Palästina- Weißbuches vom 5. Jänner 1938 ist, angegeben worden. Die Kommission hat den im dritten Teil des Berichtes der Peel-Kommission skizzierten Teilungsp 1 a n in Betracht zu ziehen, jedoch mit voller Freiheit zu Abänderungen dieses Planes einschließlich eventueller Veränderungen der Gebiete, die — laut den Empfehlungen der Peel-Kommission — unter britischem Mandat verbleiben sollen. Sie hat ferner Grenzen für das geplante arabische und das jüdische Territorium sowie für die dauernd oder zeitweilig unter britischem Mandat verbleibenden Enklaven zu empfehlen, welche Aussicht auf eventuelle Errichtung sich selbst. verwaltender arabischer und jüdischer Staaten mit. entsprechender Sicherheit bieten. Die Grenzen sollen auch so gesaltet sein, daß sie den. Einschluß möglichst weniger Araber und arabischer Unternehmungen in das jüdische Gebiet, und umge Jeehrt, notwendig machen*