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Die neue Welt · 1938-03-01 · Heft 731 (1.3.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 731 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 731 vom 1» Märt im DIB NBÜB WELT «effci //Um die Juden" Die führende holländische gemäßigt - Uberale Zeitung „Algemeen Handelsblad" (Amsterdam), bringt, unter der Ueberschrift „Um die Juden" — „Combat de generosite" einen Leitartikel, der sich mit auffälliger Schärfe gegen den in letzter Zeit aufkommenden Antisemit!3* mus in Italien wendet.. Das Blatt schreibt: „Die russischen Eolschewlsten haben in dem faschistischen Italien einen Bundesgenossen in ihrem Widerstand ge^i Englands jüdische Man* datspolitifc in Palästina erhalten. Als England die Auswanderung von Juden nach Palästina noch bis. zur äußersten Grenze, soweit es die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten, zuließ, schloß Moskau, praktisch gesprochen, die Grenzen für die russischen Juden, die, um sich aus ihrer Zwangsposition zu befreien, ihre Augen nach dem Lande der Väter richteten, aus einer Zwangslage, die durch die Bolschewisten geschaffen wurde, und die in mancher Hinsicht in ihrer Grausamkeit die der Zarenzeit noch übertraf. Moskau wird beherrscht durch die Furcht, daß England im Nahen Osten allmählich einen starken nationalen jüdischen Staat bilden könnte, der im Dienst der englischen Reicbspolitik und in Zusammenarbeit mit anderen bürgerlichen Staaten ein kräftiges Bollwerk gegen den imperialistischen Bolschewismus darstellen könnte. Er versuchte schließlich das Interesse der russischen Juden für Palästina durch die Errichtung des sogenannten autonomen jüdischen Staates Biro- B i d s c h a n abzulenken, das an der östlichen Peripherie des russischen Reiches in der wüsten Einsamkeit Asiens gelegen ist. Väterchen Stalin bot allen gutgewillten Juden dieses Stück Wildnis als neues Vaterland an, obwohl es nicht ihrer Phantasie entsprach. Der Nebengedanke hiebei war: einen Pufferstaat gegen die vordrängenden Japaner zu schaffen." „Auch Rom läuft jetzt mit einer eigenen originellen Lösung der Frage des jüdischen Volkes umher. Seit in der politischen Freundschaft zwischen Rom und London eine Abkühlung eingetreten ist, und vor allem seit Rom und Berlin, an die politische Achse geschmiedet, sich in derselben Richtung bewegen, hat Rom einnervöseslnteressefür die Judenfrage. Vor der Expedition gegen Abessinien hat Rom, begierig nach einem Völkerbundsraand&t, schon Interesse für Palästina gezeigt und sich der Gunst der Juden als Schirmherr empfohlen. Die Zionisten, wenn auch unzufrieden mit der Mandatspoütik Englands, schienen aber nichts dafijr übrig zu haben. Seit Rom aber eng mit Berlin verbunden ist, ist es auch leicht vom Para- oder Semi-Antisemitismus angesteckt. Rom scheint geneigt zu sein, die Berliner Mode zu übernehmen. Der Paradeschritt ist dafür ein gutes, unschuldiges Beispiel. Aber der Antisemitismus trägt wegen der großen feindlichen Strömung gegen die Juden, die jetzt über Mitteleuropa geht, einen weniger unschuldigen Charakter. Auf Grund des- Eindrucks, der im Auslande entstanden war, dementiert der Duce in der „Informazione Diplomatica", seinem offiziösen Regierungsorgan, daß die italienische Regierung „beschäftigt sei, eine antisemitische Politik vorzubereten". Es möge wahr sein, daß die Regierung einen so weitgehenden Plan nicht im Sinne hat, dennoch läßt sie es zu ,daß italienische Blätter bei dem italienischen Volk antisemitinische Blätter bei dem italienischen Volk antisemitische Gedankengänge hineintragen. Ein Beispiel hiefür sind die Artikel in dem als antisemitisch bekannten ,Tevere\ Das jüngste Beisipel ist das des »Regime Fascista', das sich nicht scheut, den italienischen Juden ihr italienisches Vaterland zu Alles drängt nach Palästina Die brutalen Ausweisungen Aus London wird berichtet: Im englischen Unterhaus fragte Abgeordneter Acland den Kolonienminister, wieviele Juden deutscher Nationalität seit März 1933 au* Palästina zurück nach Deutschland ausgewieser. wurden; vvievielen dieser Ausweisungen gerichtliche Untersuchungen und Prozesse vorangingen; ob er Weisung geben wolle, daß in Zukunft Juden deutscher Nationalität, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben, wenn möglich anders als durch Auaweisung gestraft werden, und, falls eine solche unvermeidlich ist, die Ausweisung nach einem Lande erfolgt, das bereit ist, dem Ausgewiesenen ein Asyl zu gewähren. Minister Ormsby-Gorc: „Während der Jahre 1034 bis 1937 wurden 26 Juden deutscher Nationalität aus Palästina ausgewiesen, und zwar 22 wegen Vergehen gegen die Einwanderungsbestimmungen und 4 wegen anderer Vergehen. Er könne die von dem Abgeordneten gewünschte Instruktion nicht erteilen. Jedoch mache die Palästina-Regierung alle Anstrengungen. Härten zu mildern." Abgeordneter Acland fragte, ob der Ministe: die zuständigen Stellen darauf aufmerksam machen wolle. mit den vorzüglichen SchiHen sMARCO POLO' ESPER3A ,GAUIEA' /GERUSAUEMME' ,PAt ESTINA' der Schiff ohrtsgesellschoft „ADRIATICA" Zu PURIM und PESSACH auf Hin- und Rückfahrkarten SO u/u Ermäßigung Gesellschaftsrelsen d.ReisebüroCITY^r.l.H.Körner.l.KohlmarkfS PURHVf'REBSE ab Triest 9, Mär; 1938 PE$ JACHdREISEabTriestd April 1938 Auskünfte u. Prospekte: Generalagentur u. Passag forbüro: Wien l, KärntnerrinQ;6 / Tel.U-47.5-60 Zweigsfelle: Wien I; Köhlmarkf 1/ Tel. R-22-1-33 daß eine Ausweisung nach Deutschland eine viel schwerere Strafe sei als eine Ausweisung an sich. Ormsby-Gore erwiderte: „Das Mandat verpflichtet uns, die Einwanderung zu kontrollieren, und tatsächlich hat eine starke illegale Einwanderung nach Palästina stattgefunden." Die gedrosselte Einwanderung Generalmajor Sir Alfred Knox fragte den Kolonienminister, ob er die in den Jahren 1935 bis 1937 autorisierten Quoten für jüdische Einwanderung in Palästina nennen Könne, und ob er eine Schätzung der ZaW der in diesen Jahren illegal Eingewanderten geben könne. Ormsby-Gore erwiderte: „Vor dem 1. August 1937 waren nur Arbeitereinwanderer Beschränkungen durch Quoten unterworfen. Mit dem Statement of Policy vom Juli 1937 ist die jüdische Gesamteinwanderung in allen Kategorien auf 80O0 Personen für die Zeit vom August 1937 bis März 1938 beschränkt worden. Die jüdische Gesamteinwanderung nach Palästina betrug 1935 BDCHER jeder Art (auch alt) sowie zur Barmizwah irn Antiquaria Hermann TUCHNEB, ECkß TfllJOrSWC 52. Tel. R-41-4-20 rauben, mit dem schwachen Trost, sie könnten sich noch freuen in dem Gedanken, „teilgenommen zu haben an den Schlachten, die ein großes Volk wie das unerige im Namen des Rechtes und der Kultur geliefert hat". „Die schwankende Haltung gegenüber den Juden ist das Zeichen eines gewissen Dualismus, der aus dem Kontrast der Interessen, die in Roms Händen liegen, entsteht Rom will sowohl Berlin entgegenkommen, als auch England wegen seiner jüdischen Mandatspolitik in Palästina treffen, aber es entbehrt wegen der geringen Anzahl Juden, die in Italien wohnen, des tatsächlichen Bodens für das Entstehen und da» Wachstum eines wirklichen Antisemitismus, wie er in Deutschland besteht. So muß man sich vielleicht die merkwürdige Erscheinung erklären, daß der Duce im selben Augenblick, in dem er die Welt wissen läßt, daß Rom offiziell von antisemitischer Ansteckung frei ist, die Lösung der jüdischen Frage in einem anderen Teil der Welt als Palästina sucht. Es kann dem Duce nicht entgangen sein, daß für die Juden, die unter dem Antisemitismus leiden, gerade Palftstinadaseinzige La nd ist, das ihnen für die Lösung der jüdischen Frage als geeignet erscheint. Er macht das Judenproblem zum Einsät? für den politischen Streit, den er im Augenblick gegen England führt, und will dabei den Araber» zu Willen sein." 61.854 und 1936 29.727; davon waren 27.729, beziehungsweise 11.477 Arbeitereinwanderer mit ihren Angehörigen. 1987 betrug die jüdische Gesamteinwanderung aller aller Kategorien 9837, aber ich kann nicht sagen, wieviele von diesen Arbeitereinwanderer waren. Auch kann ich ' keine zuverlässige Schätzung der Einwanderung von Illegalen geben." Major Proctor fragte den Kolonienminister, welches der Gesamtwert der Palästina-Exporte und -Importe im Jahre 1937 sei. Ormsby-Gore erwiderte, die zur Zeit verfügbaren Zahlen erfassen nur die ersten elf Monate des Jahres 1937. Der Export in dieser Zeit betrug rund 5 Millionen Pfund, der Import über 14,500.000 Pfund. Es ist nicht wahrscheinlich, daß der Gesamtwert des Imports für 1937 so hoch sein wird wie 1985, wo die Ziffer 17,900.000 betrug. (J. T. A.) Ott Kaoipt gegen den Terror Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Terrortätig' keit arabischer Banden hat in den letzten Tagen wieder einen Aufschwung genommen, doch ist es zu schwerem Blutvergießen nicht gekommen. In der Nacht zum Dienetag, 22. Februar, drang eine etwa SOOköpfige bewaffnete Bande tn Jenin ein, beschoß das Amtsgebaude und die PolisseistaUon und versucht«, tn dieselben einzudringen, Die Polizei' und MiUtarwachen setzten zum Gegenangriff mit Maschinengewehrfeuer ein und verjagten die Angreifer, die in die umliegenden Berg* flüchteten. Wie durch ein Wunder wurde bei diesen schweren Schießereien niemand verletzt. Nicht nur JiOEN SAMSTAG UNO&ONN1AO sondern auch JEDEN MITTWOCH ffnd.t da« UNTERHALTUNGS-KONZERT MAX GEIGER . <*FE REST. FETZER aa dar SchwadfiabrOck« statt. Besucherkarte auch MlttWOCh nur 15 QfO»th«H Auch in der Nähe von S a f e d kam es zu einem scharfen Kugelwcchsel zwischen Patrouillen von PoUzet und Militär einerseits und einer bewaffneten arabischen Bande andererseits. Die Polizei verhaftete in Jerusalem wegen ver* botener politischer Tätigkeit zwei führende Araber, nämlieh den naturalisierten amerikanischen Bürger Abdul Hamid Shuman, der der größte Aktionär der Arabischen Bank ist, und den Großkaufmann Ataliah P r e d j. Die Polizei in Jerusalem entdeckte einen großen Vorrat Materialien zur Herstellung von Munition, darunter 5000 englische und deutsche Patronenschaehtein und 5000 Zündbüchsen. Da« Material war in einer Höhle nahe dem Jaffa-Tor anweit dem neuen jüdischen Handelszentrum verborgen und mit Spinn» webe bedeckt. Die Polizei gianbt, daß es schon vor einem Jahr zur Vorbereitung der arabischen Revolte hier verborgen wurde. Es wurden jedoch in der gleichen Höhle auch sechs neaearabischoBomben gefunden. Im Kreise Jenin werden militärische Operationen in großem Ausmaße vorgenommen, um der bewaffneten Banden, welche die Angriffe der letzten Tage verübt haben, habhaft zu werden. Unter dem Vorsitz des Distrikts-,, gouverneurs traten hohe Offiziere zu einer Beratung über die zu ergreifenden Maßnahmen zusammen. Die durch dle's&s1 Gebiet führenden Wege sind blockiert und werden von Panzerautopatrouillen befahren. Plugzeuge durchsuchen das Gebiet, besonders die Umgebung des Dorfes Silah zwischen Tulkarem und Nablus, wo sich die Terrorbanden aufhalten sollen. Sieben hohe arabifche Beamte entlassen Aus Jerusalem: ' Gestü':.* auf da» ihr mit Order vom 19. Februar d. J. verliehenen Rocht, nach Gutdünken personale "Äenderungen In der Administration vorzunehmen, hat die Palästina-Regierung soeben sieben hohe arabische Beamte aus den Diensten der Administration entlassen. Unter den Entlassenen befinden sich der Inspektor der muselmanischen Gerichte, Scheich Hassan Abu Seoud, der nach dem Mufti die höchste Stelle in der kirchlichen Hierarchie des Mösle*, mitentums in Palästina einnahm, sowie der Administrator der Wakf-Ländereien (kirchlicher Bodenbesitz), Safuad El Husseini, ein Neffe des Mufti. Weiter befinden sich unter den Entlassenen zwei Priester der Omar-Moschee. Man beurteilt diese Maßnahme der Palästina-Administration als einen schweren Schlag gegen die nationalistischen arabischen Kreise, denen nun die Kontrolle über den Bodenbesitz und die Reichtümer der moslemi tischen Kirche entzogen ist* Sir John Haslam fordert Erfüllung der Balfour- Deklaration Aus London: Das konservative Unterhausmit" glied Sir John Haslam forderte in einer in der Bolton Conservative Association gehaltenen Ansprache die volle Erfüllung des mit der Balfour- Deklaratjon den Juden seitens Englands gegebene» Versprechens, betreffend Aufbau des jüdische» Nationalheimsin Palästina. Den Juden in der Welt, fügte Sir John Haslam hinzu, wird k e t n e f a i r e* B e* handlung zuteil; mindestens England sollte der Welt zeigen, daß ein auch einem Schwachen gegebenes Versprechen erfüllt wird, Der Bericht der Pe^-Konunission ist nicht weitgehend genug. Er, Sir John, hoffe, daß das Ergebnis der Untersuchungen der neuen Paläatina*Kbmmission gerechter für die Juden ausfallen, wird. „Times" gegen schwankende Palästina-Politik der Regierung Aus London: „Times" widmen der Palastin*» Politik der englischen Regierung einen ausführlichen Leit* artikel. Wann, fragt die Zeitung, wird der Kolonienminister die Namen des Leiters und der Mitglieder der neuen technischen Palästina-Kommission veröffentlichen?, Die Unsicherheit schafft Unruhe unter Juden wie unter Arabern. Die schwankende Politik, die tm Peel-Weißbuch iiiiiiiiiiiiiiiiiitiiniiiiiitrinin^ Verband der Jud euit»»t»*too Uten, Sektiao Prater. Donneret«?, den 8, d., halb 9 Uhr abend», iin Heini, R., EriafOtraße 0, wichtige Ausschußsitzung.

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