Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 730 (25.2.1938)
- Date
- 1938-02-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 730 vom 25. FdbruAr 1938 DBB NEUE WELT Stttft T fkusik ükä Vcikstm f »^fFW*r WWWWWW W W^WFWW W W ww ■ Von .Joachim & t«t s c h e w s k y, Wien fHft wöchselscitlgen Beziehungen zwischen Volk und Muslkäußerung wieder einmal festzustellen, ist für jeden Betrachter heute von bcaöhdeier Bedeutung. Hier sei knapp gesägt: Oer Mensch ist geistig in seinem Volke tief verankert und lebt in und durch diese Gemeinschaft, mag er ihr noch so fern und entfremdet sein. Je größer und tiefer das Leben eines Volkes ist, um so gewaltiger und reicher die schöpferischen Kräfte seiner Exponenten, also auch der Künstler. Jedes Voik hat sein Ich, seine Seele, seinen Rhythmus, die eigene Melodie Und somit auch die ihm zugehörige Kunst. Durch die Beschaffenheit dieses Volksganswn wird die Kunst bedingt, erhalten und weitergetragen. Darum muß die Kunst — um lebendig zu sein — immer in ihrem Volkstum verwurzelt bleiben, muß im Künstler der Lebensrhythmus und die Volksseele mitschwingen. So wie Volkstum ohne Kunst, so ist Kunst ohne Volkstum undenkbar. Da Gemütsbewegungen ihren unmittelbaren Ausdruck gerne in der Musik finden, so ist diese ein Spiegelbild der sich äußernden Volksmasae oder Persönlichkeit. Tm Leben des einzelnen -wie in dem des Volkes, in Freud und Leid, in der Religionsübung oder im Alltag, beim Arbeiten und Feiern, stets bildet die Musik einen unentbehrlichen Faktor. Musik Ist eine gefühlte Wirklichkeit, ist tiefster Ausdrück unseres Gemeinschaftswesens, eines unserer höchsten Kulturgüter. Wenn es keine Volkslieder, keine Völkstänze gäbe, besäßen wir auch keine 'Kunstmusik. Denn auch die musikalischen Kunstwerke (Simphonle, Kammermusik, Kunstlied, Oper) tragen zu aJlertiefst Merkmale der Volksgebundenheit des Komponisten. Man braucht bloß die Musikentwicklung von ihren primitiven Anfängen bis zur Gegenwart einigermaßen zu verfolgen, um das bestätigt zu finden. Daraus folgt, daß jedes Volk eine ihni entsprechende Musikförmung, jede Zeit eine ihrem Bedürfnis entsprechende musikalische Ausdrucksart findet. Die Berufung des Künstlers ist die Verwirklichung dieses naturgegebenen Ströhens. Welche Bindung besteht nun in Wahrheit zwischen Volkstum und Musik? Der Ursprung der primitiven Musik dürfte vom Rhythmus — der Bewegung einzelner Glieder oder des #£nien Körpers — herzuleiten sein. Später wurde er zunächst durch bestimmte Geräusche, dann durch die Artikulation der Stimme und der Wörtlaute ergänzt und bereichert. Im. Rhythmischen liegt also das Fundament, aiis dem das Elementare der Musik emporgestiegen ist. 'ÜRflt ist es gerade ''dir Rhy&müs,-!«. dem sich Charakter und Temperament des Menschen ani stärksten offenbaren, .der also die Eigentümlichkeiten eines jeden Volkes am deutlichsten charakterisiert. Von den primitivsten Anfängen der Völker haben sich diese Unterschiede bis auf die heutige Zeit aufrecht erhalten und sich über die Jahrhunderte hinweg bis zu den inzwischen kultivierten europäischen Nationen vererbt. Als Ergänzung dieses motorischen Elementes (Rhythmus) tritt im Melos die Empflndungseigenart eines jeden Volkes in Erscheinung. So fließt der Urrhythmus und das Urmelös jedes Volkes auch in die Kunstmusik über und beeinflußt sie, bewußt oder unbewußt, in hohem Maße. Wir unterscheiden heute nicht nur zwischen der Musik der primitiven Völker, •sondern auch zwischen deutscher, französischer, russischer, italienischer usw. Gerade die Musik bietet uns die meisten und sichersten Anhaltspunkte zur Feststellung der nationalen Unterschiede. Schon die Gegebenheit des „Einfalls", der Affektgehalt des Melodischen (die MelodiefUhrung), die Gestaltung des Rhythmischen, die Dynamik des Stofflichen, die Phantasie der Verarbeitungen, dies alles ist von der Volkszugehörigkeit des Komponisten absolut nicht zu trennen und gehört zur individuellen Anlage des Künstlers, dem die Gnade zuteil wurde, Träger und Bildner der Kunstmusik seines Volkes zu werden. Trotzdem die Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die Kunstmusik der verschiedenen Völker, in Bezug auf kompositorische Technik vielfach angeglichen hat, so ist doch festzustellen, daß diese Angeglichenheit nicht so eng verbunden ist, daß sie jedwede Unterschiede — im Harmonischen, Motivischen oder gar im Rhythmischen — ausgemerzt hätte. Noch immer ist zwischen der Musik vm Bartlos und Richard Strauß, Hindemith und Strawtnsky «in wesenhafter Unterschied. So betrachten wir auch die meisten Werke von Bach, Haydn, Mozart, Weber usw. als deutsche Musik, finden wir in Werken von Ranieau, Lully, Gounod, Debussy, Ravel den Niederschlag f ranzösischen Geistes und die Musik von Monteverdl bis Rossini und Verdi als für das italienische ■ Empfinden, von Dvorak, Smetana für das tschechische, Glinka, Mussorgski, Borodin, Rimsky-Korsakow als für das russische charakteristisch. Alle diese Werke sind lebendige Zeugen der Bedingtheit der Musik durch da« Volkstum. Im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Zeit ist es nicht unangebracht, einen deutlichen Trennungsstrich zwischen dem Begriff einer nationalen lOiä der allgemeinen „rassischen" („nationalistischen*') Kunst zu ziehen. Man kann selbstverständlich auch von romanischer, germanischer, slawischer Musik sprechen. Abar es genügt zum Beispiel, Smetana, Monjuszko und , QUnkt gegenüberzustellen (jeder für sich ein ausgeprägter Typun der slawischen Rasse), um zu erkennen, daß sie doch durch das volkstümliche Vslcur grundverschieden voneinander sind: die Musik des einen ist tschechisch, die dös anderen polnisch, die des dritten russisch. Es hieße die Grundelemente, den Kern jeder Musikäußerung, verkennen, wollte man das Empfindungs- und Gestaltungsvermögen des Musikers von seiner Individualität trennen, deren Kraft in dem Erbe seines Volkes und in dessen Milieu eingebettet ist. Jede große Schöpfung setzt eine harmonische Geschlossenheit der Persönlichkeit voraus, deren Kennzeichen ihre Volkszugehörigkeit Sein muß und ist. Es gibt keine „internationale", ..Ubernationale", sondern nur eine „nationale" Musik, darunter natürlich Werke von Genies, die über ihre eigene Umwelt und den Zeitgeist hinaus, universale Wirkung auf alle Völker üben und Ewigkeitswert besitzen. Nur die im tiefsten ihres Wesens volksgebundene Musik wird sich überall in der Welt Geltung verschaffen. Wir bitten für unser» Ilten o. arbeitsunfähigen BUNDIN um Spenden. Für die blinden Musiklehr»r, Klavierstimmer, Korb-u. Sesselftechteruwie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit kottzert Alexander Kipitss Es wäre ein unnützes Unterfangen, heute noch et.was über die. Kunst des Sängers Alexander K i p n i s zu sagen. Denn sein Rang, nachdem zahllose kritische Federn sich der Darstellung seines künstlerischen Wesen3 als Opernsänger und Menschengestalter und Liederinterpret hingegeben hatten, steht fest und es hat keinen Sinn, ihn immer wieder in eine bestimmte Sängerkategorie einzureihen. Sein Abschiedskonzert im Wiener Musikvereinssaal fand gerade zur Zeit politischer Höchstspannung statt. Kipnis trotzte ihr. Seine Anhängerschaft füllte das große, schöne Haus, und es war für alle Kulturbeflissenen eine Genugtuung, zu konstatieren, daß es noch ein ö s t e rrelchisches Wien gibt, ein solches, das sich vom lauten Lärm der Straße nicht umnebeln läßt, sondern sich dort zu Hause fühlt, wo echte Kunst geboten wird.' Gerade darum wirkte Kipnis diesmal so stark. Der jüdische Sänger, sich den Stilen italienischer, französischer, deutscher und russischer Opernmelodien widmend, brachte auch das Werk zustande, ihnen in edelster Reinheit zu dienen, eine Feierlichkeit ausstrahlend, die nur ganz großen Künstlerpersönlichkeiten eigen ist. Die durch die Ereignisse des Tages angespannten Nerven fanden Erholung, man fühlte sich wohl in den Sphären zeitloser Musik und dankte Alexander Kipnis. der bewies, daß sich der jüdische Genius auch unter den schwersten Bedingungen von seinen hohen Aufgaben nicht abbringen läßt. . o . o. r. „Dybuk"-Theater oder Film. Der Unterschied zwischen der Habimali-Aufführung des Anskischen „Dybuk" und der, Verfilmung des gleichen Stoffes, die kommenden Dienstag in jiddischer Sprache mit deutschen Fußtiteln im Helios- und im Nestroy-Kino zur Uraufführung gelangt, besteht vor allem darin, .daß am Theater das Theatralische und Schauspielerisch-Stilistische, im Film mehr das Allgemein-Menschliche und Naturalistische zum Ausdruck kommen. Für alle jene, die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind, bietet der Film die Möglichkeit, diese schöne jüdische Legende in allen ihren Einzelheiten zu verstehen. Die Hauptrollen spielt ein auserwähltes Ensemble, vor allem Abraham Morewski von der Wilnaer Truppe Asriel, Lili Lilliana, Bozyk, Nute, A. Samberg u. a. m. Die Musik ist von Henoch Kohn, der Tempelgesang von Gerszon Sirota, dem bekannten. Oberkantor des Warschauer Tempels. Als künstlerischer und historischer Berater fungierte, Universitätsprofessor Dr. Majer Bällaban. Heute Apollo-Premiere „Das verlorene Paradies-'. Heute bringt das Apollo den neuen Frank-Capra-Film „Das verlorene Paradies" (Lost, Horizon). nach dem gleichnamigen Roman von James Hilton. Ueber diesen Film hat bekanntlich die Oesterreichische Völkerbundliga den Ehrenschutz übernommen. In die Hauptrollen des- Films, dessen Freilichtaufnahmen im Hochland von Tibet entstanden, teilen sich Ronald Colman, Jane Wyatt, Margo u. a. Für diesen Film wurde eine eigene Stadt erbaut: Shangri-la, ein Ort irgendwo in Tibet, wo der Frieden, das Glück und der Wohlstand ihre letzte Zufluchtsstätte gefunden haben, während die übrige Welt von innerem Zwiespalt zerrissen wird. KINO.PROGRAMME Kreuz-Kino I, Wollzeile 17 Telephon R-24.2-16 VonUollunacn: H, %6, Vit, 'A10 TARZANS RACHE Glenn Morris Eleanor Holm t CHWEDEN Beginn: VtJ, 9, V*i, VtlOUhr. Tel. A»4f-0>6t Greta Garbo, Charles Boyer Jil MMf 5. Woche Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen ^ugarten- Kino H Ii, Unter« Augartenstrafle 28 Telephon A-40.6-38 Beginn r %4, V.S, Vi» Uhr Freitag, den 26., bis Montag, den 28. Fritz Kartner in dem Spitzenfilm Der Mörder Olmltrl Karamosoff mit Fritz Rasp und Anna Sten Mpv de* jädisäm dti*4eu Wien II, Rembrandtsirdß* 18 Telephon A - 47 - 2 77 Posljparkassert-Konto A-133.213 Zur Gfitlaffung d«s§ Badener Oberrabbiners Wir brachten die Mitteilung, daß der Kultusvorstand in Baden bei Wien den dortigen Ob<?rrabbiner Dr. Hartwig Carlebach fristlos entlassen und den Oberrabbiner von Wiener Neustadt, Dr. Weiß, mit der Führung der Agenden betraut hat. Nunmehr wird uns aus Baden berichtet, daß die Badener Bezirkshauptmannschaft als Aufsichtsbehörde den Beschluß des Kultusausschusses aufgehoben und den Oberabbiner Dr. Carlebach wieder in sein Amt eingesetzt hat. JUstmUtod Bietet Bestie iiornmiei c Küche ypr, REICHHALTIGE MENÜS von S 1.90 aillwHrts; C W IV t l I I r< l M> o l< a V M.Hammcr.Piirgitall-GosJc 3 (näthsi Salzlorttürte) * leL A-41-Ü-/5 Xüdwty Uacdt in Wien Wie wir erfahren, liest Ludwig H a r d t, der berühmteste Rezitator der Gegenwart, auf Einladung der Direktion der Komödie, I., Johannesgasse, zweimal, und zwar: Samstag, den 5. März, um 5 Uhr nachmittags: Heitere Dichtung — von Münchhausens tollen Abenteuern über Heine zu Wilhelm Busch, Morgenstern und Ringelmatz. Sonntag, d. 6. d. Jüdische Autoren. Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfiS cte. Cafe Atlashof, L, Franz-Josefs-Kai 1, Tel. 'R-2S-2-2S. Cafe Augartcnhof, II.. Untere Augartenstraßo -16, Telephon A-44-0-75. Ciifö Buclisbaum. II., Kleine Pfarrgasso 21 Bürgerliche* Famillencafe. Catc-Kcstauranl „De France", f., Schottenring 3, Telephon A-16-3-74. Erstklassige Küche Billige Preise Saal unfl Klubzimmer zu vergeben. 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