Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 730 (25.2.1938)
- Date
- 1938-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 730 vom 25. Februaj 1938 DIE NEUE WELT Seite ä Wichtig! Wir bitten höflichst um pünktliche Ueberweisung der Abonne« mentsgebühr für die laufende Be* zugszeit, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintrete. Die wiederholte Uebersendung von Erlagscheinen verursacht Mühe und Kosten. Die Verwaltung „DIE NEUE WELT". Arturo Toscanini und Salzburg Wie die J. T. A. aus New York meldet, teilte Arturo Toscanini der Direktion der Salzburger Festspiele telegraphisch mit, daß er in diesem Jahre nicht an den Salzburger Musikfestspielen teilnehmen werde. Als Grund gibt er die ungeklärte politische Lage Oesterreichs an. Hiezu gibt die amerikanische Presse den folgenden Kommentar: „Die Absage Toscaninis ist möglicherweise noch nicht endgültig. Bis zur Anberaumung der Proben könnte es sich durchaus ergeben, daß die neue politische Richtung so ist, daß Toscanini mit ihr übereinstimmen könnte. Bekanntlich mied Toscanini Deutschland erst, als seine nichtarischen Freunde — Dirigenten und Sänger — verfolgt wurden. In diesem Punkte ist Toscanini besonders empfindlich, was auch sein Streit mit Furtwängler (bei den vorjährigen Maifestspielen) beweist; denn vor allem warf er seinem deutschen Kollegen vor, seine Freunde im Stich gelassen zu haben. Sollte Oesterreich ähnliche Maßnahmen wie Deutschland ergreifen, würde Toscanini gewiß bei seiner Ablehnung bleiben; anderenfalls würde er wohl Salzburg, das er besonders liebt, das dem großen Dirigenten aber auch nicht nur seine Hauptanziehungskraft, sondern den Bau des neuen Schauspielhauses verdankt, durch sein Wirken wie jedes Jahr zu. einem Mittelpunkt des internationalen Musiklebens machen." Warner Bros, bringen____ CIaudette COLBERT und Charles BOYER DIESE NACHT IST eute kino. i. UNSERE NACHT OPERN-KINO, I. Natürlich hat Oesterreich, das in der ganzen Welt als das vornehmste und edelste Musikland — hauptsächlich durch die hohe Qualität der Salzburger Festspiele — gilt, ein Interesse daran, Toscanini nicht zu verlieren. Wie nun seitens der J. T. A. gemeldet wird, hat die österreichische Regierung die Salzburger Festspielleitung zu der Antwort an Toscanini ermächtigt, daß er durch die österreichische Gesandtschaft in Washington über die Vorgänge in Oesterreich informiert werden soll. * Bruno Walter, dessen Vertrag als künstlerischer Beirat und als Dirigent der Wiener Staatsoper um drei Jahre verlängert wurde, wandte sich an Arturo Toscanini nach New York, um ihn zu bewegen, die Dirigententätigkeit in Salzburg wieder aufzunehmen. In dem Telegramm Bruno Walters wird zum Ausdruck gebracht, daß laut überzeugender Versicherung von berufenster Seite die Fortdauer österreichischer kultureller Kunst durch die Umgestaltung (auf Grund der Berchtesgadener Abmachungen) nicht in Frage gestellt sei. Bruno Walter teilt seinem Kollegen Toscanini weiter mit, daß er einen neuen Vertrag mit der Wiener Staatsoper geschlossen habe. Dies beweise, daß (Bruno Walter ist ein in Riga geborener Jude namens Schlesinger, der bereits vor vielen Jahren zum Katholizismus übertrat)' an der bisherigen Linie festgehalten werde. Nicht nur Oesterreich, sondern auch die ganze Kulturwelt hat ein Interesse daran, daß alles geschehe, um den Glanz der Salzburger Festspiele im bisherigen Umfang sicherzustellen. Das Fehlen Toscaninis am Dirigentenpult wäre zweifellos als ein Manko zu werten, und darum ist es gegebenenfalls notwendig, den großen italienischen Dirigenten davon zu überzeugen, daß sich an Oesterreichs kultureller Haltung und Verpflichtung nichts geändert hat. # Toscanini begibt sich noch vor Mitte März nach Palästina, wo er das von Bronislav Huberman mit seiner Hilfe begründete Palästina-Orchester, welches sich zum größten Teil aus deutschen Emigranten, hervorragenden Musiksolisten, zusammensetzt, dirigieren wird. Aufruf! San Remo, Penslone Feiice u| . Strandnahe, Mllcwa Minjan. Für ~ 467 J Dir. Qr, med. Al«x Schwor*. •ra, ruhige Lag«, mooirner xamTort, r Pessach Vorbestellungen erbeten. Am 18. und 10. Februar fand in Paris eine Sitzung der Weltexekutive der Judenataatapartei statt. Sie war der Besprechung der kritischen Lage im Zionismus gewidmet und befaßte sich auch mit der Stellung der Judenstaatler zur Zionistischen Weltorganisation, welche nach den Vorgängen auf dem Züricher Kongreß und durch das Über den Führer der Judenstaatler, Meir Großmann, verhängte Urteil des Zionistischen Ehrengerichtes, eine gründliche Erörterung erforderte. Die Exekutive hat, als Resultat der Beratung, folgenden Aufruf erlassen: Gesinnungsgenossen und Freunde! Seit Jahren wickelt sich in der Zionistischen Organi sation ein tragischer Prozeß politischer und moralischer Zersetzung ab. Unter Führung Dr. Weizmanns und seiner Verbündeten wird eine verhängnisvolle Politik des Verzichtens, des Defaitismus und der Partei- und Klassenherrschaft betrieben. Unentschlossenheit und Doppelspiel bei Behandlung der lebenswichtigsten nationalen Probleme führen zur Katastrophe. Der Versuch Weizmanns, hinter dem Rücken des jüdischen Volkes den Plan der Teilung Palästinas zu akzeptieren und die unwürdige Weise, in welcher die Mehrheit des letzten Kongresses darauf reagierte, zerrütteten die Bewegung vollends. Mißtrauen und Geringschätzung in England, Panik innerhalb des Jischuw und der Organisation, Schwächung des nationalen Willens — das sind die Resultate dieser unheilvollen Politik. Um die Aufmerksamkeit von den schweren außenpolitischen Niederlagen abzulenken und Insbesondere den an der zionistischen Demokratie verübten Verrat, der seinen Ausdruck in den geheimen Verhandlungen zwischen Dr. weizmann und der Mandatarmacht gefunden hat, zu verhüllen, hat die zionistische Exekutive einen Prozeß in Szene gesetzt. Der Vorsitzende der Judenstaatspartei Meir Großmann wurde des „Disziplinbruches" und der „Schädigung zionistischer Interessen" beschuldigt. Worin bestand sein Vergehen? Darin, daß er und seine Partei die Konspiration Dr. Weizmanns und Genossen aufgedeckt haben. Anstatt die wirklich Schuldigen, Weizmann und die Zionistische Exekutive, vor ein Gericht zu stellen, hat man drei Männer bestellt, um über Meir Großmann zu richten. „Disziplinarparagraphen", die bereits eine Partei aus der Zionistischen Organisation vertrieben haben, wurden in diesem. Falle angewandt. Das Urteil, der letzte Gewaltakt der Exekutive, ist nichts anderes als ein zynischer Versuch, die Opposition abzuwürgen. Eine bankrotte Führung wütet gegen die Opposition. Unabhängige Männer werden vertrieben, jede freie Meinungsäußerung wird unterdrückt, Finanzinstitute werden als Instrument politischen Druckes benutzt. Ein trauriges Bild! Schon in Zürich, als der Kongreß das Prinzip der Teilung akzeptierte und später, insbesondere nach dem schändlichen Urteil, beherrschte viele Judenstaatler das Bedürfnis, die Beziehungen mit dieser Organisation abzubrechen. Unsere Pflicht gegenüber dem Zionismus und dem jüdischen Volke im gegenwärtigen Augenblick gebietet uns jedoch, auf unserem Posten zu verharren. Die Judenstaatspartei räumt keine Stellung. Sie zieht sich nicht zurück. Sie läßt sich nicht aus der Organisation, die allen gehört, verdrängen. Unser Kampf muß nun noch schärfer und intensiver geführt werden. Keine Kooperation mit dieser Exekutive! Entschiedener Kampf für die Befreiung des Zionismus von dem gegenwärtigen Regime und seinen Trägern muß als Losung auf unsere Fahnen geschrieben werden! NachArgentinie^^^a^ s Auskunft: Gompagnie Maritime Beige, Wien I, Kärntnerring3 Wir sind überzeugt, daß die jetzige politische Krise nicht nur als Resultat der schweren internationalen Lage und der schwankenden Politik Englands, sondern zu einem großen Ausmaße als Nachwirkung der moralischen Zerrüttung der Zionistischen Organisation zu betrachten ist. Was den Prozeß Meir Großmann anbelangt, so werden wir nicht ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getanist. Das Urteil muß aufgehoben werden. Die wahren Schuldigen müssen vor ein Gericht gestellt werden. Die Oeffentllchkeit soll endlich die Wahrheit erfahren. Wir fordern Einsetzung einer Untersuchungskommission im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Dokumente und dem nachfolgenden Prozeß gegen Meir Großmann. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Vorsitzende der Exekutive müssen vor ein unabhängiges Gericht gestellt werden. Die Situation im Judentum und im Zionismus gebietet uns vor allem eine unermüdliche politische Arbeit außerhalb und innerhalb der Zionistischen Organisation, um neue jüdische und nicht jüdische Freunde für den Judenstaats Zionismus zu gewinnen. Unfähige Elemente haben sich der von Theodor Jieczl &&toaiSMt>* Organisation, bemächtigt, Piesen Elementen die Bewegung zu überlassen, wäre gefährlich'« Ein radikaler Umbau der Zionistischen Organisation ist das höchste Gebot deü Stunde. Jeder Zionist, dessen Seele mit tiefer Unruhe um das Schicksal des jüdischen Volkes erfüllt ist, muß sich in dieser Stunde Rechenschaft ablegen, ob es so weitergehen kann. Es handelt sich hier nicht um eine Person oder* Partei. Es geht hier um den Zionismus ala Ganzes. Säubern wir nicht die Bewegung, dann wird nie die Grundlage für eine wirkliche Zusammenarbeit aller Schattierungen im Zionismus geschaffen werden können. Die Judenstaatspartei wurde wegen ihrer entschlossenen Haltung gegen den Plan der Zerreißung Palästinas und gegen die verderbliche Politik der Führung in ungeheuerlicher Weise provoziert. Man will sie hinausdrängen, damit die Vcrzichtleistung leichter durchzu« führen ist. Die Judenstaatspartei antwortet darauf: Wir bleiben in der Zionistischen Organisation. Wie werden in- und außerhalb der Organisation alles unternehmen, um die Teilungsplänc zu zerstören, die Organisa-» tion wieder stark und rein zu machen und die Front den Judenstaatler zu stärken und auszubreiten. Fest im Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache, gehen wir unseren Weg weiter und rufen Gesinnungsgenossen und Freunde auf, uns in diesem: heiligen Kampfe entschlossen zu unterstützen. Paris-Tel-Aviv, 18. Februar 1938. Das Weltexekutiv-Komitee der 7 Judenstaatspartei. Nicht nur JEDEN SAMSTAG UND SONNTAG sondern auch JEDEN M3TTWOCB4 findet das UNTERHALTUNGS-KONZERT MAX GEIGER CAFE-REST. FETZER statt. Besucherkarte auch Mittwoch nur 15 Groschen Pariser Konferenz der Sudenstaatler Aus Paris wird uns berichtet: Am 19. Februar 1938 fand in Paris eine Beratung der Vertreter der Nezivut (Präsidium) der Neuen ZionistischenOrganisation(V. Jabotinsky, S. Jacoby, Dr. S. Klinger) und des Exekutivkomitees der Judenstaatspartei (M. Großmann, J. Machover, R. Stricker) statt. In Anbetracht der katastrophalen Situation im jüdischen Leben und im Zionismus wurden Wege und Mittel zur Herstellung einer gemeinsamen Front der judenstaatler sehen Kräfte erörtert. Ohne Preisgabe des Eigenlebens, der Charakters und der organisatorischen Formen der beteiligten Körperschaften, wurde vereinbart, politische Kontaktkomitees in London und Tel-Aviv zwecks Vorbereitung und Durchführung gemeinsamer Aktionen, insbesondere im Kampfe gegen dieTeilung Palästinas und gegen die Liquidierung des Mandats zu schaffen.- Die Kontaktkommissionen werden ihre Tätigkeit sofort nach Ratifizierung der Vereinbarung durch die leitenden Organe der1 beiden Körperschaften beginnen. Zionistisches Aktionskomitee einberufen London, 23. Februar. Die Zionistische Exekutive hat das Aktionskomitee einberufen. Die Sitzungen finden in London statt und beginnen am 8. März. Dr. Weizmann ist am 17. d. in London eingetroffen. Die Mode auf der Bühne Die Theatertoiletten der letzten Zeit werden immer schöner und für das Privatleben geeigneter geschaffen. Ein Salon, wie Ida Reich & Bruder, versteht es, die glanzvollsten und theaterwirksamsten Toiletten so au gestalten, daß sie jede Dame, ohne auffällig zu erscheinen, zu allen Vor-, Nachmittags- und Abendgelegenheiten tragen kann, Im Volkstheater trägt Frau Bassermann im „Bridge* könig" ein lebhaftes, groß imprimiertes Sommerkleid mit Kristallkette. Lotte Lang ein hellblaues Morjjenkleid mit durchsichtigem lila Ueberkleid. Reizend auch das weiße imprimierte Kleidchen mit weißem Bolero und eingearbeiteter Bordüre. Im „Hochzeitstage" (Theater in der Josefstadt) kommt die Mode von morgen in einem reizenden rosa Tüllkleidchen mit plissierten Volants und kleinem Mieder zum Ausdruck. Hochmodern auch das elegante Brautmutterkleid von Adrienne Geßner aus schieferblauem Crepe Orion in Tuniquelinie. Fabelhaft das orchideenfarbene Mousselinekleid Dagny Servaes'. DU TMktteHOu^atiw^ von „Bridgekönig" (Volkstheater) und von „Hochzeitstage" (Josefstadt) von; Wien Vi, Mariahilferstr. 39 Ida Reich & Bruder