Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 728 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 728 vom 18. Februar 1938 DIE NEUE WELT Seite 6 Nachrichten aus Palästina Scheich el Hussein hingerichtet Aus Jerusalem wird gemeldet: Eine Araberbande Uberfiel ein Lager des Departements für öffentliche Arbeiten in der Nähe des arabischen Dorfes Anebta, zündete die Zelte an und zerstörte die Maschineneinrichtung des Lagers. Der Oberkommandierendc der britischen Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell, hat das am vergangenen Freitag vom Militärgericht in Haifa über den Scheich Haj Mohammed cl Hussein verhängte Todesurteil bestätigt Eine Abordnung arabischer Frauen überreichte dem Oberkommandirrenden ein Memorandum, in welchem gegen das Todesurteil protestiert wird. — El Hussein ist am Mittwoch, 16. Februar, hingerichtet worden. Acht Revisionisten, unter ihnen Dr. Aba A c h i Meir, sind aus dem Konzentrationslager in Akko entlassen worden. Im Gefängnis befinden sich noch elf Revisionisten. 20.000 „Meqale" in Palästina gefährdet Aus Jerusalem (J. T. A.): Durch einen Urteilsspruch des Assissengerichtes ist der rechtliche Status von etwa 2 0.0 0 0 „i 11 e g a 1" i n P a 1 ä s t i n a Eingewanderten unsicher geworden. Bas Gericht hat nämlich entschieden, daß illegale Einwanderer, wanniramer sie entdeckt werden, deportiert werden können. Bisher galt es als Regel, daß ein „illegaler" Einwanderer, wenn er sich bereits zwei Jahre ununterbrochen im Lande aufhielt, nicht «•gewiesen wurde, sondern daß sein Status als Einwanderer nach Ablauf dieser Frist automatisch legalisiert wurde. Die arabische Polizei in Palästina Aus London: Im Unterhaus fragte Abgeordneter Wedgwood den Kolonienminister, ob er Erkundigungen darüber einziehen wolle, in wie vielen Fällen arabische Polizisten sich ergeben haben oder es unterließen, zu kämpfen, wenn sie angegriffen wurden; ferner, ob Aenderungen in der Rekrutierung erwogen werden," was für Disziplinarmaßnahmen gegen jene ergriffen wurden, die sich ergeben haben, ob diese weiterhin der bewaffneten Macht angehören und mit neuen Gewehren versehen wurden. In einer schriftlichen Erwiderung erklärte Minister Ormaby-Gore: Ich sehe keinen Grund, eine solche Erkundigung einzuziehen. Ich bin überzeugt, daß, falls Fälle vorgekommen sind, in denen Polizisten ihrer Pflicht nicht. nachgekommen sind, die entsprechenden disziplinaren Maßnahmen ergriffen wurden. Mir ist nicht bekannt, daß irgendeine Modifikation des geltenden Rekrutierungssystems beabsichtigt ist. Ich möchte noch bemerken, daß der High Commissioner erst kürzlich die Art, wie die arabischen Polizisten unter den schwierigsten Bedingungen ihren Dienst versehen, lobend hervorgehoben hat. Aus Jerusalem: Der „Oberbefehlshaber" der arabischen Terrorbanden hat eine „Proklamation" Hü: San Remo, Pensione Feiice Corsa dell' fmpero 184. Im warmen, sonnigen Süden. Einzige _ rituelle Pension a. d. ital. Rlviora, ruhige Lage, moderner Komfort, Igl j Strandnahe, Mikwa Minjan. Für Pessach Vorbestellungen erbeten. Dir. m«H. Alav Schwarz. an die arabischen Hilfspolizisten und regulären arabischen Polizisten erlassen, in der sie aufgefordert werden, sich den Banden anzuschließen. Den Hilfspolizisten wird an Stelle der 3 Pfund Besoldung, die sie monatlich von der Regierung erhalten, 314 Pfund, den regulären Polizisten, die „nur 6 Pfund monatlich erhalten", 7 Pfund versprochen. Ferner werden ihnen komplette Ausrüstung und moderne Waffen zugesagt. Denjenigen, die sich weigern, dieses Angebot binnen 14 Tagen anzunehmen, wird mit Ermordung gedroht. Die Regierung hat den Zeitungen verboten, diese „Proklamation" zu veröffentlichen. Ueberfall auf ein arabisches Dorf Eine Bande maskierter und in Khakiuniform gekleideter Araber drang in das Haus eines auf Urlaub befindlichen arabischen Hilfspolizisten in dem arabischen Dorfe Attara (Kreis Nablus) ein und eröffnete ein heftiges Feuer auf alle Anwesenden. Der Hilfspolizist und einer seiner Brüder waren sofort tot, während ein anderer Bruder, sein Vater und ein zufällig anwesender Gast schwer verletzt wurden. 10.000 Pfund Prämien auf die Ergreifung von 21 Terroristen Die Palästina-Polizei hat eine Liste von 21 von der Polizei wegen Begehung verschiedener Verbrechen gesuchten arabischen Terroristen veröffentlicht. "Unter den Gesuchten befinden sich auch der Scheich Khalil Alissa, der für den Mord an dem Distriktskoramissar Lewis Andrews, und Scheich Issa Betat, der für den Mord an dem Archäologen Prof. Starkey verantwortlich gemacht wird. Auf den Kopf des ersteren ist aine Prämie von 500 Pfund ausgesetzt worden. Die Gesamtsumme "der Prämien beträgt fast 10.000 Pfund. Der Talmud — tschechisch Aus Prag: Im Verlag L. Mazac, Prag, erscheint eine vom Universitätsdozenten Dr. Isidor Hirsch besorgte Auswahl aus dem Talmud in tschechischer Sprache, (jon* Wien sndtkt iauon . . * und iehd kaufen alle schon .. . Schmidl QualitätsMazzoth die Pessach-Delikatesse des Feinschmeckers! „Schmid!-Mazzoth«' sind deshalb seit bald 5<> luhron beik'bt nnd wer. 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Demgegenüber wird der Gedanke geäußert, daß ein Mann im Alter von Smilanski nicht zu sehr über die Jahre seiner Freunde grübeln sollte... Auf diese Weise zeigte die öffentliche Meinung des Landes ein gewisses Interesse für das Alter unserer nationalen Führer. Die jüdiche Oeffentlichkeit ist nicht die erste, die dieser peinlichen Frage ihre Aufmerksamkeit gewidmet hat. Schon unsere Weisen haben gesagt, daß es möglichst vermieden werden müßte, alte Leute in das Synhedrion zu entsenden; und dies ungeachtet der unseren Alten immer entgegengebrachten E h rerbietung. Bs. scheint, daß. man diesem Problem nachgeforscht hat und zum Schlüsse gelangt ist, daß außer Weisheit und Lebenserfahrung das Alter auch Geistesschwä che, R.u he bedürfnis und Gedächtnismangel aufweist, welche oftmals die Früchte der Lebensweisheit zunichte machen. Diese althergebrachte Auffassung ist nun wiederum zu neuem Leben erwacht. Und es ist bezeichnend, daß es die alten Herren der christlichen Nationen waren, die als erste dieser Auffassung zustimmten. Wir erinnern uns noch des eindrucksvollen Schrittes des verstorbenen M a s a r y k, welcher trotz der unzähligen Bitten seiner Freunde und Schüler den Präsidentenposten aufgab. Baldwin, der Premierminister der nationalen Regierung, in England, wandelte in den Wegen Masaryks, als er noch viel j ü n g e r als dieser war: ein Jahr oder zwei vor seinem politischen „Ende" wählte sich Baldwin seine politischen Nachfolger aus... n Zu Baldwins politischen Erben, welche seine Tätigkeit fortsetzen, gehört u. a. der gegenwärtige englische Kriegsminister Hore-Belisha. Mr.Höre Belisha ist seiner Abstammung nach Jude und steht im Alter von 43 Jahren. Baldwin war derjenige, der ihn zur Regierung heranzog, weil er an seine Fähigkeiten glaubte und weil ihm seine Jugendlichkeit imponierte. Die Wahl hatte sich als g 1 ü c k 1 i c h herausgestellt. Zu seiner Popularität hat in großem Maße seine energische Tätigkeit zur „Verjüngung" des britischen Heeres beigetragen: Hore-Belisha entfernte aus der Heeresleitung jene Herren, deren Alter eine allzu auffallende Höhe erreicht hatte, und setzte an ihrer Stelle j ü n g e r e M i 1 i t ä r s ein, die Fähigkeiten und persönlichen Mut aufzuweisen vermochten. Es ist mein Wunsch, betonte der jüdische Minister, Fähigkeiten, Initiative und Geistesgegenwart an die diesen Eigenschaften passende Stelle zu setzen. Und Hore-Belisha hat bewiesen, daß er sich keineswegs auf Reden beschränkt. Einige Tage nach Veröffentlichung seines umstürzlerischen Programms wurde bekannt, daß die alten Befehlshaber der obersten Heeresleitung ihrer Posten enthoben und daß Lord Gort und General Leaddal an ihre Stelle ernannt wurden. Das Alter und die militärischen Würden der neueingesetzten Heeresleiter sind so unzureichend (Lord Gort ist nur Colonel), daß ihre Ernennung eine vollkommene Ueberraschung bedeutete. In den Kreisen des Kriegsministeriums wird dieser radikale Schritt damit begründet, daß die erfolgreichsten Heeresführer in der Geschichte gerade jene waren, die das Alter von 50 Jahren nicht überschritten hatten. Wellington und Napoleon waren 40 Jahre alt, Hannibal 30 und Alexander der Große 25 Jahre. m Die britische öffentliche Meinung stellte sich, gänzlich an die Seite des jüdischen Ministers und seiner wagemutigen Politik. Lorde Sidebottom beton in „Sunday Times", daß die in der Heeresleitung vorgenommenen Aenderungen das Durchschnittsalter der Heeresführer von 61 auf 53 herabsetzten und daß die Reform hiemit noch lange nicht zu Ende sei.' Der Kriegsminister habe Mut und Entschlossenheit bewiesen. Es müsse schließlich zugegeben werden, daß eine allzu veraltete Führung in Zeiten der Entscheidung eine Gefahr bedeute, weil die „Lebenserfahrung" oftmals zu einer erstarrten Konvention werde, die jeden geistigen Aufschwung hemme. Auch Lord Beaverbrook, der sich in permanenter Opposition zur Regierung befindet, zollt den Reformen Hore-Belishas volle Anerkennung. In seiner Zeitung, dem „Daily Express", wird ausgeführt, daß die Regierung genügend Mittel, Zeit und Menschenmaterial zu ihrer Verfügung hätte, und daß das einzige, was ihr bis jetzt fehlte, Entschlußkraft gewesen wäre. Hore-Belisha sei berufen, diesen Mangel zu beseitigen. IV Herr M. Smilanski erinnerte uns zufällig daran, daß auch die Zionisten eines Reformators vom Schlage Hore-Belishas bedürfen. Auch unsere Parteien und Führer sind „etwas zu alt geworden". Es ist wirklich nicht allzu ermutigend festzustellen, daß eine junge revolutionäre Bewegung, welche noch nicht an ihr Ziel gelangt ist, bereits graue Haare aufweist. Man darf aber nicht über diese grauen Haare hinwegsehen. Als Mitglied des Permanenzausschusses des 19. Kongresses konnte ich den verzweifelten Kampf mitansehen, den einer der zionistischen alten Herren um einen hohen zionistischen Posten führte. Die Mitglieder des Permanenzausschusses rackerten sich ab, um dem alten Herrn klarzumachen, daß sein hohes Alter es ihm nicht erlaube, die weitgehende Verantwortung, die der in Frage kommende Posten von ihm verlangt, auf sich zu nehmen. Vergebens. Der Kandidat wollte die Beschwichtigungsworte nicht verstehen und so mußte man die traurige Beseitigungsoperation gegen seinen Willen vornehmen. Leider ließ man es nur bei diesem einzigen Falle bewenden: Die Zahl der zionistischen Führer, die sich dieser Operation zu entziehen verstanden, ist höher als allgemein angenommen wird. Dazu gehören sowohl die im physischen als auch im geistigen Sinne Veralteten. Und niemand wird je sagen können, in welch hohem Maße die alternden Führer zur ideologischen und geistigen Veralterung des Zionismus beigetragen haben. Die Vergangenheit der veralteten Führer bedeutet oftmals eine schwere Belastung sogar für ihre Parteien. Es gibt Fälle, wo die Parteien eine Politik beschließen mit dem einzigen Ziele, ihre gegenwärtige politische Linie der Vergangenheit ihrer Führe r, die persönlich anderweitig gebunden sind, anzupassen. Diese unnatürliche Erscheinung verunstaltet das Gesicht der zionistischen Oeffentlichkeit und lenkt die politischen Diskussionen der zionistischen Parteien in eine falsche Richtung. Sie ruft auch schwere Reizungen innerhalb der Bewegung hervor, die oft zu unerwünschten Folgen führen. Ich glaube deshalb, daß ungeachtet der „jüdischen Auserwälütheit" auch bei uns eine enge Verbindung zwischen dem Alter und dem politischen Mißerfolg besteht. Und auch wir, Zionisten, könnten nur allzu gu% einen Mann vom Schlage Hore-Belishas brauchen..«