Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 728 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELX Nr. 728 vom 18. Februar 1038 AUS ALLER WELT In Hamburg ist der 61 Jahre alte Engländer Harry Herz wegen Devisenvergehens und „Rassenschande" r.u 25 Monaten Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 20.000 Mark verurteilt worden. Hera ist deutscher Abstammung und seit 1907 als Engländer naturalisiert. Er kam in Begleitung eines 27jährigen Deutschen aus London nach Hamburg. Das MHdchen wurde zu vier Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. In dem .internationalen Aerztlichen Bulletin" (Prag XII, Caslavska 15), ist folgendes zu lesen: „Den Packungen der P a n f 1 a v i n-Tabletten, die von Deutsch* SIEGM. KORNHEHL GROSSFLE1SCHHAU1RE1 Zentrale: IX., Berggasse 19, T el. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen Sür ■^^Ftelich unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostenlo» IX. Berggasse 15 / XVIII., WShrlngM'str. 97 land exportiert weFden, ist ein Reklameheftchen beigefügt. Darin wird darauf hingewiesen, daß dieses Präparat „einer Anregung Geheimrat Prof. Dr. Paul E h r 1 i c h s zufolge in den Laboratorien der I. G. Farbenindustrie A.-G. zuerst hergeatellt" wurde. So macht man mit dem Namen des berühmten jüdischen Forschers Propaganda im Auslandsgeschäft, ohne Scham zu empfinden. In Deutachland selbst verfemt man alle jüdischen Aerzte und ein Gauleiter Streicher darf die größten Koryphäen der deutschen Medizin, darunter Paul Ehrlich, als Verbrecher bezeichnen." D«r litauische Ministerrat hat beschlossen, auch in diesem Jahre in das ordentliche Budget eine Summe von 150.000 Lit als Subvention für das jüdische Schulwesen in Litauen aufzunehmen. rAnläßlich des 20. Jahrestages der litauischen a'bhän gi gkeit am 16. Februar hat Staatspräsident Smetona den jüdischen Vizebürgermeister der Stadt Schawel, Pietochowsky, den Vorsitzenden des Verbandes der litauischen Einwanderer in Palästina, S. Goldberg, den Direktor der Bank der litauischen Einwanderer in Palästina, Lichtenstein, den Kownoer Industriellen Ch. Potrok und den Memeler Hafeningenieur M. Wiesenberg, durch Verleihung von Orden ausgezeichnet. Justizminister Dr. D6rer, hielt in Kosice (Ostslowakei) eine Rede, die in eine mächtige Manifestation der tschechoslowakischen nationalen und staatlichen Ein- BaU des fuM^UMtdUolmk 1^ IrW %F U m WWMW1FW^1r*rw*1rWW*r 9 19. Februar 1938 / Hoie! „Metropole" ELITE KIDDIES JAZZ heit ausklang. Am Schlüsse beschäftigte sich der Minister auch mit der Politik der von Pater Hlinka geführten Slowakischen Volkspartei, deren . extreme Elemente sowohl gegen die nationale Einheit der Tschechen mit den Slowaken arbeiten, als auch eine antisemitische Agitation führen. „Sicherlich", sagte der Minister, gäbe es in der Volkspartei viele staatserhaltende und konstruktive Elemente, mit denen zusammenzuarbeiten ein politisches Gebot sei; mit den extremen Elementen sei jedoch kein Kompromiß möglich. Die Volkspartei müsse selbst bei sich zu Hause Ordnung machen, damit ihre Politik nicht die extremen, sondern die gemäßigten Element« führen." Die bexnihmte Oper „Dybuk" des italienischen Komponisten Lodovico Rocca, die zum erstenmal vor drei Jahren in der Mailänder Scala zur Aufführung gelangte, ist jetzt, zum erstenmal in der diesjährigen Opernsaison, in Triest aufgeführt worden. Die Regie führte der junge jüdische Regisseur Livio Luzzatto. Die Aufführung hatte großen Erfolg. Der italienische Musikforscher Valdo Garulli erläuterte den musikalischen Wert der Oper und den mystischen Inhalt des „Dybuk". Hau iiiiiiüiiiiiiiHiiiiiiiiiiii üiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiHii Heue- ModetU fIIIIIIIII(|[[|llllfll(IHIIfllIIIIIIIIf[|||llllllll(llll(llll«|[||H«l Det feseMsthttflsabkä du puUkstMtiszmisteii Am IS* Februar im Hotel Metropole HENRIETTE ROSENFELD-KLEIN Wien l« Kärntnersftraße ai Die Freude an schönen weißen Zähnen ist oft größer als die Sorge um ihre Gesunderhaltung. Erhalten Sie sich beides: schöne und gesunde Zähne, indem Sie morgens und abends die bekannte QuaUtäta-Zahnpaste Chlorodont benützen. Wählen Sie Chlorodont schäumend * Oder nichtschäumend nach Ihrem persönlichen Geschmack. * Daß eine politische Gruppe von Zeit zu Zeit einer repräsentativen Heerschau bedarf, um sich selbst das Bild seiner gesellschaftlichen Organisationsfähigkeit zu geben, war am Festabend der Judenstaatszionisten Oesterreichs klar zu sehen. Nicht nur die Parteimitglieder waren gekommen, sondern auch periphere Kreise, mit der deutlich erkennbaren Absicht, sich mit Wiener Zionisten auf gesellschaftlich-kultureller Basis zu finden. Die Arrangeure des Festes, mit Frau Oberbaurat Paula Stricker an der Spitze, gingen von dem Gedanken aus, daß die künstlerischen Darbietungen das Niveau und die Attraktivität des Abends zu bestimmen haben, und so kam ein Programm zustande, dem selbst der kritischeste Beobachter außerordentliche Qualität nicht absprechen kann. In die Mitte des Abends war eine Akademie eingebaut, die sowohl als Tanzpause wie als musikalisches Service gedacht war. Den Beginn machte die berühmte Interpretin des Volksliedes, Sarah Goldstein, die erst kürzlich an ihren Wiener und Prager Konzerten außerordentlichen Erfolg hatte, mit dem Vortrag einiger hebräischer und jiddischer Volkslieder. Der übervolle Festsaal war vom edlen Gesang und der aparten Ausdruckskunst ergriffen, erzwang Zugabe um Zugabe, und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß nur die Rücksicht auf die weiteren Solodarbietungen ein noch längeres Verbleiben der Künstlerin auf dem Podium verhinderte. Der junge Violinvirtuose Oskar Weitzner, Meisterschüler des anerkannten Pädagogen Prof. Morawec, bestätigte den Ruf, den er sich erworben hat, durch sein brillantes Spiel, das an Sicherheit und Eleganz und Musikalität nichts zu wünschen übrig läßt. Der Vortrag von Bruchs Violinkonzert in G-Moll und von einigen Bravourstücken lassen das Beste für Oskar Weitzners Zukunft erwarten. Als ausgezeichneter Lieder- und Ariensänger erwies sich Edmund Mühlstock, dessen Bariton ebenso umfangreich wie wohlklingend ist. Nach dem Vortrag einer Arie aus Goldmarks „Königin von Saba" folgte Zugabe auf Zugabe. Das in Stimmung versetzte Publikum konnte sich an Mühlstocks Darbietungen nicht satthören. Den Abschluß des Akademieprogramms bildeten aktuell-witzige, amüsante Chansons der bekannten Disseuse Trude Roth, die in ihrer reizenden Art für die Unterhaltung des Publikums sorgte. Im kleinen Saale spielte und sang Lili H a 1 p c r n, die Brücke zum Tanze und zu den sonstigen Unterhaltungen (Tombola, amerikanische Lizitation usw.) bildend, mit viel Geschmack und Ausdruck. Einmütig fand man sich in dem Urteü, daß der repräsentative Abend der Judenstaatszionisten Oesterreichs sowohl gesellschaftlich wie künstlerisch den höchsten Anforderungen entsprach und dem Verband weitere zahlreiche Freunde zuführte. Und da dem humanitären Zweck, der Kwuzah „Robert Stricke r", zweifellos ein ansehnlicher Betrag zufließen wird, können sich die Veranstalter und Mitarbeiter für ihre Mühe und Aufopferung reichlich belohnt sehen. Kirdie und Judentum Aus Kopenhagen wird gemeldet: Unter dem Eindruck des zweiten Kopenhagener Prozesses gegen die sechs dänischen Nationalsozialisten haben jetzt zwei führende dänische Theologen die Frage der Judenverfolgung öffentlich behandelt. Beide verlangen ein schärferes Eingreifen der Kirchen. In der „Berlingske Aftenavis" vom 25. Jänner 1938 befaßt sich Bezirkspfarrer Dr. phü. F.L. Oestrup unter der Ueberschrift „Für die Ehre Israels" mit der Ursache der gegenwärtigen Judenverfolgungen und schreibt diese dem „Haß gegen das Christentum" zu, weil ja „das Judentum als Voraussetzung für das Christentum der Gegenstand des Hasses ist". Dr. Oestrup stellt die Frage: „Warum nehmen es sich die Christen nicht ein bißchen mehr zu Herzen, da doch diese Verfolgungen gegen sie selbst gerichtet sind, gegen ihren Glauben, gegen dasjenige, was ihnen heilig ist? Warum setzen sie nicht mit einer systematischen Arbeit ein, um die Juden zu rehabilitieren?" Dr. Oestrup antwortet: „Die Christen hätten es noch nicht einmal nötig, eine Vereinigung zur Verteidigung Israels und für Israels Ehre zu gründen, denn eigentlich sollte die Christliche Kirche selbst als eine solche Vereinigung auftreten. Vielleicht wäre es doch praktisch, wenn die Christen, deren Entrüstung wachgerufen worden ist, sich zusammenschlössen, und zwar besonders für. dieses ausdrücklich bezeichnete Ziel." Dr. Oestrup schließt: „Die Aufgabe müßte vor allem darin bestehen, die abscheulichen Verleumdungen, die gegen Israel erhoben werden, zurückzuweisen: Das Ritualmord-Märchen, die .Protokolle der Weisen von Zion" usw. Aber daneben müßte auf all das hingewiesen werden, was wir Israel zu verdanken haben, und die Christliche Kirche müßte — viel stärker als das bis jetzt der Fall ist — ihre Verbindung mit dem Judentum betonen. Die Ehre Israels müßte — als Antwort auf all das Unrecht gegen Israel — laut verkündet werden, damit alle verstehen lernen, daß Namen, wie Cohen, Levy, Nathan usw., Namen von „Hochgeborenen" sind, Namen von einem Adel, dem gegenüber jeder andere Adel vefblaßt." „Ekstrabladet" befragte den Wortführer der „Mission unter Israel", Prof. Tr. Torrn, nach seiner Meinung über die von Dr. Oestrup gemachten Ausführungen. Auch ich meine, sagte Prof. Torrn, daß die Kirche als solche sich mit dem Volk Israel in seiner Stunde der Bedrängnis solidarisch erklären und die Partei des Judentums gegenüber seinen Hassern ergreifen muß." Die Arbeiter-Internationale und Rumänien Aus Brüssel: Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale hat auf ihrer letzten Tagung in Brüssel auch eine Resolution zu den Vorgängen in Rumänien beschlossen. In der Resolution heißt es u. a.: „Rumänien hat beim Friedensschluß nach dem Weltkrieg weite neue Gebiete zugeteilt erhalten, unter der ausdrücklichen Verpflichtung, die volle Gleichberechtigung der nationalen Minderheiten zu garantieren. Die jetzt in Angriff genommene Gesetzgebung steht in vollem Widerspruch zu diesen Verpflichtungen. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale stellt angesichts des rumänischen Beispiels noch einmal fest, wie gefährlich die Hetze des internationalen Antisemitismus für die Arbeiterschaft ist. Hitler in Deutschland gelangte zur Macht und konnte die Arbeiterschaft knechten, weil er sich des Antisemitismus bediente. Auf den gleichen Weg begeben sich Polen und zuletzt Rumänien. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale erhebt darum neuerlich Protest gegen den Antisemitismus, der eine Schande für die menschliche Kultur ist." U.-S.-A.-Senator Wheeler für „Maximale jüdische Einwanderung in Palästina" Aus New York: Das liberale Mitglied des amerikanischen Senats, Burton K. Wheeler, erklärte in einer Begrüßungsansprache auf der Landeskonferenz der Zionistischen Föderation Amerikas u. a.: „Anlesichts der drückenden Not der Juden in mittel- und osteuropäischen Landern sollten die Vereinigten Staaten ihren Einfluß dahin geltend machen, daß England eine maximale jüdische Einwanderung in Palästina zulasse. Die Stimme der Aufklärung und des Liberalismus muß für Palästina erhoben werden, welches das jüdische Volk erneuern wird. (J. T. A.) Cofe Buchshaum1 Bürgerliches Familiencafe. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Groschen, Solange 50 Groschen. England und die jüdische Minderheit in Lettland Aus London: Im englischen Unterhaus fragte Abg. Colonel Wedgwood den Außenminister, ob er wisse, daß die lettische Regierung jüdische Textilfabriken und Brauereien enteignet hat, und ob er feststellen wolle, ob und was für eine Entschädigung geleistet wurde, schließlich, ob diese Aktion in Ueberednstimmung mit den Rechten der jüdischen Minderheit in Lettland steht. In einer schriftlichen Erwiderung erklärte der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Lord Cranborne: Sr. Majestät Chargö d'Affaires in Riga hat berichtet, daß die lettische Regierung sich vor kurzem gewisse Vollmachten zur Liquidierung von Handels- und Industrieunternehmungen hat geben lassen und daß sie diese Vollmachten in gewissen Fällen benützt hat. Mir ist nicht bekannt, daß diese Vollmachten in der von dem Abgeordneten beschriebenen Weise zum Schaden von Juden ausgenützt wurden, doch werde ich über diesa Angelegenheit einen Bericht einholen. ZINNER mit voller Peusiou imll.od.XX.Bez. für altes Ehepaar MAfll#hl a u"ter „Streng rituell'* an ffCSMItni w Annoncen-Dutka, I, Schulerstr. 8 Die Tabakindustrie in Deutschland „arisch" Aus Berlin: Die jetzt in Deutschland mit verstärktem Druck betriebene „Arisierung" jüdischer Unternehmungen hat jetzt auch die Tabakindustrie ergriffen. Die Zigarrenfabriken Heinrich Jakobi (Mannheim), die in 25 Betrieben rund 3300 Personen beschäftigen, sind in den Besitz der Tabakindustriellen Georg und Kruse (Nordhausen) übergegangen. Die Firma J. Neumann A. G. (Berlin) ist ebenfalls „arisiert" worden. Sie betreibt vier Fabriken und besitzt fünfzig Filialen; sie beschäftigt rund 2800 Personen. Die Mehrheit des 1,2 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals ist von der Tabakhandelsürma Martin Brinkmann A. G. (Bremen) erworben worden; dio Minorität befindet sich ebenfalls in „arischen" Händen*