Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 728 (18.2.1938)
- Date
- 1938-02-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 728 vom IS. Februar 1938 DIE NEUE WELT Seit«* * WotUeusfäefd Katholizismus und Teilungsplan ,JSs hätte die katholische Preise, nach unserer Ansicht, eine Riesenaufgabe bei diesem Teilungsplan zu erfüllen. In kluger und entschiedener Weise müßte immer wieder davon geredet werden, daß der Plan seine großen Schwierigkeiten hat, daß er, so wie er nun vorliegt, eine Jialbe Sache darstellt usw. Wir haben die Aufgabe, der Welt zum Bewußtsein zu bringen, daß dieses Land Israel in seiner Gänze wieder dem Volke zurückgegeben wird. Wir haben die Mentalität dafür zu schaffen — und es könnten hier sogar alle christlichen Bekenntnisse einig gehen. Denn es steht in unserer Bibel, daß Gott dies Volk heimholen wird aus allen Völkern und daß Er ihnen wieder das Land geben wird, und auch, daß Er sie weiden wird, ausgerechnet auf den Bergen Israels, die man dem Volke vorenthalten will." Prof. Dr. J. Dillersberger („Salzburger katholische Kirchenzeltuhg"). Sie sitzen in der Agency •. Die Agency-Kreise erhoben einen komischen Lärm unter der Losung: Judenstaat oder Minderheit in Palästina. Und um die jüdische Oeffentlichkeit irrezuführen, behaupten sie, daß die Assimilanten gegen den Judenstaat intrigieren. Aber sie selbst wissen genau, daß diese ganze/ Geschichte mit den Assimilanten aus dem Finger geSöfen ist... Kein Assimilant hat sich an die Regierung gesendet. Und die Assimilanten, die gegen den jüdischen Staat sind, sitzen in der Jewish Agency und, geben ihrer Gegnerschaft bei jeder Gelegenheit Ausdruck. J. Awi-Dan (London, 1938). Nun also! Es kommt alles darauf an, daß die gewaltigen Spannungskräfle, welche in der akuten Judennot latent vorhanden sind, in zionistischer Richtung geleitet und von allen Seiten England gegenüber wirksam gemacht werden. Das ist die Aufgabe des Moments. Felix WeUsch („Selbstwehr", 1938). Mutiger Protest Der italienische Industrielle Gino Olivetti hat seine sämtlichen Funktionen, und zwar als Vorsitzender der Textil-Korporation, als Vorsitzender des Wollinstituts und als Mitglied des Atisschusscs der fachistichen Vereinigung der Wollindustriellen, niedergelegt. Olivetti ist jüdischer Abstammung und wurde wiederholt in Blättern antisemitischer Tendenz angegriffen. Meldung italienischer Blätter (Februar 1938). Vom inneren Wandel Von uns Juden in Deutschland ist heute gefordert, daß wir andere Bezirke, andere Räume und Formen des Daseins erringen, daß wir durch den eigenen Entschluß die Notwendigkeit überwinden. Das Entscheidende wird hier die Seele vollbringen: der innere Wandel, das innere Nenwerden bahnt den Weg. Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin). Das jüdflsdie Problem in Sowjeirußland Aus New York wird gemeldet: Der Repräsentant des American Jewish Joint Distribution Committee in Sowjetrußland, Dr. Joseph Rosen, erklärte in einem der New- Yorker jiddischen Tageszeitung „Der Tog" gegebenen Interview: Das Joint Distribution Committee ist im Begriffe, seine weitverzweigte Tätigkeit in Sowjetrußland vollständig zu liquidieren, da es dort kein spezifisch jüdisches Problem gibt und die Sowjetregierimg Hilfe auswärtiger jüdischer Organisationen nicht mehr benötigt. Joint hat daher beschlossen, sein Werk in Sowjetrußland nicht mehr fortzuführen. Die jüdischen Siedlungen in : Rußland erhalten sich gegenwärtig selbständig, die jüdischen Fabriken und Werkstätten sind ein Teil der allgemeinen nationalen Wirtschaft und, soweit die russisphen Juden Bedürfnisse und Ansprüche haben, unterscheiden sich diese in keiner Weise von denjenigen der gesamten russischen Bevölkerung. Das Joint Distribution Committee wird demnächst eine offizielle Erklärung über die Liquidierung seiner Tätigkeit in Rußland veröffentlichen. Ueber die Lage der jüdischen Siedlung in BirO'Bidschan befragt, erklärte Dr. Rosen, Biro- Bidschan sei gegenwärtig für die Juden anderer Länder geschlossen und es bestehe keine Aussicht, daß es im Laufe der nächsten zwei oder drei Jahre für sie geöffnet wird. Die russische Regierung wünsche nicht eine jüdische Einwanderung aus dem Ausland. Die internationalen Komplikationen im Fernen Osten und die Kriegsgefahr in Europa hätten die Pläne zunichte gemacht, die vordem hinsichtlich der Einwanderung von Juden aus Polen und anderen Ländern in Biro-Bidschan bestanden. Zum Schluß erklärte Dr. Rosen, er werde sich über Auftrag des Joint Distribution Committee in kurzem nach Madagaskar und Ne.u-Kaledonien begeben, um die Möglichkeiten jüdischer Auswanderung in Jene Territorien au unterauchen, Prof. A. 5. Yshuds Der Fall Großmann Ein Ruf nach Revision In der Angelegenheit des Vorsitzenden der Judenstaatspartei, Meir Großmann, der bekanntlich wegen Veröffentlichung eines Dokuments (Gespräch Weizmanns mit Ormsby-Gore Uber den Teilungsplan und Zustimmung zu diesem) durch ein zionistisches Ehrengericht in geheimer Verhandlung seiner Ehrenstellen als Vizepräsident des A. C. u. a. für zwei Jahre enthoben wurde, ergreift Prof. A. S. Yahuda das Wort. Der bekannte Gelehrte, Freund Max Nordaus und getreuer Herzl- Zionist, richtet an den Herausgeber der großen englisch-jüdischen Zeitschrift „Jewish Chronicle" einen Offenen Brief, worin er die Revision des Urteiles gegen Meir Großmann verlangt. An den Herausgeber des „leurish Chronicle" Werter Herr! Als ich vor einiger Zeit im „Jewish Chronicle" las, daß Herrn Meir Großmann, dem Führer der Judenstaatspartei, seine Rechte als Vizepräsident und Mitglied des Zionistischen , Aktionskomitees entzogen wurden, bevor man seine Verantwortung gehört hatte, war ich, wie viele andere Leser, tief bestürzt. Aber ich war sicher, daß man ihm vor dem zionistischen Ehrengericht eine Gelegenheit geben würde, in vollem Umfang und öffentlich auf die Anklagen zu antworten, die gegen ihn erhoben worden waren. Nie hätte ich voraussehen können, daß das Ehrengericht ihm die Möglichkeit nehmen werde, seine Verteidigung vorzubringen, und in seiner Abwesenheit ein Urteil über ihn zu fällen, das einem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte gleichkam. Dieses Vorgehen und dieses Urteil tragen einen so gefährlichen Charakter, daß ich es als meine Pflicht erachte, mich persönlich an die jüdische Oeffentlichkeit zu wenden, damit die Grundsätze von Freiheit und Gerechtigkeit nicht ganz kompromittiert werden von einem zionistischen Gedie Angelegenheit innerhalb der Grenzen der jüdischen Gemeinschaft verbleibe. Noch immer kam keine Antwort. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß zur Zeit, als Herr Großmann im Kongreß über das Doku- Eln Film aus dem Wien der Vorkriegszeit DJ^ÜGE DERMNA ktrSwnS Ein Solar-Film in deutscher Sprache Tonaufnahmen-System Tobis-Klangfllm_ ISA MIRAN DA und dem neuen Weltstar FERNAND GRAVEY Regie: V. TOURJANS KY Tuchlaubtn-Klno, I. LustspicUheatcr, II. Flottan-Kino, VI. Palait-KIno, VIII. Heimat-Kino, IX. ment berichtete und Ausschnitte veröffentlichte und daher noch Zeit war, die volle Veröffentlichung zu verhindern, von maßgebender Seite nicht der kleinst« Versuch hiezu gemacht wurde, ja, daß man nicht einmal trachtete, die Angelegenheit privat mit Herrn Großmann zu besprechen. Als der „Evening Standard" und andere Londoner Zeitungen die Sache aufnahmen, ließ der Präsident merken, daß die Angelegenheit auf ihn Eindruck gemacht habe. Aber sogar jetzt noch schwieg er. Erst als der „Evening Standard" auf Grund des Dokuments den Kolonienminister Ormsby-Gore anzu- / greifen begann, wurden die zionistischen Führer gegen i Herrn Großmann aufgebracht. Dennoch wurde noch immer nichts von offizieller Seite gegen ihn unternommen. Erst nach einigen Wochen, als man in Regierungskreisen Anzeichen eines Stimmungswechsels BÜCHER jeder Art (auch alt) sowie zur Barmizwah im Antiquariat Hermann TUCHNER, ECkß Ta&OKtrtlßß 52. Tel. R-41-4-W rieht, von dem man erwarten würde, daß es ein Vorbild an Unparteilichkeit und Gerechtigkeit sein müßte. Ich betrachte es um so mehr als nieine Pflicht,'als ich selbst gegen , die „indiskrete" Veröffentlichung war (deren Herr Großmahn 'beschuldigt ward), bis. Größmann das erste Mal den Präsidenten der Zionistischen Organisation klar und feierlich gewarnt hatte, daß er das Dokument veröffentlichen würde, falls der Präsident ihm nicht eine zufriedenstellende Erklärung seiner eigenen Absichten abgeben sollte. Ich selbst war bei allen Sitzungen des Kongresses in Zürich im Vorjahr anwesend und kann daher Tatsachen über die Klagen gegen Herrn Großmann angeben, die ein bedeutsames Licht auf die ganze Angelegenheit werfen. Bei einer Sitzung des Kongresses sagte man Herrn Großmann, daß ein Brief für ihn auf dem Rednerpult liege. Als er ihn öffnete, fand er darin ein Dokument, dessen Wichtigkeit ihm, falls es echt sein sollte, sofort in die Augen sprang. Er nahm an, daß gleiche Abschriften an sämtliche Parteiführer geschickt worden waren, und näherte sich zwei Mitgliedern des Exekutivkomitees, indem er sie fragte, ob sie etwas darüber wußten, da er nicht von der Echtheit des Dokuments überzeugt war. Der erste antwortete verneinend, der zweite riet ihm, es zurückzuschicken. Diesen Rat konnte er jedoch nicht befolgen, da keine Spur der Provenienz des Dokuments vorhanden war. rasiert besser, rasiert öfter, rasiert glatter, Swing ist die Kling: für Sie! Daher kauft. Jedermann, der Vorteile schätzen kanne nur noch die Swing Darum richtete Großmann eine diesbezügliche Frage an das Präsidium des Kongresses bei einer geschlossenen Sitzung, indem er einige Ausschnitte aus dem Dokument vorlas. Da er jedoch weder vom Präsidium noch vom Präsidenten der Zionistischen Organisation eine Antwort erhalten konnte, entschloß er sich, gewisse Abschnitte des Dokuments in der Zeitung („Kongreß-Tribüne") zu veröffentlichen, die seine Partei während des Kongresses in Zürich herausgab. Als daraufhin noch immer keine Antwort kam, ging Herr Großmann daran, das ganze Dokument in seiner Zeitung abzudrucken. Trotz alledem kam keine offizielle Antwort — tatsächlich überhaupt keine Antwort von maßgebender Seite, dagegen gingen verschiedene bösartige Gerüchte über Herrn Großmann um. Dieses Uebergehen der ganzen Angelegenheit verursachte die größte Unruhe unter vielen Delegierten, und seine eigene Partei drängte Herrn Großmann, die Angelegenheit in großer Aufmachung vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Als die Pressevertreter an ihn wegen des Dokuments herantraten, übergab er es dem Vertreter des „J e w i s h C h r o n i c 1 e", damit bemerkte, wurde von der Zionistischen Organisation eine Klage gegen Herrn Großmann, eingebracht. Er wurde beschuldigt, die zionistische Sache in Gefahr gebracht zu haben! > Die ganze Verantwortung wurde auf Herrn Großmann abgewälzt. Es war klar, daß der Präsident. nicht so sehr durch die Tatsache erschüttert wurde, ,d.aß er einen schweren Fehler begangen habe, indem er mit dem Kolonienminister eine Besprechung über die Grundlagen der Teilung gehabt hatte,. ohne vorher die Meinung des Exekutivkomitees und des Kongresses eingeholt zu haben, als vielmehr dadurch, daß die Veröffentlichung einen schlechten Eindruck auf die englische Regierung gemacht hatte. Und so wurde beschlossen, den Prügelknaben Großmann vor den Ankläger zu schicken, indem man ihn mit einem für den Zionismus gefährlichen Verhalten brandmarkte. Wenn diese Details bekannt werden, ist es schwer, zu glauben, daß die Herren in England mit der Bestrafung Herrn Großmanns durch eine Führerschaf t einverstanden sein werden, eine Führerschaft, die selbst verantwortlich war, da sie-nicht einmal mit der durchschnittlichen Voraussicht handelte, zu einer Zeit, in der die „indiskrete" Veröffentlichung leicht hätte verhindert werden können. Bei Betrachtung des Vorhergegangenen muß das Urteil gegen Herrn Großmann als eine Verhöhnung der Gerechtigkeit anmuten. Je frühereine Revision des Prozesses durchgeführt wird, desto besser für das Prestige des Zionismus und für die Interessen des jüdischen Volkes. Das Gericht, das leider in diese Angelegenheit verwickelt war, kann selbstverständlich nicht mit der Revision betraut werden. Man muß einen neuen Gerichtshof von größtmöglicher Unparteilichkeit einberufen und Herrn Großmann die Möglichkeit einer vollständigen und öffentlichen Verteidigung geben, da nunmehr kein Geheimnis über das vollständig veröffentliche Dokument herrscht. Die Tatsachen, die Herr Großmann veröffentlicht hat, weisen darauf hin, daß der Präsident mit dem Kolonienminister Verhandlungen geführt hat, in denen die Teilung als vollendete Tatsache angenommen wurde, und daß er es sogar unternahm, dje britische Regierung unter gewissen Bedingungen von den Mandatsverpflichtungen zu befreien. Das tat er ohne Ermächtigung und gegen seine eigenen Versicherungen. Solche Freiheiten von Seiten eines Führers, der die lebenswichtigsten Interessen des jüdischen Volke» zu verteidigen hat, müssen unberechenbare Gefahren für die jüdischen Interessen mit sich bringen. Die Schwere dieses Vorwurfes wird keineswegs durch den Vorbehalt des Präsidenten entkräftet, er habe als Privatmann gehandelt. Der Präsident der Zionistischen Organisation sollte auf die Anklagen antworten, die durch die Veröffentlichung dieses Dokuments entstanden sind, ganz gleich, ob diese Anklagen berechtigt sind oder nicht,