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Die neue Welt · 1938-02-15 · Heft 727 (15.2.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 727 (15.2.1938)
Date
1938-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT —--I-L Nr. 727 vom 15. Februar 1938 Jude» wüten haben die Mäefete des Völkerbundes eingegriffen. Aber auch um der Juden willen! Dieser Umstand ist weht geeignet, bei de* Juden »ie gesfr ende zu erwecken, aber tiefe* ehrKche Dankbarkeit gegenüber dem Vofterbund. Wenn irgend ein Volk Ursache hat, der Idee des Völkerbundes treu und hmgebnngsroU au dienen» so ist es das jüdische Volk * FSr die Juden besteht nicht nur die Pflicht dem Völkerbund zu dienen, sondern auch die Pflicht, für eine jüdische Vertretung beim Völkerbunde zu sorgen. Diese Verpflichtung wurde durch die Schaffung des Jüdischen Weltkongresses erfüllt, welcher seinerseits in Genf eine Repräsentanz eingerichtet hat, um die Mitglieder des Völkerbundes über alle jüdischen Angelegenheiten aufzuklären und einzugreifen, wenn es die Lage der Juden irgendwo in der Welt erfordert. Im Falle Rumäniens hat die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses hevorragende Arbeit geleistet. Ihr, und nur ihr allein ist zu danken, daß die maßgebenden Regierungen mit dem nötigen Material versehen und damit in die Lage versetzt wurden, ein entscheidendes Wort zu sprechen. Es ist hoch an der Zeit, die Bedeutung des Jüdischen Weltkongresses für das jüdische Volk zu erkennen und gebührend zu werten. Darf §idi ein Jude wehren! Ein Nachspiel zum Bielitzer Pogrom , Am 10. Februar fand inCieszyn (Polnisch- Teschen) der Prozeß gegen den 63jährigen jüdischen Gasthauspächter Karl Nor mann aus Bielitz» der angeklagt war, am 17. September 1937 den polnischen Arbeiter Leo Vanot niedergeschossen zu haben, atatt. Dieser Vorfall bildete den Ausgangspunkt zu den antisemitischen Exzessen in der Doppelstadt Bielitz- Biala, die mehrere Tage dauerten, riesige Ausmaße annahmen, und in deren Verlauf zahlreiche jüdische Geschäfte in den Zentren der beiden Schwesterstädte demoliert, in vielen Hunderten jüdischer Wohnungen die Fensterscheiben eingeschlagen, zahlreiche Juden verletzt wurden und ein Schaden von mehreren Millionen Zloty angerichtet wurde. Ueber hundert jüdische Familien hatten Bielitz, das Zentrum der Exzesse, verlassen. .Das Signal zu den Exzessen wurde von Agitatoren anläßlich des Begräbnisses Vanots ausgegeben, mehr als 10.000 Menschen, meist-aus der Umgebung von Bielitz-Biala, nahmen an den Ausschreitungen teil. Die Behörden, die anfangs, der allgemeinen Stimmung Rechnung tragend, nicht schnell genug eingriffen, standen später den Ereignissen machtlos gegenüber. Bis heute weiß man noch nicht, ob irgend welche der Hauptschuldigen gefaßt wurden. Es wurde wohl eine Reihe von Personen verhaftet und dann freigelassen, über den Verlauf des Verfahrens gegen die Schuldigen ist aber bisher nichts bekannt geworden1. Vor Gericht stand bisher einzig und allein der Jude Karl Normann unter Anklage des Totschlages. Seinen Zusammenstoß mit Vanot schilderte er wie folgt: Am« 17. September sei der Arbeiter Leo Vanot in die von ihm, Normann, gepachtete Restauration Landau gekommen, habe sich Wurst und Bier geben lassen, dabei mehrere Anstände erhoben, schließlich das Gereichte verzehrt, sich aber zu zahlen geweigert. Normann schickte um einen Wachmann, der Vanot zur Begleichung der Zeche aufforderte. Vanot weigerte sich weiterhin und rief Normann zu: „Du verdammter Jude, ich habe viel Geld bei dir vertrunken!" Normann erklärte, Vanot bis dahin überhaupt nicht gekannt zü haben. Daraufhin beschimpfte ihn Vanot nochmals unflätig. Auch auf dem Kommissariat weigerte sich Vanot, zu zahlen. Er wurde gezwungen, 35 Groschen für die Zeche zu hinterlegen. Normann verließ darauf das Kommissariat. Für das, was sich kurz darauf abspielte, fehlen Augenzeugen, es liegt nur die Aussage Normanns vor. Normann erzählt, daß Vanot ihn in der Dunkelheit auf dem Platze vor seinem Restaurant mit einem gezückten Messer überfiel. Er wurde an der Hand verletzt, fühlte sich am Leben bedroht, zog blitzschnell eine Pistole und schoß Vanot nieder. Im Hinblick auf Vanots frühere drohende Haltung habe er auf dem Polizeikommissariat die Bitte ausgesprochen, Vanot eine kurze Zeit festzuhalten, bis er, Normann, in seine Restauration zurückgekehrt sein würde. Seinem Ersuchen wurde nicht stattgegeben. Diese Aussage Normanns konnte von keinem Zeugen widerlegt werden. Der Polizeiinspektor Smilgon gab als Zeuge an, er habe bei Normann tatsächlich eine Handverletzung festgestellt, die von einem Messerstich herrühren konnte, allein das Messer, das Vanot angeblich in der Hand hielt, konnte am Tatort nicht gefunden werden. Freilich, als die Polizei auf dem Tatort erschien, umgab bereits ein dichter Menschenhaufe die Leiche, so daß die Möglichkeit offenbleibt, daß inzwischen etwas verschwunden war. Normann erklärte, er habe seinen Revolver auf Grund eines Waffenpasses bereits drei Jahre besessen, aber an jenem Abend, an dem er sich am Leben bedroht fühlte, zum erstenmal in 3einem Leben eüien Schuß abgegeben. Obwohl Normanns Behauptung, daß er in Notwehr. gehandelt hat, durch Indizien gestützt war und durch nichts widerlegt werden konnte, bejahten die Qstehworenen dennoch die Hauptschuldfrage auf Totschlag mit IQ geg*n J) Stimmen U&& verneinten die fcua&tsfrage, ob Normann in Notwehr gehandelt ha.t, mit St gegen 4 Stimmen, Bas Gericht verurteilte daraufhin Normann wegen Verbrechen* des 'J'Qtaehlagea $u aeehs fahren sohweren Kerftera und zum Trögen der Gerichtskosten. Lebenslängliches Ctetifcttgnfe Vor dem Appellationsgericht In Wilna fand zum vierten Male der Prozeß gegen den jetzt 17jährigen Fleischhauerssohn Wolf S?qaerbowski atatt, der am 13. Mal 183? In Brest Wtowafc den. PolUwiaergeanten Kendziora erstochen hatte, was der Ausgangspunkt zu dem Pogrom in Brest Utowsk gewesen war, Das Preisgericht in Brest Litowsfc hatte Sacaerbowski in erster Instanz zum Tode verurteilt, das Apellationsgericht in Wilna hatte das Urteil bestätigt. Das Oberste Gericht in Warschau hingegen hob das Urteil auf und Wies den Prozeß zur neuerlichen Verhandlung an dftö Wilnaef Appellationsgericht, das nun gzczerböwait au l'fefeftltljjänglichem Ge|ängni# verurteilt h^y Sechs Monate, weil s|e sjph zxif Wehr «efaten Das Gericht in Lodz hat die bafäen JHcjen JftHoh Libeakind und Wolf B r e u n e r zu je sechs |£q* nftten Gefängnis verurteilt. Die beiden Angeklagten hatten flieh im vergangenen Sommer in dem Sommerkuri ort Teofilow bei Lodz bei antijüdischen Ausschreitungen gegen Huligana zur Wehr gesetzt. fcupammen mll mehreren Polen wurde ihnen jetfit der Frojeß gemacht Während die angeklagten Polen freigesprochen wurden, wurden die beiden Juden empfindlich bestraft. Gegen die Teilung Palästinas Während in zionistischen Kreisen noch immer das widernatürliche Beatreben au verzeichnen ist, welches dahinaielt, den Plan der Zerreißtang Palästinas au fordern, wird der Widerstand gegen die Teüung in englischen Kreisen immer stärker. So schreibt in einem Briefe an die „Times" Colonel R. Meinertahagen, 1919 und 1920 leitender politischer Beamter in Palfistina und ehemaliger militärischer Berater des Departements für den Mittleren Osten im Kolonienministerium: , .Die Gegnerschaft der Araber gegen den Zionismus ist durch die nicht nur in Palästina selbst, sondern auch in Whiteha 11 und Westminster herrschenden antizionistischen Ansichten ermutigt worden. Man hat dem Zionismus eigentlich niemals wirklich eine faireCbance ge- IsraelSammel gratuliert herzlichst seinem Neffen Julius Sammel anläßlich der m^D "D-Feier, die am 12. Februar 1. J. stattgefunden hat ■ boten. Wäre die^ Palästina 7 Administtatipn dem Geiste der Balf ou&Deklaration, ( gegenüber loyad gewesen, wären hinler-ihr in;WhitehaH Beamte, .gestanden, die dem Zionismus Sympathie entgegenbringen, hätte die arabische Opposition niemals einen solchen Umfang annehmen können. Die ursprüngliche geographische Konzeption des Zionismus war ein Palästina, das auch Transjordanien umschließt und im Norden an den Litanyfluß grenzt Lloyd George hat den Franzosen ein großes Stück von Nordpalästina gegeben. Abdullah bekam Transjordanien, und jetzt will man den Juden wieder den größten Teü des restlichen Landes wegnehmen. Wo soll diese Politik enden? Die Teilung des Heiligen Landes muß von allen jenen, die wie ich das Land als unteilbar und als geheiligtes ■ Ganzes ansehen, bekämpftwerden. Wer wird im Falle einer Teilung die Grenzen schützen, wer die unruhigen und fanatischen besitzlosen Araber davon abhalten, die Juden zu überfallen? Warum einen polnischen Korridor in Palästina schaffen? Man darf nicht vergessen, daß" das historische Palästina das ganze Gebiet von Dan bis Beer-Scheba umschließt." Bei Frauen, die jahrelang an erschwertem Stuhlgang leiden, weist der Gebrauch des rein natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers — früh und abends ungefähr ein Viertelglas — oft ganz ausgezeichnete Erfolge auf. Fragen Sie Ihren Arzt. E Im Londoner „Jewish Chronicle" schreibt der Unterhausabgeordnete Vyvyan Adams: „Der Plan einer Teilung Palästinas ist abzulehnen. Ganz Palästina westlich des Jordan muß für jüdische Einwanderung geöffnet werden. Nicht auf Souveränität in einem winzigen Stück Land kommt es an, sondern auf die Möglichkeit, auf einem angemessenen Territorium atmen und sich frei entfalten zu können. Der Charakter der Unruhen in Palästina darf nicht überschätzt werden. Sie sind von einer winzigen Minderheit von Agitatoren entfacht worden. Das Märchen von der Unvereinbarkeit der jüdischen und der arabischen Interessen ist ein konventioneller Mythos. Die Differenzen zwischen Juden und Arabern sind wahrscheinlich viel geringer, als zum Beispiel die zwischen Iren und Engländern. Die Terrorbewegung in Palästina ist nicht Ausdruck des wahren Arabertums; eine starkeRegierung könnte ihr wirksam entgegentreten. Solange man aber den Terror duldet, werden die Gemäßigten, die die überwiegende Mehrheit der Araber bilden, nicht imstande sein, ihr Haupt oder ihre Stimme zu erheben. Der Araber hat wohl ein Recht auf menschliche Behandlung. Man darf aber nicht vergessen, daß die Araber übergenug Raum für ihre Völker haben, wftbrenä es für die Juden, außer in Zion, nirgends ein Land gibt. Das Mandat ist ein brauchbares Instrument, wenn auch gewisse Verbesserungen zweifellos willkommen wären." Zur englischen PaIästuia;Poh'ti'k Stellungnahme zum Teilungsplan Die kommende Einwanderungsquote — Die neue Palästina-Kommission 4 Aus London meldet die J. T. A.: In, der.Sitzung des Unterhauses am Mittwoch, 9. Februar, richteten Oberst Josiah Wedgwood und andere Abgeordnete Fragen an den Kolonialminister Ormsby-Gore, die sich auf die Terrorlage in Palästina und auch auf die politischen Ab-» sichten der Regierung, namentlich was den von der Peel- Kommission angeregten Teilungsplan betrifft, bezogen« Die Fragesteller wollten auch wissen, ob die Regierung nach dem 31. März d. J. das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit bei Bemessung der Höhe der Eini wanderungsquote für Palästina wieder zur Gelt tung bringen wolle. Auf die' Frage, ob die Regierung an dem Plan der Teilung Palästinas in vollem Ausmaße fest-* halte, erwiderte der Kolonienminister Ormsby-Gore, die Regierung habe bereits im Juli 1037 erklärt, ein Plan nach den Grundzügen, wie sie von der KgL Kommission festgelegt worden seien, stelle nach ihrer Auffassung die beste und aussichtsreichste Lösung des Problems dar. An diser Politik halte die Regierung fest; sie habe; im Sinne dieses Planes eine technische Korn« mission ernannt, welche einen definitiven Plan ausarbeiten werde, wie ihn die Jull-Resoiution verlange. Was die Frage der Aenderung der augenblicklich geltenden Norm für die jüdische Einwanderung in Palästina anlange, so verwies der Minister auf seine erst vor kurzem im Unterhaus erteilte Antwort, wonach die Maßnahmen für die Regulierung der jüdischen Einwanderung nach dem 31. März 1933 noch im Stadium der Beratungen sich befänden und er darum nicht in der Lage sei, hierüber nähere Erklärungen abzugeben« Aus London wird weiters gemeldet, daß die per-» s o n e 11 e Zusammensetzung der neuen, Technischen Palästina-Kommission noch vor Ende Februar im Unterhaus bekanntgegeben wird. Die Verhandlungen zwischen dem Colonial Office und den in Aussicht genommenen Mitgliedern der Kommission nehmen Ihren Fortgang. Die Kommission wird kaum vor Ende März nach Palästina! abgehen. Der Grund dieser Verzögerung ist der Umstand* daß der neue High Commissioner, Sir Harold Mac- Michael, vor Ende des nächsten Monates kaum in Palästina wird eintreffen können. Sir Arthur Wauchopo verläßt Palästina Ende Februar. Parlamentarische Intervention in England Aus London meldet die J. T. A.: Unter dem Vorsitz des Abgeordneten Wedgc«( wo od fand im Unterhaus eine Sitzung des Parlament« tarischen Palästina-Komitees bei Teilnahme von 30 Ab* geordneten und des Exekutivmitgliedes Ben Gurion statt. Die Versammlung beschloß, eine Delegation zu dem Ministerpräsidenten Chamberlain zu schicken und folgende Ziele anzustreben: 1. Einen Druck auf den Ministerpräsidenten auszuüben, damit es so rasch als möglich zu einer pap lamentarischen Palästina-Debatte komme. 2. Zu fordern, daß ein Ende mit der unent-1 schlossenen Politik gemacht werde, welche in den letzten Erklärungen von Ormsby-Gore zum Ausdruck gekommen ist, und daß eine klare Deklaration betreffs der Absichten der Regierung bezüglich Palästinas veröffentlicht werde. 3. Eine entschlossene Aktion zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung in Palästina zu verlangen. 4. Zu verlangen, daß nach dem 31. März die Einwanderung gemäß dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit und nicht nach dem Kriterium des „Politischen Maximums" reguliert werde.

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