Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 727 (15.2.1938)
- Date
- 1938-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 727 vom 15. Februar 1938 DU ffJSTJE WEVt mu S Dtt „dif&uk" <kt Mimk Zum Gastspiel in den Jüdischen Künstlerspielen Nichts beweist stärker die innere Wahrheit der BUbnenkunat der „ftabimah", als daß ihr Glanz-, iftr Parade*, ihr Symbolstück „Dybuk", fast zwanzig Jahre hindurch durch viele Länder und Zonen getragen, immer noch packt und aufwühlt: nicht gerade die Fabel und dag Folkloristiache, sondern der beschwingte Mechanismus, dessen Skelett durch den Zauber der Stimmen, der rhythmisch bewegten Körper, der Musijs überdeckt wird, Was die europäische Büh,nenkunst in aUen Sprachen nicht besitzt — die heroische Weltanschauung und das mit ihr korrespondierende Ritual, das macht; den Rete der „Habimah"-Vorstellungen aus. Als vor zwölf Jahren dieses Theater zum ersten Male nach^ Wien kam, war es fü> uns, auch für uns Juden, eijn exotisches Wunder, das man sich ansehen mußte. Die Verwurzelung der „Habimah" in Palästina und ihre Erhöhung in den Rang der natiofl^^üdischen I?ühn& ha.ben uns die Seltsamkeit dieses hebräischspr^;^en und, hebräisphgest&itenden Theaters ver^gge"n {g^^ sp daß wir uns heute (lern Sp&x, d. i. dem rein Thea^erinäßjgen, hjngeberv k$n;;ien, Fertigkeit und ^outir^ haben zweifellos die Notwendigkeit, <*en ganzem, Abend hindurch mit höchster Intensität m spielen, herabgemindert. Alles klappt wunderbar, ®s, gibt keinen toten Punkt. Optisch und phonetisch. Verden Stimmungen erreicht, die beispielsweise dem deutschsprachigen Theater fehlen. Da aber #e Dichte des „Dybuk" dramaturgisch nicht zu übertreffen ist, die Folklore sich dem Geschehen der ärei Akte unterwirft, bewundert man die Präzision <§lner aus hingebungsbereiten Menschen zusammengesetzten Maschine, freut sich darüber, daß kein Extempore — auch nicht von Fußes Breite — den Ablauf stören kann, und ist schließlich hingerissen von dem Zusammenspiel, von dem Kollektiv, das kein Versagen kennt. Die Aufführung in den „Jüdischen Künstlerspielen" litt durchaus' nicht unter den eingeengten Dimensionen der Bühne; Tiefe und Breite genügten zur Schaffung aller Illusionen. Man sah endlich wieder — nach zwölfjährigem Warten — das liebende Paar Lea und Chanan, den geheimnisvollen Meschullach, den Reichen Zender, den Zaddik Asriel, den treuen Gabbe, die Chassidim und Batlanim und Bettler... die Rovina, Friedland, Kutai, Tschemerinski, Bertonoff, Ben Chaim und die anderen düsteren Gesichter... o. r. Das erste Auftreten der „Habimah" am 12. Februar war auch ein gesellschaftliches Ereignis. Man ließ es sich nicht nehmen, das hebräische Nationaltheater zu begrüßen und zu feiern. Das Wiedersehen war herzlich, der Applaus rauschte hinauf zu dem Ensemble, das jetzt auf seiner Welttournee in Wien für eine Woche haltgemacht hat. AUS ALLER WELT Genfer fiüditMnsfkonvenlion wurde von sieben Stadien unterzeichnet Aus Genf: Ära Donnerstag, JjQ. Februar, abends wurde Iii der Schlußsitzung der Konferenz für die Vereinbarung eines definitiven Abkommens übet die rechtliche S}teJJung der Flüchtlinge aus Deutschland das getroffene Abkommen von den Delegierten Belgiens, Großbritanniens, Dänemarks, Spaniens, Frankreichs, Norwegens und Hollands unter gewissen Vorbehalten unterzeichnet. Die Konvention tritt nach 30 Tagen W^Rer pyos, »ringen f Hl GREEN PASTURES arüner Aue) * ikuf grüner Aue) KRUGER-KINO Die Krise im jüdischen Gemesndeleben Italiens Aus Rom (J. T. A.): Die Krise im jüdischen Gemeindeleben Italiens, die insbesondere in der Jüdischen Gemeinde Rom scharfe Formen angenommen hat, scheint jetzt in ihre entscheidende Phase getreten zu sein. Die extremen Assimilan t e n, die seinerzeit in Florenz das „Komitee der Italiener jüdischen Glaubens" geschaffen haben und die Kampagne gegen den Oberrabbiner von Rom, anführen, dem sie Sympathien für den Zionismus vorwerfen, rüsten jetzt energisch zu den bevorstehenden Wahlen in den Rat des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien, die gemäß dem Dekret vom 30. Oktober 1933 höchste Vertretungskörperschaft der ganzen italienischen Judenheit. Die extremen Assimüanten hoffen, die überwiegende Mehrheit im neuen Rat des Verbandes zu erzielen; sie wollen dann die V o 11 - machten der Rabbiner, wie Überhaupt die jüdische kulturelle Tätigkeit in Italien, auf ein Minimum beschränken. Gegen diese Tendenzen und gegen die Möglichkeit, daß die extremen Assimüanten bei den März:Wahlen die Führung des Verbandes übernehmen, setzt sich der Oberrabbiner von Rom, Prof. DavidePrato, sehr energisch zur Wehr. Der Kampf gegen ihn wird besonders scharf geführt von den jüdischen Gemeinden Florenz, Torino, Mantova und Ancona, die bereits ausgesprochen assimilatorische Gemeindevorstände haben und den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Rom in einen immer schärferen Gegensatz zu Oberrabbiner Prato zu bringen bestrebt sind. Die italienische Regierung scheint an den Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Jüdischen Gemeinde Rom nicht interessiert zu sein. Diesen Eindruck hat auch Prof. Prato letzthin anläßlich seiner Audienzen bei Außenminister Graf Ciano und beim Unterstaatssekretär des Innern, Buffarino Guidi, empfangen. CaßAnketlicf I, Hoher Markt- Uohten8tegNr.4 in Kraft, sobald drei Regierungen sie ratifiziert haben. Das Schlußprotokoll, aber nicht die Konvention, unterzeichneten alle offiziellen Delegationen mit Ausnahme der polnischen Delegation. Für die Tschechoslowakei erklärte Dr. Zourek, die Tschechoslowakei könne ihre Entscheidung betreffend die Konvention erst treffen, wenn die tschechoslowakische Regierung sie geprüft haben werde. Der niederländische Delegierte, der auch die Konvention unterzeichnete, erklärte, er halte es für notwendig, daß die Auswanderung aus Deutschland nach Staaten vor sich gehe, wo die Flüchtlinge eine dauernde Existenz gründen können. Der schwedische Delegierte Rothmund verlangte, daß nicht nur das Problem des deutschen Flüchtlings, sondern das Flüchtlingsproblem überhaupt gelöst werde. Der polnische Delegierte Tzebicki unterstützte die holländische und die schwedische These und brachte das Verlangen der polnischen Regierung zum Ausdruck, daß an eine allgemeine Lösung der Auswanderungsfrage geschritten werde. Der Oberkommissär für die Deutschland-Flüchtlinge, Sir Neill Malcolm, der der Konferenz präsidierte, sehen Schadenersatzes in Höhe von 1 Pengö. Dai Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ergebnis der Fremdenrazzien gleich Null Die antisemitischen Blätter meldeten, daß in den Provinzstädten Györ und Sopron das Fremdenkontrollamt große Razzien durchgeführt und insgesamt 2500 Personen stellig gemacht habe. 140 Personen hätten sich nicht entsprechend und 20 überhaupt nicht ausweisen können; gegen 79 Personen sei das Verfahren eingeleitet worden. Demgegenüber stellte, wie „Egyenlöseg" meldet, der Oberstadthauptmannstellvertreter von Györ, Karl Török, fest, daß sich in der Stadt keine einzige Person ungesetzlich aufhielt. Trotz der Hetzartikel in der Rechtspresse und der Verfolgungskampagne könne festgestellt werden, daß bei den verschiedenen Razzien in Budapest und in der Provinz alles in allem nur 31 „G a 1 izianer" ermittelt wurden. Wo, fragt das Blatt, ist also die von den Erzantisemiten immer wieder betonte „Galizianergefahr"? Ministerpräsident Stojadinovlc spendet 10.000 Dinar für ein jüdisches Kinderheim Aus Belgrad (J. T. A.): Ministerpräsident Dr. M. Stojadinovic hat für das Kinderheim, das von dem 1874 gegründeten Jüdischen Frauenverein (Jevrejsko Zensko Drustvo) in Belgrad errichtet wird, 10.000 Dinar gespendet. In einem vom Kabinettschef des Ministerpräsidenten unterzeichneten Begleitschreiben heißt es, der Ministerpräsident wisse das humanitäre Wirken des Jüdischen Frauenvereines auf sozialem Gebiet zu schätzen. Arturo Toscanini erhält die Auszeichnung des „American Hebrew" Aus New York (J. T. A.): Die jüdische Zeitschrift „American Hebrew", die alljährlich einer großen Persönlichkeit die Medaille für Verdienste um interkonfessionelle Verständigung verleiht, hat die Medaille 1938 dem heute größten Dirigenten Arturo BÜCHER Jeder Art (auch alt) sowie zur Barmizwah im Antiquariat Hermann TUCHNER, ECKC TllllOrStrOfie 52. Tel. R-41-4-20 würdigte in seiner Schlußrede die Bedeutung der getroffenen Konvention. Der britische und der französische Delegierte dankten Sir Neill sowie dem niederländischen Gesandten in Bern, Loudon, für die musterhafte Leitung der Konferenzarbei|en. Sir Neill hob in seiner Schluß- - anspräche hervor, daß die Arbeiten der Konferenz einen weiteren Baustein zum Gebäude des humanen Völkerbundwerkes bilden. Aus Ungarn Ein Prozeß um „jüdische Lebensform" und ein Rennpferd In der Budapester zionistischen Zeitschrift i.Zsidö Szemle" hatte der bekannte Publizist Desider Kor ein im Zusammenhang damit, daß das Pferd des jüdischen Garnagenten Alexander Rubin den Königspreis des Jockeivereins gewonnen hatte, was der Anlaß zu höhnischen Artikeln in rechtsextremen Blättern war, eine satirische Glosse geschrieben. Korein protestierte dagegen, daß „jüdische Parvenüs sich überall vordrängen und durch ihre Taktlosigkeit dem Antisemitismus nur neue Nahrung geben. Diese unverantwortlichen .Elemente verbreiten den Glauben, daß es den ungarischen Juden bereits so gut geht, daß nichts anderes mehr zu ihrem Glücke fehle, als daß das Pferd eines Juden den Königspreis gewinne". Wegen dieses Artikels strengte Rubin gegen „Zsidö Szemle" den Verleumdungsprozeß an. Vor dem Strafbezirksgericht verantwortete sich Korein damit, daß er „seit 48 Jahren diejenigen geißie, die auf das Feuer des Antisemitismus Oel gießen. Der Jude müsse bescheiden sein und dürfe keine provozierende Haltung an den Tag legen". Er, Korein, habe auch schon früher solche Juden angeprangert, die ein ..Schaufenster-Leben führen. Verteidiger Dr. Leopold Osztern betonte, daß der Angeklagte den Artikel im Interesse des Judentums geschrieben habe. Die Leiter der Judenschaft hätten an die Juden die Aufforderung ergehen lassen, ein schlichtes, arbeitsames Leben zu führen. Dr. Osztern verlangte die Einvernahme des Präsidenten der Pester Kultusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, des Oberr&bbiners Benjamin Fischer, des Vizepräsidenten der Chewra Kadischah, Dr. Desi, und anderer Zeugen, damit sie aussagen, ob ein Betragen, wie das des Klägers, dem Judentum nicht schade. Der gegnerische Anwalt argumentierte, daß auch der Gemeindevorsteher, Oberhausmitglied Dr. Leo v. Buday-Goldberger, Rennpferde besitze. Der Rennsport bedeute noch kein unbescheidenes Leben. Das Gericht verurteilte Desider Korein wegen Presseverleumdung zu 200 Pengö Geldstrafe und zur Entrichtung eines morali» Toscanini für sein Wirken zugunsten des Palästina-Orchesters Verliehen. Toscanini gab in einem Telegramm an die Zeitschrift seiner „tiefen Rührung" über die Auszeichnung Ausdruck. 80.000 Juden in der Türkei Aus Ankara (J. T. A.): Aus vor kurzem veröffentlichten statistischen Ziffern geht hervor, daß in der Türkei 80.0 00 Juden leben, von ihnen 50.000 in Istanbul; 30.000 leben in Adrianopel, Brussa, Ismir und Samsun sowie in einer Reihe kleinerer Städte* 25.000 Juden in Sofia Aus Sofia: Aus einer vor kurzem veröffentlichten Statistik geht hervor, daß in der bulgarischen Hauptstadt Sofia insgesamt 25!0Ö'O Juden, d. s. neun Prozent der Bevölkerung, leben. . Die Regierung von Ekuador annulliert die Verordnung, betreffend Ausweisung von Juden Aus Paris (J. T. A.): Die Hias-Ica Emigration Association (Hicem) hat bekanntgegeben, daß die Regierung von Ekuador ihre vor kurzem erlassene Verordnung, betreffend Ausweisung von Juden, die nicht auf dem flachen Lande arbeiten, annulliert hat. Verb« der Juden»taatszionisften Oesterreichs Sektion Prater, IL, Erlafstraße 5. Dienstag, den 15. Februar, 8 TJhr abends, wichtige Ausschußsitzung. Erscheinen aller Ausschußmitglieder Pflicht. Sektion XIV/XV, Schau zstraße 3 2. Mittwoch, den 16. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Josef Fränkel: Theodor Henl.' Judenstaats Jugend. Dienstag! den 15. d,, halb 9 Uhr abends, Vortrag, Ing. Franz Guttmann: Judische Melodie (mit Schall platten) im Zentralheim, II., Praterstraße 80. Gäste willkommen. Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert seinem Mitglied, Herrn Samuel Gel mann, zur Promotion zum Doktor der Medizin. Illllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllll Die Jüdische Kulturstelle drückt ihrem verdienstvollen Mitarbeiter, Herrn Oberkantor Josef FeUer, Wien XIX, anläßlich des so tragischen Trauerfalles das tiefste Mitgefühl aus. Illlllllllllllillllllllllllllllllllllllllltllllllllillllllllllllllllillllllll Judenstaatsjugend Dienstag, den 15. Jänner 1938, halb 9 Uhr abends im Verbandsheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: tag. F ana GUTTMANN Thema : Jüdische Melodie (mit Schallplatten) Gäste willkommen!