Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 726 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 726 vom 11. Februar 1938 DIE N1S1Ü1D WELT Seite 8 Wissen Sie, warum ... im Haushalt von zehntausenden Wiener Juden zu PESSAOH immer wieder nur „Schmidl-Nazzoth" und Schmidls Mazzoth-Grieß sowie Mazzoth-Farvel verwendet werden? Weil „Sdimidl-Mazzoth" die unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad erzeugt werden, den verwöhntesten Ansprüchen genügen und den nebenstehenden ZEHN GEBOTEN entsprechen. VedaHQth, Sie die neue, teb scimatkUafte SpecUcrtmacke ,H.B/ in alten bessecen QescUaften! ZINTRALBl N. BRODETZKY II, Laopoldsgasse 43, Tel. A-40-0-90, A-60-2.63, A-48-4-48 Die 10 Gebote: „Schmidl-Nazzoth" 1. Sind seit fast 50 Jahren beliebt. % Haben einen besonders feinen Geschmack. 3. Sind sehr leicht verdaulich und bekömmlich. 4. Werden nur aus den feinsten Mehlen erzeugt. 5. Sind hygienisch und in Kaschruth einwandfrei! 6. Werden nach einem besonderen Verfahren hergestellt. 7. Werden in peinlichst reinen Räumen erzeugt! 8. Von Facharbeitern deren Sauberkeit überwacht. 9. Der erstklassige Fachmann und Fabrikant N. Brodetzky. 10. Schmidl-Mazzoth sind garantiert frisch (Erzeugung 1938). ,,/CHMIDL"-GRlE/ nur in plombierten Säcken! RUNDSCHAU Konvent der Revifionasfen geschlossen Aus Prag: Der I. Nationalkonvent der Neuzionistischen Organisation ist am 7. Februar zusammen mit der VII. Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten (Hazohar) zu Ende gegangen. Der Konvent wählte eine zwölfgliedrige Nessiut (Weltleitung) der Neuzionistischen Organisation mit dem Sitz in London, welcher angehören: Ing. S. J a c o b i als Vorsitzender und Leiter des Departements für innere jüdische Politik, Prof. B. Akzin als Leiter des Departements für äußere Politik, die Finanzen leitet Dr. Wolf gang v. Weisl, Organisation E. Ben-Horin, Presse und Propaganda Abrahams, Zehnjahreplan Dr. S. Kl ing er; ferner .gehören der Nessiut an Dr. Jakob Dam, Dr. Schwartzmann, Ing. Kopelovioz und Dr. Harry Levi, sämtliche mit dem Sitze in London. Als Vertreter der Achdut Jisrael mit dem Sitze in Polen wurde in die Nessiut Levi Jüngster gewählt, als Repräsentant der NZO.-Bewegung in Palästina Dr. A. Altmann mit dem Sitze in Tel-Aviv. Jabotinsky, der vom Gründungskongreß der NZO. in Wien zum Nassi der Bewegung gewählt wurde, verbleibt in dieser Eigenschaft; eine Wiederwahl erübrigte sich deshalb.' In, Zukunft soll die Nationalversammlung die Wahl des Nassi vornehmen. Es wurde beschlossen, den Sitz des Hauptdirektoriums des Tel-Hai-Fonds von London nach Palästina unter Leitung von Bonnfeld zu verlegen. Vom Reformsludenfum Aus London: Rabbinische und weltliche Führer der Bewegung für religiös-liberales Judentum aus Großbritannien, Deutschland und Holland nahmen an der soeben in London beendeten Session des Verwaltungsrates des Weltverbandes für religiösliberales Judentum teil. Es wurden mit Genugtuung Berichte über die Fortschritte der Bewegung in Südafrika und Australien entgegengenommen. Auch aus Palästina lag ein Bericht über das Wachstum der religiös-liberalen Gemeinden vor; gemäß den lokalen Bedingungen und Bedürfnissen wurde dort eine religiösliberale Tätigkeit mit entsprechendem Gottesdienst entwickelt. Außer in Jerusalem und in H'aif a bestehen jetzt liberale Gemeinden in Tel-Aviv und in einer Anzahl Kolonien. Der Verwaltungsrat beschloß, die religiös-liberale Gruppe in Dan zig in den Weltverband aufzunehmen. Es wurde die Herausgabe einer Abhandlung über das Wesen des religiös-liberalen Judentums beschlossen. Das Jugendkomitee proklamierte den 10. April dieses Jahres als Weltjugendtag des religiösrtto ftetttfeektctiuuisa&ettd der Judenstaatszionisten Oesterreichs Samstag, den 12. Februar, im Hotel ,Metropole' md Taum wirken m »; SacaUQolddeUi Oskar Weltzner / Edmund Mühlstock / Trude Roth / Lilly Holpern /c***fc<^^,£^ Mddi&s Karten öS 2.50 (an dar Kaiio erhöhte Preise) Saaleröffnung 8 Uhr / Vorverkauf: Im Zentralhelm, II. PraterstraBe 30, R-45.1-60.U, bei Frau Paula Stricker, Tel U.21.7.78 ferner in allen Sektionen liberalen Judentums und beginnt jetzt mit der Herausgabe periodisch erscheinender Bulletins. Religiös-liberales Judentum ist die offizielle Bezeichnung der Bestrebungen, die auf eine „Modernisierung" und „Angleichung" des jüdisch-religiösen Lebens hinzielen. Eliminierung des Hebräischen und aller auf Zion Bezug nehmenden Stellen aus den Gebeten, Zusammenlegung der jüdischen Feiertage mit den christlichen, Sonntagsgottesdienst/ Milderung oder Abschaffung der Speisegesetze u. dgl. m. bilden den Inhalt der Reform, welche von einzelnen Gruppen mehr oder minder radikal angestrebt wird. In den Vereinigten Staaten, wo die Bewegung bis vor kurzem am stärksten war und den radikalsten-Charakter aufwies, ist ein Rückgang zu verzeichnen. In Deutschland ist zufolge der äußeren Verhältnisse ein Stillstand eingeteteri. In Oesterreich konnte die Bewegung nicht Fuß fassen, wiederholte Versuche sind hier gescheitert. Eigentümlich, fast grotesk, wirkt der Umstand, daß, wie in obigem Bericht behauptet bad, Marienbad und Franzensbad sind nach einem . zweitägigen Aufenthalt in Berlin zurückgekehrt und teilen mit, die deutschen Stellen hätten ihnen versichert, daß nach wie vor auch Nichtarier aus Deutschland nach den westböhmischen Kurorten und der übrigen Tschechoslowakei wie jeder andere deutsche Staatsbürger reisen können. Es bleibt abzuwarten, wie diese Zusicherung sich in der Praxis auswirken wird. Es war einmal ♦ ♦ ♦ Im Wiener Saturn-Verlag erschien ein Buch von Franz Kobler: „Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West". Darin wird erzählt: In den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts ist die rechtliche Emanzipation der Juden durchgeführt worden. Ein einziger Staat nur, das unter der Garantie der Mächte in ein Fürstentum umgewandelte Rumänien, widersetzte sich dieser Entwicklung. Ausnahmegesetze, Ausweisungen und blutige, vom Staat geduldete Verfolgungen bedrohten die Existenz der in diesem Winkel Europas lebenden etwa 200.000 Juden. In seltener Einmütigkeit legten die führenden Mächte Europas gegen diese judenfeindliche Politik Rumäniens Verwahrung ein. Die im Jahre 1860 in. Paris gegründete Alliance Israelite Universelle mächte die' leitenden Staatsmänner der europäischen Mächte auf diese Zustände aufmerksam. Als zu Beginn des Jahres 1868 Vertreibungen der Juden aus Jassy einsetzten, richtete Adolph Crein i e u x, der Mitschöpfer und damalige Präsident der Alliance Israelite Universelle, an die Garantiemächte Rumäniens eine alarmierende Denkschrift Als erster antwortete B i s m a r c k: „Berlin, 22. Februar 1868. In Beantwortung Ihres Schreibens vom 4. d. M. habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß die Königliche Regierung ihren Vertreter in Bukarest aufgefordert hiat, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um Ihren Glaubensgenossen in Rumänien den Schutz zuzusichern, der ihnen in allen Ländern gebührt, wo die Gesetzgebung vom Geiste der Humanität und Zivilisation beseelt ist. Ich bin übrigens fest überzeugt, daß die Intentionen des Fürsten Carol ganz mit meinen Wünschen übereinstimmen und daß er vom ganzen Herzen eine Entwicklung der Dinge herbeisehnt, die es der Regierung ermöglicht, mit gleichem wohlwollendem Schutz alle Klassen der Bevölkerung zu umgeben und dabei bessere Resultate zu erzielen als . bisher..." BÜCHER jeder Art (auch alt) im Antiquariat Hermann TUCHNER, Ecke TnDorstraßß 52. Tel. R-41-4-20 wird, gerade in Palästina reformistische Neubüdungen entstehen konnten. Es handelt sich wohl um Versuche, die auf kleine Gruppen aus Deutschland Eingewanderter beschränkt bleiben dürften. Sie wollen als© doch luden ♦ ♦ ♦ Die Nachricht, daß die deutsche Regierung die Ausreise aus Deutschland und damit den Besuch ausländischer Bäder durch Juden aus Deutschland unmöglich machen will, hat selbstverständlich in den böhmischen Bädern, die eine große jüdische Frequenz aufweisen, ein Echo hervorgerufen. Zuerst ein ganz sonderbares. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hatte vor allen anderen der Bürgermeister von Karlsbad seine Meinung abgegeben. Er ließ sich durch deutsche Zeitungen „interviewen" und erklärte, daß Karlsbad und die anderen böhmischen Bäder den Ausschluß der Juden nicht bedauern. Es sei wohl richtig, daß die jüdische Frequenz eine sehr hohe sei, aber daß käme nur daher, weil die Juden in der Beschaffung der nötigen Devisen sehr geschickt seien, die „Arier" aber nicht. Wenn man den Juden in Deutschland Visa und Devisen verweigert, wird man sie eben „Ariern" geben und die böhmischen Bäder werden mit diesem Tausche sehr zufrieden sein. Eine von arischem Stolz diktierte Erklärung. Aber die Herren Direktoren und Bürgermeister der böhmischen Bäder Schemen sich die Sache denn doch überlegt zu haben. Die J. T. A. meldet jetzt aus Marienbad: „Die Vertreter der westböhmischen Kurorte, Bürgermeister Josef Turba (Marienbad), Stadtrat Ing. Doberauer (Marienbad), Bürgermeister Anders (Franzensbad), Vizebürgermeister Ulbert (Karlsbad) und Oberaktuar Kowarschik (Karlsbad) verhandeln gegenwärtig mit dem Reichswirtschaftsministerium und der Reichsbank in Berlin wegen einer höheren Dotierung des bei der Tschechoslowakischen Nationalbank in Prag geführten Bäderkontos. Gleichzeitig werden die* Vertreter der westböhmisohen Kurorte in Berlin eine Lockerung der Paßvorschriften für nichtarische Reisende nach den westböhraischen Kurorten zu erreichen versuchen, da die n i c h tarIschen Kurbedürftigen aus Deutschland einen hohen Prozentsatz der Fremdenfrequenz in den westböhmischen Kurorten ausmachen." < Eine weitere Meldung aus'Marienbad: Die Vertreter der westböhmischen Kurorte Karls- Zensur und Verbot jüdfidier Autoren lu Italien Aus London: Der Korrespondent der „Times** berichtete am 8. Februar aus Rom: Die italienischen Verleger sind gestern verständigt worden, daß sie keine Bücher italienischer Juden mehr veröffentlichen dürfen, ohne hiefür die amtliche Bewilligung erhalten zu haben. Bücher ausländischer Juden dürfen überhaupt nicht mehr in Italien übersetzt und Theaterstücke ausländischer Juden dürfen nicht mehr aufgeführt werden. Bis jetzt,'sind diese neuen Verordnungen in der Q ef f entlichkeit noch nicht bekanntgeworden. Aus Wien: Das „Neue Wiener Tagblatt" berichtet aus Rom: Zu den Meldungen ausländischer Blätter über ein Verbot der Werke jüdischer Autoren in Italien wird in hiesigen, zuständigen Kreisen zugegeben, daß Maßnahmen dieser Art. in Italien tatsächlich in der Durchführung begriffen sind. Diese Maßnahmen richten sich, worauf hiebei besonders Gewicht gelegt wird, nicht gegen die italienischen Juden, deren Loyalität anerkannt wird, sondern gegen das internationale Judentum, das antifaschistisch eingestellt ist. Das Verbot betrifft somit auch die Verbreitung der Werke jener jüdischen Autoren, die sich an antifaschistischen Kundgebungen beteiligt oder darin hervorgetan haben. Es ist somit das jüdische Problem Italiens ein politisches und kein Rassenproblem. Aus Lettland Aus Riga: Die staatlichen Behörden in Riga haben in den letzten Tagen einige wirtschaftlich einschneidenden Maßnahmen getroffen, durch die jüdische Betriebsinhaber und Angestellte schwer betroffen, aber auch die Wirtschaftskreise im allgemeinen beunruhigt wurden. Das lettländische Textilsyndikat, in welchen fast ausschließlich jüdische Firmen zusammengefaßt waren, wurde laut Beschluß der Regierung liquidiert, die Kontrolle übernahm die staatliche Kreditbank, die nun der Textilindustrie die Direktiven geben wird. Weiter hat die Regierung die größte jüdische Textilfabrik in Lettland „Buffalo" enteignet. Dadurch ist den jüdischen Textilfabriken in Lettland, die mit der „Buffalo"-Firma zusammenarbeiteten, die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit genommen worden; die kleineren jüdischen Textilfabriken stehen vor dem Ruin. Die lettländische Regierung hat auch alle großen Brauereien in Riga; die von Juden errichtet und verwaltet wurden, in eigene Regie übernommen,