Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 726 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 726 vom 11. Februar 1938 DIE NEUE WELT Seite» k/ockettsfUefet Vom Wesen des Chassidi'smus ,ßs ist der tiefe Gedanke des Chassidismus, daß Schöpfung und Offenbarung, immerwährend, ein Stetiges sind: nichts ist außerhalb Gottes, außerhalb seiner Einheit, außerhalb seiner Heiligkeit, und dem Menschen wird es so aufgegeben, eine Offenbarung, eine Schöpfung stu sein." Rabbiner Dr. Leo Baeck. Nationale Musik „Es hieße die Grundelemente jeder Musikäußerung verkennen, wollte man das Empfindungs- und Gestaltungsvermögen des Musikers von seiner Individualität trennen, deren Kraft im Erbe seines Volkes und in dessen Milieu eingebettet ist. Jede große Schöpfung setzt eine harmonische Geschlossenheit der Persönlichkeit voraus, deren Kennzeichen ihre Volkszugehörigkeit sein muß und ist. Es gibt keine jinternationale', Albernationale', sondern nur eins 3nationale' Musik, darunter natürlich Werke von Genie»* die über ihre eigene Umwelt und den Zeitgeist hinaus universale Wirkung auf alle Völker und Ewigkeitswert besitzen? Professor Joachim Stutschewsky. Was Habi'mah besitzt „Was unsere heutige europäische Bühnenkunst nicht mehr besitzt: den weltanschaulichen Hintergrund, die Religion und das Gesetz für alle — diese Hebräer '(Schauspieler der Habimah) schaffen aus ihrer Kultur heraus in die Kunst hinein." Bernhard Diebold (Berlin 1938) Das verborgene Israel 3iDie Judenheit ist, wissend und nichtwissend, in großer Not. Aber man versteht diese Not nicht, wenn man sich der Ahnung verschließt, daß hier, umfassender als je zuvor in der Geschichte der Zerstreuung, das verborgene Israel erprobt wird." Martin Bub er (1932). „Modernisierung" der hebräischen Sdirift „Solange das Hebräische nur für Religiöses gebraucht wurde, hielt man sich getreulich an das traditionell Erprobte. Sobald aber die neuen Notwendigkeiten nach einer hebräischen Schrift für Briefköpfe, Etiketten: Reklamekarten, Geschäftsschilder, Anzeigen und Plakate verlangten, trat auch das Verlangen nach einer ,modernen' hebräischen Schrift auf. Das Unglück war nur, daß der europäische Geschmack die Konstrukteure neuer Schriften auf Irrwege trieb. Denn sie waren <— und sind es zum Teil noch ■— keine 3Schreiber'3 keine Zeichner mit dem Gefühl für das Zeichen, sondern wirklich Konstrukteure, die mit dem, Lineal Buchstaben entwarfen und ihren Ehrgeiz darin fanden, die hebräische Schrift der lateinincheri Blockschrift, der sogenannten Grotesk oder irgend eklet modernen Plakatschrift anzulassen." M. Wertheimer (Berlin). Vortragssaal des J. K. 1., Franz-Josefs-Kai Mr. 3 Donnerstag, den 17. Februar 1938, halb 9 Uhr abends Heiterer Abend: Martin Miller „Von Satta bis SalzU" Bine lustige Fahrt von Ost nach Wesf Preise: S 1.—, S 1,50 Am Klavier: GIDEON MAY (ämUtd HUUdstctk der bekannte Lieder- und Opernsänger, wirkt an dem repräsentativen Gesellschaftsabend der Judenstaatszionisten mit und singt die schönsten Piecen seines Repertoires. Außer Sarah Goldstein, der berühmten Interpretin des jüdischen Volksliedes, haben der jugendliche Violinvirtuose Oskar iWi e i t z ne r (begleitet vom Klaviervirtuosen Robert Walter Spitz) und die Vortragskünstlerin Trade Roth ihre Mitwirkung zugesagt. Im Kleinen Saal singt und spielt Lilly K[ a 1 p e r n. Jeu: San Remo, Penslone Feiice 5?§Pi' Corso d«ll* Imporo 184. Im warmen, sonnigen Süden. Elm Ige _ rltufll« Pecwlon a. d. M. RlWara, rublgo Lage, modtrner Komfort, StrandnBho, MIKwa Minjan. Für Possach Vorboitollungon erboten. Dir. Or. mod. AI«* Schwär»._• Der Riesendampfer „Queen Mary" der Cunard White Star, zu dem sich in nicht mehr ferner Zeit ein Schwesterschiff, „Queen Elizebeth", gesellen wird, hat am 2. Februar d. J. nach kurzer Winterpause seine regelmäßigen Fahrten nach Amerika wieder aufgenommen. Nächste Abreisen: 16. Februar, 2., 16. und 80» März. Rapider Rückgang der Wiener Juden§dtaft Die Amtsdirektion der Kultusgemeinde Wien veröffentlicht auf Grund der vom Matrikelamte der isr. Kultusgemeinde Wien geführten Ausweise nachstehende Daten über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1937: Auf eine Geburt — vier Todesfälle Die Zahl der Geburten betrug in diesem Jahre 720, die Zahl der Sterbefälle 2824, die Zahl der Eintritte in die jüdische Religionsgesellschaft 262, die der Austritte 620. Die Zahl der Geburten, die im Jahre 1923 noch 2733, im Jahre 1930 1222 und im Jahre 1936 757 betrug, erreichte ihre niedrigste Ziffer von 720 im Jahre 1937. Von den geborenen Kindern waren 22, von den verstorbenen Personen 121 Ortsfremde. Nach Abrechnung dieser auf Ortsfremde bezughabenden Zahlen und unter Berücksichtigung der Geburten, Todesfälle, Eintritte und Austritte ist im Jahre 1937 eine Verringerung der jüdischen Seelen in Wien um 2363 zu verzeichnen. Diese Zahl erhöht sich noch durch die Auswanderung nach Palästina und anderen Ueberseeländern. Von 201 ♦000 auf 166.000 gesunken Die ständig sinkende Zahl der jüdischen Bevölkerung kommt auch in den Volkszählungsergebnissen der Jahre 1923 und 1934 zum Ausdruck. 9tattdjett ttttö t>od) Mcnbcjtb toeifte Seltne. Set mi&fatoige Saljnöelag, bec Beim Staudjett entfielt unb ben ^Q^nfdjmerj angreift, tarnt auf bte einfache 2lrt mi* fetnt roetben. Borgens at§ (SrfteS unb a&enbS als J8efete§ bte 3(ü)ne grimblid) mit ©ftforobont pufcen. Gfyotobont, bte Ijetrliä) etfrifd)enbe!ßfeffermtnä*3a^tt^ofte,ma^t burd) ü)re ftarfe SReintgungSfroft fel&ft gelb gefärbte «Säurte olenbenb foeifc unb entfernt ben Jjäpäjen, \d)äbltdjett 3<u)nMag. 2uBe (fdjmmtenb - ober nid)tfd)äumenb) S —-90. Unb bergeffen @te nie: Jg^k Morgens als Erstes, abends als Letztes Chlorodont 1^ 2 ah n p a s t e Während im Jahre 1923 in ganz Oesterreich 220.208 Juden, und hievon in Wien 201.513 gezählt wurden, fiel die Gesamtzahl der Juden in Oesterreich im Jahre 1934 auf 191.481 und hievon in Wien auf 176.034. Innerhalb dieses Zeitraumes verringerte sich die jüdische Bevölkerung in Wien um 25.479 Seelen, das ist um 12,6 Prozent. «Stmonsbrot nodj immer unerreicht als ©eftmbfjeitsunb Äraft* brot. 9fatd) an ben fo tmdjiigeit S^ä^rfa^en. ©efjr bequem: @tmon§brot»@$nittenbäcfcI)en in Stanniol, grticfjtettbrot: Wu^an* unb 2)arm-9leguIator. #u laben in ^eirtfoftfjanblungen unb in btelert öäcfereien. kfcSimonSorotfa&rtf 2Bten*$agran 55. $ägl. SPüfiberf.^ Der natürliche Abgang betrug in den Jahren 1935, 1936 und 1937 weitere 6927 Seelen, so daß die jüdische Bevölkerung Wiens Ende 1937 unter Berücksichtigung der in den Jahren 1935 und 193C stattgefundenen erheblichen Auswanderung höchstens 166.000 bis 167.000 Seelen zählt. Todesursachen Bei den 2824 im Jahre 1937 Verstorbenen sind nachstehende Todesursachen festgestellt worden: 25 Prozent Herzkrankheiten, 15,5 Prozent krebsartige Erkrankungen, 15 Prozent Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen, 14 Prozent Erkrankungen der Atmungsorgane, 5,5 Prozent Altersschwäche und Erkrankungen der Harnwege, 4 Prozent Tuberkulose. Durch Selbstmord endeten 105 Personen, und zwar 65 Männer und 40 Frauen (4 Prozent aller Todesfälle). Der Rest entfällt auf andere Krankheiten, Geistesstörungen 1 Prozent, Infektionskrankheiten 1,5 Prozent und auf Hautkrankheiten 0,25 Prozent. * Von den im Jahre 1937 geborenen 720 Kindern waren 369 männlichen und 351 weiblichen Geschlechtes. Im Jahre 1937 fanden 980 Trauungen statt. Von 347 gelösten Ehen entfielen 241, das ist 69,5 Prozent, auf kinderlose Ehen. Weizmann gegen die englische Regierung Aus Tel-Aviv (J. T. A.): 4000 Personen nahmen an der von den Allgemeinen Zionisten in Tel- Aviv für den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Chaim Weizmann, anläßlich seiner Abreise nach London veranstalteten Abschiedsversammlung teil. Dr. Weizmann griff die britische Regierung wegen Hinausschiebung ihrer politischen Entscheidung, wodurch die gegenwärtige Depression im Lande verursacht werde, an. „Ich fürchte", sagte Weizmann, „daß die neue Kommission ein wirtschaftlich geschwächtes Land vorfinden und diesen Zustand zur Basis neuer Vorschläge machen wird. Wir wünschen keine neue Kommission, aber wir werden, wenn die Kommission kommt, sie ebenso unterstützen wie die frühere." Dr. Weizmann bezeichnete die Kommissionsentsendung als eine „Geserah" (Katastrophe), die sich nicht wiederholen darf. England müsse sich klar entscheiden, ob es aktiv beim Aufbau Palästinas mithelfen oder sich auf eine Politik offener Einschränkungen einlassen will. „Wir wollen nicht eine Karikatur eines jüdischen Staates", fuhr Weizmann fort, „aber würde man uns jetzt die Chance geben, würden wir einen zwar kleinen, aber lebensfähigen Staat haben." Man werde keine anderen Schritte unternehmen können, als, entsprechend der Mehrheitsresolution auf dem Zionistenkongreß in Zürich, die Exekutive zu bevollmächtigen, frei und ohne Druck Verhandlungen einzuleiten. Mr. Edgar B. D u g d a 1 e, die Nichte Lord Balfours, begrüßte die Versammlung. „Die Juden", sagte sie, „haben viele Freunde in England, die sie in ihrem Kampfe unterstützen würden." Polizei mußte gegen eine Gruppe Revisionisten einschreiten, die vor dem Saal, in dem Professor Weizmann sprach, demonstrierten. * Aus London: „Daily Telegraph" teilt mit, daß das Coionial Office bereits Einladungen an die präsumptiven Mitglieder der neuen Technischen Palästina-Kommission hat ergehen lassen. Die Kommission werde sich Ende März nach Palästina begeben. Das Blatt bestätigt die vor einiger Zeit von der J. T. A. gebrachte Meldung, daß die neue Kommission aus vier Mitgliedern bestehen wird. Es werden ihr Fachleute in Finanz-, Gesetzgebungs- und Grenzfragen angehören. — Der neue HightCommissioner Sir Harold MacMichael werde am 9. Februar von König Georg in Audienz empf angen werden s&b Bodet S!ebjrji3J5 nach PjOäsitfaia begeben, Sir Arthur Wauchope werde Palästina am 28. Februar verlassen und somit mit dem neuen High Commissioner in Palästina nicht mehr zusammentreffen. Nadhridhf en au§ Palästina Vorübergehende „Aufhebung der Rebellion"? Aus Kairo (J. T. A.): Dde ägyptische Tageszeitung „Mokattam" meldet aus Beirut, daß der frühere irakische Außenminister Nuri Pascha mit dem Großmufti von Jerusalem eine Unterredung hatte, und daß die beiden arabischen Führer beschlossen haben, einen Aufruf an die Araber Palästinas zu erlassen, in welchem vorübergehend die „Aufhebung der Rebellion" verlangt wird, „Vorübergehend" heiße: bis zur Kundmachung des neuen Planes betreffend Regelung des in Schwebe befindlichen Problems. In Jerusalem sind Flugblätter in arabischer Sprache verteilt worden, in denen die Araber aufgerufen werden, die Terrorakte einzustellen. Unterschrieben ist der Aufruf von dem Obersten Arabischen Ausschuß. Gleichzeitig wird in dem Flugblatt die arabische Forderung nach dauerndem Minderheitsstatus für die Juden wiederholt. Altmann begnadigt Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Der Generalkommandant der englischen militärischen Kräfte in Palästina hat das Todesurteil des Kriegsgerichtes gegen den Hilfspolizisten von Nachlat-Jixchak, den 22jährigen Jechsekiel Altmann, aufgehoben und in lebenslänglichen Kerker verwandelt. Der Orangenexport: Bisher 5,338.984 Kisten in der Saison 1937/38 Aus Jerusalem: Im Laufe der gegenwärtigen Orangensaison sind bis zum 25. Jänner aus Palästina 5,338.984 Kisten Zitrusfrüchte (davon 85 Proz. Orangen), gegenüber 4,869.176 Kisten im gleichen Zeitraum des Vorjahres, exportiert worden. Neun Revisionisten aus Akko entlassen Aus Jerusalem: Am Freitag, den 4. Februar, sind aus dem Konzentrationslagerin Akko drei Revisionisten und ein Mitglied des „Haschomer Hazair" entlassen worden. Am Samstag wurden weitere sechs Revisionisten, unter ihnen Ing. Eri J a b o - tinsky, der Sohn Vladimir Jabotinskys, der am 14. November verhaftet und in Akko interniert worden war, freigelassen. 300.154 Judeu sind seit 1920 in Palästina eingewandert Aus Jerusalem: Aus soeben von der Jewish, Agency veröffentlichten statistischen Matexialien geht hervor, daß. in den letzten 18 Jahren in Palästina 3 0 0.15 4