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Die neue Welt · 1938-02-11 · Heft 726 (11.2.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 726 (11.2.1938)
Date
1938-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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fielt« 2 DIE NEUE WELT Nr. 726 vom 11. Februar 1938 Htotyek eine Sincä&UH^ mit Diana stärkt Sie für den ganzen1 Tag. Sie arbeiten flott und ermüden nicht. Massagen mit „DIANA" eriüllen mit verjüngender Kraft, stählen Körper und Nerven. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege DIANA FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL der ordentlichen Mai-Tag ungdesRates entscheiden konn, ob der Rat mit diesem Problem befaßt werden soll. Da die rumänische Regierung für den Beweis der legalen Erlangung der Staatsbürgerschaft eine Frist von zwei Monaten gesetzt hat, ist es möglich, daß diese wichtigste Frage schon in einem übersichtlichen Bilde vom Völkerbund wird behandelt werden können. Zur Zeit allerdings hat, insbesondere vor den rumänischen Parlamentswahlen, jede Voraussage bezüglich der weiteren Lage der jüdischen Minderheit sehr zweifelhaften Wert. Goga verbietet jede Diskussion über die jüdischen Petitionen in Genf Aus Bukarest: Eine amtliche Mitteilung des Ministerratspräsidiums besagt: „In der letzten Zeit wurden aus Anlaß der jüdischenMinderheitsbeschwerde in Genf verschiedene Pressekommentare veröffentlicht, deren Erscheinen die Regierung in dem Wunsche zuließ, daß die Oeffentlichkeit die Ansichten aller kennenlerne. Obwohl Außenminister Micescu bei -seiner Rückkehr aus Genf den offenbaren Triumph der rumänischen Sache mitteilen konnte, versuchen Böswillige dennoch entstellende Auslegungen, die sich auf die erfolgten Erklärungen stützen, wobei falsche Schlüsse hinsichtlich der gesamten Leitlinie der rumänischen Außenpolitik gezogen werden. Angesichts dieser Lage hält es die Regierung für notwendig, bis zur endgültigen und baldigen Regelung des Pressewesens jeder Diskussion d i e s es T h e m as e i n E n d e zu b e r e it e n. nicht, um sich zu verteidigen, sondern, um die höheren Staatsinteressen zu wahren, welche'dürch jede Entstellung' der Tatsachen geschädigt werden." CaßAnked^ I, Hoher Markt - Lichtenste g Nr. 4 Schwere Ausschreitungen Aus Bukarest: In der in der Moldau-Provinz gelegenen Stadt Moinesti kam es zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Aus Anlaß einer von den Anhängern der National-Christlichen Partei, der jetzigen Regierungspartei, einberufenen Versammlung waren mehrere hundert Bauern aus der Umgebung in die Stadt gekommen. Die Bauern überfielen zahlreiche Juden in den Straßen unu schlugen sie blutig; sämtliche jüdischen Geschäftsläden und Häuser auf der König-Ferdinand- Straße, der Hauptstraße der Stadt, wurden zerstört. Auch mehrere Christen gehörende Häuser, sowie das Haus des liberalen Klubs wurden stark beschädigt. In dem nahegelegenen Dorf Garlele wurden mehrere, hauptsächlich von Juden bewohnte, Häuser ebenfalls zerstört. Cuza-Lanziere ermorden einen Juden Aus Prag (J. T. A.): Aus Czernowitz, der Hauptstadt der rumänischen Provinz Bukowina, wird ge- ..meldet, daß am vergangenen Freitag abends „Lanziere" der Regierungspartei in das Wirtshaus des Juden Eckstein eingedrungen waren, sich Spirituosen geben ^ließen und, als sie zur Zahlung aufgefordert wurden, einen Verwandten des Wirtes, den jungen Juden W o 1 og o r s k y, niederschossen. Vor einigen Tagen haben in der Nähe von Czernowitz „Lanziere" einen Mann angeschossen und schwer verletzt, den sie für einen Juden hielten. Es stellte sich aber ■heraus, daß es ein Christ war. Grenzverkehr für Juden gesperrt Aus Uähorod (J. T. A.): Der rumänische Polizeipräfekt von Marmaros Sziget hat tschechoslowakischen Juden die Grenzüberschreitung auf Grund eines Passierscheines im sogenannten „kleinen Grenz- .verkehr!' untersagt. Die rumänischen Zoll- und Paßkontrollen weisen alle im Grenzgebiet auf tschechoslowakischer Seite lebenden Juden beim Versuch der Grenzüberschreitung zurück. Durch die Sperrung des „kleinen fGrenzverkehrs" seitens Rumäniens sind die in der Grenzzone lebenden Juden wirtschaftlich schwer betroffen. An den Ufern des Grenzflusses Theiß versammeln sich auf der einen Seite tschechoslowakische, auf der anderen Seite rumänische Bürger und besprechen ihre Angelegenheiten durch laute Ruf> über den Fluß. Sie bedienen sich dabei selbst angefertigter Papleranegaphone. Da zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei eine Vereinbarung über den kleinen Grenzverkehr aus dem Jahre 1923 besteht, hat das1 Lahdesamt in ÜShdrod einen Bericht an cfas Innenministerium in Prag geschickt, um eine Intervention durch das Außenministerium herbeizuführen. Die Direktton des Spiritusmonopols fordert Wiedereröffnung der jüdischen Schankhäuser Aus Cernauti (Czernowlta): Die Direktion des staatlichen Spiritusnionopola fordert vom Finanzministerium die Wiedereröffnung aller durch den Präfekten Robu geschlossenen jüdischen Schankhäuser in der Bukowina. Die Direktion weist darauf hin, daß die Konzessionen der jüdischen Schenker alle in Ordnung sind und daß die Schließung der Schankhäuser dem Staatsschatz schwere Verluste gebracht hat. Reditsstaful Iii* Flüchtlinge angenommen Interstaatlidie Konlerenz für Flüchtlinge Aus Genf: Im Völkerbundpalast begannen am 7. Februr Beratungen, die ein endgültiges Abkommen über die Stellung der Flüchtlinge aus Deutschland zum Gegenstand haben. Es soll das provisorische Abkommen zwischen den Staaten vom 4. Juli 1936 ersetzen. Die Konferenz wurde auf Grund des Beschlusses der letzten Völkerbundversammlung einberufen und ist vorläufig von dreizehn Staaten beschickt; Belgien, Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Nor- EISEN¬ SELCHWAREN eMAI txglich frisch ' 555 im allen filialen wegen, den Niederlanden, Polen, Portugal, Schweden, Luxemburg, der Schweiz und der Tschechoslowakei. Die Vereinigten Staaten haben einen Beobachter gesandt. Man erwartet noch die Teilnahme einiger südamerikanischer Staaten. ..Zum Vorsitzenden wurde' der holländische Gesandte in Bern, Dr. A. Loudon,- gewählt. *. \ _ Im Vordergründe,, stehen: 1. -Schaffung eines R-eisepasses für die deutschen Flüchtlinge. 2~-Erleichterung der sozialen Lage der Flüchtlinge, insbesondere.durch Gewährung von Arbeitserlaubnissen. Der Entwurf des Hochkommissärs für die deutschen ..Flüchtlinge ^thält nachfolgende Punkte: l. Als deutscher Flüchtfing ist-derjenige anzusehen! »von "dem erwiesen ist, „daß er tatsächlich den Schutz der Reichsregierung oder der Regierimg seines früheren Wohnsitzes nicht genießt"; demnach sind auch aus Deutschland ausgewanderte Staatenlose als deutsche Flüchtlinge zu betrachten. 2. Schaffung eines international anerkannten Flüchtlingspasses. 3. Flüchtlinge — wenn nicht kriminell bestraft — dürfen nicht „abgeschoben" werden. 4. Arbeits- und Gewerbeerlaubnis für die Flüchtlinge und Einreichung derselben in die Sozialfürsorge. Die Wünsche der Flüchtlinge selbst erstrecken sich noch auf folgenden Punkt: Gewährung des diplomatischen Schutzes für Flüchtlinge durch jenes Land, welches den Paß ausstellt, d. h. daß der Emigrant auch in einem anderen Land nicht schutzlos ist, sondern sich jeweils an den Vertreter seiner „Paßheimat" wenden kann. Kranke Frauen erfahren durch ein Glas natür-; Iiches „Franz-Josef" - Bitterwasser ungehinderte, ganz leichte Darmentleerung, mit der oft eine außerordentlich wohltuende Rückwirkung auf die erkrankten Organe verbunden ist. Fragen Sie Ihren Arzt. mmmm^T5äch'"7!er™1§ttn^^ schließen, besteht Aussicht, daß nicht allein die Gewährung des Reisepasses, sondern auch eine Reihe anderer Maßnahmen zugunsten der Flüchtlinge beschlossen wird. Prof. Norman B entwich, der Vertreter des 35 Emigrations-Organisationen umfassenden jüdischen Verbindungsausschusses, gab bekannt, daß es 145.000 deutsche Flüchtlinge .gibt, davon 130.000 Juden. Von diesen haben 100.000 in Palästina und Uebersee Existenz gefunden. # Aus Genf, 9. Februar. Die internationale Konferenz hat heute unter dem Präsidium des Holländers L o u d o n am späten Abend ihre Arbeiten beendet. Die Unterzeichnung der neuen Konvention wird morgen erfolgen. . Gegenüber der bisher in Kraft befindlichen vorläufigen Konvention sind Verbesserungen angenommen worden. Zunächst werden die Vergünetiguur gen auch den staatenlos gewordenen deutschen Flüchtlingen zuteil. In der Regel sollen die Flüchtlinge das Recht zum freien Verkehr in dem Zufiuchtsiand, das Aufenthalts- und eventuell auch das Niederlassungsrecht erhalten, entsprechend der Gesetzgebung des betreffenden Landes. Das Ausweisdokument, das ihnen ausgefolgt wird, ist jetzt genau definiert als ein Zertifikat oder ein anderes Ausweispapier, das an die Stelle'eines Passes treten kann. Als ' neue Bestimmung kommt vor allem hinzu, daß die vertragschließenden Teile sich verpflichten, die aus Deutschland kommenden Flüchtlinge grundsätzlich nicht nach Deutschland auszuweisen. Besonders wichtig ist der neue Artikel, daß eine Verweigerung der Arbeitserlaubnis nicht ohne gewisse erleichternde Einschränkungen und nicht angewendet werden soll auf solche Flüchtlinge, in deren Familie ein Gatte oder ein Kind die Nationalität des Landes besitzt. Die Arbeitserlaubnis soll den Flüchtlingen womöglich nach dreijährigem Aufenthalt in dem betreffenden Lande erteilt werden. Neu sind ferner die Bestimmungen über die Gewährung von Rechtshilfe, Sozialversicherung, soziale Hilfe, wie Arbeitslosenunterstützung, Erziehungserleichterung, Zulassung zu den Schulen des Landes, Erleichterung der Umschulung und technische Ausbildung der jugendlichen Flüchtlinge. Worte zur Judenfrage Ein Vortrag des Prof. P. Friedrich Muckermaim Unser Mitarbeiter Dr. Georg B e r g e r schreibt uns: Wir müssen hinhören: In Wien ist ein vornehmer Mensch, ein klarer Denker und ausdrucksvoller Redner aufgestanden, um für Freiheit und Gerechtigkeit, um für die Menschlichkeit zu kämpfen! Prof. Dr. P. Friedrich Muckermann S. J. wagte am 8. Februar in Wien in der Volkshalle des Rathauses vor mehr als 2000 Zuhörern, die ihm begeistert dankten — und wird es am 25. wiederholen —, daß nur die Trägheit unserer Herzen daran schuld ist, wenn Diktatoren, die kein menschliches Recht dazu befähigt, sich dauernd gegen Gesetz und Sittlichkeit vergehen, indem sie ihre.* dunklen Machttrieben folgen. Die Diktatur ist die schlechteste aller Staatsformen. Das wußten schon Plato und die alten Weisen, obwohl ihnen auch edle Diktatoren bekannt waren. Nur die Freiheit begünstigt gute Taten. Es gibt aber keine guten Menschen, die nicht gute Werke tun. Sie denken heute nicht mehr an das Wohl ihrer Nächsten, sie kämpfen nicht mehr für den Wohlstand der Gemeinschaft. Nur in der sittlichen Freiheit kommt das Edle der menschlichen Persönlichkeit zur Entfaltung. Sie ermöglicht den vollen Einsatz des Einzelnen. Die Ehe ist ein Bund freier Menschen, die rassische Zusammensetzung schafft es nicht. In der Wirtschaft ist es die schöpferische Freude, der Idealismus, der Großes schafft. Der Arbeiter muß sich als Freier unter Freien fühlen. Die soziale Ordnung baut sich auf dem Verkehr freier Menschen auf. Der Staat ist eine Form, ein Gefäß, in dem di« fruchtbare Erde gesammelt ist, um üppigem Wachstum die Kraft zu. geben. Anstatt dessen wird der Topf nach oben gestülpt und das Wachstum darunter begraben. Ümsiett Btttslm - Gerechtigkeit, Liebe und Anstand verkümmern. Die enge, muffige Stube kleinlicher Menschen gebiert die ZÜnfteiei, die genau so abzulehnen ist wie der Numerus clausus« Beide verhindern die freie Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit. Die- Mauern müssen fallen! Es gibt kein menschliches Antlitz, das nicht liebenswert wäre. Die J u d e-n sind Menschen. In diesem Sinne gibt es keine Judenfrage. Wer Juden schändet, 'wer duldet, daß ihnen Unrecht geschieht, vergeht sich am Menschen und seinem eigenen Menschtum. Als Leo XIII. zum Papst gewählt worden war, fragte man ihn, welchen Kurs er nehmen werde. Er antwortete: „An meiner ersten Kardinalswahl werdet ihr es sehen." Und er machte einen Juden zum Kardinal, dessen Schriften zwei Pole für unser Leben nennen: Gott und unser Gewissen. Die dumpfen Triebe der Zerstörung, die hemmungslose Selbstsucht der Machtgierigen entwickeln eine große Dynamik, die heute die Menschheit zu zerbrechen droht, die Freiheit und Gerechtigkeit schon unterdrückt hat* Wir müssen dieser Dynamik eine andere Dynamik entgegensetzen: die Dynamik des guten Herzens! Wir müssen uns ganz für die Freiheit einsetzen, selbst um den Preis unseres Lebens. Zehntausende kräftige, junge Menschen in unserer Mitte stehen ohne Arbeit und warten, leben zu dürfen. Wir müssen, ihnen helfen! Wir müssen für die Liebe zwischen den Menschen. einstehen. Und,wenn wir nur dreihundert sind, wie vor Gideon, und unsere Feinde Millionen: Wir werden siegen, wie der zarte David den Koloß Goliath besiegte. Wir müssen siegen, damit nicht alles Leiden vergeblich war! Nur die Revolution der Herzen tut not.' L Sckaul zum 40 jährigen Jubiläum de» 1.Wr. Jüdischen Turnv«reln*i, veranstaltet von allen Makkabi . Turnvereinen Wiens furnen Sonntag« den 13, Februar 193 8, in den SOFIENSXLEN MarTergasse Nr. 17 Anschließend BALL Koppelte ISY GEIGER Beginn: Klndarschauturnen 18 Uhr. Allgemeines Schauturnen 19.30 Uhr JUDEN! KOMMT IN MASSEN!

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