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Die neue Welt · 1938-02-11 · Heft 726 (11.2.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 726 (11.2.1938)
Date
1938-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den II« Februar 1930 12* Jahrgang Nr« 726 V, b.b. DIE NEUE r I8ß fitl. Vniy Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&Ufe par redlteur" ■T ******* I ^e„, r 1 Ve^mtf REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 3 4.—, ganzjährig a 16.—; Polen monatlich Zloty LSO, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jngoslawien monatlich Dinar 14.-—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, viertelJährJf Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—j Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B beaeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitä1sstr.8tTet.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Nach Amerika mit Koscher-Küche auf den Dampfern {§ 1 „QUEEN MARY", 81.235 t. | M „QUEEN MARY" ...... . 16. Februar & „BERENGARIA"......23. Februar § I „QUEEN MARY"......2. März |§ 1 „BERENGARIA" .....• Ö.März s 1 CUNARD WHITE STAR LIMITED | | WIEN I, KÄRNTNERRING 4, TEL. U-42-0-43, U-46-2-48 j 7:;i welches Kino kann man «gehen T Die Frage, was denn eigentlich als Wiener, bzw. p s t e r r. e i c Ii i s c h e r Film zu bezeichnen sei, wird immer wieder von der Tages- und Fachpresse diskutiert. Soweit diese Presse1 Vnl^ Interessen und Mentalitäten, willfährig ist, wird fetgestellt, daß die meisten, ja, fast alle in Oesterreich erzeugten, Filme der letzten Jahre nur geographisch, aber nicht geistig dem österreichischen Kulturbereich angehören. Es wird aber auch festgestellt, daß diese Filme (1937!) zum überwiegenden Teil von Nicht- Österreichern produziert wurden. Kenner der. Sachlage stellen eine Bilanz auf, die für das österreichische Konto sehr betrübend aussieht. Von den 14 Wiener Filmen des Jahres 1937 lieferte das Ausland (Hitler-Deutschland) nahezu 70 Prozent •der künstlerischen Mitarbeiter; bei den Hauptdarstellern war . das Verhältnis . zwischen den Ausländern (Hitler-Deutschen) und Oesterreiohern 40:23, bei den Buchautoren 10:4, bei den Komponisten 7:4, bei den Kameraleuten 11:3.: Man, kann also ohne Uebertreibung sagen, daß die österreichische Filmproduktion hinsichtlich des Stoffes und der. Hersteller unösterreichisch ist -und darum die. Bezeichnung „Oesterreichischer Film" keine Berechtigung hat. Natürlich versuchen die Gruppen, die solche — österreichische Filme erzeugen oder vertreiben, um jeden Preis all'die Filmkritiker und Skeptiker zu.diskriminieren, welche die Enttarnung des „österreichischen" Films vorgenommen und dagegen Stellung genommen haben, daß der österreichische Name durch diese Täuschung geschädigt werde. Noch schwerer wiegen die Fälle, wo die K i n obesitzer selbst, in ihrem eigenen Wirkungskreis, für solche Filme, bzw. Wochenschauen Reklame machen, die all die Unentwegten zum Besuch des Lichtspieltheaters veranlassen soll. Die Zeitschrift „Stürm über Oesterreich", der wohl jeder rechtlich denkende Mensch Objektivität, Maßhaltung und Verständnis für die österreichischen Belange zubilligen wird, beschäftigt sich in der Ausgabe vom 6. Februar d. J. mit dem Verhalten jener Kinobesitzer, die betreffs ihrer Filme und ihrer Propaganda das Gefühl jedes bewußten Oesterreichers verletzen, indem es u. a. schreibt: Man muß den Menschen (Kinobesitzer), der sich zu einer ausgesprochen Österreichfeindlichen Propaganda hergibt, indem er den einzelnen Unentwegten zuliebe sein Programm erstellt, dort treffen, wo er am empfindlichsten i ist, nilmllch bei seinem Geldsack! Kein anständiger Oesterreicher soll seinen Fuß in ein Lichtspieltheater setzen, daß auf solche Werbemethoden sieh einzustellen \ nicht scheut. Wenn sich die vaterländisch gesinnte Bej. vülkerung einmütig zusammenschließen würde, ent- Rumänische Judenfrage im Unterhaus Aus London: In der Sitzung des englischen Unterhauses am Montag, 7. Februar, richtete der Abgeordnete Josiah Wedgwood eine Anfrage an den Außenminister Anthony Eden, was die englische Regierung zu unternehmen gedenke, um den Schutz der jüdischen Minderheit in Rumänien zu garantieren, wo doch England M i tunterZeichner des von Rumänien eingegangenen Minderheitenschutzvertrages vom 9. Dezember 1919 ist. Wedgwood wollte auch wissen, ob England mit dem zweiten Mitunterzeichner des erwähnten Vertrages, Frankreich, sowie mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeitet, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen. Minister Eden antwortete, es lägen beim Völker« bnude zahlreiche Petitionen von, jüdischen Organisationen vor, die gemäß dem üblichen Verfahren vom Dreierkomitee geprüft werden, das sich aus dem Präsidenten des Völkerbundrates und je einem französischen und, britischen Delegierten zusammensetzt. (Der französische Delegierte ist bekanntlich Außenminister Delbos, der britische Delegierte Außenminister Eden. Die Red.) Dieser Ausschuß werde seine Antwort nach Abschluß des Verfahrens u n v .er z ü gl i c h bekanntgeben. Die britische Regierung erwäge mittlerweile die Frage einer un mitte ^b ar fitii Ak'tiön, die bei den gegenwärtigen Verhältnissen wirksam sein könnte. Der. britische Gesandte in Bukarest habe im Auftrage des Londoner Außenamtes den rumänischen Außenminister daran erinnert, daß die britische Regierung stets ein großes Interesse an den Minderheitenverträgen, deren Signatar sie ist, und an den Minderheitenrechten im allgemeinen bekundet hat. Da Amerika nicht Mitglied des Völkerbundes ist und auch keine Minderheitenverträge unterzeichnet hat, ist die Lage hier wesentlich anders als hinsichtlich Großbritanniens und Frankreichs. England könne hier nichts tun, die Sache bleibe den Vereinigten Staaten überlassen. Die rumänische Regierung aber könne über die Ansichten der britischen Regierung in dieser Frage nicht raelir im Unklaren sein. Die jüdischen Petitionen in Gepf " Bekanntlich ist es nicht gelungen, die Fragte der jüdischen Minderheit Rumäniens während der Genfer Februar-Tagung des Völkerbundes zur Diskussion Ja bringen. Der in Genf anwesende rumänische Außenminister Micescu verhinderte die Dringlichkeitserklärung der Angelegenheit, so daß man allgemein mit der Besprechung der Frage erst für einen viel späteren Zeitpunkt rechnete. Der Termin scheint aber doch ein wenig vorgerückt zu werden. Das zur Behandlung der jüdischen Petitionen,; betreffend den Schutz der jüdischen Minderheit in Rumänien, eingesetzte Dreierkomitee des Völkerbundrates, bestellend aus dem iranischen Präsidenten Mustapha Adle, dem Delegierten Englands, Minister Eden, und dem Delegierten Frankreichs, Minister D e 1 b o s,; beabsichtigt, wie die J. T. A. meldet, schon in dre-i Woohen entweder in Parig oder. in Li o n d o n zusammenzutreten, um über sein weiteres Verfahren zu beraten. Ob die rumänische Regierung, der als der einzigen vom Generalsekretär die drei jüdischen Petitionen offiziell zugeleitet worden sind, schon bis dahin die von ihr . gewünschten Bemerkungen zu den Eingaben machen wird, bleibt dahingestellt, jedenfalls muß diese Rückäußerang, für welche die sonst übliche Frist verkürzt worden ist, so rechtzeitig einlangen, daß das Dreierkomitee noch vor stünde diesen geschilderten Lichtspieltheatern ein derartiger Einnahmenentgang, daß sie wohl bald gezwungen wären, ihre Betriebe zu schließen. Schärfer und eindeutiger kann das Verhalten gewisser Kinobesitzer und dessen Abwehr nicht gezeichnet werden. Die österreichischen Filmerzeuger, die auf Verlangen der reichsdeutschen Nazi den Arierparagraphen eingeführt haben und die den Wünschen unserer Unentwegten zugänglichen Kinobesucher haben sich gefunden. Sie befinden sich jetzt auf ein und derselben Linie. Das erleichtert unsere Haltung. Das gibt uns den Fingerzeig, in welches Kino man gehen kann. KOHLE KOKS ■umMf» KOKS ANTHRACIT BUCHENHOLZ BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch iMf Zweimal täglich Eilzustellung nach allen Bezirken '^a Im Namen des Bundesstaates Oesterreich! Geschäftszahl 2 U 1000/37. Das Strafbezirksgericht I, Wien, II. als Pressegericht, hat über die von Karl Riedl als Privatankläger gegen Fritz Kolb, 28 Jahre, verheiratet, verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" erhobene Anklage, nach der am 13. Dezember 1937 in Gegenwart des Privatanklägers Karl Riedl, dessen Vertreter Dr. Hugo Zörnlaib, des Angeklagten Fritz Kolb und des Verteidigers Dr. Arthur Reik durchgeführten Hauptverhandlung am 13. Dezember 1937 zu Recht erkannt: Der Angeklagte Fritz Kolb ist schuldig, er habe in Wien als verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" bei Aufnahme der Ueberschrift „Skandal auf dem Stephansplatz — Ein empfehlenswertes Cafe" und der Stellen: 1. „Ein empfehlenswertes Cafe", 2. „von einem Eingreifen . . . keine Redea* ,"r3« „xatä gerade hier . , * unter dem Hakenkreuz breit". 4. „Sind der Stephansplatz . . . ruiniert werden kann . . .", 5. „Es ist kein Zufall ... ein Aufenthalt in Wien ist", 6. „wie die anständigen . . . kaum weiter belästigen" in dem Aufsatz „Skandal auf dem Stephansplatz — Ein empfehlenswertes Cafe" in Nummer 694 der genannten Zeitung vom 15. Oktober 1937, deren Inhalt objektiv den Tatbestand der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre und nach Artikel V der St. G. Nov. 1929 begründet, jene Sorgfalt vernachlässigt, bei deren pflichtgemäßer Anwendung die Aufnahme des strafbaren Inhaltes unterblieben wäre. Er hat hiedurch die Uebertretung nach § 30 Preßgesetz begangen und wird nach dieser Gesetzesstelle zu einer Geldstrafe von 150 S (hundertfünfzig Schilling), im Nichteinbringungsfalle zu 6 Tagen Arrest, und gemäß § 389 St. P. O. zum Ersätze der Kosten des Straf. Verfahrens verurteilt.

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