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Die neue Welt · 1938-02-08 · Heft 725 (8.2.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 725 (8.2.1938)
Date
1938-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 725 vom 8. Februar 1938 DIE NEUE WELT Seite S WürsfehPopularität Armin Biel ist gestorben. Gleichsam um der Theorie ein Schnippchen zu schlagen, daß man nur durch geistige oder absonderliche Dinge „namhaft" werden kann, hat das Schicksal dem Besitzer eines jüdischen Etablissements Popularität verliehen. Er selbst, Armin Biel, legte Steinchen um Steinchen zum Mosaikbild seiner Popularität, indem er in die Niederungen der Propaganda hinabstieg und sich ohne jede Scham „Würstel-Biel" nannte. Diese banale Bezeichnung wußte er allerdings zu adeln, indem er den höchsten Gipfel der jüdischen Kochkunst zu erklimmen versuchte, was ihm auch im Urteil zahlreicher jüdischer und nicht minder nichtjüdischer Zeitgenossen gelang, Der „Würstel-Biel" zwang die „Arier", sich zu assimilieren, also einen Prozeß mitzumachen, der sonst nur jüdischen Bürgern der Stadt Wien eigentümlich ist. Er zwang Nichtjuden, die verschlungenen Pfade der rituellen Küche zu wandeln und die schönsten rassischen Grunsätze vor Betreten seines Lokals aus dem Knopfloch zu entfernen. Bewährte und belobte Kämpfer für neudeutsche, ja geradezu wotanische Belange, wurden vom Duft seiner Gansleber und Scholetsuppen umnebelt und zu Sklaven irdischer Lust gemacht. So rächte Armin Biel mit gastronomischem Schwert die Uebel, die seinen jüdischen Schicksalsgenossen angetan wurden. Die antijüdischen Gäste kapitulierten angesichts der guten Dinge, die bei ihm In appetitlicher Aufmachung lockten, und bezeugten ihm ihre Reverenz und segneten dort, wo sie gerne fluchen wollten. Dies ist eine Kulturtat, die man Armin Biel nicht vergessen darf. o. r. Der Wiener AusIagenfenstenKrieg Seit den Verhaftungen von Nationalsozialisten in der Telnfaltstraße im Zusammenhang mit der Affäre Dr. Tavs hat die Aktion des Penstereinschlagens der Wiener Nationalsozialisten an Intensität zugenommen. Am Freitag, den 4. d., nachmittags und abends, nahm diese Aktion ein gefährliches Ausmaß an. Zuerst wurden im II. (Leopoldstädter) Bezirk sehr viele Fensterscheiben und Auslagen jüdischer Geschäfte zertrümmert, wobei auch wertvolle Waren vernichtet wurden. In dem bekannten großen Warenhaus Max Schiffmann wurden sieben große Auslagenfenster zertrümmert. Im gegenüberliegenden „Hotel Sächsischer Hof" wurden zwei Fenster zertrümmert. Passanten wollten einen der Täter festnehmen, der aber aus einem Revolver feuerte und sich so der Verfolgung entziehen konnte. In ihrem Eifer schlugen die Nazis auch in einer Reihe christlicher Geschäfte die Fenster ein.. Im III. Bezirk (Landstraße) wurden in das jüdischesBethausin der Hetzgasse 40 durch die Fenster während des Freitag-Abendgottesdienstes Steine und brennende Stoffe geschleudert. Das dadurch entstandene Feuer konnte rasch gelöscht werden. Drei Andächtige wurden durch'die Steinwürfe verletzt. In der Brigittenau war der Rummel besonders groß. Dort wurden die jüdischen Geschäfte mit einem ungeheuen Hagel von Steinen und Eisenstücken bombardiert. Wie sich herausstellt, handelte es sich bei diesen Ausschreitungen um eine planmäßige nationalsozialistische Aktion, die in sämtlichen Wiener Bezirken gleichmäßig eingesetzt hat. Die Ausschreitungen wurden von einer Zentralstelle aus organisiert, die Attentäter waren mit Fahrrädern ausgerüstet und konnten sich sofort nach der Tat davonmachen. Die Polizei konnte trotzdem eine Reihe von Verhaftungen vornehmen. Der Badener Oberrabbmer fristlos entlassen Aus Baden bei Wien wird uns gemeldet: Der Kultusvorstand hat in der Sitzung vom 1. d. M. die fristlose Entlassung des seit 1931 im Amte befindlichen Oberrabbiners Dr. Hartwig C a r 1 e b a c h beschlossen. Er hat den Beschluß der Bezirkshauptmannschaft gemeldet und den Oberrabbiner von Wiener-Neustadt, Professor Dr. Heinrich Weiß, mit der zeitweisen Führung des Rabbinates in Baden betraut. Oberrabbiner Dr. Carlebach hat gegen seine Entlassung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Protest eingelegt und die Klage bei Gericht eingereicht. Türkischer Ministerpräsident erklart: In der Türkei keine Judenf rage Aus Istambul (J. T. A.): Der Ministerpräsident der Türkei, Djelal Bayar, erklärte in Yalova auf einem Pressebankett, dem auch der türkische Innenminister Schukru Kaya beiwohnte, es gebe in der Türkei keine Judenfrage und es werde sie nie geben. Alle türkischen Bürger, gleich, welcher Rasse oder Religion sie angehören, erfreuen sich gleicher Rechte. Die Türkei werde dem Beispiel anderer Länder nicht folgen. Sie werde nie gestatten, daß innerhalb der Grenzen der Türkei ein Problem der Juden oder einer anderen Minderheit geschaffen werde. MlsrachHÄndesverband. Im Rahmen des am Freitag, den 11. ds., um halb 0 Uhr abends im Heime, IL, Praterstraße 60, stattfindenden Oneg Schabbath teferlert Herr Dr, Abraham Sohmerier* Konvent der Zionisten-Revisionisten (II. Z. 0.) „Zehnjahrplan" — Die N. Z. O. hat den Tellungsplan zu Falle gebracht — Intensivster Kampf gegen die Zionistische Organisation und die zionistischen Fonds — Bei Außenminister Krofta Aus Prag wird uns berichtet: Nach der Rede Jabotinskys referierte Dr. S. Klinger (London) über den Zehnjahrplan, der die Ansiedlung von VA Millionen Juden im Ost- und Westjordanland betrifft. Da durch das gegenwärtige Regime eine Untersuchung wissenschaftlichen Charakters in Transjordanien unmöglich ist, umfaßt der Plan nur die Kolonisation von 1 Million Juden im Westjordanland. Die Erfahrungen in Palästina haben gezeigt, daß das jüdische Volk ein Kolonisator ersten Ranges ist, daß Palästina die Voraussetzung für eine Massenkolonisation bietet und in einem Zeltabschnitt von zehn Jahren eine jüdische Mehrheit aufweisen könnte. Die Finanzierung des Zehnjaftrplanes könnte erfolgen: 1. Durch Verwendung von Etat- UeberschUssen der Regierung, die im Verlauf der zehn Jahre auf 17 bis 20 Millionen Pfund anwachsen würden. 2. Durch Schaffung einer palästinensischen Währungsbank, die in Verfolg des Zehn jahrplanes auf dem Wege des Diskonts von Handelswechseln 8 Millionen Pfund der Wirtschaft zuführen könnte. Die Hauptfinanzkraft wttrde aber die jüdische Nationalanleihe in Höhe von 12 Millionen Pfund bilden, d. h. 1 Pfund pro Kopf der außerhalb Rußlands lebenden Juden. Die Anleihe hat eine Laufzeit von 40 Jahren, wird vom 12. Jahre an durch Auslosung getilgt und ist mit 3lA Prozent verzinst. Die Einnahmen des Keren Hajessod sollen als Garantie-, Zinsen- und Amortisationsfonds dienen. Schließlich sind privatkapital und Auslandsbeteiligung in Rechnung zu ziehen. Es sollen 80.000 Familien landwirtschaftlich angesiedelt werden, und zwar werden 20.000 Betriebe mit Getreideanbau (50 bis 60 Dunam pro Betrieb), 20.000 Siedlungen mit 15 bis 20 Dunam pro Betrieb für Futteranbau und Viehwirtschaft, 20.000 Gemüse- und Fruchtanbau treibende Betriebe mit 10 bis 15 Dunam pro Betrieb, schließlich 20.000 Betriebe auf Grund der Erfahrungen der ersten acht Jahre im neunten und zehnten Jahre. Die Ansiedlung dieser 80.000 würde einen Kapitalbedarf von 30 Millionen Pfund beanspruchen. Die Finanzierung des industriellen Aufbaues würde wie folgt vor sich gehen:. Es sollen in der Industrie im Rahmen des Zehnjahrplanes etwa 120.000 Arbeiter Beschäftigung finden. Einem Jahresproduktionswert von 40 Millionen Pfund würde erfahrungsgemäß eine Kapitalsinvestition von 20 Millionen Pfund entsprechen. * In der vierten Sitzung.erstattete Prof. B. Akzin das politische Referat. Die politische Arbeit der N, Z. O. vollzog sich in zwei Formen: Kabinetts- und Massenpolitik. Seit dem Gründungskongreß in Wien (Herbst 1935) gab es drei Judenstaatsjugend Dienstag, den 8. Februar 1938, um halb 9 Uhr abends im Zentralheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent. Rabb. Dr. I. Z. KANN ER Thema: Araberangst — ein Märchen Gäste willkommen! Gäste willkommen 1 Massendemonstrationen: Die Wahlen zum Gründungskongreß selbst; die Demonstrationen und Aktionen gegen das Paritätsprojekt im Winter 1936/37; die Demonstration gegen den Teilungsplan. Die Kabinettspolitik war, zum Unterschied von den fallweisen Kabinettsaktionen der alten Z. O., eine kontinuierliche. Ihre Grundlage war die Bündnispolitik. Im Rahmen der BUndnispolitik gibt es drei Kategorien von Staaten: a) wohlwollende, die ein potentielles Interesse am Judenproblem haben; b) solche, die an der Lösung der Judenftrage im Interesse der Konsolidierung des Weltfriedens, bzw. des Friedens in Osteuropa oder im Nahen Orient interessiert sind; c) England selbst. Die N. Z. O. muß mit allen dreien rechnen. Man machte uns z. B. Vorwürfe, daß wir mit Vertretern der italienischen Regierung wiederholt verhandelt haben. Für uns ist Italien eine wichtige Macht am Mittelmeer; seine Sympathie oder Antipathie ist uns daher nicht gleichgültig, sondern lebenswichtig. Italien ist heute ziemlich antizionistisch; darum aber geben wir noch nicht die Hoffnung auf, daß eine Aenderung zum Bessern eintreten wird. England und Italien weisen heute Antagonismen auf; das heißt aber noch nicht, daß man mit Krieg rechnen muß, man kann auch mit Versöhnung rechnen, und wir wollen nicht, daß diese etwa auf unsere Kosten erfolgt. Der TeUungsplan, fuhr Prof. Akziu fort, ist zwar, historisch gesehen, tatsächlich totgeboren gewesen, aktuell-politisch war er jedoch eine große Gefahr. Der Tellungsplan wurde durch die N. Z. O. zu Fall gebracht, nicht — wie manche behaupten — durch die Araber. * In der fünften Sitzung wurde die Generaldehftt&terttfeet, Franko (Sephardi, Palästina): Er erklärte, die öffentliche Meinung in Palästina sei der Ansicht, daß England eine anti^üdische Politik führt. Die jüdische Jugend im Lande will kämpfen, sie will, daß die Juden ein politischer Faktor werden. Die jüdische Jugend muß Waffen erhalten. — Zehn tausende Sephardim und Orthodoxe streben zu den Revisionisten hin. ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Mazzoth Die Marke des Feinschmeckers verlangen Sie aberall nur „SCHHIDL"-Maz20ttt! # Dr. Bader (Westgalizien) sieht im Zehnjahrplan die „Revolution der Ziffer". Der Plan stellt vorläufig eine „Rechnung ohne den Wirt" dar; es gibt eben noch keinen „jüdischen Wirt". — Propea (Polen) kritisiert den M a n g e l an Organisation. Es fehle an Klarheit in organisatorischen, wie in ideologischen und! prinzipiellen Fragen. Die Unklarheit geht manchmal so weit, daß man glaubt, es könne zwischen zwei Strömungen innerhalb des Revisionismus keine gemeinsame Sprache gefunden werden. — Begin (Polen) fordert Aenderung der revisionistischen Außenpolitik in Prinzip und Tat. England ist nicht guten Willens, der Kampf kann nicht mit Verbalnoten wegen Judennot geführt werden, wo auf der anderen Seite die Araber einen bewaffneten nationalen Kampf führen. „Wir sollten nicht sagen, daß wir den Teüungsplan zu Fall gebracht haben; objektive Gründe, wie z. B. der arabische Terror,, beschleunigten den Fall. Denn wenn die N. Z. O. den Teüungsplan zu Fallgebracht hat, dann folgt daraus, daß sie auch der Urheber des Jänaer-WeiÄ« buebes gewesen ist, dieses eindeutig pro-arabischett Elaborats. Prof. Akzins These ist darum als gefähr-, lieh abzulehnen." Von einer Rückkehr in die alte Z. O. könne keine Rede sein, es gäbe zwischen N. Z. O. und Z. O. keine gemeinsamen Ziele. Nicht einmal von Verständigung oder Duldung könne die Rede sein. Der Tellungsplan hat die Chance für Verständigung . endgültig zertrümmert, jetzt gibt es nur: Kampf bis zum Ende. (Applaus.) Zu diesem Kampf gegehört auch tätiger Boykott der zionistischen Fonds. * Am 2. Februar wurde der Präsident der N. Z. O., Vladimir Jabotinsky, vom Außenminister Dr. Karhil Krofta in längerer Audienz empfangen. Jabotinsky legte dem Minister die Vorschläge der N. Z. O., betreffend eine großzügige Lösung der Judenfrage im Sinne des Zehnjahrplanes, dar. Ferner informierte Jabotinsky dem Minister über den Vorschlag der Reform der Jewish Agency im Wege des allgemeinen Wahlrechtes, dessen; Zweck es sein soll, die jüdische Nationalversammlung zu schaffen, aus deren Mitte die im Völkerbund- Mandat vorgesehene jüdische Repräsentanz hervorgehen soll. Am 3. Februar wurde Jabotinsky vom Präsidenten! der Republik, Dr. Edvard Beneä, in Audienz empfangen« Er informierte Präsidenten Dr. Beneä über die Nachteile und Gefahren des bereits glücklich überwundenen Teilungsplanes, über den Zehnjahrplan und über die Notwendigkeit der Jewish Agency. OriiBsbyflGore über die Lage in Palästina Im englischen Unterhaus fragte Abg. Thonaas Williams den Kolonienminister Ormsby-Gore, ob er dem Unterhaus MitteUungen über die Lage in Palästina machen könne. Abg. Sir Percy Harris fragte» ob Aussicht bestehe, daß die neue Technische Kommission sich jetzt schon in das Land begebe. In einer schriftlicher* Erwiderung erklärte Ormsby-Gore: Ich habe meinen früheren Erklärungen zu der Frage Palästina nichts hin* zuzufügen. Terror- und Gewaltakte dauern an. Der stete Einsatz von Militär und Polizei ist aufrechterhalten geblieben; es gab erfolgreiche Gefechte mit be-* waffneten Banden, zu erwähnen sind die Operationen in Galiläa Ende Dezember, deren Ergebnis die Zersprengung der Banden in diesem Bezirk war. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage im Lande gibt AnlaßzuBesorgnis; in Haifa und in Tel-Aviv hat die Arbeitslosigkeit zugenommen. Was die Frage von Sir Percy Harris be* trifft, so hoffe ich, in kurzem in der Lage zu sein, eine Erklärung, betreffend die personelle Zusammen« Setzung der neuen Kommission und den Termin ihre* Abreise naciiPalästina abzugeben, a

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