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Die neue Welt · 1938-02-08 · Heft 725 (8.2.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 725 (8.2.1938)
Date
1938-02-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 725 vom 8. Februar 1938 Mm keine An$st emm iVdtkekf Von Tunk eier Man spricht jetzt ohne Unterlaß von einem Weltkrieg, aber mein Vetter Schapse hat keine Angst davor. Mein Vetter Schapse ist bekannt als Liebhaber von Zivilisation und Technik. Man sagt von ihm, daß er senr viei winn hat für Konstruktionen, Respekt vor mechanischen Dingen, Begeisterung für Maschinen. Vor einem Weltkrieg, sagt er, müßte man Angst haben, wenn er jetzt gleich, in der nächsten Sekunde, ausbrechen sollte. Das wäre schrecklich und ungesund für den Menschen; keine Annehmlichkeit, aus Maschinengewehren, Kanonen und Torpedobooten beschossen zu werden. Daher muß man trachten, den Weltkrieg möglichst hinauszuschieben. Denn die Welt geht in riesigem Tempo vorwärts. Die Zivilisation wächst von Tag zu Tag und mit ihr die Technik.' Die Maschine verdrängt den Menschen, und die Zeit ist nicht fern, wo der kommende Krieg nur von Maschinen geführt werden und der Mensch überflüssig sein wird. Anstatt sich untereinander herumzuschlagen, wird man in den Krieg Roboter schicken, Maschinen, Automaten, Flugzeuge. Die Schiffe werden ohne Kapitäne fahren, die Tanks ohne Begleitmannschaft, alles mit elektrischer Kraft, Dampf- und Fernwirkung, Und sie werden Torpedos, Bomben, Granaten von sich geben, sie werden verbrennen, zur Explosion bringen, vernichten und es wird ein wahres Vergnügen sein. All die Soldaten, Generäle, Feldmarschälle — werden bloß aus Maschinen bestehen, Maschinen von allerlei Rang und Art. Die Feldherren des Krieges werden ruhig zu Hause beim warmen Ofen sitzen, jeder bei seinem Kriegsmechanismus. Ein Druck auf einen Knopf — und Radiowellen werden Rapporte und Befehle über alle Fronten tragen; ein Druck auf einen Knopf und Gruppen von Maschinengewehren werden sich mit größtem Enthusiasmus und Todesverachtung in die Schlacht stürzen. Alles wird mechanisiert, motorisiert, automatisiert sein. Lehm-Golems werden Strategie führen, Grammophontrichter werden patriotische Reden von sich geben und die Stahlrosse werden sie hören und begeistert sein. Und all das ohne Menschen. Wenn dem so ist, sagt mein Vetter, was geht es mich dann an, wenn ein Schiff das andere versenken wird; und was geht es mich an, wenn ein Flugzeug das andere herunterschießen wird; und wenn Tanks gegeneinander rennen werden; und wenn Gewehre aufeinander mit Dum-Dumgeschossen schießen und gegeneinander Giftgase loslassen werden? Im übrigen werden wohl die Maschinengewehre Gasmasken tragen und es wird dieser Anblick im Maschinenzeitalter gar nicht verwunderlich sein. Was liegt mir dran, wenn nur Menschen nicht dabei beteiligt sein werden? Sollen die Maschinen alles unter sich austragen, sich bespitzeln,, sich abmontieren, in Reservestellungen gehen! Ich bin überzeugt, daß jede Maschine ihre Pflicht voll erfüllen wird, für Gott und Vaterland. Sollten ihre Kanonen desertieren und hinüberlaufen, werden gewiß' andere Kanonen bereitstehen und nachschießen, um sie zur Rückkehr aufs Schlachtfeld zu zwingen. Und sollten Kriegsgeräte verwundet oder gar vernichtet werden, wird es doch zweifellos Spitalwerkstätten geben, wo man die zerbeulten Maschinen und Roboter repariert und heilt, damit sie wieder an die Front gehen können. Die Kriegstechnik wird man derart ausbilden,, daß eine Maschine die andere, falls sie heldenhaft gekämpft hat, mit Medaillen, Bändchen und Orden dekorieren wird. ... Es wird, wie gesagt, ein Krieg der Maschinen sein, so wie beispielsweise eine Bäckerei, die Mazzes mit Maschinen erzeugt. Der Mensch wird keine Hand rühren müssen. Alles werden die Maschinen erledigen. Der Mensch selbst wird in aller Gemütsruhe zu Hause sitzen und die Kriegsbulletins lesen können, die ihm die Maschinen von den Schlachtfeldern zuschicken werden. Nun — braucht man da Angst vor einem Weltkrieg zu haben? _ . Die Schachsektion Hakoah eröffnet ihr neues Heim Im Cafe" Spitz, IT., Praterstraße 33, am kommenden Mittwoch, den 9. Februar, um 7 Uhr abends, mit einem Blitzturnier. KINOsPROflRAMME f CHWEDEN Greta Garbo, Charles Boyer Gin WiMi" Beginn: 'A6, V*9, MklO Uhr. Tai. A<49*0-60 2. Woche prolongiert! Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen jugarten- Kino Iii, Untere Augarten- 1 Straße 28 I Telephpn A-40-5-8B I Beginn: %4, '/»»•'/»», K» Uhr Schlagorfilm In jiddischer Sprach» 5, Woche Nadiri'dilen aus Palästina Zum Tode verurteilter jüdischer Polfeist Aua Jerusalem meldet die J. T. A.: Vor dem Militärgericht in Jerusalem begann am Mittwoch, den 2. Februar, der Prozeß gegen den 22jährigen jüdischen Polizisten Elieser Altraan, von dem die Anklage behauptet, er habe am 27. Dezember 1937 in der Kähe des jüdischen Steinbruches an der Straße Jaffa—Jerusalem auf ein arabisches Lastauto geschossen und dabei den Tod eines arabischen Kindes verursacht. E3 war dies der erste Fall, daß ein Jude vor einem Militärgericht eines Verbrechens angeklagt, auf welchem die Todesstrafe steht. Die Anklage behauptet, daß Altman sich in dem Augenblick, als die Schüsse fielen, nicht auf seinem Posten befand, sondern im Umkreeis der Stelle gesehen wurde, wo der Angriff auf das Auto erfolgte. Laut dem Polizeibericht habe Altman zuerst auf das Lastauto geschossen. Der Bericht der Polizei stützt sich auf die Aussagen von drei Arabern, unter ihnen eines PolizeikOrporals. Die arabischen Zeugen wiederholten ihre Aussagen vor dem Militärgericht. Am Freitag, den 4. Februar, wurde das Urteil gesprochen. Das Militärgericht verurteilte Elieser Altman zum Tode durch den Strang. Altmann war vor zweieinhalb Jahren aus Bessarabien in Palästinna eingewandert. Er arbeitete zuerst in Galiläa. Vor kurzem erst wurde er als Hilfspolizist aufgenommen und in Nachlat Jizchak, etwa 10 Meilen von Jerusalem entfernt, stationiert. Er ist Mitglied der Revisionistischen Partei. Begnadigungsgesuch Oberrabbiner Hertzog hat »ich an den Oberkomraaiidierenden der britischen Streitkräfte in Palästina, General Wawell, wgen Begnadigung Altmans gewendet. Das Militärgericht wird sich erst am 28. Februar mit dem Fall Altman beschäftigen. Gegen die Terrorbanden Der Kampf gegen große bewaffnete Araberbanden wurde von den Militärtruppen in den Bezirken von Nablus und Jenin zwei Tage fortgesetzt. Die Truppen besetzten zehn arabische Dörfer, und die Einwohner wurden gewarnt, daß sämtliche Häuser zerstört würden, in denen Banditen beherbergt wurden oder deren Bewohner den Terroristen in irgend. einer. Weise Hilfe geleistet hätten." Die Terroristen ergriffen endlich, nachdem sie große Verluste erlitten hatten, die Flucht und werden weiterhin von Truppen und Flugzeugen verfolgt. Einer Schätzung .zufolge wurden bei den Kämpfen in den letzten Tagen etwa vierzig Terroristen getötet. Tapfere jüdische Hilfspolizisten Zwei freiwilligen jüdischen Hilfspolizisten, die am 30. Jänner durch ihr tapferes Zugreifen, als sie zwei verdächtig aussehende Araber anhielten, durchsuchten und bei einem eine Bombe fanden, ein Unglück verhüteten, wurde heute offiziell gedankt. Die zwei Polizisten wurden ersucht, auf der Hauptpolizeistation zu erscheinen, wo ihnen ein Schreiben von Sir Artur Wauchope Ubergeben wurde, in dem dieser ihnen seinen Dank für ihr tapferes Vorgehen ausdruckte. Ferner wurde ihnen ein Geldbetrag als Belohnung angeboten, den die Polizisten jedoch zurückwiesen und statt dessen um Gewährung einer Waffenlizenz baten. Die Erwägung ihrer Bitte wurde ihnen versprochen. Waffen für die Terroristen „Dawar" meldet, daß eine libanesische Grenzwache eine große Schiffsladung Maschinengewehre und Munition konfisziert hat, die von einem, die Flagge einer Mittelmeermacht führenden Schiffe ausgeladen wurde. Die Waffen sollen für die p a 1 ä s t i n e nsischen Terroristen bestimmt gewesen sein. In dem arabischen Dorfe Modera entdeckte die Polizei große Mengen Waffen und Munition. Schwere Brandstiftungen Am 1. Februar wurde eine jüdische Seifenfabrik bei Akko angezündet und vollkommen niedergebrannt. Ferner wurde eine große jüdische Zimmermannswerkstatt im Giwath-Saul-Viertel von Jerusalem, Eigentum des Herrn Joseph Medinai, in Brand gesteckt und gänzlich zerstört. Der Schaden wird auf zirka 1000 Pf. St. geschätzt. Der beanstandete „Feind" Die arabischen Zeltungen beanstanden den Gebrauch des Ausdruckes „Feind", wie er in aamtlichen militärischen Kommuniques mit Bezug auf die arabischen Terroristen angewandt wird. Wir bitten fUr unsere alten u. arbeitsunfähigen BLINDEN um Spenden. FUr die blinden Musiklehrer, Klavier* Stimmer, Korbu. Sesselflechteriowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit Mfsvetem det iüeUsäm Bünde* Wien II, Rembrandtstraße 18 — Telephon A-47-2-77 Postsparkassen-Konto A-133.213 Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher-Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: bruckerei- und Verlags-A.-G. Xgnaz Steinmann, alle Wien, IX.., Universitätsstraße 6-8. m Mb Des mu... bic „Weifte 9tefteti--280d)e" frei Srfjiffmatttt ISS meinen Reisen Ab 2 Groschen lOOOe Spitzen-Eeste für Wäsche und Vorhänge per Meter oder Valenclenne-Spltzen und Einsätze in U-Meter-Coupona per Meter. — Klöp- ■ pelspitzen, weiß, ecrü und bunt 5 Groschen per Meter, Organdy-Resterl f. Kragerl oder Rüschen, in Pastellfarben, per Stück 5 Groschen __bei Schiftmann. Eine Leistung Nur 98 Groschen 1 Meter K.-Seiden-Indanthren- Zephlr oder schottischer Diagonal-Kleiderstoff od. bunter Pepita-Volle, Ia Markenfabrikat — bei Schiffmann. Reste in Weiß Wäsche-Webe, 72 cm br. H bis 4 m), per Meter 49 Groschen, farbiges Bettzeug, SO cm breit (4 bis 10 m), per Meter 79 Groschen. Bettwebe für Tuchente u. Deckenkappen, 140 cm breit, gute Qualität (1 bis 6 m), per Meter nur 98 Groschen. — „Llllen"-Weben u. Damastgradl -Reste enorm billig bei Schiffmann. 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