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Die neue Welt · 1938-02-08 · Heft 725 (8.2.1938) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 725 (8.2.1938)
Date
1938-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit** DIE NEUE WELT Mr. 725 vom 8. Februar 1938 1 wie viel von dem menschlichen Entgegenkommen der Administrativbehörden da abhängen wird, und man kann leicht ermessen, von welchem Geiste die untergeordneten Organe dieser Admifiistrativbehörden erfüllt sein t^erden., wenn auch derletzteDiurttist weiß, daß es sich nach den offenherzigen Erklärungen des alten A. C. C u 2 a um nicht mehr und nicht weniger handelt, als um die Eliminierung der Juden aller Juden, mögen sie „bodenständig" oder „zugewandert" sein, mögen sie alteingesessene Regatjuden oder Juden der angeschlossenen Pro vinzen sein. Mit gleicher Liebe liebt er und lieben alle, die heute an der Regierung sind, die Juden des rumänischen Landes. Die Beschaffung dieser Papiere ist mit kaum drei Wochen befristet und diese Frist kann nur einmal um Weitere zwanzig Tage verlängert werden. Wer sich nicht rechtzeitig beim kompetenten Gerichte meldet, keine oder ungenügende Papiere vorlegt, von dem wird angenommen, daß er zugesteht, sein Bürgerrecht durch Betrug oder Irrtum erfoHAkketUoi ^F^WwFMr w wwwwwirwwwirwF■ I, Hoher Markt - Lichten steg Nr. 4 schlichen zuhaben. Von allen jenen, denen die Staatsbürgerschaft nachträglich bewilligt wurde, wird u. a.. verlangt, daß sie den Nachweis erbringen, «ie seien keines fremden Staates Untertan — also ein geradezu diabolischer Beweis, der Beweis für ein Negativum. Wie soll man einen solchen Beweis erbringen? Jeder muß sich um seine Sache kümmern, aus •einem entfernten Wohnorte in die Heimatsgemeinde reisen, um seinen Namen oder das Fehlen seines Namens auf den affichierten Listen zu s u c h e n, bei Gericht um Anerkennung seines Bürgerrechtes einzuschreiten, seine Papiere vorzulegen, auf die Entscheidung zu warten und unter Umständen nachzusehen, ob sie affichiert ist. Und dann die Fristen. Der Rechtswerber kann die Entscheidung der ersten Instanz nur binnen fünf Tagen nach der Verkündigung oder nach der Affichierung des Urteils anfechten. Dem öffentlichen Ankläger (Staatsanwalt) steht ein fünf zehntägige Frist - zur Anfechtung zur Verfügung und — dies ist sehr wichtig — vom Tage der Zustellung der schriftlichen Ausfertigung der Entscheidung. Mit dieser Bestimmung sind — wie die Erfahrung im letzten Jahre gelehrt hat — Verzögerungen ad calendas graecas verbunden. Es ist nämlich in tausenden Fällen vorgekommen, daß derartige Zustellungen erst nach Ablauf von sechs bis acht Jahren erfolgt sind. Diese Revisionen sind nicht die ersten und nicht die letzten. In der ganzen Nachkriegszeit werden die jüdischen Staatsbürgerschaften fort und fort revidiert Heute sollen im Appell-, ja sogar im Wege des Kasationshof es erstrittene jüdische Staatsbürgerschaften nullifiziert und einem neuerlichen Instanzenzuge unterworfen werden. Personen, denen die nötige körperliche Bewegung versagt ist, leistet eine mehrwöchige Kur mit dem natürlichen „Franz-Josef'-Bitterwasser — täglich morgens auf nüchternem Magen oder abends vor dem Schlafengehen ein Glas davon genommen — oft geradezu unschätzbare Dienste. Fragen Sie Ihren Arzt. Dieses Gesetz schafft die widerlegbare Vermutung (praesumptio juris), daß kein Jude in Rumänien als Staatsbürger anzusehen ist und daß jeder einzelne sein jus ad rem zu beweisen hat. An diese Ueberwälzung der Beweislast haben die Friedensverträge sicherlich nicht gedacht. Für die summarische Aberkennung des Bürgerrechtes der 800.000 rumänischen Juden spricht die eingangs erwähnte Pauschalbestimmung, daß alle von diesem Gesetz Getroffenen aus den Wählerlisten zu streichen sind. Mit einem Federstrich sind den rumänischen Juden die politischen Rechte aberkannt und man kann sich vorstellen, welche Konsequenzen auch für das wirtschaftliche Leben der Juden werden gezogen werden — namentlich in allen jenen Berufen, bei deren Ausübung der Besitz des Staatsbürgerrechtes Voraussetzung ist ■jL ScnouTuiY 40iährigen Jubiläum das 1.Wr,Jödl»ohen Turn v«r« i n «s, , v«ron»JoM«t von o 11 n Makkobi Turnveroin«n Wf«n» nen Sonntag, den 13. Februar 19 3 8, in den SOFIEN SKLEN Movergan« Nr. 17 Anschll«8«nd BALL « Kappell« ISY GEIGER Btflnm Klnd«rsch«u(urntn 1t Uhr, Allg«m*lnM 5ehgg»yrn«n IfJOUhr JUPEHI KOMMT IN MAS $ I MI RUNDSCHAU Der vielgeplagte Donaurattm Ich weiß nicht, wer den wirtschaftspolitischen Begriff „Donauraum" geprägt und wer ihn populär gemacht hat. Jedenfalls wird er bis zum Üeberdruß angewendet, indem man versucht, an ihm die Möglichkeiten einer stabilen Politik in Mitteleuropa mit Oesterreich als Zentrum auszuprobieren. In Bukarest und Belgrad machen sich nazistische Anzeichen bemerkbar, und niemand kann sagen, wieweit man in der Annäherung an Deutschlands Wünsche gehen wird. Hier ist alles in Schwebe. Der Bestich des jugoslawischen Außenministers Stojadinowitsch in Berlin und der Versuch des rumänischen Regierungschefs Goga, die hakenkreuzlerischen weltanschaulichen Thesen in Rumänien praktisch zu verwerten, sind keine Tragpfeiler eines nach Stabilität strebenden Regimes. Hingegen kann die Erstarkung der österreichisch - ungarisch - tschechoslowakischen Beziehungen im mitteleuropäischen Bereich als Realität gewertet werden. Nach Londoner Andeutungen ist es nicht ausgeschlossen, daß zwischen diesen Staaten ein freier Devisenverkehr installiert»wird, dem ein Kredit von 20. Mülionen Pfund seitens der City von London die Stütze geben soll. Diese Entwicklung kann mit einem gewissen Optimismus verfolgt werden. Die Möglichkeit hiezu bietet Oesterreich, das trotz seiner traditionellen Nachkriegsfreundlichkeit zu Italien seine politische Konzeption selbständig zeichnet und bewahrt: es ver- Kampf, und zwar ein solches, das nach vielen Seiten verwendbar ist. Selbstverständlich verstärkt er die Tragfähigkeit der Achse nach Berlin. Aber mindestens ebenso wichtig ist er für die italienische KolohiatpOlitik, die tmmittelbäf nach der Niederwerfung der Senussen in Libyen lslamfreundlich würde, um die , Freundschaft de* arabischen Könige warb und die die Mohammedaner in Aethiopien gegen die islamitischen AbösSinier ausspielt. Die proarabische Politik hätte aber die pro-« jüdische Politik früherer Jahre nicht verdrängt, wenn nicht der Gegensatz zu Eng 1 an<L die ganfco italienische Politik beherrschte. Von ihm Ist der ent* scheidende Anstoß zur Politik ausgegangen." antisemitischen Ohrfeigen Aus Rom (J. T. A.R Vor einem Gericht in Rom fand der Prozeß gegen den hochangesehenen jüdischen Kunstkritiker und früheren Direktor der Kunstgateri« Roms „Galleria di Roma", Dr. Dario Sabatello, statt, der den Kunstkritiker der antisemitischen Zeitung „II Tevere" gelegentlich der Eröffnung des Herbst-Kunstsalons in Anwesenheit der Vertreter der italienischen Kunstwelt wegen einer Pöbelei gezüchtigt hat. Nach der Rede des Vorsitzenden der italienischen Kunstgesellschaften hatte der Kritiker von „II Tevere" plötzlich ausge* rufen; „Es lebe die italienische Kunst! Nieder mit der jüdischen Kunst!" Dr. Sabatello hatte dem. Rufer daraufhin einige Ohrfeigen versetzt. Das Gericht verurteüte Dr. Sabatello zu einer Geldstrafe von 200 Lire, und Tragung der Gerdchtskosten. BÜCHER jeder Art (auch all) im Antiquariat Hermann TUCHNER, Etkß TO&OrStraBe 52. Tel. R-41-4-20 bleibt im Völkerbund, es tritt dem Antikominternpakt nicht bei, es macht die innere Politik Rumäniens und Jugoslawiens nicht mit. Gerade an dieser Tatsache läßt sich erkennen, daß erst durch Oesterreichs Selbständigkeit, d. h. die Freiheit seiner Entschlüsse, die Möglichkeit der Prosperität Mitteleuropas und dessen Friedenssicherung erreicht werden kann. Während die sogenannten „weltpolitischen" Entscheidungen mit viel Lärm und Getue besprochen werden und der Wert der „Achsenpolitik" in gleicher Weise betont wird, vollzieht sich zwischen Oesterreich, Ungarn und der Tschechoslowakei ein Harmonisierung der wichtigsten Wirtschaftsinteressen, die realere Bedeutung hat als die Annäherungen auf ideologischer Grundlage. Denn morgen schon wird dieser oder jener Staat durch die Macht der Verhältnisse gezwungen werden, auf seine ideologischen Grundsätze zu verzichten. o. r. Antisemitismus in der Weltpolitik Die „Wiener Zeitung" über Antisemitismus in Italien Das Organ der österreichischen Regierung, „Wiener Zeitung", bringt in einem Bericht aus Rom: „Seit einem Jahr ist der Antisemitismus zu einem Thema geworden, das in der faschistischen Presse regelmäßig wiederkehrt. Es sind auch Bücher erschienen, sogar die „G e s.p r ä c h e der Weisen von Zion" wurden jüngst in italienischer Uebersetzung veröffentlicht. In Verwaltung und Wirtschaft verringert sich der Anteil von Juden in leitenden Stellen. Das alles erscheint nicht wert, daß man großes Aufheben davon macht; denn es ist belanglos gegenüber dem, was in anderen Ländern vorgeht. Aber ganz ohne Interesse ist es doch nicht, einmal, weil es vorher in Italien Antisemitismus so gut wie überhaupt nicht gab, es sei denn einen rein religiösen Antisemitismus, dem man gelegentlich in katholischen Bürgerkreisen begegnet, zum andern, weil die öffentliche Aussprache durchaus einseitig ist, nur antisemitisch ist, ohne daß die Juden Gelegenheit hätten, darauf zu antworten. Vielleicht ist es auf das Fehlen der Antwort zurückzuführen, daß die antisemitische Propaganda bisher nur sporadisch bleibt. Auf alle Fälle ist ihre Wirkung auf die Stimmung im Volke nicht groß. Die italienische Nation gehört nach wie vor nicht zu den antisemitischen Völkern. Es kann keinen eindeutigeren Beweis dafür geben, als daß sich auch Mussolini bis in die letzte Zeit gegen den Antisemitismus, ausgesprochen hat. Was hat also diese Propaganda für einen Sinn? Unter den Führern des Risorgimento und der Irredenta war die Zahl der Juden nicht gering, während des Weltkrieges haben sie alle ihre Pflicht getan, der Faschismus hatte von seinen ersten Anfängen an viele Juden in seinen Reihen. Der Umschwung heute kann nur aus einer anderen Richtung, von außen also, bewirkt worden sein. In der Tat ist dieser italienische Antisemitismus von heute nichts andere« als ein Mittel im außenpolitischen Tribüne Zum Kapitel: Antisemitismus in Jugoslawien "j Wir erhielten aus Jugoslawien folgende Zu* schritt: „In Ihrem Blatte sind verschiedene Mitteilungen aus Belgrad erschienen, welche auf den Beginn eines antisemitischen Kurses in Jugoslawien schließen lassen. Insbesondere die Meldung der J. T. A., daß der Belgrader Oberrabbiner, welcher bisher im, Senate einen Sitz hatte, nicht mehr in diese Körper* schaft berufen wurde und diese Tatsache als ein un* freundlicher Akt gegenüber der Judeiin schaft aufgefaßt wurde. Zur Steuer der Wahrheit. muß festgestellt werden, daß von dieser Maßnahme der Regierung wohl die Personen des Herrn Oberrabbiners, keineswegs abeU die Judenschaft als solche betroffen .wurde. Zum Verw ständnis sei berichtet: Seit Monaten, führt die pravo* slawische Kirche einen überaus heftigen Kampf gegen die Regierung, ' der bis zur Ausstoßung von Re« gierungsmitgliedern aus den Kirchengemeinschaften geführt hat. Für die andersgläubigen Minoritäten int Lande, und natürlich auch für die jüdische, war es selbstverständliches Gebot, jede Einmischung in diesen; Konflikt zwischen Regierung und Staatskirche zu unterlassen. Nun hat sich der. Herr Oberrabbiner zu einer öffentlichen Erklärung bewogen gefühlt, welche als ein Eingriff in den Streit und als Stellungnahme gegen die Regierung in dieser Sache aufgefaßt werden mußte. Aus diesem Grunde und mit dieser Motivierung hatte die Regierung die Aufnahme des Herrn Ober« rabbiners als Kandidaten auf der Regierungsliste fiie den Senat abgelehnt. Sie hat auch jüdischen Interpellanten gegenwärtig ihr Vorgehen in diesem Sinne; begründet. Der Vorfall ist gewiß bedauerlich, aber er kann, wie aus dem Sachverhalt hervorgeht, keineswegs als eine antisemitische Maßnahme der Regierung, als das Resultat einer Richtungsänderung in der Stellung zur Judenschaft gedeutet werden. Zum Schlüsse sei bemerkt: Die Eliminierung des Herrn Oberrabiners kann auch nicht als Entzug des Rechtes auf Ver«* tretung im Senate und Schlechterstellung der jüdischen Minorität gegenüber den anderen Minoritäten hingestellt werden. Die zwölfmal so große deutsche, die achtmal so große ungarische und die viermal so große rumänische Minderheit haben keinen Sitz im Senat. In dem Lande wird sehr scharf politisch gekämpft und auch die Regierung rechnet mit jedem einzelnen Mitkämpfer. Von diesem gerechtfertigten Standpunkte aus betrachtet, scheint es verfehlt, von einer antisemitischen Haltung der Regierung zu sprechen. Wohl hat die antisemitische Propaganda der Deutschen und Rumänen im Lande den Juden manchen gesellschaftlichen Schaden zugefügt. Aber von einer Neigung zu einer judenfeindliohen Gesetzgebung ist bisher nicht die geringste Spur vorhanden. * Bemerkung der Redaktion: Dieses Schreiben ist uns von absolut vertrauenswürdiger Seite zugekommen. Seine Veröffentlichung scheint uns angesichts der bisher anerkannt gerechten Haltung der jugo* slawischen Regierung in der Judenfrage geboten* j|

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