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Die neue Welt · 1938-02-08 · Heft 725 (8.2.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 725 (8.2.1938)
Date
1938-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 10 Groschen Dfcnttag, den S* Vchmär 193)8 DIE NEUE •SU Jahrgang Mr«72S V.b^b. Zeitung vom Verleger versende* „Journal expödie par redlteur/* 186 Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatnch S 1.40. vierteljährig S 4.—. ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tfehechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar l^^vtortd« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire Xi.-<a Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Eine bösartige Legende Methode ä la Goga „Der Anhang der österreichischen Zionisten, Utespektive Jüdischnationalen, besteht fast zur Gänze ans Ausländern." — „Die Majorität im Vorstand der Wiener Judengemeinde verdanken die Jüdfechnationalen lediglich dem Umstände, daß die Ausländer das Wahlrecht haben. Die Österreichischen Juden wählen die „Union", die Ausländer zionistisch." — „Daher haben die Jüdischnationalen und die Führer kein Recht, im Namen der österreichischen Juden zu sprechen. Nur die „Union" hat das Recht!" — Diese Auslassungen finden sich in allen Reden und Aufsätzen der Unionisten, und auch in ihren Beschwerden und Angebereien, Welche sie an die B e h ö r d e n richten. Um dieser bösartigen Verdrehung auf den Grund zu gehen, hat das Präsidium der Kultusgemeinde die Namen aller Juden, welche an den letzten Kultuswahlen teilgenommen haben — insgesamt 31.760 — der Wiener Polizeidirektiori übergeben und durch diese: die Staatsbürgerschaft der Wähler feststellen lasseh. Das Ergebnis dieser amtlichen Prüfung ist folgendes: Bei der letzten Kultuswahl im November 1936 abgegebene Stimmen nach Staatsbürgerschaften geordnet:.'/ Staatsbürgerschaft Oesterreicher' .". i' »■ » . Polen ....... Tschechen ... . . « Ungarn . .. . . . . » Rumänen Reichsdeutsche' , . . * Jugoslawen;...... Russen . * . . . . . . Amerikaner . . . . . Diverse. Nationalitäten . . Staatsbürgerschaft nicht x ersichtlich . . . / . Staatenlos . . . . . . Nicht gemeldet . * . . Insgesamt . . . Für die Zionisten wurden 20.237, für die „U n i o n" 11.523. Stimmen abgegeben. Dementspre- Anzahl der Stimmen n In Prozenten, 26.430 83 2.343 7,3 1.234 3,8 607 1,9 324 1 84 47 46 16 71 361 1,1 167 30 31.760 Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs deeHclteftutJUdet Saison... Samstag, den 12. Februar 1938, in sämtlichen Sälen des „Hotel Metropole", I, Morzinplatz faeMstUföAfoud Akademie-1 Jxwz. Es wirken mit: Sarah Gold sie in, die weltberühmte Sängerin; Oskar Waltzner, der 15jährige Violinvirtuose;; Edmund Mü hlsto ck (Bariton); Trude Roth (Vortrags^ünstlerin). Im kleinen Saal singt, und spielt Lilly Holpern. Jazzkapelle Elite Kiddies Kartend, S 2.50 (an der Kassa erhöhte Preise) Saaleröffnung 8 Uhr / Vorverkauf: Im Zentralheim, , II, Prftterstraße SO, Tel. R-45-1-60-U; bei Frau Paula Strjcker, Telephon U-21V7-78; ferner in allen Sektionen chend zählt der Vorstand 23 zionistische und 13 unionistische Mandate. Vor allen anderen bricht die Behauptung zusammen, daß die Kultusgemeinde von Ausländern „beherrscht" wird, denn die Gesamtzahl der ausländischen und staatenlosen Stimmen beträgt 5330 oder 17Prozent. Selbst unter der übertriebenen, ganz unwahrscheinliche» Annahme, daß alle 5330 Ausländer und Staatenlosen zionistisch gewählt hätten, ergibt sich, daß die Zionisten zumindest 14.907 inländische Stimmen erhalten haben gegenüber höchstens 11.523 Stimmen für die „Union", also erweist sich schon nach dieser Berechnung die Behauptung, daß die jüdischnationale Majorität lediglich den Ausländern zu danken ist, als krasse Verdrehung der Tatsachen. Aber nicht einmal die Herren Unionisten behaupten, daß alle Ausländer jüdischnational wählen. Sie meinen nur die „Ostjuden", und reklamieren die „Westler", die Reichsdeutschen, Tschechen, Ungarn}, Amerikaner, Jugoslawen etc. für sich. Unter der An* nähme, daß sämtliche „ostjüdischen" Ausländer, also: die 12.667 polnischen und rumänischen, jüdischnational gestimmt haben, ergeben sich 17.570 jüdischnationale gegenüber 11.523 unionistischen Stimmen. Also eine ganz gewaltige „inländische" und westliche" Majorität des „Jüdischnationalen". Wie man also die Sache dreht und betrachtet; Die Behauptung, daß die jüdischnatio«' nale Majorität nur dank dem „ausländ« sehen" Einfluß zustandekam, ist und bleibt eine bösartige Irreführung.. * Soweit die Sprache der Ziffern. Es gibt aber auch1 eine Sprache jüdischer Anständigkeit und jüdischer Würde. Diese scheint den jüdischen Verbreiterin der Legende vom gewaltigen Einfluß der! „jüdischen Ausländer" abhanden gekommen zu sein, Sie sprechen wie Goga, wie die Cuzisten und Haken* kreuzler, die ja auch und vorwiegend mit dem Arguv ment arbeiten, daß die „jüdisch-ausländischen" Ein."* | flüsse das Unglück sind. Wie man 500.000 Juden entrechtet >. einem ausgezeichneten Kenner der" rumänischen Verhältnisse zur Verfügunggestellt. Gleich nach Ausschreibung der neuen Parlameritswahlen ist das angekündigte königliche Gesetz, betreffend die Revision der Staatsbürgerschaft, erschienen. Es ist so abgefaßt, daß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß von den 800.000 Juden in Rumänien mindestens eine halbe Million ihr Bürgerrecht verlieren werden. Die politischen Rechte scheinen ihnen schon genommen zu sein. Denn der vorletzte Artikel des Gesetzes,,Art. 31, lautet: „Die Personen, welche von den Bestimmungen dieses Gesetzes erfaßt sind, werden aus den Wählerlisten gestrichen." Da nun das Gesetz alle Kategorien von Juden erfaßt, das Bürgerrecht aller ausnahmslos in Frage stellt und sie zwingt, einen weitläufigen Rechtsweg zu betreten, auf sie die Beweislast überwälzt und im übrigen im Gesetze selbst jedweder Denunziation (also auch jeder Erpre'ssung) Tür und Tor öffnet, da ferner komplizierte Urkundenbeweise mit kurzen Fallfristen und Versäumnisfolgen vorgeschrieben sind, tritt deutlich die Absicht hervor, einen Großteil der rumänischen Judenschaft staatsbürgerlich zu entrechten. In allen Regierungserklärungen im In- und Auslande wird fortwährend betont, daß von den ergriffenen Maßnahmen nur jene betroffen werden, die in der Nachkriegszeit das Land überflutet und sich auf betrügerische Weise das rumänische Staatsbürgerrecht erschlichen haben. Ihre Ziffer wird mit 500.000 angegeben. Die eingeweihten Kreise sind sich dessen bewußt, daß es solcher „betrügerischer Nachkriegsbürger" nicht viel mehr als zehntausend geben kann, und im Jahre 1929 hat der rumänische Vertreter in Genf selbst deren Zahl mit nur 30.000 angegeben.. .Aber heute wird diese Zahl auf eine halbe Million hinauf geschraubt und das soeben erschienene Gesetz, das der überwältigenden Mehrheit der 800.000 Juden in Rumänien das Bürgerrecht nehmen will, soll eine offizielle Bestätigung für die urbi et 'orbi verkündete „Ueberflutung" Rumäniens mit auswärtigen Juden erbringen. - ,' . ' *' Der Titel des Gesetzes und die ersten vier Artikel erwecken den Anschein, daß es sich um eine Revision der Staatsbürgerschaft sämtlicher B e- ' w p h, n' e r des Landes handelt. Im Art. 5 aber wird den Gemeindevertretungen die Pflicht auferlegt, ein ,Tableau aller in den Staatsbürgerregistern eingetragenen Juden, vorzulegen, und zu affurnieren,.....unä jeder,'der in diesen Listen, enthalten ist, hat bei dem kompetenten Bezirksgerichte Beweisurkunden vorzulegen, aus denen hervorgehen muß, daß er die vom Staatsgesetze (vom 23. Februar 1924)] gefordert ten Bedingungen erfüllt. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie das gegenwärtige Gesetz auf die Juden Rumäniens gew wirkt hat. Es ist so, wie wenn man einen Ameisen* häufen abdeckt und sieht, in welche Verwirrung den kleine Ameisenstaat geraten ist. Hunderttausende müssen für sich und ihre Angehörigen auf die Beschaffung der notwendigen Papiere bedacht sein und wer die Verhältnisse der Juden Osteuropas kennt, weiß, mit welchen schier unüberwindbaren Schwierigkeiten und Mängeln man da zu tun hat. Da gibt es nur rituell verheiratete Paare und de lege uneheliche Kinder. Da handelt es sich um längstverstorbene Eltern, die nur rituell verheiratet waren, also ihre Kinder nicht mehr legitimieren können und auch seinerzeit nicht konnten, weil sie nach dem Weltkriege nicht mehr am Leben waren. Da gibt es Juden mit jüdischen und sogenannten assimilierten Vornamen. Da gibt es im Hinblicke auf die eben erwähnten rituellen Ehen doppelte Zunamen mit f a 1 s e und r e c t e. Da und dort sind die Matriken der Kultusgemeinden und die Heimats« register der Ortsgemeinden während des Krieges verbrannt oder sonst verlorengegangen, in vielen Gemeinden der angeschlossenen Provinzen wurden solche Heimatsbücher gar nicht oder nur mangelhaft geführt; Und heute kommt es in erster Linie auf diese Heimatsscheine an, die in den meisten Fällen gar nicht mehr beizubringen sind, weil in der Vorkriegszeit selten jemand auf den Besitz eines solchen Heimatsscheines Gewicht gelegt hat. Da sollen Geburtsscheine beschafft werden, die nicht zu bekommen sind. Da sind Geburtsscheine mit U n g enauigkeiten. Man soll sich eben nicht vorstellen, daß im Osten Europas die öffentlichen Register und Matriken so genau geführt worden sind, wie in den Weststaaten. Man darf auch nicht übersehen, daß diese Gegenden vom Kriege verwüstet wurden, daß Familien auseinandergerissen und in aller Welt zerstreut' sind und nun soll jeder, der - sich bisher im gesicherten Besitz eines rumänischen Staatsbürgerrechtes geglaubt hat, Papieren nachjagen, die teils1 vom Winde verweht, verloren oder unbrauchbar; sind. Es wird in den nächsten' Tagen eine - wilde Jagd nach amtlichen Erhebungen und Bestätigungen und Beglaubigungen geben und man wird verstehen,

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