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Die neue Welt · 1938-02-04 · Heft 724 (4.2.1938) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 724 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 724 vom 4. Februar 1938 DIE NEUE WBI/T- Seite T AUS ALLER WELT Run auf die Budapesler Kulttifgemeinde Aus Budapest (J. T. A.) Seitdem die Behörden im Nordosten Ungarns — in Nyiregyhäza und Umgebung — 4500 jüdische Staatsbürger zur Legitimierung ihrer Zuständigkeit und ihrer „Alteingesessenheit" (bis 1861 rückwirkend) aufgefordert haben, ist in Budapest die Zahl derjenigen, die Tag für Tag die neiigions.gemeinden um Ausstellung von Geburt.s- und Totenscheinen bestürmen, im stetigen Wachsen . begriffen. „Egyenlös6g" bringt einen erschütternden Bericht über die Lage der Bittsteller, die, arm und reich, vornehm und gering, die Warteräume füllen, alle von der Ungewißheit gequält, was die nahe Zukunft, für sie birgt. Die Zeremonienabteilung der Pester Kultusgemeinde. arbeitet unter Leitung des Sektionsrates Gelber, von Uhr früh bis 9 Uhr abends in Permanenz, um die benötigten Urkunden so rasch als möglich, zur Verfügung stellen zu können. Durch einen glücklichen Zufall sind im Archiv der Gemeinde bis auf etwa hundert Jahre' zurückreichende Matrikenaufzeichnungen, erhalten geblieben, so daß der Jahreatermin 1851 keine besonderen Schwierigkeiten bereitet. « In diesem Zusammenhange berichtet Desider Kor ein' im liberalen Morgenblatt „Magyar Hirlap" über ein bedeutsames Werk des Oberrabbiners von Nyiregyhäza, Dr. B61a Bernstein, das vor 35 Jahren erschien. Es handelt von der Teilnahme der Juden am ungarischen Freiheitskampfe 1848/49; das Vorwort schrieb der berühmte Romancier Maurus Jokai. In diesem Buche sind alle Personal- und Heimatsdaten von 20.000 jüdischen Freiheitskämpfern enthalten, die sich unter die Fahnen Ludwig Kossuths scharten. Korein betont, daß dieses Werk einen einzigartigen Beweis für die Alteingesessenheit der Nachfahren dieser Kämpfer bilde, zugleich aber auch für den Patriotismus des ungarischen Judentums. Verbot der „Jüdischen Rundschau" bis 26. Februar Aus Prag (J. T. A.): Das bereits gemeldete Verbot der Berliner „Jüdischen Rundschau" erfolgte für die Dauer eines Monats, die Verbotsfrist endet am 26. Februar. Das Verbot wurde durch den Reichskommissär für die Kulturangelegenheiten der Juden. Hans^ i n k e 1, ausgesprochen. Wie in solchen Fällen üblich, enthielt der Erlaß keine nähere Begründung. Es ist dies das drittemal seit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, daß die „Jüdische Rundschau" verboten wird. Das erste Verbot erfolgte zur Zeit des XVIII. Zionistenkongresses in Prag im August 1933, das zweite Verbot erfolgte für die Zeit vom 19. Juli bis 13. August 1935. ' " . Auch die „C.-V.-Zeitung" verboten Aus Prag (J. T. A.): Reichskommissär Hans Hinkel hat, wie aus Berlin gemeldet wird, soeben das Erscheinen der „C. - V. - Z e i t u n g", Organs des Zentralvereins der Juden in Deutschland, bis zum 24. Februar d. J. verboten. Die „Ci-V.-Zeitung" hat unter den jüdischen Zeitungen Deutschlands die höchste Auflage, sie erscheint in rund 37.000 Exempiaren. Eine Begründung wurde nicht gegeben. In manchen jüdischen Kreisen gibt man sich der Besorgnis hin, daß das Verbot der beiden führenden jüdischen Zeitungen ein Vorspiel sei für weitere einschneidende Maßnahmen gegen die Juden. Ein Monat Gefängnis Die „Frankfurter Zeitung" vom 28. Jänner bringt folgende Meldung aus Leipzig: Am 1. Mai vorigen Jahres hatte an der Wohnung eines jüdischen Gastwirts in Leipzig mehrere Stunden lang die Hakenkreuzfahne geweht. Die Flagge, deren Einziehung schließlich veranlaßt werden mußte, war von der deutsch blütigen Ehefrau des iWohnungsinhabers, ohne dessen Wissen, angebracht worden. Der Mann hatte aus eigenem Antrieb nichts unternommen, die Fahne wieder zu entfernen. Wegen Vergehens gegen § 4 des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, der Juden das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben verbietet, mußten sich die Eheleute nunmehr vor der Großen Strafkammer des Leipziger Landgerichts verantworten. Der Ehemann wurde zu. einem Monat Gefängnis verurteilt, während seine Frau, die deutschblütig ist, neunzig Mark Geldstrafe erhielt. Jüdische Vermögen „verfallen" Der Berliner ,,Reichsanzeiger" veröffentlicht am 31. Jänner eine Verordnung, durch welche das beschlagnahmte Vermögen des ehemaligen Reichsangehöri- .gen Arnold Zweig, dersausgebürgert wurde, als „dem Reiche verfallen" erklärt wird. Arnold Zweig ist der bekannte Dichter und Verfasser der Bücher „Streit um den Sergeanten Grlscha", „Novellen um Claudia", „Ablgai und Nabal", „Ritualmord in Ungarn", „Das ostjüdische Antlitz", „Caliban oder Politik und Leidenschaft" (eine Psychologie und Soziologie des Antisemitismus), „Juden auf der deutschen Bühne", „De Vriend kehrt heim" (ein ..palästinensischer Roman) u. v. a. Gegenwärtig lebt Arnold Zweig in Palastina. Am Tage vorher meldete der „Reichsartzeiger", daßdie beschlagnahmten Vermögen der ausgebürgerten Reichsangehörigen Theodor W o 1 f f, ehem. Chefredakteur des „Berliner Tageblatt", und Siegfried Aufhäuser, eines dor Führer der internationalen Gewerkschaftsbewegung, als „an das Reich verfallen" erklärt wurden. Zum Nazi-Gastspiel im Prager Deutschen Theater Aus Prag (J. T. A.): Demnächst gastiert im Prager Deutschen Theater das Ensemble des Berliner Schiller-Theaters mit dem männlichen Star Heinrich George,;der sich als Näzlst besonders hervorgetan und zahlreichen seiner jüdischen Kollegen unsagbares Leid zugefügt hat. Das Hauptorgan der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei, „Sozialdemokrat", fragt: „Werden die jüdischen Mitglieder und Geldgeber des Prager deutschen Theatervereins für würdig befunden werden oder es selber als ihrer Würde entsprechend' finden, die mit dem Hakenkreuz geschmückten Berliner Mimen zu empfangen und den Darbietungen der Abgesandten jenes Landes zuzujubeln, in dem die Juden so Unsägliches erlitten haben und.'immer wieder erdulden müssen? Öder wird das Theater an diesem Abend eine „rassenreine" Demonstrationsangelegenheit für die Herren Henlein und Eisenlohr sein?" 5,849.000 Pfund wurden im Jahre 1937 in Palästina investiert. Aus Jerusalem: Nach einer Schätzung des „American Economic Committee for Palestine" betrugen die in Palastina im Jahre 1937 investierten Kapitalien insgesamt 5,8 4 9.0 0 0 P f u n d." Das Komitee betont, daß diese Summe nur die ermittelbaren Investitionen darstellt und daß, ebenso wie in früheren Jahren, auch 1937 Investitionen gemacht wurden, die nicht festzustellen waren. Die Investitionen werden, wie fölgt, klassifiziert: Bau (Neubauten und zusätzliche Bauten zu bestehenden Gebäuden) 2,881.700 Pfund, Industrie und Handwerk (Neugründungen und Erweiterung bestehender Industrien) 717.300 Pfund, ' Landwirtschaft einschließlich Zitmspflanzungen (heue Ansieälungen und weitere Investitionen in iaridwirtschaftlichen .Unternehmungen, die noch .keinen Ertrag bringen) 1,130.000 'P'fund, Bolen k tf'ii"f e iin Stadt' und Land durch Juden 560.000 Pfund'und Handel, Tr ans p.o r tu n^.t e r n ahm ein, Hotels, Restaurants usw. 560 tföu' Pfund! " Judenst a atsj Mj en d Dienstag,, den 8. Februar 1938, um halb 9 Uhr abends' im Zentratheim, II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: Rabb. Dr. I. Z. KANNER Thema: Jüdische Heldengestalten Gäste willkommen! Gäste willkommen! Bund jüdischer FrontsoBdaten Oesterreichs Am Sonntag hielt der Bund jüdischer Frontsoldaten Oester r'e i c h s seine statutenmäßige Generalversammlung ab, Bundesführer Hauptmann a. D. v. Friedmann gedachte der im Vorjahre verstorbenen Mitglieder und . erstattete sqdann einen eingehenden Rechenschaftsbericht. Nach Annahme von Statutenänderungen erfolgten die Wahlen. Unter allgemeiner Zustimmung wurde neuerlich der bisherige Bundesführer Hauptmann y. JFriedmann wiedergewählt. In die Exekutive des Bundes wurden berufen die Herren Dr.-Ing. Wechsler (Graz), Direktor Glaser und Dr. L ö w,e nfeld als Bundesführerstellvertreter; als Beisitzer der Exekutive die Herren Artür Kohn und Dr. Josef Berger jun. Bundesführer Hauptmann v. Friedmann dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen .und , gab in seiner Antrittsrede Erklärungen ab, die' die Arbeit des KINO'PROGRAMME Kreuz-Kino FaustreditamRioOrande 1, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Voutallungan: 4, %6, Vs8, ttio $ chwepem Greta Garbo, Charles Boyer IC .Beginn! ¥»ft, V*8, V«10 Uhr. Ttl. A«*t.0.*0 2, Woche prolongiert! Vorverkauf;ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen; »garten- Kino Iii, Untere Augarten I streße 28 I Telephon A-40-fl-8« Schlagtrllim In jiddischer Sprach« kommenden Jahres betreffen. Unter lebhafter Zustimmung betonte er die unbedingte Loyalität der Österreich^ sehen -Jüdenschaft gegenüber dem Vaterlande und "der Regierung. Bei diesen Ausführungen kam es zu einer eindrucksvollen Ergebenheitskundgebung für Bundeskanzler Dr. Sc hu sehn ig g. Bundesführer Hauptmann v. Friedmann wird auch im kommenden Jahre als Präsident des Weltverbandes jüdischer Frontkämpferorganisationen fungieren. ________ Restaümt Bittet Bestrenomm lei .e Küche REICHHALTIGE MENÜS von S 1.90 aulwörts : l_ H VV t t II a I i ' o K L n,Hammgr-PurgstaH-G<me 3 (nachs 'aiztorttödte)« lei.fi-41-0-25 ' Theater in der Josefstadt. „Der Arzt am Scheideweg". Diese Komödie von Shaw, voll von Geist und Mitleid, Theatralik und Menschenkenntnis, erlebt in der Josef Stadt eine glanzvolle Neuaufführung. Ganz groß, alles, was wir derzeit in Wien haben, überragend, ist wieder Ernst Deutsch als Sir Ridgeon. Daß neben ihm noch andere bestehen können, verdankt man der großartigen Besetzung der übrigen Rollen. Edthofer. dem man das Genie, das er spielen soll, glaubt, weil er es hat, D e 1 i u s, dessen flehentliche Zerbrochenheit erschütternd wirkt, Berghof, der den jüdischen Arzt vornehm, mit künstlerischer Echtheit spielt, Stößl und alle anderen. Ronacher. Unter dem Titel „Karneval 1 938" läßt Direktor G y i m e s ein höchst amüsantes und abwechslungsreiches Programm starten. Das polnische Parnel 1-Ballett brilliert mit gutdurchdachten und ausgezeichneten Tanzdarbietungen, Fernando Linder, der weltberühmte Geräuschimitator, die Komiker M ann in g und C 1 a s s, die Akrobatenkunststücke auf dem .Drahtseil vollführen, die 4 Windsorettes, die 5 Herzogs auf dem Trapez, das Lime-Trio und Gregory lind Raymond mit lustigen Musiknummern auf neuartigen Instrumenten bilden ein Programm, das sehens- und hörenswert zugleich ist, Hermann L e ö p o 1 d i und Betja M i. 1 s k a j a konnten mit neuen Schlagern, die auch szenisch reizend untermalt'sind, einen Separaterfolg ernten. Das. .Publikum dankte den Künstlern für die ganz außerordentlichen Leistungen mit starkem Beifall. Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfiS etc. Cafe Atlashof, I., Franz-Josefs-Kai 1, Tel. R-28-2-28. Cnf§ Augartenhof, II.. Untere Augartenstraße 46, Telephon A-44-0-75. 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