Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 724 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 BSQ NEUE WELT Nr. 724 vom 4. Februar 1938 Das AiMtlcyistke fkusem in Jmsatm Die Vergangenheit des palästinensischen Menschen Wie der Bau entstand Zu einer Zeit, da in Palästina politische Span Hungen zu einer Revolte geführt haben, sozusagen im Meer politischer Gegensätze, entstand das Rockefeller-Museum in Jerusalem, das vor einigen Tagen eröffnet worden ist. Ursprünglich bestand der Plan, das Museum in Aegypten zu bauen, aber die ägyptische Regierung nahm das Anerbieten nicht an. Durch Vermittlung der beiden amerikanischen Gelehrten Prof. I. Bearsted und Prof. Garstang übernahm die Palästina-Regierung die von John D. Rockefeller gewidmeten zwei Millionen Dollar zum Bau eines Palästinensischen Archäologischen Museums und errichtete in der Nordostecke Jerusalems ein Prachtbauwerk, das in Anlage und Ausstattung keinen Vergleich mit den berühmten Museen der Welt scheuen muß. Der Turm des Museums bietet einen wundervollen Blick auf den Oelberg, die Omar-Moschee und die transjordanischen Gebirge und wird zweifellos das interessanteste Schauobjekt des neuen Jerusalem werden. Der Architekt Auster S. B. Harrison fand eine ausgezeichnete Lösung, indem er — in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer und des Tempelplatzes — für das europäische Auge eine Art Mittelding zwischen asiatischem Festungsbau und römischer Basilika schuf, etwas schwer, gedrungen und zyklopisch auf dem Urfelsen Lastendes, der den Untergrund bildet, Eine grandiose Studiensammlung Weit ausladende Rampen führen zu dem hoch über dem Straßenniveau liegenden Hauptportal, durch das man den Blick in einen repräsentativen, palmenreichen Hof bekommt. Großartig gelungen ist die Harmonie zwischen der betonten Monumentalität des Baues und der Anpassung an den Zweck, dem er zu dienen hat. Die Stiftung Rockefellers dient dem Studium der Vergangenheit des Menschen in Palästina und darum sind die Ausstellungsgegenstände chronologisch geordnet, so daß man einen anschaulichen Ueberblick über die palästinensische Geschichte erhält. Zwei große, sehr geräumige Säle beherbergen die wertvollen Sammlungen, ein kleinerer Raum enthält eine sogenannte „Studiensammlun g", die dem Forscher und Studierenden die Möglichkeit geben soll, ungestört arbeiten zu können. Durch einen großen Vortragssaal mit Apparatur für Lichtbilder und Filme, eine reiche Bibliothek, die bereits 16.000 Bände zählt, und eine Anzahl mit den modernsten technischen Mitteln ausgestatteten Laboratorien und museumstechnischer Werkstätten wird das Museum zu einer hervorragenden Stätte wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Bildung. Um Ermüdungserscheinungen beim Besucher zu verhüten, wurde der Fußboden mit elastischen Korkblöcken versehen. Der Museumskatalog ist fertiggestellt, er gibt in drei Sprachen (Hebräisch, Englisch, Arabisch) Auskunft über die Schätze, die bereits gesammelt worden sind. Der erste Neandertaler Die Hauptgalerie — die einzige, bisher freigegebene Abteilung — enthält eine wertvolle Sammlung von Keramiken aus der Stein- und Bronzezeit bis zum Ende der kanaanitischen Periode, ferner eine Plastiksammlung aus der frühen arabißchen Zeit, die hauptsächlich aus dem Palast der Omajaden (8. Jahrhundert) stammt. Eines der wichtigsten Ausstellungsstücke ist das im Jahre 1925 aufgefundene menschliche Skelett: der erste Neandertaler, der in Palästina entdeckt wurde. Große Aufmerksamkeit wird man zweifellos auch den Elfenbeinarbeiten zuwendenj die bei Ausgrabungen ia Samaria im Palast des Königs Ach ab gefunden wurden und Licht auf manche Bibelstelle werfen. Ueberaus interessant ist das Nebeneinander von ägyptischem und assyrischem Stil der Elfenbein stücke, wodurch die Aussagen der Stil der Elfenbeinstücke, wodurch die Aussagen der damaligen Königreiches Israel ihre Bestätigung finden. Der bereicherte Bädecker Es ist selbstverständlich, daß man mit reichen Geldmitteln — bisher standen rund 12 Millionen Schilling zur Verfügung — etwas technisch Vollendetes schaffen kann. Aber hier kam zu Freizügigkeit in finanzieller Hinsicht die unendliche Liebe und Sorgfalt, die der ganze Museumsstab der schönen Sache widmete. Nur diesen Tugenden hat das Rockef eller-Museum seine Bedeutung und Reife zu verdanken, als ein neues Wahrzeichen der aufblühenden Kultur im Vorderen Orient, als ein neuer „Bädecker-Stern" in Palästina. Stephan Zweig über die jiddische Sprache Anläßlich eines vom Wiener Komitee des Wilnaer Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts veranstalteten Festempfanges kam nachstehendes Schreiben Stephan Zweigs an das Institut in Wilna zur Verlesung: „Ich selbst bin leider nicht in der Lage, jiddisch zu lesen, und will Ihnen offen gestehen, daß ich, wie die meisten deutschen Juden, lange in einer gewissen Gleichgültigkeit die Existenz, die Wirksamkeit und die Ausbreitung des Jiddischen unterschätzt habe. Erst in den letzten Jahren, auf Ueberseereisen nach Nordamerika und Südamerika, bin ich gewahr geworden, welch ungeheure bindende Kraft das Jiddische darstellt, vielleicht zur Zeit sogar die stärkste bindende Kraft nebst den gemeinsamen Leiden, und ich halte es für einen schweren, aber noch gutzumachenden Fehler, daß diese Sprache innerhalb des Judentums nicht genug gewürdigt, gefördert und in ihrer geistigen Ausprägung gesteigert wird. Ich hoffe, daß in der nächsten Generation die Erkenntnis schon durchgedrungen sein iwird, daß die jiddische Sprache zu einem überstaatlichen Zusammenhalt des Judentums das beste :Bindemittel bietet." Jüdisches Kulturfheater Wegen der Vorbereitungen zu der noch In dieser Woche stattfindenden Premiere bleibt das, Theater Freitag, den 4. Februar, geschlossen. Samstag, den' S. Februar, 20 Uhr, wird Scholem Ale jchems Meisterkomödie „Das große Los" In der deutschen Uebersetzung und Bearbeitung von Dr. Jakob Bosenthal, zum erstenmal aufgeführt. Es wirken mit die Damen: Auffärber, Fischer-Weltb, Fröbel, Koch; , die Herren: Barth, Friedmann, Links, Orlan, Sperber und Weiß. Begie: Fritz I* I n k s. Violinvirtuose Oskar Weujner Kürzlich präsentierten sich an dem Abend der Meister- und Staatsakademie die Schüler des bekannten Violinpädagogen Prof. Ernst Morawec. Eine Reihe technisch und musikalisch durchgebildeter Geiger war zu hören, und man muß sagen, daß sie alle einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen haben. Prof. Morawec hat in einwandfreier Weise seinen Ruf als erstklassiger Pädagoge bestätigt. Im Mittelpunkt des Abend standen die Darbietungen des jugendlichen Oskar Weitzner,, der durch den Vortrag von Mendelssohns Violinkonzert (I. Satz) bewies, daß er heute schon bravouröse Technik und Ausdrucksreife, kurzum die Kennzeichen des künftigen Meistergeigers besitzt. Er trug auch den größten Beifall davon. Den Namen Oskar Weitzner wird man sich merken müssen: da wächst wieder ein großer Künstler heran. Filme der Woche Ungarn: Die entführte Braut. Prankreich: La grande Illusion — Dunja — Un Carnet de Bai. Amerika: Ein Star ist geboren — Romeo privat —• Olympiade der Unterwelt—-König Widerwillen — Die gezeichnete Frau — Hafenspelunke — Ritter ohne Furcht und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad Helene Willfür — Mister Moto, der Schatten von Schanghai — All Baba geht in die Stadt — Der König und das Girl — Silly Micky Melodie 1938 — Banditen von Kain-Tu-Kei — Der Liebeareporter — In gefährlicher Mission — Das Herz der Welt — Dead End (Im Schatten der Wolkenkratzer) — Mr. Dodd saniert — Ebb Tide — Der gelbe Herraoher— Das unbekannte Mädchen -r Die große Stadt — Küsse am Broadway -7 Gräfin Walewska —- Der Gefangene von Zenda — Der dritte Grad — Stage door. — Nichts ist ihnen heilig — Lügen, ein Vergnügen — Faustrecht am Rio Grande. Filme unter Arierparagraph Fledermaus — Meine Freundin Barbara — 2 x 2 im Himmelbett — Musik für dich — Abenteuer in Warschau — Der Berg ruft — Der Liebling der Matrosen —' Streit um den Knaben .To — Die Landstreicher — Brillanten — Gaaparone — Tango Notturno — Togger — Der Tiger von Eschnapur — Immer wenn ich glücklich bin — Die Dame von Malakka — Urlaub auf Ehrenwort — Das indische Grabmal — Gewitter im Mai — La Habanera — Die Umwege de» achönen Karl* Dr* David Rothblum Zionist, Förderer der hebräischen Sprache und) Schriftsteller, ein Mann der alten Garde, Zeitgenosse der heroischen Herzl-Epoche — das ist Dr. David Rothblum, der anläßlich seines 6 0. Geburtstages vom jüdischen Wien gefeiert wird. Fern vom Tageslärm! vollzog sich sein Wirken auf zionistischem, kulturellem) und schriftstellerischem Gebiet, und doch weiß* man, daß infolge seiner liebenswürdigen Natur und seines tischen licL,:a.«.:nu;; ücin Haus zu einem Zentrum der hebräischen Literatur für alle in Wien lebenden und nach Wien kommenden Schriftsteller und Künstler geworden ist. Schon vor Herzls Auftreten war David Rothiblura für die Renaissance des' jüdischen Vodikes tätig. Seine ersten Arbeiten erschienen in verschiedenen hebräischem Zeitschriften, und zusammen mit seinen deutsch geschriebenen Erzählungen, Feuilletons und Essays, aus denen ein reicher, jüdisch fundierter Geist sprach, machte sein Wenk ein bedeutendes Stück neuer jüdischer Literatur aus. Ein neuer Ton wurde hörbar, eine Melodie, die auf ostjüdischem Gemüt und westlichem Scharm aufgebaut war. Seine Aufsätze in der „Welt", in „Unsere Hoffnung", „Wiener Morgewzeitung" usiw. sowie seine unter dem Titel „Gallith" gesammelten Erzählungen machten seinen Namen in der jüdischen Welt populär. Einen besonderen Abschnitt seines künstlerischen und; privaten . Lebens bildet die Freundschaft zu Ch. N. B i a Ii k, dem er in höchster Verehrung anhing. In Berührung mit den sozialen, künstlerischen und kulturellen Fragen des jüdischen Lebens in der Galutt* und in Erez Israel, bewährte sich Dr. Rothlblum (vom Beruf Rechtsanwalt) als erstklassiger Förderer umdl Propagator der hebräischen Bewegung in Mitteleuropa; der er heute noch als Ehrenpräsident der „HMadrutih! Iwrith", Vizepräsident des Kuratoriums des Raibbinerseminans und Präsident des Kuratoriums des Hebräischen Lehrervenbandes seine besten Kräfte widmet. Das jüdische Wien, seine Freunde und Verehrer, wünschen ihm anläßlich seines 60. Geburtstages weitere erfolgreiche Tätigkeit und innere Befriedigung, weiteres Schaffen für das jüdische Volk. M. U—d. Jüdische Künstlerspiele Ab morgen, Freitag, den 4. Februar, gelangt das Lebensbild „Fremde Kinder", das die größten Erfolget auf den amerikanischen Bühnen aufwies, zur Aufführung* Jac Rechtzeit, der neue Gast, hat in diesem Stück Gelegenheit, sich nicht, nur als Schauspieler und Sänger» sondern auch als Regisseur zu zeigen, eine künstlerische Funktion, die ihm in der Theaterwelt einen großen Namen gemacht hat. Neben seiner aparten Partnerin Olga Schlifkowicz wirken die Damen Erna S i e g 1 e r und Lore Glücksmann sowie Dolly Nachbar mit. Der Aufführung des Sensationsstückes „Fremde Kinder" mit dem amerikanischen Star Jac Rechtzeit sehen die Wiener Freunde des jüdischen Theaters mit gespanntem Interesse entgegen. SacaU fotdttecH die berühmte Sängerin und Interpretin des jüdischen Volksliedes, hatte bei ihrem jüngst stattgefundenen Wiener Abend den erwarteten Erfolg. Der größten Teilnahme begegneten die zarten jiddischen Wiegen- und Kinderlieder sowie die neuhebräischen Lieder, darunter das stimmungsvolle „Ma jaflm halejot bichanan", in der Fassung des jungen Komponisten Julius C h a j e s. Innigkeit des Ausdrucks, höchste Musikalität und reife Gesangskunst —« das sind die Elemente, aus denen sich Sarah Goldateins Persönlichkeit als Sängerin zusammensetzt. Daniel Sternberg hat sich als brillanter Begleiter am Klavier erwiesen. * Sarah Goldstein tritt Samstag, den 12. Februar, im Rahmen des Repräsentationsabends des Verbandes der Judenstaatszionisten im Hotel Metropole auf. Außer ihr wirken Oskar Weitzner (Violine), E. Mühlstock (Bariton), Trude Roth (Chansons) und Lily Halpern (die singende Pianistin) mit. Jüdische Kulturstelle Montag, den 7. Februar, 20 Uhr 30, „Josef Popper- L y n k e u s - A b e n d". (Zum 100. Geburtstag). Aus den Werken Josef Popper-Lynkeus' liest Josef Poliiau (Reinhardt-Bühnen); einleitende Worte: Dr. A. Werner. Vortrugssaal des J. K, J, (J.t Franz«Josefs-Kal 3). Markus Herschkovlcs, der bekannte jüdische Schauspieler und Rezitator, hat sich rv" eine längere Vortragßtournee über Graz nach Jugoslawien begeben,