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Die neue Welt · 1938-02-04 · Heft 724 (4.2.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 724 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 724 vom 4. Februar 1938 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IS., Berggasse 19, Tel. A-17o-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^;-FIalsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoxustollung kostenlos IX. Berggasse 15 / XVIII., Währlngerstr. 97 Mandat, erklärte der Präsident der Zionistischen Organisation, sehe die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und nicht die Umwandlung Palästinas in eine jüdische Heimstätte vor. Nur leichtsinnige Leute oder politische Demagogen konnten das übersehen; die Bildung eines Judenstaates auf dem Territorium von Tel-Aviv, Petach Tikwah und Rechoboth stehe deshalb in vollem Einklang mit den Mandatsvorschriften.. . „Dies", endete der hohe Redner, „habe ich aus den letzten Kongreßbeschlüssen herausgelesen und damit fahre ich morgen nach London." Das Auditorium bereitete dem autoritativen Interpreten des Mandats und der Kongreßbeschlüsse eine begeisterte Ovation. Die Juden haben aber Glück: das Schicksal Palästinas wird weder von Weizmann noch von seinen begeisterten Anhängern, sondern von anderen Faktoren, darunter vom Kolonialamt, entschieden werden. Und das Kolonialamt will keine Teilung mehr. Nicht einmal einen Judenstaat in Tel- Aviv. Es will bereits die Stabilisierung einer jüdischen Minderheit im Araberstaat Palästina, eventuell mit Weizmann als „Minister für jüdische Kultusangelegenheiten" und Rabbi Fischmann als Militärrabbiner. In diesem Sinne äußerte sich letztens ein hoher Beamter-des Kolonialamtes. Im Gespräch mit einem oppositionellen zionistischen Politiker sagte er, es freue ihn, zu hören, daß die zionistischen Nein-Sager an Macht und Einfluß gewinnen ... Wir Nein-Sager hoffen, demnächst seine Freude zu steigern. Dies aber nicht, um Dr. Weizmann und Rabbi Fischmann im Araberstaat zu beschäftigen, sondern um das gesamte Problem der , .Alternativen" in seiner ganzen Breite aufzurollen. §diü§§e in Jerusalem Aus Jerusalem wird gemeldet: Auf das Regierungsgebäude des H i gh Commissionei in Jerusalem wurden mehrere Schüsse abgegeben. Polizei verhaftete später im Zusammenhang mit dem Feuerüberfall einen Araber im benachbarten Dorf Surbaher, in dessen Besitz eine Flinte gefunden wurde. Herabgesetzte Strafen Der Oberkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalmajor Wavell, hat die fünfjährige Gefängnisstrafe der beiden kurdischen Juden Abraham Aziz Jacob und Elijahu Brunn auf drei, bzw. sechs Monate herabgesetzt. Zum Todesurteil über Schwartz Die Verteidiger des vom Kriminalgericht zu Haifa wegen Ermordung des arabischen Polizisten Mustapha Houri zum Tode verurteilten jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz haben gegen das über diesen verhängte Todesurteil appelliert. Im Verlaufe des Prozesses hatte Schwartz dem Gericht sein Tagebuch vorgelegt, woraus ersichtlich ist, daß er sich angegriffen gefühlt und darum geschossen habe, während der Chef des Justizdienstes, T ru s t e d, in seinem Plädoyer ausführte, er sei überzeugt, daß es sich um einen vorbedachten Mord handle. Kämpfe in Nordpalästina Aus Jerusalem: Am 1. Februar entwickelte sich im Jenin-Distrikt ein schwerer Kampf, in dessen Verlauf zwei britische Soldaten und 28 arabische Terroristen getötet wurden. Auf beiden Seiten gab es , mehrere Verwundete. Britische Militärabteilungen, unterstützt von Flugzeugen und zwei Panzerwagen, versuchten, die Terroristen bände, deren Stärke auf 60 bis 150 Mann geschätzt wurde, zu umzingeln, was zu einem großen Teil gelang. Die Kämpfe setzten sich in die Nacht hinein fort, das Kampfeld wurde mit Scheinwerfern und Raketen erleuchtet. Die Bande brach den Kampf ab und versuchte zu flüchten, die Engländer nahmen mit ihren motorisierten Einheiten die Verfolgung auf. Die Aktion ist noch nicht beendet. Es wurde festgestellt, daß die meisten Mitglieder der Bande Araber syrischer, transjordanischer und irakischer Herkunft sind, die in den letzten 14 Tagen illegal die Grenze überschritten haben. Die Freischärler erhielten Verstärkungen von arabischen Dorfbewohnern, die die Telephonleitungen durchschnitten. Wir bitten für unsere alten u. arbeitsunfähigen BLINDEN um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klavier- |Ä Stimmer, Korbu. Sesselflechter»wie lltQD^tiOttüiU Bürstenmacher bitten wir um Arbeit TWfOVtGm*** de» i&distke* Bünde* Wien II, RembrondistraBe 18 - Telephon A-47-2.77 Postsparkassen-Konto A-133.213 Antizionistische arabische Propaganda Aus Kairo: 89 Senatoren und Abgeordnete verschiedener ägyptischer politischer Parteien haben an den britischen Botschafter Lampson eine scharfe Protesterklärung gerichtet,; in der sie er- '■ klären, die Politik der britischen Regierung in Palästina I gefährde die Beziehungen zwischen England und Aegypten und bedrohe den Bestand und die Persönlichkeit der Araber. Die außerordentlichen Maßnahmen der Palästina- Regierung, insbesondere die Verhaftungen der arabischen Führer, werden kritisiert. Der britische Botschafter wird aufgefordert, den Protest an die britische Regierung weiterzuleiten und ihr zu empfehlen, sie möge sofort das Problem, das die Aegypter als „eine blutende Wunde im Körper des Islam" betrachten, in freundschaftlicher Weise regeln. Aus Jerusalem: Aus Sana, der Hauptstadt des Jemen, wird gemeldet, daß dort eine große Demonstration für die palästinensischen Araber stattgefunden hat. Der Imam des Jemen, Yahya Mohammed Hamid ed Din, habe erklärt, er stehe in ständigem Kontakt mit König Georg von England; in kurzem sei in der Position der palästinensischen Araber eine Aenderung zum Güten zu erwarten. MlcSSiltfÄ Bürgerliches Familiencafe. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise. Mokka 45 Broschen, Melange 50 Groschen. Aus Rumänien König Carol will, daß die Juden freiwillig abreisen König Carol empfing den europäischen Direktor der amerikanischen „Associated Press" und gewährte ihm ein Interview über die gegenwärtigen politischen Ereignisse in Rumänien. Der König erklärte einleitend, in Rumänien sei das jüdische Problem aktuell. Es ist noch nicht ganz klar, auf welche Weise dieses Problem gelöst wird, aber der erste und wichtigste Punkt der rumänischen Politik, sagte der König, wird sein, unbedingt jedweden Gewaltmaßnahmen gegen die Juden absolut auszuweichen. Dessen sind wir uns sicher. Der amerikanische Journalist stellte an König Carol die Frage, ob irgendein Vorschlag für eine Massenausweisung oder die Absiedlung der Juden in irgendeinem anderen Weltteü existiere. König Carol antwortete, seine Regierung habe sich mit dem Studium dieser Frage noch nicht befaßt. „Es käme uns sehr gelegen, wenn unsere Juden freiwillig abreisen würden, aber wir haben bisher die Möglichkeit einer Massenausweisung noch nicht studiert und niemand hat bisher an den Ort gedacht, wohin diese Juden reisen könnten." Am Schluß seiner Unterredung berührte der König die Entwicklung der Genfer Ereignisse und sagte, daß ihm die Vertagung der Diskussion über die Minderheitenfrage Freude bereitet habe. Der König sagte hierbei wörtlich: „Die Vertagung der Diskussion über die Minderheitenfrage gewährt uns eine Atempause. Wir wollten einer derartigen Diskussion nicht ausweichen, man muß w Iii: Sun Remo, Penslone Fßllce ^§P^ Corso deil' Impero 18«. Im warmen, sonnigen Süden. Einzige rituelle Pension a. d. ital. Riviera, ruhige Lage, moderner Komfort, "I ttf "} Strandnähe, Mikwa Minjan. Für Pessaeh Vorbestellungen erbeten. Dir. Or. med. Alex Schwan. aber begreifen, daß die neue Regierung, die einen neuen Weg einschlägt, etwas mehr Zeit braucht als nur einige Wochen, um die Grundsätze ihrer Politik festzusetzen und die Probleme eingehender zu studieren." * Der Ingenieurberuf wird judenrein gemacht Der Verein der Ingenieure hat beschlossen, alle Juden auszuschließen. Der Vereinsvorstand wurde beauftragt, der Regierung folgende drei Forderungen vorzulegen: 1. Jüdische Ingenieure sind aus staatlichen und öffentlichen Stellen zu entfernen. 2. Alle fremden Staatsbürger, die in öffentlichen Unternehmungen oder in der Kriegsindustrie beschäftigt sind, sind zu entlassen. 3. Das Gesetz zum Schutze Rumäniens ist streng durchzuführen. In allen Privatbetrieben müssen wenigstens 90 Prozent der Angestellten ethnische Rumänen sein. Gegen den Patriarchen Wie bereits berichtet wurde, hat der Patriarch der rumänischen Staatskirche, MIron, zugunsten des brutalsten Antisemitismus in den Parteikampf eingegriffen. In einem Interview, das er dem Wiener Korrespondenten der großen amerikanischen Korrespondenz „United Press" gewährte, nimmt ein hoher rumänischer Geistlicher gegen den Patriarchen Miron Stellung. Er erklärt, daß die jetzt vom Patriarchen unterstützte nationalsozialistische Strömung sich schließlich, wie in Deutschland, gegen die Kirche wenden wird. Er sagt: „Die rumänische Staatekirche daii die antisemitischen Maßnahmen der Regierung Goga nicht gutheißen. ' Nicht die Kirche war eK, die sich mit Politik befaßte, sondern der Staat hat sieh in religiöse Dinge ^■■■iBSain^ BaU des fuMaWcM HaJmU ^W^^ ^WFW WWWTVWW (f WWW^W^^W^WW 19. Februar 1938 / Hotel „Metropole" 'smsssb ELITE KIDDIES JAZZ eingemengt. Dies begann, als einige rumänische Staatsmänner, offensichtlich unter deutschem Einfluß, politische und religiöse Fragen miteinander vermengten. Doch die Kirche muß steh an die Lehre des Neuen Testaments halten, in dem Paulus nicht von Ariern und Juden spricht, sondern erklärt i ,Da gilt weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau, sondern sie sind alle eins in Christus.' Was hlezu in Widerspruch steht, kann von der Kirche nie gutgeheißen werden. Jeder weiß, daß die heutige Tendenz, zwischen Juden und anderen einen Unterschied zu machen, kein Christentum, sondern Heldentum Ist. Priester, die solche Gedanken annehmen, begeben sich auf ideologische Seitenwege. Man dient dem Volk nicht, indem man Haß sät. Das neue System steht in Widerspruch zum Christentum und wird schließlich der - Kirche Schwierigkeiten bereiten." Konfiskation des gesamten Vermögens der Czernowitxer Kultusgemeinde Die Wiener Tel.-Co. erfährt, daß durch eine Verordnung vom 24. Jänner nicht nur das C&ernowitzer Jüdische Haue, sondern sämtliche Realitäten der Czeroowitzer jüdischen Kultusgemeinde beschlagnahmt und dem Metropoliten von Ozernowitz zu kulturellen Zwecken zur Verfügung gestellt wurden. Rassistische Agitatoren werden in II« §♦ A* nicht eingebürgert Aus New York (J. T. A.): 124 Mitglieder der deutschen Propagandaorganisation „German-American Union" haben auf ihre Gesuche um amerikanische Einbürgerung beim Obergericht in Hackensach abschlägigen Bescheid bekommen. Der Richter Wallace Leyden wies auf die Mitgliedschaft der Deutschen im „Bund" hin, dessen Statuten mit denen der Nazipartei übereinstimmen. Er erklärte, daß Einwanderer, die die Diktatur erstreben und für Rassen- und Religionsver-« folgung agitieren, nicht der amerikanischen Staats« angehörigkeit würdig sind. . Wotkekstuegel Der Teilungsplauderer Jetzt sseigt es sich, daß wir wirklich eine Chance hatten, wie Weizmann offenbar fühlte; wenn wir energisch zugegriffen hätten — und nicht mit einem negativ, stilisierten Ja, und mit der so schändlichen Aktion Großmanns und mit den Interventionen judischer Bankiers —< dann hätte die englische Regierung wahrscheinlich ihren Plan verwirklicht, bevor noch die Gegenkräfte mobilisiert, waren. Felix Weltsch (.Selbstwehr", Prag), Gestern und heute Es ist untragbar, daß Weizmann und seine Exekutive morgen England und der Welt gegenüber Forderungen vertreten, die sie gestern noch bekämpft oder mindestens als „maeeimälistisch" abgelehnt haben. Der. Anwalt eines Zwerg-Judenataates kann niemals Verfechter eines Judenstaates auf beiden Selten des Jordan sein. Das läßt nicht einmal die „Realpolitik" zu. Medina Iwrit (Prag). Vom Neujahr der Bäume Wir, die wir daran gewöhnt sind, die „Symbole von Symbolen" zu feiern, haben hierzulande keinen Boden, in dem wir Bäumchen pflanzen können. Es ist auch keine Zeit zum Pflanzen. Denn ehe das Bäumchen Kraft genug hat, auf eigenen Wurzeln zu stehen, und sich fest einzukrallen, werden wir vielleicht schon gar nicht mehr da sein. Und die Jugend hier Bäume pflanzen zu lasspn, das wäre ein schlechter Dienst, den wir den Bäumen erweisen würden. Bald, sehr bald würde da der Abschied gefeiert werden müssen. Dr. Joachim Prinz. Das Wesen der deutschen Aulklärung So gewaltig die Wirkung auch gewesen ist, die von der deutschen Wissenschaft vom Judentum ausging, der Wesenszug der deutschen jüdischen Aufklärung blieb auch ihr eingeprägt: in Sprache und Richtung gab sie sich einer resignierten Abhängigkeit von der Umwelt hin, die messianischen Verheißungen deutend, aber kaum noch bejahend, eher archäologisch interessiert, als zukunftsgläubig zum Kommenden vordringend. Franz Kobler, „Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West". Gewalt vor Recht „In Rumänien darf der Unterschied der Religionen und Bekenntnisse niemandem als Grund der Ausschließung oder der Unfähigkeit entgegengestellt werden, insoweit es sich um den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Aemtemt Funktionen und Ehrenstellen oder die Ausübung der verschiedenen Gewerbe und Industrien handelt, an welchem Orte es auch sei." Berliner Akten zur rumänischen Judenfrage, 1878.

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