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Die neue Welt · 1938-02-04 · Heft 724 (4.2.1938) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 724 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 724 Vom 4. Februar 1938 ME NEUE WELT Seite 3 Weltpolitik der Woche Fünf Jahre Im weltgeschichtlichen Ablauf sind fünf Jahre gewiß kein großer Zeitraum, aber für den, der sie erlebt hat — nämlich die letzten fünf Jahre des Hakenkreuzlertums —, bedeuten sie so viel Grauen, Leid und Entwürdigung, wie man es sich ärger nicht ausmalen konnte. Die Wirklichkeit hat alle Prognosen übertroffen. Was heute in der Welt an Barbareien und Schändungen des. Rechtes geschieht, steht irgendwie mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang, mag es sich um die Ghettobänke in Polen, die Entrechtung in Rumänien, die antisemitischen Stimmen in Italien, den Bürgerkrieg in Spanien, das Vordringen der Japaner in China, die Schandtaten der arabischen Banditen in Palästina... handeln. Nicht etwa, daß wir dem Dritten Reich solch ein Ausmaß seiner Kraft oder seiner Propaganda zuerkennen! Nein. Hier geht es darum, daß ungesühnte Vertragsbrüche und geduldete Prahlereien der Macht auch dort Gefallen finden, wo die Neigung, den Boden des Gesetzes und der Kultur zu verlassen, von Haus aus nicht vorhanden war. Das böse Beispiel verdarb eben die mehr oder, minder guten Sitten, und heute sind wir schon so weit, daß man die Wahrung von Recht, Gesetz und Humanität nicht mehr als Tugend, sondern als Last empfindet und sie bei günstiger Gelegenheit und ohne Risiko über Bord werfen möchte. Das nationalsozialistische Regime hat Deutschland keinen Zuwachs an geistigen und materiellen Gütern gebracht, und die Erhöhung von „Ehre" und lü^fT/ ^S?*?' raste« öfter, rasiert glatter, Swing ist die Kling für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kanne _nur noch die Swing „Würde", wovon soviel in der neudeutschen Literatur und Presse die Rede ist, gehört zu den Phantomen, mit denen die Massen gefüttert werden, aber eine Erfahrung, eine gefährliche allerdings, haben die Völker gemacht: daß Scharlatanerie, mit bewaffneter . Drohung gepaart, nach und nach als legitime Macht, ja, als Faktor der Weltpolitik anerkannt werden kann. Diese Erkenntnis ist das betrübende Fazit der letzten fünf Jahre. Man muß sie als Tatsache hinnehmen und kann nur, mit zugeschnürter Kehle und im Gedenken analoger Fälle der Vergangenheit, fragen: W i e lange noch? Das ist eine Frage, die sich alle, alle, stellen, die noch nicht jede Hoffnung verloren haben; die sich weigern, den gegenwärtigen Zustand der Welt als Dauerzustand anzuerkennen. Der Völkerbund lebt noch England und Frankreich halten an der Genfer Institution fest. Die Erklärungen, die seitens der beiden Außenminister Eden und D e 1 b o s bei der gegenwärtigen Tagung des Völkerbundrates abgegeben wurden,, lassen erkennen, daß auch weiterhin alle großen Entscheidungen von Genf aus reguliert werden sollen. Allerdings braucht man sich an das starre Genfer System nicht zu binden, wenn individuell e Aktionen zum gleichen Resultat, nämlich zur Vermeidung oder Eindämmung von Konflikten, führen. Dieser Fall ist gerade jetzt aktuell. Der von Japan angegriffene Völkerbundstaat China verlangt von Genf Unterstützung und Intervention, also eine Hilfe, die ihm ohne Zweifel zukommt. Da aber die Erfahrung mit den antiitalienischen Sanktionen gegen eine generelle Teilnahme der Völkerbundstaaten spricht, überläßt es England als Wortführer des Völkerbundes den einzelnen Staaten, sich für Chinas Recht gegenüber Japan einzusetzen. Es soll also zu individuellen Aktionen zugunsten Chinas kommen. Die Lage wird durch die Haltung Amerikas erleichtert, das die Gefahren sieht, die ihm bei einer Machterweiterung Japans drohen. Amerika hat durch den Mund seines Präsidenten Roosevelt verkündet, daß es zu Wasser, zu Lande und in der Luft aufrüstet und daß es —: um keinerlei Ueberraschungen ausgesetzt zu sein — den Panamakanal befestigen werde. Roosevelts Rüstungsrede war ausschließlich an Japans Adresse gerichtet. Wenn man ins Kalkül zieht, daß Sowjetrußland an seinen Ostgrenzen eine halbe Million Soldaten konzentriert hat, erscheint der Schwerpunkt der weltpolitischen Aktionen nach Fernöst verschoben, Bisher war seitens der in Mitleidenschaft gezogenen Staaten keine aktive Politik gegen Japan sichtbar, das Zögern, insbesondere angesichts der schweren japanischen Provokationen, unverständlich. Jetzt erscheint eine ungeschriebene Solidarität der Weststaaten auf dem Horizont. In Genf und außerhalb Genfs. Der Völkerbund wird aus dieser Haltung zweifellos verstärkt hervorgehen. o. r. Dienstag, den 8. Februar, findet im Caf 6 Buchabäum, IL, KI. Pfarrgasse 21, ein Hausball statt. Akademie prominenter Künstler. Für Stimmung und Tanz «wgt KapeJJe WflJffltfcaV J Vor einer neuen Alternative Weitere Kürzung des Zwergjudenstaates — Ben Gurion kontra Dr. Weizmann — Ein Demagoge über Demagogie Von Dr. H. Rosenblum (Tel-Aviv) Im Laufe der letzten drei Wochen ist eine ersichtliche Verschlechterung in der politischen Position des Zionismus eingetreten. Bekanntlich wurde von der Peel-Kommission die Alternative Zwergjudenstaat oder drastische Einschränkung der jüdischen Einwanderung (Ali ja) zur Lösung des Palästina-Problems aufgestellt. Seit dem 7. Juli 1937, dem Tage der Veröffentlichung des Peel-Berichtes, wird in der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit die Diskussion um die Peel-Vorschläge geführt. Der Züricher Zionistenkongreß stand unter dem Eindruck, daß die Zionisten nur mehr die Wahl zwischen den beiden Alternativvorschlägen Peels hätten und daß sie nur beschließen müßten, welcher der beiden Vorschläge der bessere wäre. Dr. Weizmann und Ben Gurion meinten, man müßte den Zwergjudenstaat „nehmen", denn die Drosselung der Alija sei die schlechtere Lösung. Demgegenüber meinten die anderen, daß die Alija-Drosselung dem Zwergjudenstaate vorzuziehen wäre, denn schließlich würde man sich über die Alija-Schwierigkeiten eher hinwegsetzen können als über den Zwergjudenstaat. Nun kommen Ereignisse heran, die dieser Diskussion ihren Sinn nehmen. Es wird uns aus London mitgeteilt, daß die Alternatiworschläge Peels nicht mehr aktuell seien. An ihrer Stelle seien zwei andere Alternativvorschläge getreten, und zwar: Kürzung des von Lord Peel beantragten Zwergjudenstates um die Hälfte oder — Aufhebung der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandats und Festsetzung einer ewigen jüdischen Minderheit in einem ungeteilten arabischen Palästina. Die Diskussion, welche seit Wochen innerhalb der zionistischen Exekutive geführt wird, ist eben diesen neuen Aiternativorschlägen gewidmet. Ben Gurion stellte sich an die Spitze jener Exekutivgruppe, die zum gekürzten Zwergjudenstaat denn dazu sei er doch weggefahren. Es sei ferner klar, daß er ihn „gut" einkaufte, denn sonst hätte er keine Depesche geschickt. Es liege auch klar auf der Hand, daß er „heimkehrt", denn seine Angehörigen BUCHHANDLUNG A. ME JSTRIK vereinigt mit R. löwlt (Dr. Max Präger) I, Wollzeile 6-8 Telephon R-25-4-53 Alle im Schocken-Verlag-Berlin erschienenen Bücher sind stets vorrätig! 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Der englische „Absender" der Balfour-Deklaration kam ebenfalls zur Ueberzeugung, daß das britische Versprechen „überflüssige Teüe" enthält. Zuerst hieß es, das jüdische Nationalheim könne ruhig ohne Trans Jordanien bestehen, denn schließlich ist das Westjordanland für die vorläufigen zionistischen Immigrationsnöte ausreichend. Dann kam man zur Ueberzeugung, daß das berühmte Dreieck Jenin — Tulkarem — BÜCHER jeder Art (auch alt) im Antiquariat Hermann TUCHNER, EtHe TllftOKtrgBe 52. Tel. R-41-4-20 ebenfalls Ja und Amen sagte. Sie sehen nicht ein, warum man nicht einen Judenstaat auf einem Territorium von zirka 2500 Quadratkilometer errichten könnte, nachdem ein Freistaat D a n z i g mit seinen Ministern, Kommissären, Polizisten und Völkerbunddelegierten so stolz und sorglos dahinlebt! Das Prophetenvolk hätte sicherlich mehr Kandidaten für Minister- und Gesandtenposten als das geschichtlich jüngere Volk von Danzig... Nun dürfte der Leser mit Ueberraschung erfahren, daß an die Spitze der Widersacher Ben Gurions kein anderer als Chaim Weizmann getreten ist. Chaim Weizmann ist dagegen. Chaim Weizmann weist den gekürzten Zwergjudenstaat zurück. Er kämpft den Kampf seines Volkes und will es nicht zulassen, daß die berechtigten Ansprüche des Zionismus auf einem Territorium von bloß 2500 Quadratkilometer zur Realisierung gelangen... Diese Meinungsverschiedenheit führte bereits zu einer sehr scharfen Auseinandersetzung zwischen den beiden Präsidenten: dem der Exekutive und demjenigen der Zionistischen Organisation. Man weiß sogar zu erzählen, daß Ben Gurion in einer überaus aufgeregten Geistesverfassung nach London verreiste. Ich möchte aber nicht, daß sich der p. t. Leser über diesen Zwist aufregt: der Teufel ist gar nicht so schrecklich, wie man ihn malt. Dr. Weizmann, dessen Hände an das Kolonialamt gebunden sind, willundwirdnichtkämpfen. Er wird unterzeichnen. Und zwar alles, was man ihm zur Unterzeichnung vorlegen wird. Denn er ist ein großer Staatsmann und großer Führer. Und die „Meinungsverschiedenheit" mit Ben Gurion ist nichts anderes, als ein bequemer Vorwand, diesen gefährlichen politischen Nebenbuhler, der nur allzu gerne Weizmanns Nachfolger werden möchte, mit Hilfe der zionistischen Oeffentlichkeit zu kompromittieren und kaltzustellen. Erst nachher wird Dr. Weizmann zur Verteidigung des gekürzten Zwergjudenstaates und vielleicht gar der „jüdischen Freistadt Tel-Aviv" als „Symbol der jüdischen Unabhängigkeit" schreiten können. Wie immer — unter dem begeisterten Beifall des dankbaren Volkes. Und was die neuen „Alternativvorschläge" selbst anbetrifft, so erinnern sie an einen alten jüdischen Witz. Ein Jude auf einer Geschäftsreise soll seiner Frau eine Depesche schicken. Der Text lautete: ,Weizen gut angekauft, Heimkehr demnächst." Bald kam aber der Absender zur Ueberzeugung, daß die Depesche überflüssige Worte enthält. Es sei ja ohnehin klar, daß er den Weizen „angekauft' habeA Nablus dem Nationalheim ebenfalls entrissen werden könne, denn in dieser überwiegend arabischen Gegend hätten die Juden eigentlich nichts zu suchen* Ferner sah man ein, daß auch der Negev „überflüssig" sei, denn redlicherweise müsse man auch dem Araber einen Ausweg zum Meer lassen. Noch später ist man zur Schlußfolgerung gelangt, daß Galiläa und der gesamte Norden des Landes einen integralen Bestandteil des Araberstaates bilden müssen, denn sonst würde das jüdische Nationalheim eine allzu auffallende arabische Minderheit aufweisen. Und daß Jerusalem nichts mit dem Judentum zu tun habe und diesem „für immer" entrissen werden müsse, braucht ja nicht besonders hervorgehoben zu werden... Auf diese Weise ist aus dem Balfour- Versprechen nichts als Tel-Aviv und Umgebung übriggeblieben. Vorläufig. Auf der letzten Sitzung des jüdischen Nationalrates erklärte Dr. Weizmann, daß man eigentlich nichts anderes erwarten konnte. Das Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs detHöUeituktttdetSaisoti... Samstag, den 12. Februar 1938# in sämtlichen Sälen des „Hotel Metropole", I, Morzihplätz <fadl$d$£$tsAkkd Akademie- I 7xwz Es wirken mit: Sarah G o I d s t e i n, die weltberühmte Sängerin; Oskar Wcitxner, der 15jährige Violinvirtuose; Edmund Mühlstock (Bariton); Trude Roth (Vortragskünstlerin). Im kleinen Saal singt und spielt Lilly Holpern. Jazzkapelle Elite Kiddies Karten ä S 2.50 (an der Kassa erhöhte Preise) Saaleröffnung 8 Uhr / Vorverkauf: Im Zentralheim, II, Praterstraße 30, Tel. R-45-1-60-U; bei Frau Paula Stricker, Telephon U-21-7-78; ferner in allen Sektionen

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