Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1938-02-04 · Heft 724 (4.2.1938) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 724 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712340-2712350--6990-2720815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit« % DIE NEUE WEM? Nr. 724-vom 4. Februar 1938 meidung Uber HostienSch&ndung konnte anstandslos ein Dutzend Blätter passieren und Monate hindurch aufgewärmt werden. Nur dem Umstände, daß diesmal neben der straflos zu beleidigenden jüdischen Allgemeinheit auch eine Einzelperson genannt wurde, Ist es 2u danken, daß die Lüge enthüllt werden konnte. Politischer Tratftdi Die jiddische Tageszeitung „Moment" (Warschau) vom 1. Februar läßt sich von. ihrem Prager Korrespondenten allerlei Uber das Verhältnis zwischen der Juden Staats parte! und den Revisionisten, der N. Z. O., berichten. Der Korrespondent erzählt, daß man unmittelbar vor dem Zusammenschluß der beiden zionistischen Gruppen gestanden sei und die Arrangeure der Prager revisionistischen Weltkonferenz bereits Vorbereitungen zum Empfang Melr Großmanns, Robert Strickers und der anderen führenden Judenstaatler getroffen hätte. Weiters wird be-' richtet, daß auf Dr. Machowers Erklärung, daß die Judenstaatler in der Zionistischen Organisation zu verbleiben gedenken, eine Gegenerklärung Strickers erfolgt sei, wonach die Stellungnahme der Judenstaatler zu den Revisionisten und zur Z. O. erst auf der am 6. Februar in Paris stattfindenden Besprechung fixiert werde. Der Bericht des Prager Korrespondenten des ..Moment" schließt mit der Feststellung, daß infolge der uneinheitlichen Haltung der führenden Judenstaatler eine CafeAkltedwf K Hoher Markt- Lichten8tegNr.4 Vereinigung der Judenstaatler mit den Revisionisten nicht zustande gekommen sei. Die Ausschmückung des Berichtes mit pikanten Details zu reproduzieren, wollen wir unseren Lesern ersparen. Es muß nicht erst durch Anführung von Tatsachen bewiesen werden, daß es sich bei dem erwähnten Bericht um Phantasien des Prager Berichterstatters des „Moment" handelt, um Phantasien allerdings, die auch nicht die Spur von Wahrscheinlichkeit für sich haben und als politische« Tratsch in den Papierkorb gehören. Anti§einili§die Propaganda in Italien Die ,,Neue Zürcher Zeitung" berichtet über die zunehmende antisemitische Propaganda; - in Italien wie folgt: Als Triebkräfte wirken innere und äußere, doktrinäre, journalistische und persönliche Einflüsse, die zum Teil schwer zu ermitteln und auseinanderzuhalten sind. Zu den inneren Triebkräften gehört die in den letzten Jahren eingetretene Zunahme der jüdischen Bevölkerung infolge der Einwanderung jüdischer Intellektueller und Kaufleute. Dieser Zuwachs dürfte nicht wenig dazu beigetragen haben, das Augenmerk auf die stark assimilierten Italiener jüdischer Abstammung und Religion zu lenken, im besonderen auf den Tatbestand eines verhältnismäßig großen jüdischen Anteils am Erwerbsleben einiger Städte, wie Mailand und Triest. Farinacci, der Führer der antisemitischen Bewegung, veröffentlichte dieser Tage eine Statistik über die jüdischen Einflüsse in der von 250.000 Katholiken — von „Ariern" spricht man bis jetzt in Italien nicht — und 4000 Juden bewohnten Stadt Triest. 90 Prozent der „heiklen Posten", unter denen Farinacci führende Stellungen des Geisteslebens, der Wirtschaft, der Finanz und der gewerkschaftlichen Tätigkeit versteht, seien von Juden besetzt. Farinacci zählt unter anderem in Triest 588 jüdische Hausbesitzer, 159 Präsidenten, Verwaltungs- KINDERWAGEN- F A B R t K KinderwagenverkauF: won * 35> . VII, Neubaugasse 21 XVII, Kulmgaste 34 | X, LaienburgmtriBa 82 XX, JügerttraBe 41 FaharradFabrlk: vn, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis FAHRRAD- FABRIK LUMAG von S 35.- ^l£ü delegierte und Leiter von Aktiengesellschaften, 211 Versicherungsbeamte, 70 Ingenieure, 78 Aerzte und Zahnärzte, 58 Hoch- und Mittelschullehrer, 30 Rechtsanwälte, 250 Immobilienverwalter. Aus seinen Zahlenangaben zieht er den Schluß: „Ist es möglich, daß unsere Rasse in Triest in Botmäßigkeit und Demütigung leben muß?" Wachgehalten wird die antisemitische Diskussion auch durch gewisse Publikationen, wie jüdische Verteidigungsschriften und Zuschriften italienischer Juden, die sich beleidigt und bedroht fühlen, .an Zeitungen und Zeitschriften, ganz beson? ders aber durch die ablehnende Haltung einiger Blätter, wie des ,,P i c c o 1 o" in Rom, des „P o p o 1 o" und „P i c c o 1 o" in Triest und des „Lavor o" in Genua, deren Redaktionen oder Mitarbeiter gegen Farinacci polemisieren und mittelbar bewirken, daß ihm'der Stoff nicht ausgeht. Andere Zeitungen, darunter die „Stampa" in Turin, fördern die Bewegung, indem sie den antisemitischen Strömungen im Ausland besondere Beachtung schenken und durch eingehende Berichterstattung das Interesse weiterer Kreise dafür wecken. Schon die Errichtung der Achse Rom- Berlin und die damit zusammenhängende eifrige Pflege der kulturellen italienisch-deutschen Belange hatte in Italien die Sympathie für die nationalsozialistische Rassentheorie und deren antisemitische Spitze gefördert, und die jüngsten Ereignisse in Rumänien trugen ein übriges bei, das Thema der öffentlichen Meinung mundgerecht zu machen. Von weit geringerer Bedeutung als in Deutachland, Rumänien, Polen und anderen Ländern, wird aber trotz Farinacci die Judenf^age in Italien kaum mit radikalen Mitein gelöst werden. Sogar Farinacci selber ist kein „Stürmer". Wohl aber deuten einige Anzeichen auf die Absicht einer Verminderung, künftigen Begrenzung und sorgfältigen Kontrolle der jüdischen Einflüsse und auf die Forderung des unbedingten Verzichtes der italienischen Staatsbürger jüdischer Rasse und Religion auf alle internationalen Sonderbeziehungen, auch auf die Mitgliedschaft in zionistischen Gesellschaften. Jüdisches Jungvolk in Oesterreich Eine Erklärung von Staatsrat Dr. Friedmann Während die überwiegende Mehrheit der jüdischen Organisationen Oesterreichs der geplanten Errichtung eines dem „Oesterreichischen Jungvolk" gleichgestellten Dachverbandes für die jüdische Jugend zustimmt, unternimmt es die „Union österreichischer Jude n", gegen diese Gründung Sturm zu laufen und bei dieser Gelegenheit den Kultuspräsidenten Staatsrat Dr. F r i e dm a n n scharf anzugreifen und ihm die Legitimation zu Verhandlungen in dieser Frage abzusprechen. Wir behalten uns vor, auf diese Angelegenheit, noch zurückzukommen, und bringen heute nachstehenden, an uns gerichteten Brief des Herrn Staatsrates Dr. Friedmann: „Ich gestatte mir, Sie zu ersuchen, nachstehender Notiz in der nächsten Folge Ihrer Zeitung Raum zu geben. Der Zentralverband der .Union österreichischer Juden' hat in seiner Plenarsitzung vom 29. Jänner eine Entschließung gefaßt, welche die im Zuge befindliche Regelung der Organisation der jüdischen Jugend betrifft. Diese Resolution wurde in der Ausgabe des .Neuen Wiener Tagblatt' vom 1. Februar 1938 zum Abdruck gebracht und es unterliegt keinem Zweifel, daß deren Veröffentlichung auch in der am Freitag, den 4. Februar, erscheinenden Nummer des Organs der Union österreichischer Juden ,Die Wahrheit' erfolgen wird. Zu der Entschließung der Union österreichischer Juden bemerke ich, ohne auf die in derselben enthaltenen, gegen mich persönlich abzielenden Angriffe ein- Bei Fleischvergiftung, Wunstvergiftung, Fischvergiftung oder Pilzvergiftung bildet die sofortige Anwendung des rasch und zuverlässig wirkenden-y,Franzj o a e f "-Bitterwassera eih^uß^rördentlioh wxcht^gesjHi^smitteLl Fragen Sie Ihren Arzt. . ' - v! ' : :y, V zugehen, daß die bezüglichen ämtli'cKen Verfügungen bis-" her nicht ergangen sind.. Sobald dies der Fall . sein wird, werde ich zu denselben von meiner Seite Stellung nehmen. Vorläufig erachte ich als Diskussionsbasis lediglich die von dem Herrn Bundesjug en d f ü h r e r bei -der Arbeitstagung des Oestereichischen Jungvolks am 6. Jänner 1938 zu der in Rede stehenden Frage abgegebene Erklärung. Da diese Erklärung in den Zeitungen nur auszugsweise und unvollständig publiziert wurde, soll im nachstehenden der authentische Text derselben (aus dem Bericht über die Arbeitstagung des Oesterreichischen Jungvolks in Wien vdm 6. bis 8. Jänner 1938) wieder-' gegeben werden. Der Herr Bundesjugendführer führte wörtlich folgendes aus: ■ v , ,Nun muß ich mich noch etwas mit der Situation zwischen uns und jener Jugend befassen, die nicht einem christlichen Glaubensbekenntnis angehört. Eine Frage, die in allernächster Zeit gelöst werden muß. Wenn es unser Prinzip ist, die Jugend christlich, deutsch und sozial gerecht zu erziehen, so kann es jüdischen Eltern unmöglich recht sein, ihre Kinder ins Jungvolk zu schicken. Man hat mir von führender jüdischer Seite auf diesen meinen Standpunkt eingewendet, beim Militär stehe der Jude ebenfalls neben den Christen bei der Feldmesse und mache die katholischen Zeremonien mit. Ich möchte feststellen, daß dieser Vergleich hinkt. Das Jungvolk beschränkt sich nämlich «keinesfalls auf die Feldmesse als Mittel für religiös-sittliche Erziehung, sondern Ich erinnere an die verschiedenen Behelfsbücher, die sich ausschließlich mit religiös - sittlicher Erziehung befassen, an die Pflichtigen Heim stunden usw., und ich kann von einem jungen 'Juden oder v einer jungen Jüdin nicht verlangen, daß sie das alles mitmachen, wenn sie, was Ich annehmen muß, auf den Glauben ihrer Väter Wert legen. Ein junger Mensch aber, der aus einem Kreis kommt, wo auf religiös-sittliche Erziehung bewußt kein Wert gelegt wird, dürfte aber auch kein besonderer Gewinn für unsere Bewegung sein. Wir wollen daher einen Jugendverband schaffen, wo die Jugend jüdischen Glaubens mit ihren berufenen Führern, auf deren Ernennung uns aber ein maßgebender Einfluß zustehen muß, unter sich ist, Dies bedeutet keinesfalls eine Verletzung unserer Verfassung, nach welcher jedem Bundesbürger gleiche Rechte zustehen, sondern das ist die allein mögliche Lösung der Jugendfrage für die Jugend mosaischer Religion, durch welche es der Jüdischen Jugend dann auch möglich sein muß, in die Vaterländische Front zu kommen.' Aus der vorangeführten Erklärung des Herrn Bundesjugendführers ergibt sich insbesondere, daß vor ihrer Abgabe der Union österreichischer Juden Gelegenheit gegeben war, ihre Einstellung zu der Frage der künftigen Organisation der jüdischen Jugend der hiefür zuständigen Stelle bekanntzugeben, ihren Standpunkt und die von ihr für sich in Anspruch genommene Legitimation zu begründen. Die Entschließung der Union österreichischer Juden, die bei dem nichtorientierten jüdischen Publikum die Ansicht erwecken könnte, daß ihren Vertretern vorder AbgabederErklärun g des Herrn Bundesjugendführers am 6. Jänner 1938 kein Gehör gegeben wurde, ist somit irreführend. Hiemit ist für mich ein weiterer Anlaß für eine Erörterung dieser Angelegenheit bis zu ihrer für die nächste Zeit zu gewärtigenden endgültigen Erledigung nicht gegeben. Dr.' Desider Friedmann." ÜensiGu tUtstefc - Srnmetiu^ Gegen den Arieipaiagraph Aus Warschau: In der letzten Zeit häuften' sich bei den Generalversammlungen der polnischen Sportverbände die Anträge auf Einführung des Arierparagraphen und auf Ausschluß der jüdischen. Sportler, so daß sich das Staateamt für Leibesübungen, die oberste polnische Sportbehörde,- zu einer Stellungnahme veranlaßt sah. Der Vorsitzende dieser Behörde, General Olszyna Vilczynski, erließ eine Verfügung, die besagt, daß die Beschlüsse auf Aus-> Schluß der Angehörigen einer anderen Nation dem Weaen des Sports widersprechen und mit den Statuten der Verbände nicht in Einklangs zu bringen'sind. " ■• ■ - ': "' '"' Weiters wird in der Erklärung festgestellt, daß in . die Leitung der Sportverbände Angehörige der nichtpolnischen Nationen berufen werden können, soweit ihre Zahl dem Prozentsatz der Bevölkerung entspricht; Zum Schluß verfügte General Vilczynski, daß sämtliche Beschlüsse, die mit seinem Erlaß nicht im Einklang stehen, zu widerrufen sind und ähnliche Anträge überhaupt nicht mehr zur Beratung zugelassen werden dürfen. EISEN¬ WURSTE I VERTRAUENSWARE DER KENNERS Im Namen des Bundesstaates Oesterreidi! Das Strafbezirksgericht Wien I in Wien als Preßgericht, hat heute in Gegenwart des Privatanklägera Dr. Ernst Feldsberg, in Gegenwart des Privatanklagevertreters Dr. Karl Steiner, in Abwesenheit des Angeklagten Fritz Kolb, in Anwesenheit des Verteidigers Dr. Gottfried Weidenfeld über die Anklage, die der Privatankläger Dr. Ernst Feldsberg gegen Fritz Kolb, 28 Jahre, verheiratet, verantwortlichen Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" erhoben hatte, nach durchgeführter Hauptverhandlung zu Recht erkannt: Der Angeklagte ist schuldig, er habe in Wien als verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung „Die Neue Welt" bei Aufnahme des Aufsatzes „Die Assimilation rührt sich" durch Aufnahme der Stelle: „Ueber Herrn Dr. Feldsberg... als niedrige Verleumdung abgetan wird", in Nr. 706 der genannten Zeitung, deren Inhalt objektiv den Tatbestand der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre gemäß § 491 St. G. begründet, jene Sorgfalt unterlassen, bei deren pflichtgemäßer Anwendung die Aufnahme des strafbaren Inhaltes unterblieben wäre. Er hat hiedurch die Uebertretung nach § 30 Preßgesetz begangen und wird nach dieser Gesetzesstelle zu einer Geldstrafe von 3 0 S (dreißig Schilling), im NEF. zu 24 Stunden Arrest, und gemäß § 389 STPO. zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt. Der Verurteilte wird gemäß 8 43, Abs. 1, Preßgesetz verpflichtet, dieses Urteil in der ersteh oder zweiten Nummer der Zeitung „Die Neue Welt", die nach Rechtskraft dieses Urteils erscheinen wird, in der in § 23 Preßgesetz vorgeschriebenen Weise zu veröffentlichen. Der Antrag des Privatanklagevertreters auf Veröffentlichung des Urteils gemäß 8 43, Absatz 2, Preßgeeetz in der Zeitung „Jüdische Wochenschrift: Die Wahrheit" wird abgewiesen. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.