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Die neue Welt · 1938-02-04 · Heft 724 (4.2.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 724 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Pteitaq, den 4* Febftfar 1938 IS« lahrgang Nr« 724 V* b+!>♦ DIE NEUE" Ii I IV ■mW mm Zeitung vom Verleger versendet Journal expedie par l'6diteura Titl. Vn\ .iversitötsbibUotbck REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ßEZUGSßBDINGUNGßN:.üestenfeich monatlich 8 1.40, vierteljährig a 4.—, ganzjährig a iö.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Ke 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutsehland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—j Schwele und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung. IX, Universitätsstr. 8,7et. A-20-2-78 Erscheint Dienstag u. Freitag //Jedes Land ernähre §eme Juden selber" Welch schöner und edler Gedanke, jetzt von ein paar österreichischen Blättern ausgesprochen, die hinter einer Humanitätsfassade ihre antisemitischen Tendenzen verbergen wollen! Juden müssen wieder wandern — das alte Los! Man nimmt ihnen den Bissen Brot vom Mund, verfemt sie, entrechtet sie und zwingt sie, ihre Wohn statten zu verlassen. Aber selbst unter diesem harten Zwang klammern sie sich heute noch an ihre Heimat, eelbst unter den ungünstigsten Bedingungen wollen sie dort, wo sie geboren, also bodenständig sind, weiter bleiben und weiter leiden ... Die rumänische Katastrophe benützen bei uns die Hetzblätter, um wieder das alte Lied zu sinken: vom Juden, der hierherkommt und dem einheimischen Kaufmann und Gewerbetreibenden Konkurrenz macht. Diese Presse und ihre Hintermänner, darunter Funktionäre verantwortlicher Stellen, wollen der Welt einreden, daß man die „einheimische Bevölkerung" vor einer Invasion' fremder, diesmal rumänischer, Juden schützen müsse, da sonst die Wirtschaft dieses Staates und der Stadt Wien in Gefahr geraten könnte. Die ganze Zeit hindurch kann man lesen ..und hören, daß die österreichischen Kaufleute und Gewerbetreibenden einen schwierigen Existenzkampf führen. Man schützt sie, indem man keine weiteren Konzessionen ausgibt, die Gewerbeordnung erschwert, die Zuteilung von Arbeitsbewilligungen einstellt. In allen Bezirken, insbesondere in den einst belebten Geschäftsvierteln, sieht man gesperrte Läden, leere Büros. Banken und Versicherungsgesellschaften haben zahllose Angestellte, hauptsächlich Juden, abgebaut, aufs Pflaster geworfen. Der Wirtschaftsraum für alle Berufe ist so eng geworden, daß für neue Elemente nicht die geringste Chance besteht. Nur der geschickten Gesamtführung des Staates haben wir es zu verdanken, daß das wirtschaftliche Gleichgewicht nicht gestört ist. Aber zu glauben, daß das Land die Möglichkeit des Aufbaues neuer Positionen oder der Schaffung neuer Posten bietet, wäre eine bittere Illusion. Die Schwierigkeiten des Berufslebens zeigen sich deutlicher als anderswo im jüdischen Sektor. Die jüdischen Staatsbürger Oesterreichs haben schwer ums Brot zu kämpfen. Sie sehen für ihre Kinder kaum eine Möglichkeit, eine Existenz aufzubauen, da heute schon für sie nicht einmal die Chance besteht, eine Lehrlingsstätte zu finden. Man hält Ausschau. Ueberall Dunkel, versperrte Wege. Die Parole „Christen, kauft bei Christen" hat den latenten Antisemitismus zu praktischer Wirksamkeit gebracht. (Das weiß man natürlich auch außerhalb der Grenzen Oesterreichs.) Täusende jüdische Familien sind auf die Unterstützung der Wiener Judengemeinde angewiesen, aber die begrenzten Mittel vermögen nur zu lindern, nicht zu heilen. Und: da gibt es bei uns eine Presse, die sich nicht schämt, von einem Zuzug ausländischer Juden zu sprechen, die sich nach Wien durchschmuggeln, um liier das große Glück zu machen! Unsere Stammesgenossen —■ beispielsweise in Rumänien — wissen ganz gut, wie es um die Existenzmöglichkeiten in Oesterreich bestellt ist. Sie können ohne Reue die Reisekosten sparen und bei sich zu Hause den letzten Rest ihrer Habe aufzehren, statt hier in Wien die Zahl der erwerbslosen Juden zu vergrößern und den ohnehin mageren jüdischen Hilfsorganisationen zur Last zu fallen. Wenn Oesterreich schon nicht in der Lage ist, „seine Juden selber zu ernähren", so wird es. zweifellos für die auswärtigen Juden keine Attraktion sein. Eine Schwalbe macht keinen Sommer und ein paar rumänische Juden machen keine ,,Ueberfremdung" aus. Nur nicht übertreiben, nur nicht hetzen! Oesterreich ist kein Dorado für „Zugereiste". Im Gegenteil: ein harter Boden für alle. Und darum bleibt man lieber zu Hause, auch wenn es zur Zeit nicht gerade rosig ist. Auf keinen Fall aber darf man der Welt einzureden versuchen, daß sich — zur Abwechslung — jetzt rumänische Juden darum reißen, in Oesterreich Gepchiiftö zu machen, Die judischen Petitionen in Genf Aus Genf berichtet die J. T. A.: Das Sekretariat des Völkerbundes hat bereits der rumänischen Regierung die vier jüdischen Petitionen überreicht, welche sich' mit den letzten Verordnungen gegen die rumänischen Juden beschäftigen. Sobald die rumänische Regierung ihre Bemerkungen hiezu formuliert haben wird, werden diese, zusammen mit den Petitionen, durch das Dreier- Komitee (Eden, Delbos und der persische Vorsitzende) behandelt werden, welches zu diesem Zwecke vom Völkerbund eingesetzt wurde. Zionistische Delegation nach London Aus Bukarest meldet P. A. T.: Demnächst wird sich eine zionistische Delegation von Rumänien nach London begeben, um der englischen Regierung ein Memorandum zu übergeben, das die Aufhebung der Einwanderungsbeschränkungen nach Palästina fordert. Ein Fiasko Micescus Aus New York (J. T....A.): Die in New York erscheinende ungarische ./| Zeitung „Amerika . Magyar Nepszava" meldet aus Genf, daß die ungarische Delegation beim Völkerbund den Vorschlag Micescus, Rumäniens Haltung im Völkerbund bezüglich der Behandlung der jüdischen Minderheit Rumäniens zu unterstützen, abgelehnt habe. Micescu habe dafür versprochen, der ungarischen Minderheit in Rumänien gewisse Konzessionen zu machen. Die ungarische Delegation hat aber erklärt, daß die ungarische Regierung keinerlei Unterschied zwischen den Bürgern bezüglich ihrer rassischen Abstammung mache. Bruchbänder, wie der Arzt sie verlangt... Bruchleidende, Achtung 1 Bruchbänder sind keine Massen-, l artikel. — Wenden Sie sich deshalb an unsere Fach- Firma : Unser „HERNI ASTA T"-Brucht>and wird ' jedem Einzelfall sorgfältigst angepaßt, daher absolut verläßlich. Ohne Druck, ohne Beschwerden, auch in schweren Fällen empfohlen. Beratung unverbindlich. 5 Probierkabinen. Taborsir. 22 Tel. R-42-5-4Q Bnndacgen-rtlTholgsch RUNDSCHAU Die Tür weisen Im Zusammenhang mit unserem Artikel „Erstunken und erlogen" („Die Neue Welt" vom 1. Februar 1938) erhielten wir zahlreiche Zuschriften jüdischer Gewerbetreibender, die uns mitteilen, daß sie ohne Aufforderung ihrerseits die Zeitschrift „Wiener Gewerbe" zugeschickt bekommen, aber kein Interesse an einem Blatt haben, das in gehässigster Weise die jüdischen Gewerbetreibenden, also sie selbst, angreift und beschimpft. In einigen Zuschriften wird über die Zumutung Klage geführt, derlei schändliches Zeug lesen zu müssen, und gefragt, ob man vielleicht gar die jüdischen Adressaten verhalten werde, die Abonnementgebühr für das „Wiener Gewerbe" zu zahlen. Denn eine Zusendung des Blattes an Menschen, die man nicht als Abonnenten gewinnen will, könnte nur als Provokation ausgelegt werden. Wir empfehlen den Zusendern der Zuschriften an uns und den anderen jüdischen Gewerbetreibenden Wiens, das Blatt zurückzuschicken, d. h. mit dem Vermerk Nicht angenommen" in den Briefkasten zu werfen, und jedem Vertreter desselben, der etwa nach Ablauf einer gewissen Zeit eine Bezugsgebühr einheben wollte, die Tür zu weisen. Jede andere Antwort auf die Unverfrorenheit, jüdischen Gewerbetreibenden eine antijüdische Boykott-Zeitung ins Haus zu schicken, erübrigt sich. //HosfienffSdiändung'' Vor einiger Zeit hatten der „Stürmer" und die „Essener National-Zeitung" unter dem Titel „Eine unerhörte Herausforderung der christlichen Bevölkerung" die Mitteilung gebracht, daß der niederösterreichische Gutsbesitzer, Direktor Hugo Schwarz, ein Jude, Hostienabf älle zum Zwecke der Tierfütterung, verwende. Direktor Schwarz hat gegen den österreichischen Urheber dieser Legende die Klage eingereicht. Nunmehr veröffentlichte die „Sti-Pöl'tner Sonntags-Zeitung" Nr. 3 vom 15. Jänner folgende Erklärung: „Eine unerhörte Herausforderung der christlichen Bevölkerung. , Herr Alexander S t i p e t i c, früher verantworte licher Schriftleiter der „Aspanger Sonntagspost", bzw., der „St.-Pöltner Sonntags-Zeitung", der „Stockeraue» Zeitung", des „Wr.-Neustädter Volksblattes", gibt auf Grund der Aufklärungen, die ihm im Ehrenbeleidigungs-. prozeß, welchen Herr Hugo Schwarz gegen ihn angestrengt hat, zuteil wurden, folgende Erklärung ab: Ich halte die Beschuldigungen, denen zufolge durch Verschulden des Herrn Hugo Schwarz auf dessen Gut Hostienabf älle zu Zwecken der Tierfütterung verwendet wurden, nicht aufrecht. Es hat sich ergeben, daß. Herr Hugo Schwarz seit längerem zu Zwecken der Tierfütterung von der christlichen Wiener Firma Georg Kaltenhäuser, Wien, XIX., Backoblattenabfälle bezieht und daß ihm von dieser Firma, ohne sein Wissen, einmalig. Abfälle der Hostienerzeugung geliefert wurden. Herr Alexander Stipetic erklärt daher, die Beleidigungen des Inhaltes: ,Der Vorfall, der in seiner unglaublichen Niederträchtigkeit eine Beleidig gung der ganzen Bevölkerung und ihrer Religion darstellt...' und ,wie notwendig es ist, endlich einmal derartiger jüdischer Gemeinheit und Frechheit Einhalt zu tun', zu bedauern. Er hat es übernommen, zu den Kosten des Verfahrens einen Beitrag von 40 Schilling zu leisten." Ein großer Teil der österreichischen Provinzpresse, der unter reichsdeutschem Einfluß steht und von München und Berlin her unterstützt und gratis mit Nachrichten und Bildern vex-sorgt wird, treibt andauernd eine infame Judenhetze. Die oben erwähnte Lüge von der jüdischen Hostienschändung ist hur ein Ausschnitt. Leider dulden die zur Hintanhaltung von Verhetzung berufenen Behörden, vor allem die Staatsanwaltschaft, diesen immer ärger werdenden Unfug. Auch die an das Blutmärchen heranreichende Falsch- KOHLE kok« auw^ir KOK* ANTHRACIT BUCHENHOLZ BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. ü-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch |C Zweimal täglich Elliustellung nach allen Bezirken ~?Jcj

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