Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 723 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 723 vom 1. Februaf 1938 DIE NEUE WEL1 Seite I Cfnfdiränkung der jüdi'fdien Wirffdtaft fnDeutldiland Die erste Verordnung des neuen Reichswirtschaftsministers Ein Vortrag Madiowers Aus London wird uns berichtet: In der „Great Synagogue Guild for Social Service", deren Präsident Lyonel de Rothschild ist, hielt Dr. I. M. Machowe r, Mitglied der Weltleitung der Judenstaatspartei, einen Vortrag Über die politische Lage. Der Vorsitzende eröffnete die glänzend besuchte Versammlung, indem er Doktor Machöwer als eine der ersten Autoritäten in Palästina-Fragen begrüßte und auf Machowera wertvolle Schriften über Palästina hinwies. Dr. Machower schilderte die Entwicklung der Palästihä-Pölitik nach Ver- Öffentr-hung des Peel-Berichte« und der letzten Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes und des Völkerbundrates. England, welches vorerst die Annahme des Teilungsplanes von der Mandatskommission forderte, mußte angesichts der Widerstände in der Kommission steine Haltung ändern. Der englische Vertreter-verlangte dann, die Kommission und der Rat mögen sich ausschließlich mit def Frage der Undurchführbarkeit des Mandats beschäftigen und andere Probleme nicht berühren. Die Kommission lehnte dies Jedoch ab und tatsächlich wurden alle grundsätzlichen Fragen des Mandats und das Verhalten der Palästina- Regierung durch die Kommission ausführlich behandelt. Aue den Erklärungen des britischen Vertreters vor der Kommission ging hervor, daß die englische Regierung eine grundsätzliche Aenderung in der Palästina- Politik vornehmen Wollte. So behauptete der britische Vertreter beispielsweise, daß nicht das jüdische Nationalheim Ziel des Mandats sei. Er behauptete welters, daß das Prinzip der wirtschaftlichen Auf üähmsf ähigkeit des Landes als Maßstab für die jüdische Einwanderung durch Erwägungen politischer Natur ersetzt werden müsse usw. Die Mandatskommission sprach aber unverhohlen aus, daß sie diese Auffassung nicht teüen könne. In seinem Re8ün\ee führte der Vorsitzende der Kommission aus, daß die Schaffung eines Judenstaates auf einer kleinen Fläche, wie Sie im Peel-Bericht vorgesehen ist, nicht dem Geiste der Balfour- Deklaration entspreche, insbesondere dann, wenn ein Bevölkerungsaustausch unmöglich sei. (Der Kolonialminister Ormsby-Gore hatte nämlich ausgesagt, daß die Mandatarmacht die Vorschläge der Peel-Kommission betreffend den Zwangsaustausch der arabischen und jüdischen Bevölkerung nie angenommen habe und auch jetzt ablehne.) Der Vorsitzende der Mandatskommission führte weiter aus, daß es ein Unglück sein würde, einen Judenstaat zu gründen, der lebensunfähig wäre, und so zu konstruieren, daß seine Schaffung das Ende derBalfour- Deklaration bedeuten sollte. In der Frage der jüdischen Einwanderung lehnte die Mandatskommission den Vorschlag des englischen Vertreters ab und beharrte auf dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit. Im großen und ganzen bedeuteten die Resolutionen der Mandatskommission des Völkerbundrates, daß die Auflassung des Mandats und die Teilung Palästinas von beiden Körperschaften abgelehnt werden. Dr. Machower unterzog sodann den Plan des früheren politischen _ Sekretärs Weizmanns, Leonhard Stein, einer Kritik und stellte fest, daß dieser Plan die Teilung Palästinas ohne Gründung eines Judenstaates bedeute. Leonhard Steins Plan hat alle Fehler des Teilungsplanes der Peel-Kommission, ohne ihre angeblichen Vorteile. Machower drückte zu Ende seines Vortrages seinen Glauben an den endgültigen Triumph von Gerechtigkeit und Wahrheit aus. Die Erklärung von Lloyd George im Unterhaus, daß Wortbruch keine Eigenschaft Englands sei, daß England den Juden ein festes und feierliches Versprechen gegeben habe und dieses Versprechen unter allen Bedingungen einhalten müsse, entspricht der öffentlichen Meinung Englands, wie sie im Parlament und in der Presse zum Ausdruck kommt. Darauf stützt sich der Glaube Dr. Machowers an den Sieg der zionistischen Sache. Nach einer kurzen Diskussion und nachdem der Vorsitzende namens der veranstaltenden Organisation und die Deputierten Mister Zeitlin und Mendelowitsch namens der Zuhörer Herrn Dr. Machower für seine glänzenden Ausführungen gedankt hatten, wurde die Versammlunggeschlossen. Boykoflpo§ten — nationale Pflicht Sondorbares Gerichtsurteil Aus Warschau wird gemeldet: Das Gericht in Tozew, an der Danziger Grenze, verurteilte die jüdische Ladeninhaberin Liebe Maczelawa zu zwei Wochen Arrest und 00 Zloty Geldstrafe, weil sie einen vor ihrem Laden stehenden nationaldemokratischen Boykottposten beleidigt hatte. In der Urteilsbegründung heißt es: „Die Boykottposten erfüllen eine nationale Pflicht und dürfen daher nicht beleidigt werden." Zar jüdischen Auswanderung: Im Außenaueschuß des Senats wurde bei der Beratung des Budgets des Außenministeriums u. a. ausführlich das Problem der Auswanderung der Juden aus Polen besprochen. Der Berichterstatter, Senator Goluohowaki, erklärte, infolge der fortschreitenden Uebervölkerung des Landes und der Verarmung der breiten Schichten der Bevölkerung, insbesondere der j Bauernschaft, sei die Auswanderung der Juden aus Polen , zur Notwendigkeit geworden. Die Erschließung von; Aus Wanderungsgebieten für die Juden sei eine Angelegenheit der gesunden Vernunft, J Wie die J. T. A. meldet, hat der deutsche Reichswirtschaftsminister Göring eine Kontrolle sämtlicher jüdischen Firmen in Deutschland verfügt, um festzustellen, welche Rolle sie heute noch in der deutschen Industrie spielen. Die Verordnung sieht für die jüdischen Unternehmungen weitere drastische . Beschränkungen in der Erlangung von Rohstoffen und ausländischen Zahlungsmitteln vor. Sie ist die erste j ausgesprochen antijüdische Verordnung des Reichswirtschaftsministeriums seit dem Rücktritt Doktor Schachts und enthält die folgenden Bestimmungen: 1. Es wird geprüft werden, ob die Einfuhrquoten der jüdischen Firmen mit der weiteren Entwicklung der deutschen Wirtschaft vereinbar sind. 2. Die Quoten der jüdischen Firmen werden generell um 10 Prozent gekürzt und die Firmen von der begünstigteren Behandlung bei Erlangung von Rohstoffen ausgeschlossen. 3. Desgleichen werden auch die Quoten betreffend Erlangung heimischer Rohstoffe überprüft. Zur Anleitung werden Definitionen dafür gegeben, wann eine Firma als „j ü d i s c h" anzusehen ist. Der „arische" Mistkübel Das Reichsgericht in Leipzig hat ein erstgerichtliches Urteil bestätigt, demgemäß ein jüdischer Geschäfts- AUS ALL Raub Aus Bukarest. (J. T. A.) Das offizielle Publikatiohsorgan der Regierung, „Monitorul Ofic i a 1", veröffentlicht ein Dekret, laut welchem die Enteignung zahlreichen jüdischen Haus- und Landbesitzes in der Provinz Bukowina und deren Hauptstadt Czernowitz zwecks Zuführung dieses Besitzes der „öffentlichen Nutzbarkeit" verfügt wird. Das Dekret sieht u. a. vor die Enteignung des Jüdischen Hauses in Czernowitz, fünf weiterer, jüdischen Privatpersonen gehörender Häuser in Czernowitz sowie eines Grundstückes in dem Kurort Vatra-Dornei, welches der jüdischen Kultusgemeinde von Wiznitz gehört. Der beschlagnahmte Besitz wurde dem Metropolitan-Amt der Griechisch-Orthodoxen Kirche überwiesen. Das beschlagnahmte Jüdische Haus in Czernowitz ist eine der schönsten Bauten der Stadt und beherbergt die hervorragendsten Institutionen der mehr als 50.000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde, die Besitzerin des Prachtgebäudes ist. Das Industrie- und Handelsministerium ersuchte alle Präfekten, Namenslisten der Besitzer jener Unternehmungen einzusenden, die in der letzten Zeit geschlossen wurden. Man glaubt, daß jüdische Unternehmer, die ihre Betriebe infolge der antisemitischen Politik der Regierung stillgelegt haben, zur Rechenschaft gezogen werden sollen. JudUsdte Einwanderung nach Brasilien möglich Einige nordamerikanische Zeitungen verbreiteten die Nachricht, daß die brasilianische Regierung ein Einwanderungsverbot für Juden aus Deutschland erlassen habe. Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs detUölteftiuMdeeSmm... Samstag, den 12. Februar 1938, in sämtlichen Sälen des „Hotel Metropole", I, Morzinplatz Qe$ett$tiMfi$ MeuA AUadmU I Jamvz, Es wirken mit: Sarah G o I d s t e i n, die weltberühmte Sängerin; Oskar W e 11 x n e r, der 15jährige Violinvirtuose; Edmund MUhlStock (Bariton); Trude Roth (Vortragskünstlerin). Im kleinen Saal singt und spielt Lilly Holpern. Jazzkapelle Elite Klddles Kartenä ä 2.50 (an der Kassa erhöhte Preise) Saaleröffnung 8 Uhr / Vorverkauf: Im Zentralheim, II, Praterstraße 30, Tel. R-45-1-60-U; bei Frau Paula Stricker, Telephon U-21-.7-7S; ferner in allen Sektionen inhaber, der von seiner arischen Ladenangestellten sich etwas zum Essen bringen Heß, auf Grund der Nürnberger Gesetze, wonach Juden Arierinnen unter 45 Jahren im Haushalt nicht beschäftigen dürfen, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. In der Begründung des Urteils durch das Reichsgericht werden folgende Tätigkeiten angeführt, die ein jüdischer Geschäftsinhaber von seinen weiblichen arischen Angestellten unter Strafe nicht verlangen darf: Hinzuschaffen von Milch und Butter vom Geschäft des jüdischen Geschäftsherrn in dessen für das Geschäft, wenn die jüdischen Geschäftsherren und Haushaltuiigsvorständc auch davon trinken; Einkauf von Backwaren und Erfrischungen Im Geschäft, soweit auch die jüdischen Geschäftau herren dadurch verpflegt werden; Heraufholen von Wasser znr Wohnung des jüdisc'—:n Haushalts, zum Zweck der Unterstützung der jüdischen Haushälterin; Hinunterlangen des Ascheneimers; Heraufholen von K o h 1 e n in die Wohnung; SpazierettfUhren der Kinder des jüdischen Geschäftsherrn von der Wohnung zum Geschäft und zurück; Einkaufen von Lebensmitteln und Haushaltsbedarf und Ueberbringen des Eingekauften in die Wohnung. ER WELT Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, hat der brasilianische Justizminister in einer Presseerklärung die Nachricht energisch dementiert, indem er .erklärte, die Einwanderung bleibe nach wie vor jedem gestattet, der unter Innehaltung der Einwanderungsgesetze ins Land komme, um in Anstand und unter Beachtung der Landesgesetze sein Brot zu verdienen. Vor kurzer Zeit bereits hatte der Justizminister mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß die in der letzten Zeit getroffenen Maßnahmen gegen die als „T o u r i s t e n" ins Land gekommenen Emigranten jeglichen antisemitischen Charakters entbehren, sondern sich ganz allgemein gegen alle illegal Eingewanderten, ohne Rücksicht auf ihre Nationalität, Rasse oder Religion richten. Die Schweizer „Frontisten" Aus Bern: Der neue Landesführer der „Nationalen Front", der schweizerischen Nachahmung der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands, Dr. T o b 1 e r, kündigt an, daß die Landesleitung eine Volksinitiative zur Neuregelung der rechtlichen Stellung der Juden in der Schweiz einleiten wolle. Zur Statuierung einer Volksabstimmung ist ein von mindestens 20.000 Abstimmungsberechtigten unterfertigter Antrag notwendig. Im allgemeinen nimmt man diese Aktion der Frontisten nicht sehr ernst. Man hält sie für einen Versuch, die eigene Schwäche, die sich in der jüngsten Fuhrerkrise äußerte, zu maskieren. Queipo de Llano straft die Juden Sevillas Aus Gibraltar (J. T. A.): Nach verläßlichen Informationen hat der Franco-General Queipo de Llano, der wegen seiner judenhetzerischen Rundfunkreden bekannt ist, der sehr kleinen jüdischen Gemeinde Sevilla eine Kollektivstrafe von 138.000 Peseten auferlegt. Der General hat den Juden von Sevilla schwere Repressalien angedroht, falls diese Summe nicht bald voll eingezahlt wird. Schenker und Bosch-Mercedes entlassen ihre jüdischen Auslandsvertreter Aus Sofia (J. T. A.): Die reichsdeutsche Transportfirma Schenker und die Autoflrma Bosch- Mercedes haben ihre jüdischen Vertreter in Bulgarien entlassen und durch Arier ersetzt. Tschechisch-Arisches Aus Prag (J. T. A.): Am 28. Jänner fand eine Sitzung der Prager Aerzte statt. Im Verlauf der Sitzung kam es zu erregten Szenen, als über den Antrag beraten wurde, der Bücherei des antisemitischen Studentenvereins „Spolek ceskych mediku" eine Unterstützung von 5000 tsch. K zukommen zu lassen. Es wurde darauf hingewiesen, daß dieser Verein im vergangenen Jahre etwa 500 Studenten aus der Mitgliederliste gestrichen hat, nur weil sie Juden waren oder aus anderen Gründen der Leitung nicht entsprachen. Schließlich wurde nach hartem Kampf eine Resolution angenommen, derzufolge der Betrag woru bewilligt wurde, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Bücherei allen tschechoslowakischen Studenten ohne Ausnahme zugänglich gemacht wird. Ein Börsenmanöver Das „Prag er Tagblatt" meldete am 28. Jänner: An der gestrigen Börse war eine Briefaffäre das allgemeine Gespräch. Nahezu bei allen Banken und