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Die neue Welt · 1938-02-01 · Heft 723 (1.2.1938) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 723 (1.2.1938)
Date
1938-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite« DIE NEUE WEl/E Nr. 723 vom 1. Februar 193* Bankier« waren mit der Maschine geschriebene und bei verschiedenen Post&mtern in Pragaufgegebene Briefe eingelaufen, in denen angekündigt wurde, daß im Zuge der geplanten K abd n e 11 sr e kons tr u k ti on auch in der Tschechoslowakei nach rumänischem Muster ein a n t ijüdischer Kurs eingeschlagen werden soll und daß durch eine derartige Politik zweifellos der Kursstand der Dividendenwerte leiden müßte. Die Börsenbesucher nahmen das durchsichtige Börsehmahöver nicht wichtig. Immerhin sahen sich das Börsenpräsidium und der Regierungskommissär genötigt, ein Verfahren einzuleiten. Die Polizei versucht, die anonymen Schreiber zu eruieren. Der Ehebruch — ein Segen Aus Berlin: Das Landgericht Frankfurt am Main hatte durch Urteil vom 14. September 1937 einen 26jährigen Angeklagten von der Anschuldigung der Rassenschande freigesprochen, obwohl seine beiden gesetzlichen Eltern Juden waren. Nach der Verhaftung des Täters hatte seine Mutter die eidesstattliche Versicherung abgegeben, daß der wirkliche Vater des Angeklagten nicht ihr Ehegatte, sondern ein 1920 verstorbener deutschblütiger Freund des Hauses gewesen sei. Der Mann bestätigte als Zeuge unter Eid diese Aussage: Seine Frau habe sich ihm nach der Geburt des Sohnes offenbart und er habe ihr und dem Freund verziehen. Das Landgericht hatte den Freispruch damit begründet, daß sich der Angeklagte nicht für einen Volljuden gehalten habe. Tod und Todesursache unter den Berliner Juden Aus Berlin: Eine wissenschaftliche Arbeit, die von zwei früheren Berliner Privatdozenten unter dem Titel „Tod und Todesursache unter den Berliner Juden" veröffentlicht wurde, mußte kurz nach Erscheinen zurückgezogen werden. Auf Anordnung der Gestapo ist bei der zweiten Auflage das Kapitel über Selbstmorde der Berliner Juden weggefallen. Die Selbstmordziffer sprach offenkundig eine zu deutliche Sprache. 49.800 Juden wanderten 1936 in verschiedenen Ländern ein Aus Prag: Gemäß den Feststellungen des „Büros für Statistik der Juden" in Prag sind im Jahre 1936 in die hauptsächlichsten Einwanderungsländer 49.800 Juden eingewandert, und zwar in.Pa 1 ästina 29.727, den Vereinigten Staaten 6552, Kanada 880, Kuba 338, Brasilien 3450, Uruguay 1262, , Argentinien 4261, Südafrika 3330. Ecuador weist Juden aus Aus London: „Times" meldet aus New York, daß die Regierung der südamerikanischen Republik E cuador mittels Dekret angeordnet hat, daß alle nicht in der Landwirtschaft tätigen ausländischen Juden binnen dreißig. Tagren. das Territorium der Republik, zu verlassen haben. Das Dekret ist von der Provisorischen Regierung des Obersten Alberto Enri quez unterzeichnet, welche ihre Maßnahmen damit begründet, daß eingewanderte Juden nicht, wie von ihnen erwartet worden war, neue Farmen gegründet haben, sondern sich in den Städten ansiedelten. Die Ausweisung dieser Juden sei deshalb diktiert, von der Notwendigkeit, „den Staatsbürgern sowie den anderen ansässigen Ausländern den normalen Verfolg Ihrer Geschäftstätigkeit zu garantieren, und zu verhindern, daß unerwünschte Ausländer unter Verletzung der normalen Gesetze Geschäfte machen". Nachrichten aus Palästina Neue Todesopfer Aus Jerusalem wird gemeldet: Der eine der beiden sephardischen Juden, die bei dem Bormbenüberf all auf ein jüdisches Lastauto bei Jerusalem lebensgefährlich verletzt wurden, der 24jährige Nissim. Duranyi, ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Er hatte bei dem Ueberfall ein. Auge verloren. Seine Leiche wurde noch im Laufe der Nacht nach Rechobot überführt, wo die Beisetzung erfolgen wird. Der zweite Verletzte, der 25jährige Mosche L u 1 u, ringt mit dem Tode. Die polizeilichen Untersuchungen haben ergeben, ' daß die Spur der Mörder Duranyia in .das arabische Dorf L i f t a führt, in dessen Nähe der Ueberfall erfolgte. Lifta ist ein berüchtigtes Mordneat. Es befindet sich dort das Hauptquartier der Terroristen. 850 neue jüdische Polizisten Die Palästina-Regierung hat beschlossen) 8 5 0 neue jüdische Polizisten einzustellen. An Orten, wo sich in den letzten Tagen die TJeberfäUe auf jüdische Autobusse häuften, sind spezielle Wachtposten aufgestellt worden. Die Chauffeure der jüdischen Autobusse sind bewaffnet worden. 54 bucharische Juden verhaftet An der syrisch-palästinensischen Grenze sind insgesamt 54 Juden aus Buchara, unter ihnen 8 Frauen und 20 Kinder, bei dem Versuch, ohne Visa nach Palästina zu kommen, verhaftet worden. Sie wurden ins Ge- £tognjft gebracht, wo eines der Kinder «tarb. Wir bitten für unsere alten u. arbeitsunfähigen BLINDEN um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klavierstimmer, Korbu. Sesselflechtertowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit tiiiiweteih m www» det jüdische* Blutden. Wien II, Rembrandtstraße 18 — Telephon A 47-2-77 Posisparkassen-Konio A-133.213 Ein jüdischer Polizist zum Tode verurteilt Das Kriminalgcricht in Haifa hat den jüdischen Polizisten Mordechai Schwarz, der angeklagt war, am Oktober 1937 den auf der Sommerresfdenz des High Commissioner Sir Arthur Wauchope in Athlit auf Wachtposten stehenden arabischen Polizisten Mustapha Houri erschossen zu haben, zum Tode verurteilt. Der Prozeß gegen Schwarz hatte am 19. Jänner begonnen. Aus Jerusalem wird hiezu gemeldet: Dem vom Kriminalgericht in Haifa wegen Tötung eines arabischen Polizisten zum Tode verurteilten jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz ist das Recht zuerkannt worden, gegen das über ihn verhängte Urteil zu appellieren. Schwartz, der 24 Jahre alt ist, ist Mitglied des „Hapoel Hamisrachi". Er wanderte vor fünf Jahren aus der Tschechoslowakei in Palästina ein. * Richter Trusted, der die Verhandlung leitete, erklärte, daß aus dem Beweismaterial ersichtlich sei, es habe sich um einen vorbedachten Mord gehandelt, womit er die Darstellung der Anklage, es sei ein impulsiver Racheakt als Vergeltung für einen kurz vorher ausgeübten Mord an Juden in Karkur gewesen, zurückwies. Sabbat in Tel-Aviv . Aus Tel-Aviv: Mehrere Tel-Aviver Kaffeehausbesitzer, die sich weigerten, einer am 19. Jänner in Kraft getretenen neuen Stadtverordnung zu entsprechen und ihr Lokal am Sabbat abend um 10 Uhr zu schließen, erschienen heute vor dem Magistrat und wurden zu Geldstrafen verurteilt. Ein sensationelles Gerichtsurteil Aus Jerusalem (Palcor):: Ein Gerichtsurteil rief in Tel-Aviv große Sensation hervor. Jakob M e 1 n i k aus Polen stand unter der: Anklage, Polygamie begangen zu haben. Er heiratete drei Frauen. Melnik, wurde jedoch mit der Begründung freigesprochen, daß nach palästinensischem Gesetz Polygamie nicht strafbar sei. „Jüdische Rundschau" verboten Aus Prag (J. % A.): United Press meldet aus Berlin, daß die „Jüdische Rundschau" auf eine befristete Zeit verboten wurde. „Wie ich Rumänien sah." Unter diesem Titel spricht Bruno Heilig, der kürzlich im Auftrage mehrerer in- und ausländischer Blätter als Berichterstatter in Rumänien weilte, über seine Reise. Dieser Vortrag, der infolg* seiner Aktualität allgemeinem Interesse begegnet, findet am Donnerstag, den 3. Februar 1938, halb 9 Uhr abends, int großen Vortragssaal des Jüdischen Klubs der Jußgen, Wien, I., Franz-Josephs-Kai 3, statt. „Palästina." Zeitschrift für den Aufbau Palästinas. Herausgeber Adolf Böhm. Jännerheft 1938. Inhalt: „Die Siedlungskapazität der Orientländer" vort Dr. Alfreö Bonne (Jerusalem). — „Daf* SteucrwesenimkünftigenJudenstaa t", von Dr, Kurt Ball (Berlin). — Rundschau: „Das neue Weißbuch", von Dr. Alfred Michaelis (Tel-Aviv). ~- Kulturelles Leben: „Der Buchhandel in Palästina", von Herbert A. Stein (Tel-Aviv). — Administration: Wien, XVII., Kalvarienberggasse 32. Neue Filme Katharine Hepburn und Ginger Rogers in „Stagci Door". Viele junge Mädchen müssen hart kämpfen, ehe ihnen das Zauberreich des Theaters seine Pforten öffnett Aber wenn sie, wie die beiden Heldinnen des Films „Stage Door" (Rivalinnen), die von Katharine Hepburn und Ginger Rogers dargestellt werden, den Mut doch nicht sinken lassen, so halten sie durch, bis sich ihr Schicksal froh gestaltet. Die Premiere des RKO.-Radio-Films „Stage Door" (Rivalinnen) findet Dienstag im Rotenturm- und Votivpark-Kino statt. KINOsPROGRAMME Ichweden Greis Garbo, Charles Boyer äääs „Bin SäRkT Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen Schlagarfilm In jiddliKher Sprache ^feugarten- Kino H II, Untere Augarten Straße 28 Talophon A-40-5-98 Beginn: a/44, \,6, ',,8 V.lOUhr Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei-, und, V.erlags-A.-G. Ignaz Steinmann, alle Wien, IX., Universitätsstraße 6-8. 3iis etfiiis öcs 5Wc: ♦ ♦ ♦ Me „SBeifce fteftett'SBorfje" frei ®d)iffttt<tmt USffi kleinen ^(nseisen «*»fe«-»^ — 3tocrBUtcifc! Ab 2 Groschen lOOOe Spitzen-Reste für Wäsche und Vorhänge per Meter oder Valencienne-Spltzen und Einsätze in 11-Meter-Coupons per Meter. — Klöppelspitzen, weiß, ecrü und bunt 5 Groschen per Meter, Organdy-Resterl f. Kragerl oder Rüschen, In Pastellfarben, per Stück 5 Groschen bei Schiffmann. 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